Kommentar

Fall Fischer: SRF konnte gar nicht anders

Marco Diener © zvg

Marco Diener /  Fernsehen SRF hat über die Urkundenfälschung berichten müssen – und zwar so rasch wie möglich. Valable Alternativen gab es nicht.

Die Kritik am Fernsehen SRF ist heftig: Es hätte gar nicht über die Urkundenfälschung des damaligen Eishockey-Nationaltrainers berichten sollen. Und wenn doch: Dann nicht knapp fünf Wochen vor der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Ist die Kritik berechtigt? Ich finde nicht.

Eigentlich hatte Fernsehen SRF vier Möglichkeiten:

1. Sofort veröffentlichen

Patrick Fischer plauderte am 18. März bei einem Mittagessen im Rahmen von Dreharbeiten für einen «10 vor 10»-Beitrag aus, dass er vor den Olympischen Spielen 2022 in Peking ein gefälschtes Impfzertifikat beschafft hatte. SRF hätte sogleich darüber berichten können. Doch was wäre gewesen, wenn Fischer bloss geprahlt hätte?

Nein, Fernsehen SRF besorgte – wie es sich für ein seriöses Medium gehört – zuerst den Strafbefehl. Auch wenn unglücklicherweise in der Zwischenzeit die Sportlerwahl «Swiss Sports Awards», an der Fischer geehrt wurde, stattfand.

2. Wie geplant veröffentlichen

Eigentlich hatte SRF geplant, den Beitrag über Patrick Fischer unmittelbar vor dem Start zur Eishockey-Weltmeisterschaft auszustrahlen. SRF hätte an diesem Plan festhalten können. Dann wäre die Bombe wenige Tage vor der Weltmeisterschaft geplatzt.

Wäre das wirklich eine gute Lösung gewesen? Kaum. Der Verband hätte Fischer noch knapper vor der WM gefeuert. Seinem Assistenten und designierten Nachfolger Jan Cadieux und der Mannschaft wäre noch weniger Zeit geblieben, sich auf die neue Situation einzustellen.

Zu Recht wäre dem Fernsehen SRF der Vorwurf gemacht worden, es sei auf maximale Wirkung aus.

3. Nicht veröffentlichen

Manch einer ist der Ansicht, SRF hätte gar nicht über die Urkundenfälschung berichten sollen. Ich bin anderer Meinung – SRF hat berichten müssen.

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Erstens ist es von öffentlichem Interesse, wenn ein Nationaltrainer, der bei seinen Spielern so sehr auf das Einhalten von Regeln achtet, sich selber um Regeln foutiert und lügt.

Zweitens wäre SRF, wenn es nicht berichtet hätte, in Teufels Küche geraten. Denn herausgekommen wäre die Sache mit der Urkundenfälschung – früher oder später – sowieso. Wenn sich dann herausgestellt hätte, dass SRF als «Official Broadcaster» des Eishockey-Verbandes solche Informationen unter den Teppich kehrt, dann wären die Vorwürfe rasch zur Hand gewesen: mangelnde Unabhängigkeit, Filz, Vetternwirtschaft.

Und wahrscheinlich wären auch gleich Unterschriften für die nächste Halbierungs-Initiative gesammelt worden.

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SRF – einer von drei «Official Broadcasters» des Eishockey-Verbandes.

4. So rasch wie möglich veröffentlichen

Blieb also die einzige journalistisch saubere Möglichkeit: den Strafbefehl besorgen, den Verband um eine Stellungnahme bitten und die Information anschliessend veröffentlichen. Fischer und der Verband kamen SRF zuvor und gingen am 13. April in die Offensive. Also berichtete SRF gleichentags darüber.

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