«Ich wurde ungenügend informiert. Heute würde ich an keinem Brustkrebs-Screening mehr teilnehmen.» © 3-Sat
«Die Nachteile überwiegen die Vorteile» © 3-Sat

Brustkrebs-Überdiagnose schadet Patientinnen

Red. / 11. Feb 2015 - Die Brustkrebs-Früherkennung «sollte gestoppt werden, weil der Schaden überwiegt», sagt Präventivmediziner Professor Peter Jüni.

Der TV-Sender 3-SAT strahlte einen Bericht aus über die Früherkennung von Brustkrebs mit Screenings. Einmal mehr wurde kritisiert, dass die meisten Frauen über die Risiken zu wenig informiert werden.

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Professor Peter Jüni

Unter 1000 Frauen sterben vier trotz Vorsorgeuntersuchung am Brustkrebs, ohne Screening fünf. Dafür werden zehn Frauen unnötig behandelt, so Peter Jüni, Direktor des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Und überdies stirbt eine Frau in der Screening-Gruppe mehr an anderen Ursachen, denn es komme zu mehr Herzinfarkten oder Lungenkarzinomen durch die Überdiagnose.

Ob mit oder ohne Screening zur Früherkennung: Es wird kein einziger Todesfall verhindert (eine Frau von 1000 stirbt weniger an Brustkrebs, dafür an einer andern Todesursache). Allerdings werden zehn Frauen wegen Brustkrebs behandelt – ohne Nutzen.

«Fair über Nutzen und Risiken aufklären»

Eine vergleichbare Diskussion hat auch in Deutschland begonnen: Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), forderte, die Frauen endlich fair über Nutzen und Risiken aufzuklären. In Deutschland unterziehen sich jährlich 2,7 Millionen Frauen einer regelmässigen Untersuchung der Brust.

Frauen der betreffenden Altersgruppe erhalten bisher regelmässig ein Merkblatt, das für die Teilnahme am Screening wirbt. Dieses Merkblatt stösst auf Kritik, weil darin der Nutzen der Mammografie völlig übertrieben werde. «Es schweigt sich darüber aus, dass die Gesamtsterblichkeit in der Screening-Gruppe gleich hoch ist wie in der Nicht-Screening-Gruppe», sagte Gerd Gigerenzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Beim zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Spitälern und Kassen (G-BA) hiess es, das Merkblatt werde derzeit überarbeitet.

Viele Betroffen fühlen sich falsch informiert

Der Nutzen der Untersuchung werde überschätzt, während über Risiken wie falsche Positiv-Befunde nur wenig bekannt sei, heisst es auch in dem im Februar 2014 veröffentlichten Gesundheitsmonitor der deutschen Barmer Ersatzkasse und der Bertelsmann-Stiftung. 30 Prozent der Frauen glaubten, dass schon die Teilnahme am Mammografie-Screening verhindere, dass sie an Brustkrebs erkranken. Befragt wurden 1852 Frauen im Alter von 44 bis 63 Jahren.

Der Bremer Mediziner Professor Norbert Schmacke, einer der Autoren des Gesundheitsmonitors, hält das Ausmass der Informationsdefizite für besorgniserregend. Es fehle an verständlichen Informationen.

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg bestätigte die Ergebnisse. Viele Anruferinnen seien zwar vorinformiert. «Dennoch hören wir immer wieder den Satz: 'Da bin ich immer zur Vorsorge gegangen und bekomme trotzdem Krebs', sagte Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst.

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Siehe:

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Keine

Weiterführende Informationen

Brustkrebs-Sreening: Das müssen Frauen unbedingt wissen

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3 Meinungen

@Keusch. Lesen Sie doch unser Dossier «Sinn und Unsinn der Früherkennung», dann wissen Sie Bescheid. Es ist unethisch und verwerflich, als pekuniären Gründen medizinische Untersuchungen zu verordnen, die mehr schaden als nützen.
Urs P. Gasche, am 11. Februar 2015 um 15:13 Uhr
Die medizinische Wissenschaft weiss ja schon lange diese Tatsache: bessere Früherkennung von Brustkrebs (oder erhöhte Überlebenschancen/grössere Heilungschancen) bedeuted nicht weniger Todesfälle von Brustkrebs. Die Andeutungen mit besserer Früherkennung ist medizinische Propaganda.

Die echten Fakten über Brustkrebs und Mammografie (Bruströntgen) haben schon lange gezeigt, dass die Früherkennung von «Krebsen» mit Präventionsmaßnahmen (Beispiel: Mammografie) in vielen Fällen wegen Überdiagnosen falsch ist, aber ganz viele Frauen trotzdem behandelt werden. Das Ergebnis is, dass Millionen von Frauen missbehandelt und umgebracht worden sind wegen diesen «fortgeschrittenen» Untersuchungen und medizinischen Behandlungen (Quellen: Peter Gotzsche's 'Mammography Screening: Truth, Lies and Controversy' and Rolf Hefti's 'The Mammogram Myth' - sehe http://www.supplements-and-health.com/mammograms.html ).

Jeder der dieses Thema ein wenig genauer anguckt, kann sehen, dass es fast ausschliesslich fabrizierte Statistiken und «wissenschaftliche» Daten/Evidenz vom medizinischen Riesengeschäft sind, die diese Tests unterstützen.

Das riesige medizinische Krebsgeschäft hat schon jahrzehntelang das Volk angelogen mit falschen Statistiken. Dieses riesengrosse Geschäft sagt den Leuten wie unglaublich «forgeschritten» ihre Präventionsmaßnahmen, Untersuchungen und Behandlungen sind, aber verschweight den grossen Schaden die sie wirklich anrichten. Es ist fast alles Lüge.
Hans Meier, am 12. Februar 2015 um 10:43 Uhr
Es ist immer frappant festzustellen wie «neue» Krankheiten gefunden werden, für die medienwirksam nach Erkrankten gesucht und eine dringende Therapie empfohlen wird. Meine Frau hat die Mammographieveranstaltung stets als Arbeitsbeschaffung für den Medizinsektor gesehen. Der Kanton (SG) trägt die Kosten der Organisation, die Krankenkassen die Kosten der Untersuchungen. Und logischerweise auch die Behandlungskosten der falschpositiven Fälle. Echte Prävention sieht anders aus. Peter Jüni schulden wir Dank für seine Klärung.
Jürg Schmid, am 16. Februar 2015 um 18:45 Uhr

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