Arthroskopie Knie

Gelenkspiegelung eines Kniegelenks. © Romaset / Depositphotos

Kniegelenk: Gerissenen Meniskus entfernt – öfter Arthrose

Martina Frei /  Das teilweise Entfernen des Meniskus gehört zu den häufigsten orthopädischen Eingriffen, bringt laut einer Studie aber nichts.

Soll man einen abgenützten Meniskus im Kniegelenk «trimmen» oder teilweise entfernen, um Knieschmerzen und andere Symptome zu behandeln? Das haben finnische Ärzte in einer Studie untersucht. Zwischen 2007 und 2013 kamen bei ihnen 146 Menschen im Alter von 35 bis 65 Jahren auf den Operationstisch. Bei allen wurde eine Gelenkspiegelung gemacht, keiner hatte damals eine auf Röntgenbildern erkennbare Kniearthrose. 

Per Los bestimmten die Operateure, wem sie während der Gelenkspiegelung den kaputten oder gerissenen Teil des Meniskus entfernten und wem nicht. Sie verrieten aber weder den Patienten noch den später behandelnden Kollegen, wer wie behandelt wurde. 

Danach wurden die Patienten immer wieder untersucht und befragt, wie es ihnen ging. Weder nach einem Jahr, noch nach zwei oder fünf Jahren waren die Personen mit Meniskus-Operation besser dran als die ohne. Nun haben die Ärzte im «New England Journal of Medicine» die Bilanz nach zehn Jahren bei den 90 Prozent der Studienteilnehmer vorgelegt, die sie noch erreichen konnten.

«Anlass zur Sorge»

Befund: Von den Patienten, deren Meniskus teilweise entfernt oder geglättet worden war, bekamen wegen Kniearthrose bisher zwölf Prozent ein künstliches Kniegelenk oder sie wurden anders wegen Arthrose operiert. In der Vergleichsgruppe (bei welcher der Meniskus damals belassen wurde) waren es bloss vier Prozent. 

Auch auf den Röntgenbildern ist erkennbar, dass die Kniearthrose bei 81 Prozent derjenigen mit Meniskus-OP fortschritt, verglichen mit 70 Prozent bei denen, die nur zum Schein operiert worden waren. Da die Studie klein ist, könnten die Unterschiede auch dem Zufall geschuldet sein. Was sich jedoch deutlich zeigte: Den Meniskus zu behalten, war im Mindesten nicht schlechter als die Teil-Entfernung.

Die Personen, die ihren Meniskus behielten, zeigten sich bei der Nachbefragung zehn Jahre später zudem tendenziell zufriedener. Sie hatten auch weniger Kniebeschwerden, und sie konnten ihre üblichen Aktivitäten öfter wieder voll aufnehmen.

Hat der Meniskus überhaupt etwas mit den Schmerzen zu tun?

Erwachsenen mittleren Alters den gerissenen Teil eines abgenützten Meniskus zu entfernen, gehöre zu den weltweit am häufigsten durchgeführten orthopädischen Eingriffen, schreiben die finnischen Ärzte. Doch angesichts ihrer Befunde und derjenigen aus weiteren Studien gebe diese Praxis «Anlass zur Sorge».

Er würde dieser Personengruppe im Allgemeinen von dem Eingriff abraten, antwortet der Studienautor Teppo Järvinen auf Anfrage von Infosperber. Natürlich gebe es Ausnahmen, fügt er an, beispielsweise wenn der Meniskus die Bewegung des Kniegelenks blockiere. «Aber diese Fälle bilden nur eine sehr kleine Minderheit.»

Der Professor für orthopädische Chirurgie an der Universität Helsinki verweist auf rund zehn weitere Studien, die alle zum selben Schluss kamen: Das Entfernen des Meniskus bringt in dieser Situation keinen nennenswerten Vorteil. Selbst bei jüngeren Erwachsenen, deren Meniskus verletzungsbedingt gerissen sei, gebe es inzwischen deutliche Hinweise, dass ihnen Physiotherapie genauso gut helfe wie die Meniskus-Operation.

«In unserer Studie waren nach zehn Jahren etwa 84 Prozent der Patienten, die ihren Meniskus behielten, zufrieden, und fast 90 Prozent berichteten von einer Besserung. Ihre Schmerz- und Funktionswerte lagen nahe am Normalbereich», so Järvinen. «Diese Ergebnisse werfen unweigerlich die Frage auf, ob der Meniskus überhaupt etwas mit Knieschmerzen zu tun hat und ob wir womöglich die falsche Struktur behandelt haben. Meniskusrisse sind bei beschwerdefreien Erwachsenen sehr häufig. Es wird immer wahrscheinlicher, dass sie bei vielen Patienten Zufallsbefunde sind und nicht die primäre Schmerzursache.»

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Grosse kantonale Unterschiede

In der Schweiz wurde 2024 fast 17’300-mal ein Meniskus ganz oder teilweise per Schlüssellochchirurgie entfernt. (2013 fanden solche Eingriffe noch fast 31’000-mal statt.) Seit über einem Jahrzehnt bestehen grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen. «Spitzenreiter» waren laut dem Schweizer Atlas der Gesundheitsversorgung 2024 die Appenzeller. Dort wurde dieser Eingriff fast dreimal öfter durchgeführt wie in Genf.

Das Swiss Medical Board fasste 2019 in einem Bericht zusammen, was Studien zur Wirksamkeit der Gelenkspiegelung bei Personen mit Verschleiss am Kniegelenk ergeben hatten. Bei bloss kurzer Nachbeobachtungszeit war eine «leichte, klinisch nicht relevante Schmerzreduktion» erkennbar. Beweise, dass die Gelenkspiegelung den Patienten kurzfristig oder mittelfristig nützte, gab es indes nicht. Und zur langfristigen Nachbeobachtung lagen damals keine Daten vor.

Die Autoren des Berichts fanden ferner keine Beweise, dass die Patienten mit abgenütztem Meniskus einen Nutzen von der Kniegelenkspiegelung haben. Die Ergebnisse könnten «auf eine breite Population von Patienten mit Knieschmerzen durch degenerative Knieveränderungen verallgemeinert werden».

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