Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger (rechts) und Priesterin Juanita Cordero vor dem Petersdom, aus dem sie mit Gewalt hinausgeworfen wurden. © -

Bischöfin mit Gewalt aus dem Petersdom geworfen

Kurt Marti / 05. Jul 2012 - Als die katholische Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger eine Messe im Petersdom besuchen wollte, wurde sie hinausgeschmissen.

Ende April wollten die katholische Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger aus Österreich und die Priesterin Juanita Cordero aus den USA eine Frühmesse im Petersdom in Rom besuchen. Als die Bischöfin und die Priesterin, welche als normal gekleidete Touristinnen anwesend waren, die Kommunion empfangen wollten, kam es zum Tumult. Sie wurden von den katholischen Priestern erkannt, «am Empfang der Kommunion mit physischer Gewalt gehindert» und «aus dem Dom hinausgeschmissen», wie die Bischöfin gegenüber der Sendung «Perspektiven» von SR DRS 2 vom letzten Sonntag erklärte (siehe Link unten). «Das hat mich so erschüttert, weil ich nicht fassen konnte, dass ein Priester in liturgischer Kleidung eine Priesterin physisch angreift.»

«Es ist eine Bestrafung, die nicht funktioniert»

Der Hinauswurf ereignet sich kurz vor dem 10-jährigen Jubiläum der Bischofs- bzw. Priesterweihe der beiden Frauen. Am 29. Juni 2002 weihte nämlich der argentinische Bischof Rómulo Braschi 7 Frauen zu Priesterinnen und Christine Mayr-Lumetzberger auch zur Bischöfin. Bischof Braschi war ursprünglich Priester der römisch-katholischen Kirche. 1998 wurde er Bischof der katholisch-apostolischen Kirche, welche im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche die Frauen zum Priesteramt zulässt und das Zölibat nicht als Bedingung vorschreibt.

Der Vatikan anerkannte die Weihe durch Bischof Braschi nicht und exkommunizierte die Bischöfin und die Priesterinnen. Der Medienrummel war gross. Bischöfin Mayr-Lumetzberger erklärte: «Es ist eine Bestrafung, die nicht funktioniert. Wir möchten in der Kirche weder Geld verdienen noch Karriere machen.»

Mayr-Lumetzberger war zwischen ihrem 20. und 25. Lebensjahr Benediktinerin. Dann verliess sie das Kloster und heiratete. Trotz ihrer Kritik an der katholischen Kirche bezahlt sie immer noch die Kirchensteuern in Österreich. Heute gibt es ungefähr 130 Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen weltweit, welche vor der Weihe einen Abschluss in Theologie aufweisen müssen.

Das Resultat des «Mechanismus der Diktatur»

Bischöfin Mayr-Lumetzberger gibt sich auch nach zehnjähriger Dissidenz kämpferisch. In einem Artikel auf der Internetseite der römisch-katholischen Priesterinnen (siehe Link unten) beklagt sie, dass die katholische Kirchen immer weiter «rückwärts» gehe und «dass die Frauen in der Liturgie eine immer kleinere Rolle spielen». Dies sei das Resultat des «Mechanismus der Diktatur», der in der Kirche herrsche. Die Angst vor einem Hinauswurf sei sehr gross, sobald Kritik geäussert werde.

Es geht laut der Bischöfin nicht nur um Priesterinnen, sondern «auch um Schwule und Lesben, geschiedene Katholiken, Verhütungsmittel; man verschliesst sich all diesen Fragen». Doch sie hofft auf den Nachfolger des jetzigen Papstes, der «vielleicht die Frauen mit offenen Armen aufnehmen wird».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Kurt Marti ist Journalist und wohnt in Brig-Glis. Er ist mit dem Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti nicht verwandt.

Weiterführende Informationen

SR DRS 2, 1. Juli 2012
Bericht auf der Website der römisch-katholischen Priesterinnen

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.