Muss man studiert sein, um mit diesem Lift zu fahren?
Ein Infosperber-Leser fand in einem Mehrfamilienhaus in Bern ein Plakat neben dem Lift. In acht Punkten wird erklärt, wie der Lift zu bedienen ist, wenn er sich im gleichen Stockwerk befindet, wie der Liftbenützer. Und weitere vier Punkte gibt es zum Fall, dass der Lift aus einem anderen Stockwerk geholt werden muss.
Der Leser verzichtete auf die Benutzung. Er fürchtete, dass er die Anleitung nicht verstehen würde und nahm deshalb lieber die Treppe. Diese eignet sich auch für weniger Gebildete und für Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen.

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.







Blinde – explizit auch Rot-Grün-Farbenblinde – oder Gehörgeschädigte, die die Liftgeräusche nicht wahrnehmen können, werden bei der Wohnungsvergabe ausgeschlossen (…nur von Mietern bedient und benutzt werden). Besucher bitte die Treppe benutzen.
Einkäufe müssen über die Treppe hinaufgetragen werden (Material… transporte verboten).
Dass Blinde, Farbenblinde, Gehörgeschädigte in unserer hochtechnisierten Umwelt Probleme haben können, ist nicht neu. Ich beispielsweise wüsste nicht, wie ich ein ÖV-Billett kaufen könnte.
In diesem Lift sind normale Alltagseinkäufe und Besucher sicher gestattet.
Sowohl für weniger Gebildete wie auch für Universitätsabsolventen ist Treppensteigen auf jeden Fall gesünder als Liftfahren.
Das denke ich auch. Bloss: Was tun diejenigen, die nicht Treppensteigen können?
Warum baut man überhaupt einen Lift in/an ein Haus? Was ist ein «Mangel an der Mietsache»? Etwa ein beschädigter oder inexistenter Lift? Wer muss einen solchen Mangel beheben? Muss ein betroffener Mieter die Ursache des Mangels beweisen (etwa die Quelle eines Wasserschadens oder einer Immission)?
Ich finde, Bern Tourismus sollte endlich Themenführungen zu diesem Lift anbieten, schliesslich ist dieser auf der Short List für den Berner Innovationspreis 2026.
Zwei wichtige Bedienungselemente gingen im sehr guten Text leider vergessen:
– Die Bedienung des Alarmknopfes: Darf nur betätigt werden, wenn das Türentriegelungsgeräusch laut hörbar wahrgenommen und vom Benutzer mit einem identischen Bestätigungslaut quittiert wurde.
– Stockwerktaste: Unbedingt während der ganzen Fahrt gedrückt halten. Andernfalls stoppt der Lift umgehend und ein 30-minütiges Software-Update wird ausgelöst.
Die Bedienungsanleitung – nahe an der Perfektion – hat nur einen klitzekleinen Mangel: Was bedeutet «aktuelles Stockwerk»? Das neue Stockwerk, das moderne Stockwerk, das zeitgemässe Stockwerk, das zeitnahe Stockwerk, das gegenwärtig vorhandene Stockwerk oder das für die unmittelbare Gegenwart bedeutsame Stockwerk?
@Markus Schneider – Sie loben den Artikel als «sehr guten Text» und «toppen» ihn wohl noch mit ihrem Kommentar (während ich beide Texte blind finde, nicht auf die Ursache des Problems eingehend):
Die Bedienungsanleitung – nahe an der Perfektion – hat nur einen klitzekleinen Mangel: Was bedeutet «aktuelles Stockwerk»? Das neue Stockwerk, das moderne Stockwerk, das zeitgemässe Stockwerk, das zeitnahe Stockwerk, das gegenwärtig vorhandene Stockwerk oder das für die unmittelbare Gegenwart bedeutsame Stockwerk?
PS: Was «aktuelles Stockwerk» bedeutet, verstehe ich sofort. Was ich nicht verstehe ist, warum nicht die Hintergründe des Lift-Plakats hier Thema sind.
Ein weiteres gelungenes Beispiel für alles umfassende Enshittification (Cory Doctorow).
Willkommen im Spätkapitalismus!
@Nol Aders – «Enshittification (Cory Doctorow)» bedeutet «Plattformverfall, bezeichnet den systematischen Qualitätsverfall digitaler Dienste und Online-Plattformen im Laufe der Zeit». Wir sind hier auf Infosperber.
PS: Wenn ich Ihren Text eingereicht hätte zur Veröffentlichung, wäre er erfahrungsgemäss kaum erschienen. Begründung: «Der Kommentar muss sich auf den konkreten Inhalt des Artikels beziehen.» PPS: Ich bin für Holismus. Ich bin für Ihren Kommentar.
@Wolfgang Reuss: die (durch Hyperkapitalismus irregeleitete) Digitalisierung macht viele unserer Alltagsgegenstände zu Spionen des Überwachungkapitalismus: Ihr Aufzug, Ihr Kühlschrank, Ihre Waschmaschine, Ihr Auto, von Ihrem Handy gar nicht zu reden könnten zwar immer mehr als letztes oder vorletztes Jahr, leisten es aber nur, wenn Sie noch ein weiteres separates Abonnement abschliessen und bezahlen und all Ihre Daten gegenüber den technofaschistischen Oligopolen offenlegen. Für mich sind das Aspekte der erwähnten Enshittification.
Leser, die obigen Artikel «nützlich» finden (Stand jetzt:78%) mögen bitte sich bewusst machen, dass in einem Wohnblock entstehende Schäden von einzelnen verursacht von allen getragen werden müssen – sofern man die Verursacher nicht eruieren kann oder eine Hausverwaltung/Vermieter sie nicht persönlich haftbar machen will. Beispiele: Möbeltransporte im Lift oder Immissionen jeder Art. SRF 7.7.2024 titelt: «Das Risiko von Lärm wird massiv unterschätzt». Lärmliga Schweiz: «Lärm, definiert als unerwünschter Schall, ist ein Schadstoff (…)».
Ich finde eine Hausverwaltung, die ihren rücksichtsvollen Mietern Sorge trägt, löblich.