Polizei des Apartheid-Regimes im Einsatz gegen sich wehrende Schwarze © cc

Polizei des Apartheid-Regimes im Einsatz gegen sich wehrende Schwarze

Zürcher Freundschaft mit Apartheid-Polizei

Erich Schmid / 09. Dez 2013 - Die Verstrickungen mit dem Rassenregime in Südafrika erstrecken sich bis in die Niederungen unseres Gewaltmonopols – der Polizei.

Als ich noch Reporter beim Tages-Anzeiger war, erhielt ich von der Polizei und den Zürcher Gerichten 1979 die Akkreditierung als privilegierter Berichterstatter mit Akteneinsicht-Recht, und um mich in die Materie einzuführen, wurde ich 1981 einmal zu einer Führung durch die Räume der verschiedenen Pressestellen von Stadt und Kanton eingeladen. Dabei fiel mir ein Detail auf, das ich in all den Jahren nie mehr vergessen konnte und das mich regelmässig wieder beschäftigt, wenn von der Apartheid die Rede ist. Auf dem Schreibpult des damaligen Pressechefs der Kantonspolizei, Robert Leiser, stand ein goldbestickter Wimpel mit der Aufschrift:

«SWITZERLAND MEETS SOUTH AFRICA – THE POLICE DEPARTMENTS OF ZURICH AND JOHANNESBURG IN FRIENDSHIP»

Es stellt sich mir die ganze Zeit die Frage, wie es eigentlich zu dieser Freundschaft kam, was sie konkret bedeutete, und ob es nur eine Gesinnungsfreundschaft oder auch eine materielle war. Nun, nach den drängenden Fragen, die uns mit Mandelas Tod jäh wieder in Erinnerung gerufen wurden, griff ich zum Telefon und rief Robert Leiser an, der nach vielen Jahren, in der Rückschau, bekennt, es sei tatsächlich eine Gesinnungsfreundschaft gewesen: «Ja, so kann man es sagen.»

Er sei damals Vizepräsident der «International Police Association» IPA gewesen, und in dieser Eigenschaft habe man damals eine Reise nach Südafrika organisiert. Die IPA-Statuten hätten jedoch keinen Unterschied zwischen Hautfarbe, Rasse und Herkunft gemacht. -

Wie denn dies zu vereinbaren gewesen sei mit der Apartheid? - Da habe man nicht so darauf geachtet, meinte Leiser. Es sei eher um freundschaftliches Zusammensein beim Grillen und um Kulturelles gegangen. So habe man zum Beispiel auch eine Goldmine besucht.

Nun steht der Name Robert Leiser quasi als Synonym für eine jahrzehntelange Informationspolitik der Zürcher Polizei, die schon die leiseste Kritik an den Ordnungskräften regelmässig sofort mit unüberprüfbaren Gegenaussagen parierte, um im Sinne von Dementieren statt Widerlegen, eine Kontroverse zu schaffen, damit die Öffentlichkeit am Ende nicht mehr wusste, was Sache ist.

Und so wissen wir nach der heutigen Anfrage auch noch nicht, was es mit der Freundschaft zwischen der Apartheid-Polizei und der Zürcher Polizei damals wirklich auf sich hatte. Südafrika war 1982 in die IPA aufgenommen worden. Der Wimpel auf Robert Leisers Schreibtisch stand allerdings schon vorher dort, und Vizepräsident der IPA war er von 1984–87.

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Siehe

«Tod Mandelas: Manche Tränen sind Krokodilstränen» vom 8.12.2013

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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Eine Meinung

Guten Tag miteinander. Wieder so ein Vortrefflicher Beitrag. Ich bedanke mich dafür. Eine Demokratie welche sich entwickeln soll, muss ihre Leichen aus dem Keller holen, und daraus lernen. Diese Lernprozesse werden gebremst, insbesondere darum, wie mit aufgedeckten Fehlern umgegangen wird. Wenn das eingestehen von Fehlern generell Angst auslöst, zeugt dies von einem Konsequenz-Management, welches zum Lügen und Vertuschen animiert, ja förmlich zwingt. Vielleicht können wir hier etwas von Nelson Mandela lernen, und wie er das Konsequenz-Management für Menschen gestaltete, welche sich an dem «Menschsein» vergriffen haben.
Mit freundlichen Grüssen Beatus Gubler www.streetwork.ch Basel
Buchhinweis: Marshall Rosenberg: Die gewaltfreie Kommunikation.
Beatus Gubler, am 10. Dezember 2013 um 13:46 Uhr

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