Spass unter der kalten Dusche: gesund und freiwillig! Die Drohung der SVP ist falsch und dumm. © gk

Spass unter der kalten Dusche: gesund und freiwillig! Die Drohung der SVP ist falsch und dumm.

Warmduscher-Kampagne gegen neue Energiestrategie

Hanspeter Guggenbühl / 17. Apr 2017 - Die Argumente der SVP gegen die Energievorlage erreichten an Ostern alle Haushalte. Ein Faktencheck.

«3'200 Franken mehr bezahlen ... und erst noch kalt duschen». Unter diesem Titel wirbt das «Überparteiliche Komitee gegen das Energiegesetz, c/o SVP Schweiz» für ein «Nein zum Energiegesetz» am 21. Mai. Ihre Botschaft versandte die Partei, die das Referendum anführt, in einer zwölfseitigen Abstimmungszeitung (Auflage 2'987'475 Exemplare). Die meisten Schweizer Haushalte haben diese Propaganda vor Ostern erhalten.

Uns Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern rieselt damit ein kalter Schauer über die Schultern. Und so fragen wir uns, ob alles, was in dieser Warmduscher-Kampagne steht, auch wirklich stimmt. Nachstehend eine Informationskontrolle, begrenzt auf die sechs wichtigsten Argumente für ein «Nein zum Energiegesetz»:

1. Mehrkosten von 3200 Franken pro Haushalt?

An die Spitze ihrer Kampagne stellt die SVP die «enormen Mehrkosten für uns alle», nämlich «3200 Franken zusätzlich für einen vierköpfigen Haushalt pro Jahr». Weiter hinten schreibt sie unter dem Zwischentitel «Attacke gegen alle Haushalte», wie sie auf diese hohe Zahl kommt: «Gemäss der bundesrätlichen Botschaft rechnet der Bundesrat selber mit Kosten im Umfang von rund 200 Milliarden Franken bis ins Jahr 2050. Das sind in den nächsten 32 Jahren jährlich 5 – 7 Milliarden (genau wären es 6,25 Mrd.). Heruntergebrochen auf die aktuelle Einwohnerzahl von 8,2 Millionen ergibt das 800 Franken pro Einwohner (genau wären es 762 Fr.) oder 3200 Franken für einen vierköpfigen Haushalt.» Genau wären es 3048 Franken.

Das Problem dieser Rechnung ist nicht die leichte Übertreibung, sondern Folgendes: Die «Mehrkosten» von «rund 200 Milliarden» sucht der fleissige Leser in der 197seitigen Botschaft des Bundesrats vergeblich. Hingegen erfährt die Leserin auf Seite 168 der bundesrätlichen Schrift:

»Die Gesamtkosten der Anlagen und des Produktionsbetriebs des schweizerischen Kraftwerksparks (Bestand und Zubau) von 2010–2050 betragen mit dem ersten Massnahmenpaket 193 Milliarden Franken, dabei fallen rund 125 Milliarden Franken auf den bestehenden Kraftwerkspark. Die Kosten des Zubaus betragen 67 Milliarden. Damit macht er rund einen Drittel der Gesamtkosten aus. Ein Grossteil dieser Kosten fallen unabhängig von der Energiestrategie an, da zur Deckung der künftigen Stromnachfrage Produktionskapazitäten im Inland aufgebaut werden müssen beziehungsweise zusätzliche Importkosten anfallen.»

Der langen Schreibe kurzes Resultat: Bei den von der SVP zitierten «enormen Mehrkosten von 3200 Franken» pro Haushalt und Jahr oder «rund 200 Milliarden» bis 2050 handelt es sich gemäss Bundesrat zum «Grossteil» um Kosten, die «unabhängig von der Energiestrategie» anfallen. Die wahren Kosten der neuen Energiestrategie für die Schweizer Volkswirtschaft, verglichen mit der unbeeinflussten Entwicklung, beziffert der Bundesrat an anderer Stelle seiner langen Botschaft auf «minus 0,1 bis plus 0,0 Prozent».

2. Teurerer Strom, teurere Heizkosten, teureres Benzin?

Unter dem Zwischentitel «Attacke gegen alle Büezer» schreibt die SVP: «Das neue Energiegesetz wird teureren Strom mit sich bringen (Erhöhung der KEV in einem ersten Schritt von heute 1,5 auf 2,3 Rp. pro kWh, später auf 4,5 Rp.pro kWh), teurere Heizkosten, teureres Benzin und teurere Mietkosten.

Fakt ist: Wenn das Volk am 21. Mai der Revision des Energiegesetzes zustimmt, wird der Netzzuschlag, mit dem die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für Ökostrom finanziert wird, temporär tatsächlich um 0,8 Rappen pro KWh erhöht. Das ergibt pro Jahr eine Erhöhung der Subventionen um 480 Millionen Franken. Davon entfallen neu 120 Millionen auf grosse Wasserkraftwerke, wie das die SVP und andere bürgerliche Parteien im Parlament verlangten. Pro Vierpersonen-Haushalt mit üppigem Stromkonsum von 5000 kWh/Jahr ergibt das Mehrkosten von 40 Franken pro Jahr.

Von der SVP völlig aus der Luft gegriffen ist der zusätzliche Aufschlag «später auf 4,5 Rp. pro kWh». Wahr ist das Gegenteil: Langfristig wird der Netzzuschlag abgeschafft, weil das Parlament die KEV befristet hat. Falls das Volk die Vorlage nach dem Willen der SVP ablehnt, fällt diese Befristung aber weg und der Netzzuschlag bleibt unbefristet auf 1,5 Rappen/kWh. Mit ihrem Referendum schneidet sich die SVP teilweise also auch ins eigene Fleisch (siehe infosperber vom 22.1.2017).

Ebenfalls falsch ist, dass nach einem Ja am 21. Mai «Benzinkosten und Heizkosten weiter steigen». Denn die Revisionsvorlage ändert nichts an der bestehenden CO2-Abgabe auf fossilen Brennstoffen, und sie enthält auch keinerlei Abgaben auf Treibstoffen. Und: Der Mieterverband, der ebenfalls die «Büezer» der Schweizer vertritt (die Mehrheit der Bevölkerung gehört zur Mieterschaft), hat die Ja-Parole beschlossen.

3. Zwang zu Gebäudesanierungen und Ersatzkäufen?

Weiter behauptet die SVP, die Revision des Energiegesetzes bringe «zwingende Gebäudesanierungen», den «Ersatz bestehender Fahrzeugflotten und Heizungen» sowie das «Verbot von Ölheizungen». All das stimmt nicht: Gebäudesanierungen bleiben wie bisher ebenso freiwillig wie der Ersatz von Fahrzeugen oder Heizungen. Strengere Vorschriften betreffen nur neue Fahrzeuge oder neue Gebäude. Und das revidierte Energiegesetz sieht auch kein «Verbot von Ölheizungen» vor.

4. Beschränkt der Staat den Konsum?

Unter dem Titel «Attacke gegen die Konsumenten» schreibt die Partei mit dem grossen Erfindergeist: «Was wir heute noch kaum glauben, wird schon bald Tatsache sein. Nämlich Vorschriften, wann wir noch waschen, duschen und staubsaugen dürfen.» Weitere Verhaltensänderungen, sei es für Autofahrende («nur noch jeden zweiten Tag»), Kaffeetrinker oder Fleischesserinnen, kleidet die SVP in Frageform.

Auch diese Behauptungen und Drohungen sind völlig aus der Luft gegriffen. Richtig ist das Gegenteil: Die Energiestrategie des Bundesrates setzt gezielt auf Effizienzsteigerung, verzichtet aber bewusst auf Verhaltensvorschriften, neudeutsch «Suffizienz». So schrieben die Verfasser der Energieperspektiven ausdrücklich: «Solange technologische Optionen zur Verfügung stehen, werden Suffizienzstrategien als nicht akzeptabel angesehen.» Und Doris Leuthard, die auch schon mal eine Warmduscher-Kampagne anführte («Duschen mit Doris») betont immer mal wieder: «Ich will keine asketische Gesellschaft.»

5. Zurück in die Steinzeit oder ins Jahr 1966?

In einer Grafik unter dem Titel «Zurück in die Steinzeit» stellt die SVP die Entwicklung des Energieverbrauchs in der Schweiz von 1910 bis 2010 richtig dar und markiert, dass dieser gesamte Verbrauch 1966 halb so gross war wie im Spitzenjahr 2010 (seither ist er wieder deutlich gesunken, was die SVP-Grafik unterschlägt). In der Grafik behaupten die Kampagnenverfasser: «Mit dem Energiegesetz dürfen wir 2035 nur noch soviel Energie verbrauchen wie 1966!»

Abgesehen davon, dass 1966 die Steinzeit vorbei war, enthält diese grafisch gestützte Behauptung folgende vier Fehler: Das Energiegesetz schreibt nicht eine Halbierung des Energieverbrauchs vor, sondern nennt einen «Richtwert». Dieser Richtwert sieht bis 2035 eine Reduktion von 43 (nicht 50) Prozent vor. Diese Reduktion gilt nicht für den dargestellten gesamten Verbrauch, sondern für den Verbrauch pro Kopf gegenüber dem Jahr 2000. Beim Vergleich pro Kopf ist das «Steinzeit»-Jahr 1966 die falsche Vergleichsgrösse, weil die Bevölkerungszahl seit 1966 deutlich gestiegen ist, das heisst: Selbst wenn wir gemäss Energiegesetz den Richtwert erreichen, werden wir 2035 immer noch mehr Energie konsumieren dürfen als 1966 oder als in der «Steinzeit».

6. Mehr Stromimport und Landschaftsverschandelung?

«Die Stromversorgung wird als Folge der eingeschlagenen Strategie von zusätzlichen Stromimporten aus dem Ausland abhängig», schreibt die SVP einerseits. Anderseits beklagt sie: «Zusätzlich wird insbesondere mit den geplanten über 1000 Windrädern unsere schöne Landschaft verschandelt.»

Es mag sein, dass die Schweiz im Winter künftig mehr Strom importieren muss als heute. Das liegt aber nicht an der neuen Energiestrategie, sondern am Umstand, dass die von der SVP geliebten alten Atomkraftwerke früher oder später das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Die SVP und die übrigen Gegner der Energiestrategie zeigten bisher aber keine alternative Lösung, um den wegfallenden Atomstrom im Inland zu ersetzen. So fordert auch die SVP keine neuen Atomkraftwerke; das Thema Atomkraft blendet sie in ihrer Abstimmungszeitung aus taktischen Gründen völlig aus.

Ohne neue Energiestrategie wird die Abhängigkeit von «Stromimporten aus dem Ausland» (als ob es Importe aus dem Inland gäbe) also nicht kleiner, sondern grösser. Mit «tausend Windrädern» zum Beispiel liesse sich zumindest ein Teil des wegfallenden Atomstroms ersetzen. Wenn die SVP nun beklagt, dass solche «Windräder unsere schöne Landschaft verschandeln», so ist sie daran selber schuld. Denn nur dank ihren Stimmen entschied die Mehrheit bei der Gesetzesrevision im Parlament, Energieanlagen auch in schützenswerten Landschaften von nationaler Bedeutung zu erlauben.

Fazit: Die Zeitung, mit der das «Überparteiliche Komitee gegen das Energiegesetz, c/o SVP Schweiz» den Abstimmungskampf betreibt, strotzt vor Fehlinformationen. Um alle zu widerlegen, bräuchte es eine Schrift, deren Umfang mindestens doppelt so gross ist wie jene der an die meisten Haushalte gelieferten Propaganda.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Hanspeter Guggenbühl ist Autor des Buches "Die Energiewende, und wie sie gelingen kann", Verlag Somedia/Rüegger

Weiterführende Informationen

SVP schneidet sich ins eigene Fleisch (auf Infosperber)
Zum Infosperber-Dossier "Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke"

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42 Meinungen

Diese umfassende Richtigstellung muss jetzt nur noch in alle Haushalte gelangen. Wer übernimmt die Kosten dafür? Wer stoppt diese Fake-News Erzeuger?
Hans R. Jutzi, am 17. April 2017 um 09:01 Uhr
Da die Zahlen in der Abstimmungszeitung immer gleich leicht aufgerundet wurden, gehe ich davon aus, dass die Macher gut rechnen können und genau wussten, was sie tun. Ich muss egoistisches Kalkül unterstellen. Daher meine Frage:

Wer profitiert davon, wenn das Energiegesetz abgelehnt wird?
Ekkehard Blomeyer, am 17. April 2017 um 09:41 Uhr
Ja, das ist auch meine Meinung: Wie bringt man diese Informationen welche die SVP-Lügen aufdecken in alle Haushalte, wenn man nicht die finanziellen Mittel hat wie die Burgeoisie-Partei SVP?

Und, kann man einfach so unbestraft solche Lügen verbreiten?
Tobi Hartmann, am 17. April 2017 um 10:27 Uhr
@Tobi Hartmann - «Wie bringt man diese Informationen welche die SVP-Lügen aufdecken in alle Haushalte, wenn man nicht die finanziellen Mittel hat wie die Burgeoisie-Partei SVP?"

In dem alle ES2050 Befürworter auf allen ihren sozialen Kanälen die Fakten erklären, aufklären und verbreiten. SPätetsens wenn die Abstimmungscouvert eintrudeln, wäre der Moment, damit loszulegen.

Und Journalisten, die Fakten und Tatsachen verpflichtet sind, sollen darüber schreiben und ebenfalls aufklären. So wie in diesem gut gelungenen Artikel.
Peter Müller, am 17. April 2017 um 12:18 Uhr
@Tobi: Den Link dieses Artikels in einen neuen Post auf Facebook kopieren und an alle Freunde und Bekannte senden mit der Bitte, diesen Post weiter zu verbreiten. Einfach und kostenlos, und allemal besser als nichts zu tun.
Ralph Moser, am 17. April 2017 um 12:39 Uhr
Die SVP und die wenigen Unterstützer der Nein-Kampagne haben noch weitere falsche Methoden entwickelt um die 3'200 Franken Lüge hinzuzaubern. Rösti hat seinen Rechenweg publiziert und er gibt andere Quellen an als den Bund. Schaut man nach, stellt sich ebenfalls heraus, dass die Quellen die Behauptungen gar nicht stützten. Die Strombranche sah sich sogar genötigt, den Missbrauch ihrer Studie als angebliche Grundlage der 3'200 Franken Lüge zu denunzieren. Die weitere Fehlrechnung der Neinsager besteht darin, die im früher mal aktuellen zweiten Massnahmenpacket diskutierten Höchstsätze für die CO2-Abgabe anzusetzen und hochzurechnen, wobei die SVP selbst auch weiss, dass das Aufkommen mehrheitlich zurückverteilt würde, wenn die Abgaben kämen — mit den Höchstsätzen. Die Nein-Kampagne hat auch kein Problem damit, den menschgemachten Klimawandel (halbwegs subtil) zu leugnen. Blocher, Martullo, Rösti und Co. lügen bewusst und gewollt. Schon deshalb gehören sie mit dem Stimmzettel abgestraft. Diesmal und immer wieder. Und dann sollten sie hoffentlich auch mal mit dem Wahlzettel abgestraft werden.
Peter Vogelsanger, am 17. April 2017 um 13:07 Uhr
Eine weitere SVP-Lügenkampagne. Nichts gelernt aus den Abstimmungsniederlagen vom 12. Feb. Ich habe das Hetzblatt unfrankiert an den Absender zurückgeschickt.
Alois Amrein, am 17. April 2017 um 13:16 Uhr
Es bleibt mir das Vertrauen darauf, dass die Mehrheit des Volkes diese Schlitzohren durchschaut.
Meine Hoffnung, dass sich der Stil der SVP mit einem neuen besser gebildeten Präsidenten verbessert, wird arg enttäusch. Es wird nun auf perfide Weise auch zur Energiefrage an den Medien berndeutsch gelogen und in der Kampagne auch geschrieben. Das Volk wird hoffentlich z'Volch in die Schranken des Anstandes weisen.
Walter Schenk, am 17. April 2017 um 13:26 Uhr
Energiegesetz NEIN, aber eine schrittweise, verkraftbare Umsetzung der Energiepolitik

Wenn jemand Vorbild sein kann in der Welt bezüglich Klimapolitik, so ist es die reiche Schweiz. Aber eine Strategie bis ins Jahr 2050 schreibt man nicht ins Gesetz. Im dynamischen Energiemarkt muss sie periodisch an die technischen Rahmenbedingungen und die wirtschaftliche Tragbarkeit angepasst werden. Inwieweit kann der Flatterstrom aus Wind- und Sonnenenergie kurz- und langfristig gespeichert werden? Wollen wir unsere schönen Landschaften mit wenig ergiebigen Windkraftwerken zerstören? Wie beeinflusst die Höhe der Energiepreise die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit der Schweiz? Wir sollten den Energieimport an der Grenze mit einer Abgabe belasten, um inländisch erzeugte Energie konkurrenzfähig zu machen. Wir sind ja noch nicht in der EU!

Die Energiepolitik der Schweiz soll wie bisher schrittweise, in verkraftbaren Etappen auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Wenn wir mit Abgaben auf importierter Tiefpreisenergie genügend Finanzmittel erwirtschaften könnten, um Energiesparmassnahmen, Energiespeicher und den Zubau von Anlagen der erneuerbaren Energie (Wasser, Sonne, Biogas, Geothermie) zu unterstützen, könnte die Zusatzbelastung der Haushalte und der Unternehmungen in Grenzen gehalten werden.
Alex Schneider, am 17. April 2017 um 13:36 Uhr
# Alex Schneider: dem könnte ich mich anschliessen. Aber dazu gehörte die Bereitschaft aller Parteien, zu einer sachorientierten Diskussion, keine Lügenkampagnen. Noch vor wenigen Tagen habe ich im PSI in Würrenlingen gelernt: »...alle notwendige Technologien ist vorhanden, verhindert wird Energiewende weltweit durch die Politik!» Sogar bei der Umwandlung von CO2 in Methan aus überschüssiger Solarenergie. Aber dazu müssen Fachleute reden, nicht Politiker mit verdeckten Traktandenlisten. Dagegen braucht es halt vielleicht doch das Gesetz
Walter Schenk, am 17. April 2017 um 14:10 Uhr
Für mich ist das Energiegesetzt ein typischer Auswuchs grüner Staatsgläubigkeit; mich wundert eigentlich, dass es von den Staatsgläubigen auf der andern Seite bekämpft wird.

Aber die lange Liste der Verordnungskompetenzen, welche die Energiebehörde anwenden kann, um moderne Technologie zu verhindern und Strukturerhaltung, respektive Subventionserhöhung zu verewigen, ist für mich seit Langem genügend Grund, dieses Gesetz abzulehnen. Der Staatsauftrag lautet auf Versorgungssicherheit und Klimaschutz, nicht auf Vorschriften und Subventionen. Warum alte, abfallträchtige Atomkraftwerke nicht durch neue ersetzt werden können, die weit weniger Abfall produzieren, bleibt mir ein Rätsel. Und was Sonnenenergie im nebligen MIttelland, und Windenergie in der windstillen Schweiz sollen, ist unverständlich. Weg mit dem Zeugs! Wir hatten einst in der Schweiz eine vorbildliche Energiestrategie, und nun eifern wir den Deutschen mit ihren Braunkohlekraftwerken nach. Was soll das?
Thomas Fehlmann, am 17. April 2017 um 14:39 Uhr
@ Alex Schneider: Dieser Ansicht schliesse ich mich vollumfänglich an. DAS wäre der richtige Weg.

Ich gebe mich schon lange keiner Illusion mehr hin. Es geht nicht um die Frage wer lügt. Es lügen alle beide, die Einen etwas offensichtlicher, die Anderen einfach so, dass sie auch nicht die ganze Wahrheit erzählen.
Roland Hausin, am 17. April 2017 um 14:44 Uhr
Anstatt sich mit dem faktenfreien Zahlensalat der Gratiszeitung der SVP herumzuschlagen ist es vernünftiger, sich auf seine Nase zu verlassen. Was riecht besser, eine Ölheizung oder eine Erdsonde mit Wärmepumpe? Wo ist die Luft besser, hinter dem Diesellastwagen oder hinter dem Elektromobil? Stimmen wir mit einem guten Riecher für das Richtige am 21. Mai überzeugt Ja für gesündere Luft für uns und unsere Umwelt.
Martin A. Liechti, Maur
Martin A. Liechti, am 17. April 2017 um 14:58 Uhr
@Roland Hausin: Gelebte Demokratie! Allseitiges Lügen. Fakten und Physik spielen keine Rolle. In der Tat, nun muss ich die Bundesbotschaft abwarten und herausfinden, wer besser lügt.
Walter Schenk, am 17. April 2017 um 14:59 Uhr
Lieber Walter Schenk
Zuerst einmal: Lassen Sie bitte diese Formel »...diese SVP...» einfach weg! Sie klingt - das wird Sie möglicherweise etwas verwundern - zu populistisch. Und das wollen Sie ja sicher nicht sein. Ich bin nicht von der SVP (FDP...), mag es aber, wenn wir alle offen miteinander kommunizieren. Und nicht in Schlagwörter, die ich etwas abgedroschen finde.
Zu dieser Abstimmung. Ich mag es nicht, wenn sich der Staat DIREKT in wirtschaftliche Bereiche einmischt. Weil er - der Staat - es einfach nicht kann. Er ist dazu nicht in der Lage, weil ihm die Politik immer wieder in die Quere kommt. Er - der Staat, resp. der Repräsentant des Staates - möchte ja immer wieder gewählt werden. Ergo soll er draussen bleiben und es der Wirtschaft überlassen; die werden ihre Geräte, Apparate, ihre Vorgehensweisen ganz sicher dem Markt so anpassen, dass es energie-effizienter, sparsamer, schneller - und günstiger wird.
Darum sollen wir hier am 21. Mai 2017 ein sehr klares NEIN in die Urne legen! Ich will nicht, dass der Staat sich noch mehr in mein Leben einmischt. Uebrigens: Seid Ihr Euch bewusst, dass, nur schon, damit alle diese neuen Regeln eingehalten werden, noch mehr Beamte eingestellt werden müssten?
Also. NEIN ist die Parole.
Peter C Frey
PETER FREY, am 17. April 2017 um 15:23 Uhr
@ Roland Hausin: Lügen kann nur, wer um die Wahrheit weiss. Aber was ist Wahrheit? Etwa, wenn es um Prognosen für 2050 geht? Wahr ist, dass Solarpanels mehr Energie vernötigen, um sie zu produzieren, als sie im meist nebligen Schweizer MIttelland jemals Strom produzieren können, und dass Windkraftwerke Strassen zu den Produktionstandorten benötigen, dass alte Atomkraftwerke schwer zu entsorgende Abfälle generieren, dass es heute bessere Technologien für Atomstrom gibt als vor 40 Jahren. Wahr ist aber auch, dass Menschen dazu neigen, Dinge, die sie nicht sehen wollen, nicht zu sehen und sie in Abrede stellen. Also, wer lügt?

Es geht beim Energiegesetz nicht um die Frage, wer lügt. Sondern um den Glauben, mittels Vorschriften und Lenkungsmassnahmen das als richtig empfundene umsetzen zu können. Dazu müssen wir Nein sagen. Denn wir wissen, dass das nicht geht. Das einzige Mittel, das geht, ist ein freier Markt; ein wirklich freier, wo niemand Ressourcen einem andern stehlen kann, sondern dafür einen Marktpreis zahlt. Das gilt dann eben auch für die Nutzung von Wasserkraft, von Windkraft und sogar der Sonnenenergie. Mit Sonnenenergie könnte man nämlich statt ein bisschen Strom auch Treibstoff mittels Biogeneratoren erzeugen. Dieser wäre leichter transportierbar als Elektrizität. Das Energiegesetz mit seinen Subventionen verhindert aber solches.
Thomas Fehlmann, am 17. April 2017 um 15:23 Uhr
Es geht auch um die Frage, wer lügt, Herr Fehlmann, z.B. hier Sie, wenn Sie behaupten, dass Solarpanels mehr Energie benötigen, um sie zu produzieren, als sie im meist nebligen Schweizer MIttelland jemals Strom produzieren können.

Solarpanels ernten die zu ihrer Produktion benötigten graue Energie innert wenier Jahren und produzieren dann grob zehn Mal länger «gratis». Die Unterschiede zwischen optimalen Standorten im Gebirge und weniger guten im Mittelland sind 30-40%, aber die Solarzellen halten eher länger, so dass die Rückhohlzahl im Mittelland vermutlich sogar grösser ist.
Theo Schmidt, am 17. April 2017 um 17:57 Uhr
Auch ich gehöre zu den Gegnern dieser Energiestrategie. Die Ansichten von Peter Frey sind im Wesentlichen auch meine. Wenn ich mir vorstelle, dass bald auf jedem Haus eine Fotovoltaik-Anlage montiert sein könnte, kommt mir das Grauen. Viele Risiken sind damit verbunden: die Entsorgung der giftigen Solarzellen, die Gefahr bei Blitzeinschlag in die Hochvolt-Anlagen etc.

Dann die unstete Energieversorgung, weil das Speicherproblem nicht gelöst ist. Die Auseinandersetzungen mit den Umweltschützern beim Bau von Windräder-Anlagen etc. etc. Die zunehmende Abhängigkeit vom Ausland für die Stromversorgung. Das ist für die Volkswirtschaft nicht gut. Wer energiepolitisch vom Ausland dermassen abhängig ist, geht hohe politische Risiken ein und lässt sich leichter unter Druck setzen.

Die ständig zunehmenden staatlichen Eingriffe in die Wahlfreiheit der Menschen gefallen mir gar nicht. Die Energiestrategie 2050 bedeutet sehr viel mehr Staat und sie vernichtet eine interessante Technologie - die Kernenergie. Natürlich bedeutet die ES 2050 kein Technologieverbot. Aber wenn keine neuen KKWs gebaut werden dürfen, wenn bessere Technologien keine Chance erhalten, in der Praxis eingesetzt zu werden - dann geht das eben doch in Richtung Technologieverbot.

Und was gar nicht gut ist: die Subventionswirtschaft, die mit der ES 2050 für viele Jahre hochgezogen und kaum je wegzubringen sein wird. Viele Unternehmen erhoffen sich Aufträge, Hausbesitzer Sanierungsbeiträge. Darum Nein am 21.5.2017.
Thomas Lüthi, am 17. April 2017 um 19:27 Uhr
@Thomas Lüthi
"Dann die unstete Energieversorgung, weil das Speicherproblem nicht gelöst ist."

Das viel grössere Endlagerproblem der Kernkraftwerke ist auch nicht gelöst. Was soll daran «interessant» sein?
Ekkehard Blomeyer, am 17. April 2017 um 19:43 Uhr
@Thomas Lüthi
Ihr Kommentar ist etwa so halbgar wie die Propaganda der SVP. Dass Solarpanels beim Produzieren mehr verbrauchen als sie nachher erzeugen ist schon lange Vergangenheit. Und die Recycling Industrie ist in den Startlöchern: Noch fehlt es an genügend Panels die rezykliert werden können. Insgesamt hängt also alles daran ob eine Energiestrategie alternativen Energien mehr Chancen gibt als bisher – diesbezüglich hinkt die Schweiz anderen Ländern weit hinterher. Mit höherer Nachfrage steigen Effizienz und Bezahlbarkeit. Und nur so bringen wir es auf ein langfristig nachhaltiges Niveau. Atomstrom war und wird nie eine Lösung sein. Tatsächlich ist er zudem noch tatsächlich teurer, berücksichtigt man die Subventionen, den praktisch nicht stattfindenden Unterhalt, den Müll den man nicht wirklich entsorgen kann und die 99% Versicherungsdeckung die fehlen.

Das Bewusstsein für ein Umdenken gab es in fortschrittlichen Köpfen schon vor 20 Jahren. Aber ewiggestrigen Leuten wie Ihnen verdanken wir dass die Wende immer noch in weiter Ferne ist.
Tobi Hartmann, am 17. April 2017 um 20:19 Uhr
Die Ängste von Thomas Lüthi sind unbegründet. Solarpanels bestehen im wesentlichen aus Glas und Silizium; diese sind ungiftig. Giftige Materialien sind in den meisten Zellen nur in extrem kleiner Konzentration vorhanden. Was soll Blitzschlag mit der Spannung der Solarzellen zu tun haben? Diese ist vergleichbar mit Netzspannungen und dem millionenhaft stärkeren Blitz egal. Die Anlagen können genauso gegen Blitz geschützt werden wie jede Anlage

Wenn etwas extrem subventioniert ist, sind es die Atomkraftwerke, da die Entsorgung der Abfälle extrem teuer ist, aber auch schon nur der Bau der AKWs in einem freien Markt nicht möglich ist.
Theo Schmidt, am 17. April 2017 um 21:00 Uhr
@Theo Schmidt: Lügen ist Behauptung gegen besseres Wissen. Und ich habe kein besseres Wissen zu den Solarpanels; gerne lasse ich mich belehren. Sie sollten mit dem Vorwurf «Lüge» etwas vorsichtiger umgehen. Das habe ich schon im vorigen Beitrag versucht, zu vermitteln. Aber «Vermutungen» genügen nicht.
Meine Informationen stammen aus der NZZ «Technik & Wissenschaft», als es die Rubrik noch gab (sind also etwas veraltet), und nun unter anderem aus Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Solar_panel) und da in Englisch, nicht geprägt durch die deutschen Wundergläubigen. In der Wüste und in den Alpen machen Solarzellen aber zweifellos mehr Sinn als im Mittelland, wie auch Windparks auf See zwar auch sehr umweltschädlich, aber weit effizienter sind sogar als Braunkohlekraftwerke. Warum vermuten Sie von den Solarzellen, dass «die zu ihrer Produktion benötigte graue Energie innert wenigen Jahren» (wie vielen?) geerntet werden können? Für unsere SAC-Hütte, wo Solarzellen installiert sind, und wo sie zweifellos Sinn machen, jedenfalls gilt das nicht. Die Produktionsverfahren, die ich kenne, lassen keine solche allgemeine Vermutung zu.
Thomas Fehlmann, am 17. April 2017 um 21:55 Uhr
@Thomas Fehlmann
Da ich nicht so gut Englisch kann, hier ein Auszug aus dem dt. Wiki:
"Photovoltaikanlagen liefern demnach während ihrer Betriebszeit ein Vielfaches der Energie, die zu ihrer Herstellung ursprünglich aufgewandt wurde."
https://de.wikipedia.org/wiki/Solarzelle#Energetische_Amortisation_und_Erntefaktoren
Ekkehard Blomeyer, am 17. April 2017 um 22:43 Uhr
Den Autor stört es wohl gewaltig, dass das Thema von der SVP - und übrigens auch vom eher mitte-links besetzten «Umweltkomitee» - so gründlich drangenommen wird. Mag sein, dass die «Behauptungen» die er da «widerlegen» will, vielleicht nicht ganz genau so eintreffen werden, wie in diesem Blatt beschrieben. Trotzdem ist es leider so, dass die ES 2050 ein planwirtschaftliches Chaos anrichten wird, sollte sie so vollzogen werden, wie im Gesetz vorgesehen. In Art. 55, Abs. 3 steht: «Zeichnet sich ab, dass die Richtwerte nicht erreicht werden können, so beantragt er (der BR) gleichzeitig die zusätzlich notwendigen Massnahmen.» Bei der Formulierung sind den Fantasien der Bundesämter BFE, BAFU und ARE mitsamt ihren Gehilfen in BR und Parlament keine Grenzen mehr gesetzt! Kein Wunder also, malt die SVP selber Szenarien aus, welche übrigens gar nicht so weit hergeholt sind! Die passen natürlich dem Anti-AKW-Aktivist Guggenbühl gar nicht. Interessant ist auch, was Herr Guggenbühl in seiner (Möchtegern-)Analyse unterschlägt: Das Interview mit Herrn Fritz Vahrenholt. Der frühere grünlinke Umweltpolitiker spricht heute als geläuterter Mann Klartext.
Als Betreiber einer eigenen 22-kWp-PV-Anlage ist mir bewusst, dass die neuen erneuerbaren Energien leider vielfach zur falschen Zeit Strom produzieren. Die Verbrauchskurve in meinem Betrieb ist praktisch umgekehrt zur Produktionskurve. Die wirkliche Energiewende gelingt erst mit dem noch nicht vorhandenen effizienten, kompakten Superspeicher!
Peter Seiler, am 17. April 2017 um 22:44 Uhr
@Thomas Fehlmann: Jetzt verstehe, ich was Sie meinen. Also, dann nehme ich das «Lügen» zurück, aber Sie versuchen zu schummeln, indem Sie offenbar veraltete Daten zitieren und nicht die heutigen Zahlen nachschlagen.

Der relevante Wikipedia-Artikel ist https://de.wikipedia.org/wiki/Erntefaktor der auf Quellen von 2011 und 2013 verweist, neuere dürften noch besser sein. Dort werden in der Mitte des Artikels (Tabelle) Erntefaktoren zwischen 4 und 21 angegeben, je nach Ort und Definition. Der höchste Faktor bezeichnet wieviel besser es ist, in Südeuropa Photovoltaik zu verwenden anstelle eines amortisierten Kraftwerks mit 34% Wirkungsgrad.

Solarzellen im Mittelland machen energetisch Sinn, sobald der Erntefaktor besser als 1 ist, und das ist bei weitem der Fall. Ob sie finanziell Sinn machen, ist komplizierter, aber wenn Sie z.B. ein Dach neu decken und Solarpanels verwenden, welche die Dachhaut bilden und nicht teurer sind als konventionelle Materialien, ist auch dies eindeutig.

In der Wikipediatabelle sind die Anzahl Jahre zur energetischen Amortisation angegeben, im Beispiel zwischen 1.1 und 6 Jahren.

Bei einer SAC-Hütte müssen vor allen die Akkumulatoren berücksichtigt werden. Wenn einsetzbar dürfte eine Wasserturbine besser sein. Es gibt Hütten mit Benzingeneratoren. Solche besuche ich genau 1 mal, oder gar nicht, wenn ich es vorher weiss. Allerdings nicht wegen des Erntefaktors, der vielleicht ganz gut ist, sondern wegen des Lärms und Gestanks.
Theo Schmidt, am 17. April 2017 um 23:04 Uhr
Zu Solarpanels auf Privathäusern gehören heute gute Akus dazu, damit kann der Anteil für die Eigenkonsumation wesentlich gesteigert werden. Möglichst starke Autarkie macht Sinn.
Martin A. Liechti, Maur.
Martin A. Liechti, am 17. April 2017 um 23:27 Uhr
Als Thread-Starter hatte ich eigentlich nur das Anliegen, dass die SVP fake news flächendeckend berichtigt werden.
Leider verläuft nun hier die Diskussion so wie in den meisten Medien - Photovoltaik vs. Atom-/Kohlestrom. Dabei geht es nur zum Teil um Strom, sondern um unsern ganzen Energiekonsum (-Verschwendung). Man lese den Artikel von Susan Boos in der letzten WOZ:
http://www.woz.ch/1715/abstimmung-energiestrategie-2050/sozial-ist-diese-wende-nicht
Die ES2050 trägt die deutliche Handschrift der aktuellen Zusammensetzung unseres Parlaments.
Das Schwergewicht müsste auf die Substitution von fossilen Energieträgern gelegt werden (Verkehr, Raumheizung). Gerade bei den Heizungen beweist Jenni Energietechnik Oberburg seit Jahrzehnten, dass saisonale Solarthermie-Speicherung möglich ist! Dort liegt Potenzial brach, die Politik und die Mainstram-Medien haben das leider bis jetzt nicht wirklich wahrgenommen.
Hans R. Jutzi, am 18. April 2017 um 07:45 Uhr
@Theo Schmidt, @Ekkehard Blomeyer: Vielen Dank für die Hinweise. Der deutsche Wikipedia-Artikel scheint mir wesentlich fachkundiger zu sein als der englische (was ungewöhnlich ist und Fragen aufwirft). Trotzdem wundert mich, dass man aus denselben Quellen unterschiedliche Angaben ziehen kann. Offenbar kennen sich die Autoren von «Erntefaktor» und dem Hauptartikel «Solarpanel» nicht - kann vorkommen, ich bin selbst Wikipedia-Autor (englisch und deutsch). Die Lebensdauer von 30 Jahren scheint mir masslos übertrieben - nach fünf Jahren sind alle mir bekannten Solarpanels wieder verschwunden oder ausser Betrieb gewesen. Wer steigt auf sein Hausdach und putzt die Panels alle Jahre wieder? Die Subvention ist dann gegessen und längst verdaut.
Ich hätte auch viel weniger gegen Solarpanels, wenn sie nicht durch Subventionen finanziert wären. Wenn allerdings Akkus dazu kommen, sehen sowohl Erntefaktor wie Umweltbelastung wieder ganz anders aus. Akkus müssen nach ein, zwei Jahren ersetzt werden und sind ziemlich umweltbelastend in Herstellung und Entsorgung.
Insgesamt scheint mir also unsere Diskussion zu zeigen, dass die Energiestrategie 2050 vollkommen unausgegoren ist, und @Peter Seiler und @Thomas Lüthi ist zuzustimmen. Selbstverständlich ist es für jeden Liberalen klar, dass sie oder er die Energie-Planwirtschaft am 21. Mai ablehnen wird. Dazu braucht man allerdings keine erfinderische Zeitung des «Überparteilichen Komitee gegen das Energiegesetz, c/o SVP Schweiz».
Thomas Fehlmann, am 18. April 2017 um 07:57 Uhr
Wie Herr Jutzi schreibt, geht es hier nicht um die Energiestrategie an und für sich, sondern um die Faktenmanipulation. Wikipedia-Artikel sind hierzu besonders wertvoll, da Fehler oder nicht belegte Fakten von jeder Person gelöscht werden können und meistens werden - mit der Zeit.

Wieder versuchen Sie uns mit «Fake News» zu konfrontieren, Herr Fehlmann. Eine simple Recherche zeigt, dass die Hersteller von Solarmodulen meistens 20 Jahre und mehr Leistungsgarantie geben. Meine erste verbaute Netzverbundanlage im Baselbiet wird nun 30-jährig und läuft immer noch, aber die aktuelle Leistungseinbusse weiss ich nicht. Diese heisst Degradation. Laut http://www.photovoltaik.org/wissen/degradation-von-solarmodulen ist die Annahme von 0,5 % Leistungsverlust pro Jahr üblich.

Man kann den Ertrag durch Putzen etwas steigern, aber nötig ist das nicht.

Wer wirklich liberal ist, sollte die nur in einer durch den Steuerzahler finanzierten Planwirtschaft möglichen Kernkraft hinterfragen und nicht einseitig die im Vergleich viel kleineren und kurzfristigeren Subventionen der Photovoltaik z.B. durch die KEV.
Theo Schmidt, am 18. April 2017 um 09:09 Uhr
Das ist schon lustig, was alles «Fake News» sein kann. Die Kernkraft wurden nie subventioniert, sondern eigenwirtschaftlich betrieben, zumindest in der Schweiz. Oder haben Sie mir ein Gegenbeispiel?
Dass der Staat über die Forschung auch die Atomkraft gefördert hat, wie er jetzt «Erneuerbare Energien» fördert (was für ein Fake! Erneuerbare Energien gibt’s gar nicht, wegen den Hauptsätzen der Thermodynamik und dem Energieerhaltungsgesetz), ist keine Subvention.
Wenn nun der Staat für die Kosten einer vorzeitigen Stilllegung aufkommen muss, dann ist dies Enteignungsrecht, nicht Subvention.
Aber wir kommen nochmals auf das Thema «Lüge» zurück. Wer «erneuerbare Energien» sagt, wie im Energiegesetz festgehalten, lügt. Wider besseres Wissen, das einst in den Schulen vermittelt wurde. Das ist leider so, und nur, weil alle lügen, wird die Lüge nicht zur Wahrheit.
Thomas Fehlmann, am 18. April 2017 um 09:23 Uhr
@Theo Schmid
Falsch. Die fünf Schweizer AKW werden jährlich direkt oder indirekt mit Milliarden-Beträgen subventioniert, wie eine Studie der SES zeigt.
Tobi Hartmann, am 18. April 2017 um 09:40 Uhr
Lieber Thomas Fehlmann,
Hoffen wir, dass die AKWs eines Tages von den Erstellern auch eigenwirtschaftlich entsorgt werden. Doch wo sind die dafür erforderlichen Milliarden?
Martin A. Liechti, Maur
Martin A. Liechti, am 18. April 2017 um 09:47 Uhr
SES? Schweizerische Energiestiftung? Orientiert sich an der 2000-Watt-Gesellschaft? Also den Kaltduschern? Ich finde aber keine solche Studie auf deren Webseite.

Aber falls doch: Subventionen benötigen ein Subventionsgesetz. Auf welches Gesetz stützt die SES ihre Subventionsbehauptungen?
Thomas Fehlmann, am 18. April 2017 um 09:51 Uhr
Lieber Thomas Fehlmann, die Lebensdauer von Akkus und Solarpanelen unterschätzen Sie. Tesla gibt auf seine Solarakkus zehn Jahre Garantie. Kein Hersteller würde so viel Garantie geben, wenn er von seinem Produkt nicht überzeugt wäre. Mit den Solarpanelen habe ich selbst Erfahrung. Als Jugendlicher habe ich in den 80er Jahren für Experimente ein kleines 5 Watt Panel von Arco Solar geschenkt bekommen. Das war 15 Jahre auf dem Dach bis es kaputt ging. Ich habe es runter genommen und konnte es reparieren, es waren nur die Kontakte korrodiert. Noch immer produziert es bei voller Sonne 3 Watt. Also etwas weniger als die Nennleistung, aber immer noch deutlich mehr als die Hälfte. Und das nach ca. 30 Jahren.
Stefan Heimers, am 18. April 2017 um 09:55 Uhr
@Thomas Fehlmann: Leute wie sie sind sehr ärgerlich und unverantwortlich, denn sie wollen «wissenschaftlich» getarnte News als Wahrheit verbreiten, haben aber von Wissenschaft nicht sehr viel Ahnung. Der Energieerhaltungssatz gilt nur in geschlossenen Systemen, was die Erde sicher nicht ist, denn die von der Sonne eingestrahlte Energie pro Zeit entspricht ungefähr dem 10'000fachen des Weltprimärenergieverbrauchs. Solange die Menschheit existiert, wird diese Energie gratis zur Verfügung stehen und kann in diesem Zeitrahmen getrost «erneuerbar» genannt werden. Windenergie ist übrigens nichts anderes als umgewandelte Sonnenenergie, und die Erdwärme wird primär durch radioaktive Zerfälle im Erdinneren gespiesen und steht ebenfalls für einen sehr grossen Zeitraum zur Verfügung.
Hier noch ein paar wissenschaftliche Fakten zur Solarenergie,vielleicht wollen sie ja was dazulernen: https://www.greenpeace.ch/wp-content/uploads/2017/01/swa_solar-factsheet_def1_DE.pdf
Ralph Moser, am 18. April 2017 um 10:28 Uhr
Hallo zusammen
ich lese Ihre Kommentare alle sehr gerne, nur, ich wäre Euch allen sehr zu Dank verpflichtet, wenn wir einander bitte, bitte nur in einem sehr sachlichen Ton ansprechen! Nicht nur, dass die damit direkt Angesprochenen einen äusserst schlechten Eindruck hinterlassen - zumindest bei mir - möchte ich darauf hinweisen, dass sehr wohl auch jüngere LeserInnen diese Artikel lesen. Auch wenn mein Wunsch möglicherweise etwas altbacken daher kommen mag, will ich eines klar stellen: Wenn wir nicht in der Lage sind, einander mit Respekt zu begegnen, dann lohnen sich auch solche offenen Blogs nicht!
Respekt, meine lieben Freunde, ist die Basis unseres Zusammenlebens! Ob mit oder ohne Sonnen- oder Windenergie, mit oder ohne Tesla und seine Batterien...
Herzlichen Gruss
Peter C Frey
PETER FREY, am 18. April 2017 um 10:38 Uhr
Was man bei dieser Abstimmung nie vergessen darf, es geht nicht um persönliche Animositäten und Vorlieben einer Generation, die in der besten aller Zeiten aufwachsen und leben durfte, sondern es geht um die zukünftigen Generationen. In was für einer Welt diese Generationen leben dürfen oder müssen, hängt sehr stark von unserem Verhalten heute ab. Sind wir Glücklichen so arrogant und egoistisch, dass wir den späteren Generationen eine kaputte, lebensfeindliche Umwelt hinterlassen, oder nicht?
Ralph Moser, am 18. April 2017 um 10:39 Uhr
Noch etwas zur Atomkraft und wie viel sie staatlich unterstützt worden ist oder nicht: In den 60er Jahren förderten der Bund für Naturschutz SBN (heute Pro Natura) zusammen mit den SP-Bundesräten Willy Spühler, Hans-Peter Tschudi und Willi Ritschard die Etablierung der Atomenergie in der Schweiz, damit nicht noch mehr schöne Bergtäler für die Wasserkraft geopfert werden mussten. Eigentlich nachvollziehbar, wäre da nicht das Abfallproblem...
Heute verlangen ausgerechnet die politischen Erben der oben genannten Institutionen und Personen den Ausstieg aus der Kernenergie und propagieren als „Lösung“ den nächsten Fehler: 1 KKW ersetzt durch 800 bis 1000 Windenergieanlagen mit durchschn. 140 Meter Nabenhöhe und 1000 m3-Stahlbetonfundamenten, 4 Meter tief in den fruchtbaren Ackerboden gegossen. Die liefern Strom zur falschen Zeit am falschen Ort. Auch hier ziegt sich wieder das Problem mit dem nicht vorhandenen, wirtschaftlichen und saisonübergreifenden LANGZEIT-Speicher. Die angesprochene Tesla-Powerwall ist ein Kleinspeicher der bestenfalls eine Woche «glättet».
In den Verwaltungsräten der Energiekonzerne sassen und sitzen immer noch viele Regierungsräte. Es ist billig zu behaupten, die KKW hätten zuwenig Geld für ihre Entsorgung zurückgestellt, wenn es doch genau die Politik war, welche die (finanziellen) Erträge der EW noch so gerne in die hungrigen Staatskassen überführten. Ich bin für absolute, akkurate Umwelt- und Kostentransparenz JEDES Energieträgers. Ohne Scheuklappen!
Peter Seiler, am 18. April 2017 um 10:57 Uhr
@Peter C Frey
Es schient mir, dass nicht alle Teilnehmenden hier an einer sachlichen Diskusison interessiert sind. Immer wieder werden gesicherte Erkenntnisse in Frage gestellt.

Skeptiker nennt man diese Leute, denen man ohnehin nichts recht antworten kann bzw. die immer alles von Neuem in Zweifel ziehen müssen.

Naomi Oreskes hat ein Buch darüber geschrieben: Die Macchiavellis der Wissenschaft – Das Netzwerk des Leugnens. 2014, Wiley-VCH. 400 Seiten. ISBN-13: 978-3527412112, scheint im Handel aber zur Zeit nicht lieferbar.
Ekkehard Blomeyer, am 18. April 2017 um 10:58 Uhr
Das ist die momentan 40. Meinung zum Warmduscher-Thema. Ich habe ein schlechtes Gewissen und gedenke dem infosperber eine Extraspende zu überweisen.

Einige Kommentatoren vermissen Anstand und intellektuelle Redlichkeit in der Diskussion; ich auch, auch Fachkenntnisse. «Wehe denen die nicht geforscht haben und doch reden...» hat Dürrenmatt einst gedichtet.

"Warmduschen» dürfte wohl die bestmögliche Vorstellung über die Lösung des weltweiten Energieproblems der Kreise sein, die uns «Alles Wissenswerte zu unserer Energieversorgung» gratis ins Haus flattern lassen. Eines ist sicher: dieses «Überparteiliche Komitee» hat weder Sackkenntnisse noch Anstand und Redlichkeit. Aber das «Komitee» hat Macht und Interessen und seine Mitläufer werden mit Sicherheit nicht kalt duschen, aber auch denen nicht helfen, die dies müssen.

Nein, auch ich weiss noch nicht, ob Zustimmung oder Ablehnung der bessere Weg in eine prosperierende Energiezukunft der Schweiz ist. Das Vertrauen fehlt mir auf beiden Seiten. Aber eines weiss ich: alles Wissen für die Lösung des Problems ist vorhanden und wird täglich verbessert. Jeder der es wissen will, kann sich im PSI das Modell einer ökologisch nachhaltigen Energieversorgung vorführen lassen. Verständlich für alle, die über die Dimension «Warmduschen» hinaus zu denken vermögen.

Und nicht vergessen: Ohne Gesetz, mit «Marktwirtschaft» allein würde Andermatt heute unter Wasser stehen. 1951 ist dies vermieden worden, per Volksentscheid!
Walter Schenk, am 18. April 2017 um 11:40 Uhr
Tja, rein in der Sache scheint Infosperber gewiss näher bei den Tatsachen zu liegen. Als Stimmbürger muss man aber auch die dynamische Entwicklung vorwegnehmen. Grundsätzlich sind Gesetze immer Zwang, Verbote, verbindliche Anweisungen. Neue Gesetze sind neue Zwänge, neue Verbote, neue verbindliche Anweisungen. Was den Bürger noch mehr wehtut sind sehr oft die daraus entstehenden Verordnungen, die heute niemand kennt. Absichten kann man nur erahnen.

Leider sind die Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen (KVG), SBB, SRG nicht gerade rosig. Auch auf Stufe Gemeinde sieht man bei Abfall, Gasversorgung sehr hohe Preise. Der Staat ist augenscheinlich nie ein low-cost-Anbieter!

Für mich spielen diese Kalkulationen kaum eine Rolle, für mich zählt alleine das Vertrauen und die wirtschaftliche Methode. Vertrauen ist nicht vorhanden und für eine Ausweitung der Kommandowirtschaft habe ich nun gar keine Sympathie.

Daraus folgt ein Nein.
Alessandro Meier, am 18. April 2017 um 11:57 Uhr
BITTE BETRACHTEN SIE DEN MEINUNGSAUSTAUSCH ZU DIESEM ARTIKEL ALS ABGESCHLOSSEN. DIE REDAKTIONSLEITUNG.
Urs P. Gasche, am 18. April 2017 um 12:54 Uhr

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