Ueli Maurer spricht Klartext

Christian Müller © aw
Christian Müller / 01. Feb 2014 - In einem Interview im «Schweizer Monat» erklärt der SVP-Bundesrat, woher die neuen bürgerlichen Stimmen kommen.

Auszug aus dem Interview von Chefredaktor René Scheu mit Ueli Maurer:

Ueli Maurer, auf die Frage, warum die Schweiz wieder bürgerlicher werde: «Wir erleben heute eine bürgerliche Frauengegenbewegung. Mussten Frauen sich bis vor kurzem als links geben, wenn sie nicht geächtet werden wollten, können sie nun ihre freiheitlichen Haltungen offen zeigen. Und sie tun es gekonnt. Gerade jüngere Frauen sind sehr leistungsorientiert und halten nichts von staatlicher Bevormundung.»

René Scheu: «Auf Sie haben die Schulen offensichtlich nicht abgefärbt. Sie glauben an eine Wiederverbürgerlichung der Schweiz dank politisierender Frauen?»

Ueli Maurer: «Absolut. Von da kommt viel frischer Wind. Der Feminismus ist doch völlig vorbei. Aber wir haben auch noch andere Verbündete, an die wir zu wenig denken.»

René Scheu: «Wen meinen Sie genau?»

Ueli Maurer: «Gehen wir einmal davon aus, dass mein Eindruck stimmt: Die Schweiz ist heute bürgerlicher als vor 20 Jahren. Dabei müssen wir in Betracht ziehen, dass eine Generation von tendenziell bürgerlichen Wählern in der Zwischenzeit verstorben ist. Viele Junge ticken heute wieder leistungsorientiert, weil sie wissen, dass die Welt nicht auf sie gewartet hat, aber eine weitere Gruppe kommt hinzu: eingebürgerte Ausländer, die übers Jugendalter hinausgewachsen sind. Wir haben in den letzten 20 Jahren 600'000 Leute eingebürgert, das muss man sehen. Viele Leute kommen eben in die Schweiz, weil sie etwas leisten wollen. Weil die Schweiz insgesamt bürgerlicher tickt als ihre Nachbarländer, haben die Einwanderer hier die Möglichkeit, durch eigene Leistung etwas zustande zu bringen. Und sie wollen ihre Chance nutzen – anders als viele hier geborene Schweizer.»

René Scheu: «Diese Einwanderer kommen wegen der guten Wirtschaftslage und der hohen Lebensqualität. Das ist ja völlig legitim.»

Ueli Maurer: «Genau. Schauen Sie sich nur mal die Türken an, die mittlerweile an jeder zweiten Ecke einen Kebabstand betreiben. Das sind leistungsorientierte Kleinunternehmer, die Eigenverantwortung leben. Sie wollen reich werden und erfolgreich sein. Und sie wollen, dass ihre Kinder an die besten Schulen gehen. Das sind bestimmt keine Sozialdemokraten.»

Ende Auszug aus dem Interview.

Lassen wir es uns doch nochmals auf der Zunge zergehen:

Ueli Maurer: «Viele Junge ticken heute wieder leistungsorientiert, weil sie wissen, dass die Welt nicht auf sie gewartet hat, aber eine weitere Gruppe kommt hinzu: eingebürgerte Ausländer, die übers Jugendalter hinausgewachsen sind. Wir haben in den letzten 20 Jahren 600'000 Leute eingebürgert, das muss man sehen. Viele Leute kommen eben in die Schweiz, weil sie etwas leisten wollen. Weil die Schweiz insgesamt bürgerlicher tickt als ihre Nachbarländer, haben die Einwanderer hier die Möglichkeit, durch eigene Leistung etwas zustande zu bringen. Und sie wollen ihre Chance nutzen – anders als viele hier geborene Schweizer.»

Ende Zitat.

Bisher hat es aus SVP-Kreisen immer geheissen, die Ausländer kommen, um von unserem Sozialsystem zu profitieren.

Und jetzt das.

***

Zum ganzen Interview.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Warum viele Ausländer gerne in die Schweiz kommen möchten (auf Infosperber)

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4 Meinungen

Wegen ein paar dummen Sprüchen, «die keine Geiss wegschleckt", habe ich Maurer lange unterschätzt. Über Ausländer, sofern nicht kriminell oder Sozialhilfebezüger, hat er sich immer so geäussert, im Gegensatz zu Mörgeli, der keinen Chef wollte, der Schulze heisst und dafür zur Strafe Condrau bekam, einen Bündner CVP-Linksabweichler.

Falls es bei InfSpe noch Zweifler gibt, mag der leider zu spät platzierte Leitartikel von Markus Spillmann in NZZ von gestern dringend konsultiert werden. Besonnene Initiativkritik jenseits von Panikmache. Zu denken gibt der Hinweis, dass hochmobile Globalplayer-Eliten die innenpolitischen Probleme der Schweiz der politischen Miliz, dem föderalistischen System und der von ihnen nicht sehr ernst genommenen direkten Demokratie überlassen, deren wahre Vorzüge neben tatsächlichen Schwächen in Europa und Amerika nicht vorausgesetzt werden können.

Heutige Sonntagszeitungen bestätigen, dass Gewerkschaftspräsident Rechsteiner am letzten Montag mit seinem Hinweis, dass es mit Billiglohneinwanderung bei JA noch schlimmer kommen könne, recht behalten könnte. Allerdings bestimmt nicht die SVP die Ausführungsgesetzgebung. So wäre über Mitte-Links wohl nach einem Ja ein Mindestlohn ev. mehrheitsfähig. Die CVP ist aber nicht nur in der Abtreibungsfrage nicht papsttreu, sie politisiert weder christlich noch grundsatzorientiert. Gestern bekannten mir einstige Wähler von Caritas-Fasel, dass sie nichts gegen Ausländer hätten, womit sich ein Ja zu MEI ausdrückt.
Pirmin Meier, am 02. Februar 2014 um 12:38 Uhr
@ Pirmin Meier Ihre Gedankengänge in Ehren - doch wir können am 9. Februar 2014 nur mit einem schlichten JA oder Nein antworten. Ich stimme ja. Was stimmen Sie?
Wirth Sabine, am 02. Februar 2014 um 12:54 Uhr
Ich bin als Lehrer der Staatskunde beeindruckt von einer noch nie dagewesenen Bekenntniswut in den online-Foren, besonders bei den Befürwortern, das konnte man sich zur Zeit Schwarzenbachs noch nicht leisten. Ein fastreligiöses massenpsychologisches Phänomen. Ich bleibe volkskundlich-historischer Analytiker, der bei praktisch jeder Abstimmung mit jedem Resultat leben kann. Der hochverdienten Sabine Wirth, mit der ich seit der Rheinfallwanderung mit Minder eigentlich per Du bin, sage ich nur, dass Ecopop-Chef Roch mit seinem Aufruf zum Nein unterdessen von Ständerat Schwaller im Prinzip zurückgepfiffen wurde, weil Schwaller Ecopop wie einst Blocher für ungültig erklären lassen will. Darum bleibt den MEI-Kritikern bei Ecopop im Moment nichts anderes übrig, als am 9. Februar Ja zu stimmen, ev. wider Willen.

Wenn ich Ecopop gegen den Vorwurf «grün-braun» und «Ökofaschismus» in Schutz zu nehmen geneigt bin, muss ich mich deswegen nicht vorher zu Ecopop bekennen, schon weil es dort wie überall leider Übereifrige gibt. Hingegen weiss ich aus Primärquellen, dass Unternehmer Hans Minder, Vater von Thomas Minder, Ecopop-Mitgründer, sich in einer Broschüre von 1987 auf den Nawu-Report von Grünenpionier Samuel Mauch, Vater von Corine Mauch, berufen hat sowie auf die Berichte des Club of Rome. War Vater Minder ein «Ökofaschist", dann weiss ich auch nichts mehr.

Nichtfanatiker wissen erst hinterher, ob sie «richtig» oder «falsch» gestimmt haben. Das ist im Moment hochgradig der Fall.
Pirmin Meier, am 02. Februar 2014 um 14:21 Uhr
was heisst eigentlich «bürgerlich"? ... und wie wird dieser Code verstanden bzw verwendet und (leider auch) angenommen?
"Links» war einmal liberal... Heute ist vieles dogmatisiert, die Dogment kommen nicht mehr von Rom (gut so), sondern von der HSG... Die Worthülsen werden mit neuen Inhalten gefüllt, wie es eben dienlich ist... Es erstaunt mich sehr, das sich «Linke» die Bürgerschaft nehmen lassen, Fachleute stecken Leute in Fächer und diese lassen es einfach zu :-(
Urs Lachenmeier, am 02. Februar 2014 um 20:44 Uhr

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