World money collection. Fragments of Swiss money

Wir tun, was der Schweiz Geld bringt. © 448593540/Depositphotos

Die Schweiz – ein Land auf dem Egotrip

Werner Vontobel /  Ein paar Prozent mehr Rente – dafür 2,1 Millionen mehr Einwohner. Die Zeche zahlen Bürger der EU. Das kann ihnen nicht gefallen.

Die Studie sollte alarmistisch klingen und das tut sie auch. «Studie warnt: Milliardenloch bei AHV wegen SVP-Initiative», titelte etwa der TA. Ganz ähnlich tönte es bei der NZZ, im Blick usw. Allerdings soll dieses «Milliardenloch» – bis 2075 – je nach Umsetzungsvariante bloss zwischen 5,86 und 3.95 Milliarden Franken tief werden. Weil das BIP gemäss der Studie bis dann um weit über 1000 Milliarden ansteigen wird, handelt es sich hier um  weniger als ein halbes Prozent des künftigen BIP.

Dass weniger Einwanderung die Altersvorsorge verteuert, ist unbestritten. Je mehr junge Leute zuwandern, desto grösser ist die Zahl derer, die in die AHV einzahlen. Doch dass die Schweiz – wie aus der Studie hervorgeht –, das erwähnte Milliardenloch nur dann vermeiden, kann, wenn sie auf 11,23 Millionen Einwohner anwächst, ist ein hoher Preis, der jedoch in den Medienberichten nicht einmal am Rande vermerkt wird.

Eine andere oft erwähnte Zahl sind die 11 Prozent, um die das BIP bis 2075 tiefer ausfallen würde. Doch erstens sind davon 9 Prozentpunkte dadurch bedingt, dass die Bevölkerung (bei der Annahme der Initiative) um 9 Prozent weniger zunimmt. Pro Kopf gerechnet bleiben also noch 2 Prozent, wovon ein Viertel (siehe oben) auf die Rente entfallen würden. Zweitens handelt es sich dabei nicht um einen absoluten Verlust, sondern bloss um ein weniger grosses BIP-Wachstum. Niemand müsste den Gürtel enger schnallen. 

Zumindest für die Mieter reicht es, wenn der Mietzins um 100 Franken weniger stark steigt, um diesen Schaden zu kompensieren. Die Studie widmet den Auswirkungen auf die Miete zwei dichte Seiten, sagt aber nichts konkretes und betont vor allem die negativen Auswirkungen. Originalton: «Während steigende Wohnkosten für Wohnungssuchende einen negativen Aspekt der Zuwanderung darstellen, tragen die dadurch gestützte Nachfrage, die höhere Auslastung des Wohnungsbestands sowie die Sicherung von Immobilienerträgen gleichzeitig zur Stabilität des Immobilienmarkts und damit zu wichtigen gesamtwirtschaftlichen Funktionen bei.» Fazit: Einwanderung sichert die Immobilienerträge.

Um die Renten zu retten, bräuchte es Einwanderung über 2055 hinaus

Die Studie bringt noch andere Überraschungen. Etwa die Tatsache, dass die Rentnerquote (die Anzahl der Rentner die auf 100 Aktive entfallen) auch bei einem Volks-Nein bis 2100 zügig von 36,8 auf 50,2 Prozent steigt, und dann nur noch um 1,5 Prozentpunkte über dem Wert bei einer Annahme der Initiative liegt. Der Grund liegt auf der Hand: Bis 2100 sind alle, die bis 2055 eingewandert sein werden, auch schon im Rentenalter. Das heisst: Um die Rente zu retten, müssten wir die Dosis der Einwanderungsdroge ständig erhöhen.

Dagegen gäbe es vor allem ein Gegenmittel: Die Erhöhung des Pensionierungsalters. Rein rechnerisch senkt eine Erhöhung um ein Jahr die Rentnerquote um etwa 3 Prozentpunkte. Die Studie verzichtet aber darauf, dieses Potential genauer zu diskutieren, geschweige denn zu berechnen. Sie sagt bloss: «Auch hier ist das Potenzial begrenzt.»

Renten und Pflege auf Kosten der anderen Länder

Die Studie ist zwar 64 Seiten lang, aber eine wichtige Frage wird ausgeklammert: Woher sollen die 2,1 Millionen zusätzlichen Einwohner kommen, welche die Studie bei einer Ablehnung der Initiative erwartet? Die Pointe dabei ist folgende: Praktisch alle Länder, aus denen die Zuwanderer kommen könnten, haben dasselbe demographische Problem. In Deutschland und Österreich liegt die Geburtenrat ebenfalls bei rund 1,3 Kindern pro Frau, in Italien ist sie mit 1,2 Prozent sogar noch tiefer und auch Frankreich ist mit bloss 1,6 Kindern pro Frau auf Immigration angewiesen.

In allen europäischen Ländern ist somit die Rente durch die Demographie gefährdet. Und das bei Renten, die in alle diesen Ländern eh schon deutlich tiefer sind als in der Schweiz. In Italien, Frankreich und Deutschland kassieren die Rentner pro Kopf im Schnitt bloss rund 1400 Franken. 42 Prozent der Rentner in Deutschland beziehen sogar weniger als 1000 Euro pro Monat.

Noch prekärer ist die Lage beim Pflegepersonal. Die Schweiz liegt hier mit 17 Personen pro 1000 Einwohner unter allen OECD-Ländern einsam an der Spitze. Deutschland mit 13, Frankreich mit 9 und Italien gar mit bloss 7 von 1000 sind deutlich schlechter versorgt und in viel höherem Ausmass auf Einwanderung angewiesen. Dennoch sagt die Studie, dass wir dem Ausland weitere 63’000 Arbeitnehmer im Sozial- und Gesundheitswesen abluchsen können – falls wir die Initiative der SVP ablehnen. Da begibt sich ein Land auf den Ego-Trip (siehe Pflegende und Ärzte aus dem Ausland: Nur auf Kosten der Armen, Infosperber vom 16.5.2026).

Läge der EU-Kommission das Wohl ihrer Rentner und Kranken am Herz, müsste sie die Schweiz auf Knien bitten, ihre Einwanderung nicht mehr allein der Wirtschaft zu überlassen, und ihre Grenzen ein wenig dichter zu machen.

Aber noch gilt die Personenfreizügigkeit unter den EU-Exponenten als «Grundfreiheit».

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Zum Infosperber-Dossier:

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Die EU und die Schweiz

Europa ist für die Schweiz lebenswichtig. Welchen Grad an Unabhängigkeit kann die Schweiz bewahren?

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Pro und Contra Bevölkerungszunahme

Die Bevölkerung auf unserem Planeten hat in den letzten 200 Jahren enorm zugenommen.

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8 Meinungen

  • am 18.05.2026 um 11:35 Uhr
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    Eigentlich gäbe es eine einfache Rechnung, wenn auch so geplant und die Resultate auch so verfolgt würden. Die Demografie müsste notwendigerweise mit Massnahmen gefördert oder gebremst, das heisst geglättet werden. Das könnte durchaus auch mit entsprechender Steuerung der Einwanderung erfolgen. Die demografische Entwicklung läuft in einem, sich wiederholenden Muster ab: «Kommen die Babyboomer ins Alter, steigen die Alterskosten. Wenn dereinst die «wenigen» Jungen ins Alter kommen, sinken die Alterskosten erheblich». Da müsste das Polster für die nächste Generation Babyboomer angelegt werden!? Unsere Politik denkt nur noch in kurzen, egoistischen Zeitabschnitten! (Nach uns kann kommen was will, ist uns egal)

  • am 18.05.2026 um 12:09 Uhr
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    Selten wird man mehr oder weniger offiziell bestätigt bekommen, dass der Kapitaldruck auf den Boden Bauen und Wohnen verteuert. Erwähnt werden immer nur Knappheit, zu wenig Bauzonen usw. Der Bundesrat (NZZ 15.5.26) wendet sich dagegen, dass Ausländer Schweizer Immobilienaktien und -fonds erwerben können. In diesem Artikel wird die Auffassung vertreten, dass die Einschränkung des Handels mit Immo-Titeln dazu führen könnte, dass diese von der Börse verschwinden würden. «Die Konsequenzen einer solchen Blockade wären fatal. Experten befürchten einen Dominoeffekt: Wenn der Handel dieser Wertschriften infrage stünde, würden viele dieser Anlagen von der Börse verschwinden. Die Folgen wären ein massiver Preis- und Wertverlust in Milliardenhöhe. Paradoxerweise würden – gemäss Experten – vor allem Schweizer Pensionskassen die Zeche zahlen. Es käme zu einer Abwärtsspirale bzw. zu sinkende Bewertungen, was tiefere Mieten zur Folge hätte- Was ist daran so schlimm?

    • am 18.05.2026 um 22:41 Uhr
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      Da bin ich nicht so sicher, ob die Mietpreise sinken würden! Der Boden bleibt (fast auf ewig) ein knappes Gut. Die Löhne in der Bauindustrie würden nicht einfach sinken. Und wenn der Druck auf die Löhne in ausreichendem Mass erfolgen würde, dass das Bauen wirklich billiger und die Mietpreise sinken würden, wäre ein Aufstand bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen sehr wahrscheinlich! Vielleicht würde auch weniger gebaut? Oder irre ich mich?

  • am 18.05.2026 um 12:54 Uhr
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    Wenn weniger zuwandern, steigen die Immobilienpreise weniger stark an und man kann auch von einer kleineren Rente gut leben.

  • am 18.05.2026 um 13:04 Uhr
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    Aha, und was ist, wenn die vielen Jungen, die in den nächsten Jahren mehr einzahlen würden, dann auch ins Bezugsalter kommen? Ohalätz!

  • am 18.05.2026 um 13:21 Uhr
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    Schön, wird hier etwas Abstimmunginformation geboten und kontextualisiert.
    Das Verführerische an dieser Initiative ist, dass sehr viele den Diagnosen zustimmen, dass aber die Initiative (wie die Politik der SVP auch sonst) nichts gegen die Probleme und ihre Ursachen tut. So können weiterhin gleichzeitig das ausländerfeindliche Ressentiment genutzt und die Profite des Systems einfahren werden.

  • am 19.05.2026 um 06:48 Uhr
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    Der Artikel ist auch mit Scheuklappen geschrieben. Die Kosten an Infrastruktur die bei offener Zuwanderung entstehen würden die Rente übertreffen. Also braicht es eine umlagerung in den Ausgaben, sprich, endlich eine AHV revisien.

  • am 19.05.2026 um 20:17 Uhr
    Permalink

    scienceORF 18.05.202&: «„Kinder muss man sich leisten können“ Gründe, die gegen Familiengründung sprechen, gibt es viele. In den letzten Jahren hat vor allem die Teuerung – steigende Mieten, etc….Laut Kinderkostenanalyse.. verursachen Kinder im Durchschnitt bis zum 18. Geburtstag rund 100.000 Euro an direkten Kosten.. »

    Interessante Aussage im Artikel: «In allen europäischen Ländern ist somit die Rente durch die Demographie gefährdet» Könnte die Ursache sein, dass die Geburtenrate in Europa im Sinkflug ist, weil sich Ehepaare keine Kinder leisten können: Die Einkommen sinken, die Mieten steigen, Prämien für die Krankenkasse steigen auch jedes Jahr etc. Und die Reichen werden immer reicher. Gobale Grosskonzerne können Regierung beeinflussen die Politik – weniger Steuern zahlen zu müssen, damit die Profite in Höhe schnellen können. Das Resultat: Keine Familien aber viele Singles und wenig KInder.
    Gunther Kropp, Basel

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