Milliardär Sheldon Adelson © ABC News

Plutokrat manipuliert Medien und Parteien

Urs P. Gasche / 14. Mrz 2015 - Milliardär Christoph Blocher ist im Vergleich ein Anfänger. US-Milliardär Sheldon Adelson hebelt Spielregeln der Demokratie aus.

Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt belegte er 2014 den achten Platz mit einem Vermögen von 38 Milliarden US-Dollar: Sheldon Adelson.

Dieser Plutokrat und «Casino König» von Las Vegas gab im Präsidentenwahlkampf von 2012 nach Angaben von «Forbes» hundert Millionen und nach Angaben der «New York Times» sogar 150 Millionen Dollar aus, um einem konservativen Republikaner ins Weisse Haus zu verhelfen. Jetzt versucht er es für 2016 erneut.

Der Plutokrat mischt die Politik in Israel auf

Adelson sass als Ehrengast auf der Zuschauertribune, als Israels Premieminister Benjamin Netanyahu letzte Woche seine Rede vor dem US-Kongress hielt. Netanyahu und dessen Likud-Partei haben Adelson viel zu verdanken. «Kein anderer einzelner Milliarden-Spender hat ähnlich viel dazu beigetragen, dass sich die Likudpartei und Netanyahu so lange an der Macht halten konnten», schreibt Kolumnist Thomas L. Friedman in der «New York Times» NYT.

Adelson finanziert die auflagenstärkste Zeitung in Israel

In Israel sind direkte Wahlkampf-Spenden strikter geregelt als in den USA. Der Plutokrat umging diese Hürde, indem er im Jahr 2007 eine neue Gratiszeitung mit Namen «Israel Hayom» gründete und finanzierte. Die Zeitung sollte die Politik Netanyahus unterstützen und dessen politischen und medialen Gegner bekämpfen. Die Zeitung wendet sich gegen jegliche Rückgaben besetzter Gebiete und gegen die Errichtung eines palästinischen Staates.

Heute hat «Israel Hayom» eine weit grössere Auflage als die Bezahlzeitungen wie «Yediot» oder «Haaretz».

Konservative Zeitung zum Sprachrohr Netanyahus gemacht

Damit aber gab sich Adelson noch nicht zufrieden und kaufte die bedeutendste Tageszeitung mit Namen «Makor Rishon» von Israels konservativen Rechten. Vorher sei die Zeitung dem grössten konservativen Rivalen, Koalitionspartner und Wirtschaftsminister Naftali Bennett nahe gestanden, schreibt die NYT. Nach dem Verkauf der Zeitung an Adelson sagte Bennett in einem Interview im «Israel Army Radio» im März 2014: «Es macht mich traurig: 'Israel Haymon' ist keine Zeitung mehr. Es ist eine 'Prawda'. Sie wurde zum Sprachrohr des Premierministers

Beim Einsatz seiner finanziellen Mittel kenne Sheldon Adelson weder in Israel noch in den USA Grenzen, meint Kolumnist Friedman. Adelson setze alles daran, eine Zweistaatenlösung in Israel zu verhindern und den Konflikt mit Iran nicht diplomatisch, sondern militärisch zu «lösen».

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Originalartikel von Thomas L. Friedman in der New York Times vom 11.3.2015

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4 Meinungen

Mehr dazu von Uri Avnery:
„Die Casino-Republik“
http://tlaxcala-int.blogspot.ch/2015/02/die-casino-republik.html#more
Beat Wick, am 14. März 2015 um 18:36 Uhr
Was für eine journalistische Meisterleistung, diesen Artikel mit einer Blocher-Diffamierung einzuleiten!
Olivier Bregy, am 15. März 2015 um 06:44 Uhr
@Wick: Danke. Super Artikel von Avnery. Gasche ist im Vergleich ein Anfänger.
Olivier Bregy, am 15. März 2015 um 06:51 Uhr
@Bregy. Wo ist da eine Diffamierung Blochers? Die Aussage kann nur so verstanden werden, dass Blocher weniger skrupellos ist als Adelson. Oder hätten Sie lieber, die Aussage würden lauten «Blocher sei eine Kopie"?
Jürg Schmid, am 16. März 2015 um 14:50 Uhr

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