Fussball ohne Ball: Männerrunde statt Buffon und Lichtsteiner auf dem Bildschirm bei «Telenova» © N.Ramseyer

Fussball ohne Ball: Männerrunde statt Buffon und Lichtsteiner auf dem Bildschirm bei «Telenova»

Privater TV-Schabernack statt Service Public

Niklaus Ramseyer / 16. Apr 2015 - Die Champions League zeigt schön, was wir an der SRG haben. Und was uns droht, wenn die TV-Privatisierer am 14. Juni gewinnen.

Wer am letzten Dienstag Abend auf den 240 Sendern (ohne SRF) bei Swisscom-TV den Champions-League-Knüller Juve Torino gegen Monaco suchte, wurde enttäuscht. Totale Fehlanzeige – auch bei den fast 20 italienischen Stationen. Und bei diesen spielte sich teils Groteskes ab: «Telenova» etwa zeigte den ganzen Abend eine geschwätzige Männerrunde, die vor sich ganz offensichtlich ein Fernsehgerät stehen hatte, in dem der Match lief. Doch sie zeigten uns keine Bilder davon. Nur immer sich selber und im Ton ihre Sprüche, die mitunter grobschlächtig bis obszön daherkamen.

Fernsehgerät wird zum Radio

Da wurde also faktisch das teure Fernsehgerät zum Radio. Wobei für Gehörlose immerhin oben im Bild eine Wanderschrift laufend über das Geschehen auf dem Spielfeld in Torino berichtete. Und als lustige Auflockerung prangte an der Wand hinter den fünf Experten ein Tippkick-Fussballfeld, auf dem zwischendurch mal einzelne Spielzüge mit roten und weissen Magnetknöpfen nachgestellt wurden – fast wie in Russland jeweils bei Schachturnieren.

Kurz und ungut: Totaler privater TV-Schabernack statt anständiger Service public. In Italien lief die Übertragung wohl auf einem Bezahl- und Profit-Kanal, der die Fussballfans auch noch in ihrer Wohnstube abzockte. Telenova war zudem nicht der einzige Sender, auf dem ein solches Fussballspiel ohne Ball lief.

Lob und Kritik für SRG

Das alles wäre sehr frustrierend gewesen, hätten wir nicht unsere SRG: Sie zeigte uns auf SRF2 das Madrider Stadt-Derby Atletico gegen Real. Und auf dem zweiten welschen und dem zweiten Tessiner Kanal Juve gegen Monaco. Alles kostenlos und im Bilag-Beitrag inbegriffen. Vorab Fans in Norditalien werden dankbar unseren zweiten Tessiner Kanal eingeschaltet haben.

Das ist leider nicht immer so: Statt etwa bei den Playoff-Halbfinals im Eishockey auf dem zweiten welschen Kanal Genf gegen Zürich und im zweiten Deutschschweizer Kanal Bern gegen Davos zu zeigen, lief da auf allen drei Sportkanälen immer nur eine der beiden Partien. Da könnte die SRG durchaus noch zulegen – und kundenfreundlicher werden.

Ärgerlich ist vor allem, dass auch in den Pausen das andere Spiel dann nicht wenigstens zusammengefasst wird – und die SRF-Reporter angestrengt 15 Minuten lang das bereits Gesehene wiederkäuen. Man muss schon nur die Zwischen-Resultate mühsam im Teletext suchen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor hat keine Interessenbindungen mit SRG und SRF.

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17 Meinungen

Ich mag aber keine TV-Gebühren zahlen, damit andere SeherInnen Sportereignisse verfolgen können, für deren TV-Rechte Unsummen jenseits von Gut und Böse ausgegeben werden. Bislang ohne TV bezahlte ich auch keine TV-Gebühren (und darum war mir das alles völlig egal), aber bald werde ich ja zwangsbeglückt. Service Public? Ein Fussballmatch im Ausland? Sonst noch was?
Felix Rothenbühler, am 16. April 2015 um 11:22 Uhr
Ich finde es ausgesprochen störend, wenn man etwas als service-public definiert, für dessen Uebertragung der TV-Sender etwas zahlen muss. Ein Anlass, zu dem ich Eintritt zahlen muss, ist kein öffentlicher, deswegen muss das auch nicht zwingend kostenfrei übertragen werden, es sei denn, der Sender Zahlt auch nichts. Auf dem Umweg über TV-Gebühren die Sport-Unternehmen zu finanzieren halte ich für ausgesprochen inkorrekt.
andreas burger, am 16. April 2015 um 11:49 Uhr
"@Burger: SRF also ohne Sport, denn zu praktisch allen Sportanlässen wird Eintritt verlangt. Ihre Meinung in Ehren, ich halte dies aber für absoluten Quatsch. Ich geniesse Ski, Fussball usw. und will nicht für jede Uebertragung separt bezahlen.
Peter Gadient, am 16. April 2015 um 14:10 Uhr
@ gadient: wenn aus dem Gebühren Eintritt bezahlt wird, dann zahlen Sie defacto jedes Mal Eintritt, mit dem Unterschied, dass all jene, die das nicht ansehen diesen Eintritt auch zahlen müssen. Ich finde halt, entweder wollen die Veranstalter im öffentlichen TV kommen, dann sollen sie keine Gebühren verlangen, oder ....
andreas burger, am 16. April 2015 um 14:28 Uhr
NACHTRAG: Wie wärs, wenn die Parteien für die Uebertragung ihrer Kongresse und DVs vom TV eine Gebühr verlangten, aber auch darauf bestünden, dass diese Berichterstattung natürlich zum Service Public gehöre? Sowas trauen sich halt eigentlich nur die Sportunternehmen...
andreas burger, am 16. April 2015 um 14:33 Uhr
@Burger: Wenn ich Sie richtig verstehe (und das ist schwierig), dann soll das Fernsehen nur noch Sachen übertragen, welche gratis sind. Soll ich Sie wirklich ernst nehmen??
Peter Gadient, am 16. April 2015 um 16:16 Uhr
Man könnte ja mal die Eintritts-Frage der übertragenen Events ausser Acht lassen und die Sache wesentlich genereller betrachten. Die Kernfrage ist doch eigentlich, was Service Public ist. Für mich persönlich ist Fussball am TV schlicht kein Bedürfnis. Das darf also liebend gerne an kostenpflichtige Kanäle «ausgelagert» werden. Ebenso verhält es sich mit Formel 1.

Warum also soll es besser sein, wenn SRF sowas überträgt und dafür Millionen ausgibt? Das ist schlicht subjektiv. Nehmen wir mal an, ich interessiere mich für Kanu-Sport. Wird das zur Primetime auf SRF 1 übertragen? Oder das Wettschiessen des Schützenverein Hinterpfuiteufel? Dafür gäbe es wohl in der Schweiz ein riesiges Publikum, trotzdem wird es nicht ausgestrahlt. Warum wohl? Erstens, weil sich SRF mit einer derartigen Übertragung vermutlich mit ziemlich viel politischem Gegenwind konfrontiert sähe. Und zweitens, weil SRF im Umfeld einer solchen Übertragung schlicht keine Werbung verkaufen könnte. Also findet es nicht statt, obschon der Schützensport durch die Armee-Regelung des «Obligatorischen» sogar indirekt von uns allen subventioniert wird, der Eintritt (gemäss Andreas Burgers obiger Logik) also bereits beglichen wäre.

Die grossen Sportveranstaltungen haben halt das Geschäftsmodell «s'Weggli und de Batze» hingekriegt: Den Sponsoren verkaufen sie die Medienpräsenz, den Medien verkaufen sie die Übertragungsrechte. Das ist schlicht ein äusserst cleveres Business und hat mit Service Public gar nichts zu tun.
Sam Mueller, am 16. April 2015 um 18:02 Uhr
Sport ist für die einen eine Ersatzreligion geworden, für andere gehört es zum Politprinzip Brot-und-Spiele.
Wir könnten die Medien als Religionsgemeinschaft anerkennen, mit Steuerhoheit und Oberguru etc. Sekten von Sport oder Wirtschaft, dann könnte man endlich auch austreten und die Mediensteuer sparen.
Urs Lachenmeier, am 16. April 2015 um 22:41 Uhr
Wenn Herr Ramseyer Freude hat an Championsleague-Matches, heisst das noch lange nicht, dass ich als Fernsehabstinent seit Jahrzehnten zu einem Zwangsabonnement verpflichtet werden soll. Andererseits gibt es öffentliche Lokale, Beizen und im Kanton Fribourg jetzt neuerdings Kinos, wo man Fussball gucken kann. Dies kann durchaus einen gemeinschaftsbildenden Faktor bedeuten.
Pirmin Meier, am 17. April 2015 um 09:31 Uhr
Wenn Herr Ramseyer Freude hat an Championsleague-Matches, heisst das noch lange nicht, dass ich als Fernsehabstinent seit Jahrzehnten zu einem Zwangsabonnement verpflichtet werden soll. Andererseits gibt es öffentliche Lokale, Beizen und im Kanton Fribourg jetzt neuerdings Kinos, wo man Fussball gucken kann. Dies kann durchaus einen gemeinschaftsbildenden Faktor bedeuten.
Pirmin Meier, am 17. April 2015 um 09:31 Uhr
Für mich gehört es zum Service Public, dass etwas Sport gezeigt wird, auch wenn ich mir das nie anschaue, genau wie ja auch Opern, Konzerte, Doc- und Spielfilme, etc. gezeigt werden, für welche auch Kosten anfallen.

Da aber die Übertragungsrechte speziell von hoch-karätigen Fussballspielen und ähnlich populären Sportarten (WM- und so) exorbitant sind, bin ich dagegen, diese zu zeigen, weil es eine Erpressung der SRG durch übermässig profitorientierte Sportverbände darstellt. Wie sich die hier thematisierten Champions League diesbezüglich einordnet, kann ich nicht beurteilen.
Theo Schmidt, am 17. April 2015 um 10:08 Uhr
@Schmidt. Die Fernsehrechte, auch für die FIFA, gehen in die Milliarden. Das ist mit Service public betr. rätoromanische Kultur oder Uebertragung eines Schwingfestes nicht zu vergleichen. Eigentlich haben hier Konzessionsgelder nichts mehr verloren
Pirmin Meier, am 17. April 2015 um 10:28 Uhr
Ich bin ein anspruchsloser Sportsfreund, sähe aber gerne mehr gutes Theater, interessiere mich für Politik und freue mich an vielen Filmklassikern, die oft zur falschen Zeit gesendet werden. Die Sportversorgung ist in Ordnung, aber die Versorgung mit meinen Favoriten entspricht oft weder von der Quantität noch von der Qualität her meinen Bedürfnissen. Ich hoffe, dass es besser wird und stimme für die Gesetzesrevision. Auch wenn mir die nach oben offene Gebühren- sprich Abgabehöhe in der Kompetenz des Bundesrates nicht passt. Wir können das Terrain nicht den Privaten überlassen, die sich keinen Versorgungsproblemen stellen müssen. Peter Graf, Bern
Peter Graf, am 20. April 2015 um 16:19 Uhr
Ein «anspruchsvoller Sportsfreund»... bewegt sich selbst. Es existieren sowieso nur die populistischen Sportarten in den Medien. Gerecht wäre, alles zu bringen oder alles zu streichen.
Das grosse Problem finde ich ist, dass sich unsre Staatsender den privaten Sender längst angepasst haben. Qualität müssen wir leider vergessen.
Beispiel der letzte Zischtigsclub zum Thema Zwangspsychiatrie. Da wurde der politische Missbrauch der Psychiatrie in unsrem Land nicht einmal thematisiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Redaktion noch nie etwas von politischem Missbrauch der Psychiatrie gehört hat! Sportresultate zu verkünden ist viel einfacher, als den Fällen POLITISCHER Zwangspsychiatrie auf den Grund zu gehen. Und falls es das bei uns gar nicht gibt, um so schöner wäre es, dies nach echter Recherche zu vernehmen!
Urs Lachenmeier, am 20. April 2015 um 18:07 Uhr
Ich gebe Ihnen voll recht, Herr Lachenmeier. Es gibt zu viele Diskussionen, bei denen man absichtlich oder halt aus Naivität oder wegen der Personalpolitik betr. die Geladenen gar nicht auf die heikelsten Punkte kommt, gewiss nicht nur beim Fernsehen. Das Zwangsabonnement bietet zwar praktisch einige Vorteile für den statistisch errechneten Durchschnittszuschauer, ist aber als eine Art Kirchensteuer auf der Basis von Zivilreligion wohl nicht nur für Sie und mich (als weitgehenden Abstinenten, aber doch auch schon geladenen Gesprächsteilnehmer) tendenziell eine Zumutung.
Pirmin Meier, am 20. April 2015 um 20:31 Uhr
Fussball und Autorennen lasse ich beiseite, betrachte es als unvermeidbaren «Rüstabfall». Aergerlich ist, dass diese Veranstalter Unsummen für die Übertragung verlangen.
Jürg Schmid, am 21. April 2015 um 11:50 Uhr
Schön wäre, wenn die Champions-League-Technologie auch in anderen Gebieten eingesetzt wird:

Zum Beispiel Torlinientechnologie für die Verhandlungen zwischen der USA und der EU TTIP/TISA.

Wann ist die Torlinie überschritten? Wann Eigentor, wann Abseits?

Freistossspray für die Volkszertreter! Hier und nicht weiter!

Laufkilometer zählen, Laufwege aufzeichnen, Fehlpässe, Fouls feststellen.

Diesen Verhandlungspunkt in der Wiederholung! Intransparente Einigungen nochmals in Zeitlupe – von allen Winkeln bitte!

Ein Pauseninterview mit den Beteiligten, Fachmeinungen neutraler Aussenstehende.
Und nach den Verhandlungen in die Dopingkontrolle!

Das Publikum jubelt, ist der 12. Mann! Sepp gibt allen den Segen und die Absolution.

Aber nein, Service am Pöbel nur wenn es um Millionäre geht, die ihrer harmlosen Lieblingsbeschäftigung nachgehen – ja nicht wenn Multimilliardäre unsere Zukunft vertschutten!

Und Bayern war einfach verdammt geil heute!
Olivier Bregy, am 21. April 2015 um 22:53 Uhr

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