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Olivia Maurel im tschechischen Parlament: ««Es sollte normal sein, dass man Kinder nicht kauft und Frauen nicht als Brutkästen benutzt.» © OM

Betroffene: «Die Leihmutterschaft ist unmenschlich»

Barbara Marti /  Olivia Maurel wurde von einer Leihmutter geboren. Sie sagt, Leihmutterschaft sei ein Geschäft auf Kosten von Frauen und Kindern.

Die heute 32-Jährige wurde von einer Leihmutter in den USA geboren. Das liegt bis heute wie ein Schatten über ihrem Leben. Die US-Französin engagiert sich deshalb öffentlich für ein weltweites Verbot der Leihmutterschaft. Der Schritt an die Öffentlichkeit sei nicht einfach gewesen, sagte Maurel im Interview mit der konservativen US-Podcasterin Allie Beth Stuckey. Sie sei bestellt, bezahlt und abgeholt worden. An ihr klebe ein Preisschild. «Ich bin viel Geld wert.» Kinder von Leihmüttern sollten den Bestelleltern deshalb dankbar sein. Das unterscheide sie von adoptierten Kindern.

Agentur sah nur den Profit
Heute fühle sie sich als Kind einer Leihmutter wie ein Produkt, sagte Maurel Ende letzten Jahres an einer internationalen Konferenz zum Thema Leihmutterschaft im tschechischen Parlament. Doch ein Kind dürfe niemals wie eine Ware bestellt, bezahlt und abgeholt werden. Leihmutterschaft sei unethisch und unmenschlich. Anhand ihres Beispiels schilderte sie, dass es der Vermittleragentur nur um den Profit ging. Ihre Leihmutter sei psychisch labil gewesen, als die Agentur sie an ihre Eltern vermittelte. Sie habe Depressionen gehabt und kurz vor Beginn der Schwangerschaft einen kleinen Sohn bei einem tragischen Unfall verloren. Trotzdem habe die Agentur sie als Leihmutter engagiert. «Die Agentur sah nur das, was sie sehen wollte. Und das war das Geld, das sie mit dieser Frau verdienen konnte.» Ihre Leihmutter habe damals zudem finanzielle Probleme gehabt. Die Agentur habe die finanzielle Not dieser Frau ausgenutzt, die ihre Kinder ernähren und ihre Rechnungen bezahlen musste. 

«Ich fühlte mich verlassen»
Maurel kam per Kaiserschnitt zur Welt. Sie wurde direkt den Auftragseltern übergeben, obwohl sie nur ihre Leihmutter kannte, die sie neun Monate lang ausgetragen und mit ihr gesprochen hatte. «Das Gefühl, verlassen worden zu sein, verfolgt mich mein ganzes Leben», sagte Maurel in Prag. Sie sei ein schwieriges Kind mit erheblichen psychischen Problemen gewesen. «Ich war sehr, sehr einsam.» Sie habe gespürt, dass etwas nicht stimmt. Doch sie wusste nicht, was es war. Ihre Eltern verschwiegen ihr drei Jahrzehnte lang, dass eine Leihmutter sie ausgetragen und geboren hatte. Erst mit 31 Jahren fand sie heraus, dass ihre Mutter nicht ihre biologische Mutter ist. «Nicht zu wissen, wo ich herkomme, hat verhindert, mich zu finden.» Heute hat sie Kontakt zu ihren Halbgeschwistern und zu ihrer Leihmutter, die auch ihre biologische Mutter ist. Juristisch spricht man in diesem Fall von der «Ersatzmutter».

«Nichts kann Leihmutterschaft rechtfertigen»
Ein Kind dürfe nicht zur Ware werden und eine Frau nicht zu einem Brutkasten, sagte Maurel im Interview mit Allie Beth Stuckey. Der Entscheid ihrer Eltern für eine Leihmutterschaft habe ihr ganzes Leben geprägt. Sie kämpfe deshalb gegen die «Grausamkeit Leihmutterschaft». Sie klage nicht ihre Eltern an, sondern Gesetze, die Leihmutterschaft erlauben. Leihmutterschaft könne man nicht einfach regulieren, sondern müsse sie verbieten. «Wenn nur ein Kind wegen der Leihmutterschaft so viele Probleme hat wie ich, sollte das alle überzeugen. Nichts kann Leihmutterschaft ethisch rechtfertigen.» Es sei Menschenhandel, wenn man Eizellen und Kinder kaufen und Gebärmütter mieten könne. «Es sollte keine politische Frage sein, sondern normal, dass man Kinder nicht kauft und Frauen nicht als Brutkästen benutzt.»

Kontroverse unter Feministinnen
Unter Feministinnen ist Leihmutterschaft umstritten. Die Befürworterinnen der Leihmutterschaft argumentieren mit dem Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Diese sollen mit ihrem Körper machen dürfen, was sie wollen. Die Gegnerinnen sagen, Leihmutterschaft sei ein lukratives Geschäft auf Kosten von Frauen in prekären finanziellen Verhältnissen. Maurel, die sich als Feministin und Atheistin bezeichnet, argumentiert ähnlich. Sie sagt, Leihmutterschaft schade Frauen und Kindern. «Kinder haben das Recht zu wissen, woher sie kommen, und nach der Geburt nicht von der Frau getrennt zu werden, die sie geboren hat.»

Maurel war laut dem Portal «investigace.cz» letztes Jahr Hauptrednerin an einer Konferenz in Marokko, die konservative Gegner der Leihmutterschaft organisiert hatten. Am Ende dieser Konferenz stand eine Erklärung, in der ein weltweites Verbot der Leihmutterschaft gefordert wurde. Konservative argumentieren oft wie Frauenrechtsaktivistinnen mit der Ausbeutung der Körper von Frauen. Doch dieses Argument ist nur vorgeschoben. In erster Linie wollen sie verhindern, dass diverse Paare mit einer Leihmutter sich ihren Kinderwunsch erfüllen können. 


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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