EPG in Jerewan

Über 40 Staatschefs und Topdiplomatinnen versammeln sich am 4. Mai 2026 in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Unter ihnen (hier in der vordersten Reihe): Mark Carney, Emmanuel Macron, Nikol Paschinjan, Wolodymyr Selenskyj u.a. © SRF

EU-Floskeln und die Realität auf dem Südkaukasus

Amalia van Gent /  Wird sich Armenien geopolitisch von Russland trennen und eine Ehe mit der EU eingehen? Die Wahlen am 7. Juni sind wegweisend.

Für den armenischen Premierminister Nikol Paschinjan dürften die ersten Tage dieses Monats die glücklichsten seiner politischen Karriere, wenn nicht seines Lebens, gewesen sein. Am 4. Mai fand in der armenischen Hauptstadt Jerewan der 8. Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) statt. Rund 50 Staats- und Regierungschefs nahmen daran teil. Einen Tag später kam es zum ersten Treffen zwischen der Europäischen Union (EU) und Armenien. «Ganz Europa ist nach Armenien gekommen», wunderte sich der bekannte Journalist Eric Hacopyan. Er fügte anerkennend hinzu: «Armenien hat in seiner langen Geschichte noch nie so viele hochrangige Gäste beherbergt wie jetzt.»

Glamour der internationalen Politik

Für einen kurzen Moment erlebte die armenische Hauptstadt in der Tat den berauschenden Glamour der internationalen Politik aus erster Hand. In den fernen Südkaukasus reisten Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, und Antonio Costa, der Präsident des EU-Rates. In ihrem Sog auch zahlreiche Delegationen der EU-Mitgliedstaaten. Hinzu gesellten sich der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der britische Premierminister Keir Starmer und der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz. Beim Gipfel-Treffen der Europäer durften der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie der kanadische Premierminister Mark Carney auch nicht fehlen.

EPG Jerewan
Die Schweiz ist in Jerewan durch Bundespräsident Guy Parmelin vertreten.

Das Treffen in Jerewan war das erste seiner Art im Südkaukasus. Die Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) wurde 2022 als Reaktion auf den russischen Einmarsch in die Ukraine ins Leben gerufen und wurde anfangs als ein Anti-Putin-Club wahrgenommen. Die Politiker dieses EPG-Treffens suchten allerdings bewusst, eine gleiche Distanz zu Wladimir Putin und Donald Trump, dem unbeständigen Präsidenten der USA, zu bewahren. Bezeichnend ist, dass kein Vertreter der US-Regierung eingeladen wurde. Ein Anti-Putin-Club und zugleich ein Anti-Trump-Club?

Tage der Anerkennung

Für die armenische Regierung waren es jedenfalls hektische Tage; aber auch Tage der Anerkennung. Der rhetorisch eloquente französische Präsident Emmanuel Macron brachte auf den Punkt, was Gäste und Gastgeber tief bewegte: Vor wenigen Jahren hätte sich kein europäischer Politiker getraut, den Weg nach Jerewan zu nehmen, galt Armenien doch als ein Satelliten-Land Russlands. «Nach Nikol Paschinjans Samtener Revolution, seiner Friedenspolitik und seiner Hinwendung zu Europa erleben wir nun den Beginn einer neuen Ära», so Macron voller Bewunderung.

Der französische Präsident, der zu Hause mit rekordniedrigen Zustimmungswerten konfrontiert ist, wurde in Armenien fast wie ein Held begrüsst. Nicht nur, weil Frankreich allgemein den Ruf geniesst, «der beste Freund Armeniens in der EU» zu sein. Im Schatten der Gipfeltreffen unterzeichnete er auch ein Abkommen zur strategischen Zusammenarbeit beider Länder. Macrons Besuch in Jerewan war aber mehr als nur ein diplomatischer Erfolg.

Enormer Kontrast

Eine Szene ging viral und wird in der Region noch lange in Erinnerung bleiben. Sie zeigt, wie Emmanuel Macron «La Bohème» von Charles Aznavour singt und dabei vom armenischen Premierminister Nikol Paschinjan begeistert am Schlagzeug begleitet wird. Der Chansonnier und Liedtexter Charles Aznavour war einer der berühmtesten Kinder der armenischen Diaspora in Paris und verkörpert für beide Nationen wohl eine stark emotionelle Brücke. Musikalisch war der Auftritt mässig. Doch er zeigte, mit wie viel Freude sich beide Politiker in die Melodie legten und ihre ganz persönliche Begegnung feierten.

Dieser Auftritt liess wohl unbeabsichtigt den Kontrast zu vorherigen Treffen zwischen Nikol Paschinjan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin stark hervortreten. Die Bilder aus Moskau, die seit der Samtenen Revolution 2018 in Jerewan eintreffen, zeigen einen grimmigen russischen Präsidenten, der hinter einem riesigen Tisch sitzt und jede physische Nähe von vornherein unmöglich macht. Putin hat mit den Forderungen von Paschinjans Samtenen Revolution nach mehr Rechtsstaatlichkeit wenig anfangen können. Überhaupt betrachtet er jede Farbrevolution, die nach 1991 gelegentlich in Staaten des Ex-Sowjetraums ausbricht, als «trojanisches Pferd» des Westens. Putin ist daher Paschinjan oft mit kaum verhohlener Verachtung begegnet.

Steht ein Ehebruch mit Moskau bevor?

Steht ein geopolitischer Ehebruch mit Moskau tatsächlich bevor?

Tatsache ist, dass die Beziehungen zwischen den ehemaligen strategischen Partnern eine Eiszeit durchlaufen.

Gleich nach den Gipfeltreffen der Europäer in Jerewan warf etwa der prominente russische Senator Konstantin Kosatschow in einem Beitrag auf dem Messengerdienst Telegram dem Westen vor, eifrig an einer Abkoppelung Armeniens von Russland zu arbeiten: «Die Anweisungen … werden nun mit voller Kraft ausgeführt – zynisch, hinterhältig und ohne einen Funken Scham», schrieb er. Kosatschow folgerte: «Wir werden daraus lernen, egal wie bitter die Pille im Moment, nach diesem Verrat, auch schmecken mag.»

Putin seinerseits fasste sich kurz. Er rief die armenischen Politiker dazu auf, mit einem Referendum Klarheit über die strategische Ausrichtung ihres Landes zu schaffen. «Nur so können wir den Weg einer sanften, zivilisierten und für beide Seiten vorteilhaften Trennung beschreiten», sagte er bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die russische Siegesparade. Und drohte zugleich: Armeniens Bestrebungen, der EU beizutreten, könnten zu ähnlichen Folgen führen wie in der Ukraine.

Eine Geographie wie ein Albtraum

Armenien hat wie die Schweiz keinen Zugang zum Meer. In seinem Süden liegt Iran, mit dem Armenien historisch schon immer freundschaftliche Beziehungen pflegt. Doch der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat Irans geostrategische Bedeutung in der Region geschwächt.

EPG
Waffengewalt schafft Tatsachen: Bergkarabach existiert nicht mehr auf der Karte, die SRF in der News-Sendung vom 4. Mai 2026 zum Gipfel in Jerewan zeigte.

Im Osten grenzt Armenien an Aserbaidschan, mit dem es sich aufgrund der armenisch-besiedelten Exklave Bergkarabach seit 1988 faktisch in einem Zustand eines Dauer-Kriegs befindet. In seinem Westen liegt die Türkei. Für das armenische Kollektivbewusstsein ist die Türkei untrennbar mit dem Völkermord von 1916 bis 1920 verbunden, bei dem auf Anordnung der damaligen osmanischen Führung über 1,2 Millionen Armenier ermordet und die Jahrtausende alte armenische Präsenz und Kultur in Anatolien mit einem Schlag ausgelöscht wurden.

Es war in erster Linie die Angst vor einer erneuten physischen Vernichtung durch die Türken und das unbedingte Verlangen nach Schutz durch einen mächtigen Nachbarn, die die Armenier nach 1915 zu Russlands treuesten Alliierten werden liessen.

Doch im Krieg um Bergkarabach zwischen Aserbaidschan und Armenien im Jahr 2020 liess Moskau seinen ergebensten Alliierten im Südkaukasus im Stich. Auch als aserbaidschanische Truppen zwei Jahre später armenisches Territorium besetzten, reagierte Moskau nicht. Schliesslich sahen 2023 russische Truppen tatenlos zu, wie Bergkarabach von seiner armenischen Bevölkerung gesäubert wurde. Damals fand in den Köpfen der Menschen die «grosse Wende» statt. Laut Umfragen sah erstmals nach über 100 Jahren die Bevölkerungsmehrheit der Armenier Russland als den grössten Feind ihres Landes. Ohne die treuen, armenischen Alliierten wird der Südkaukasus aber geostrategisch nie mehr Hinterhof Russlands sein – für Moskau wohl ein enormer strategischer Fehler.

Schritt nach vorne

Allein auf sich gestellt, wagte die Regierung Paschinjan den Schritt nach vorne: Im vergangenen Jahr verabschiedete das von der Regierungspartei kontrollierte Parlament ein Gesetz, mit dem das Land seinen Beitrittswunsch zur Europäischen Union bekundete. Ein EU-Beitritt Armeniens ist derzeit unrealistisch. Die Regierung erhofft sich von einer Vertiefung der Partnerschaft mit der EU aber Unterstützung in wirtschaftlichen Fragen sowie politischen Schutz, um Russlands Griff zu lockern.

Dann erklärte Nikol Paschinjan einen Frieden mit seinem Erbfeind Aserbaidschan und eine Normalisierung mit der Türkei zur höchsten Priorität seiner Regierung. Diese Wende in Jerewan kann die Türkei und Aserbaidschan zu den mächtigsten Akteuren im Südkaukasus machen.

Während des Gipfels der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) waren die Besucher aus Europa voller Lob. «Sie haben Mut und staatsmännisches Geschick bewiesen, indem Sie sich dafür entschieden haben, dem Frieden Vorrang einzuräumen», sagte etwa Antonio Costa überschwänglich.

Werte und Prinzipien

Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas betonte: «Bei Europa geht es nicht um Geographie, sondern um Werte und Prinzipien.» Die hohen EU-Kader wären allerdings um einiges glaubwürdiger, wenn sie sich tatsächlich an ihre versprochenen Werte und Prinzipien hielten oder zumindest auf pompöse Versprechungen verzichten würden. 

Europa ist dringend auf neue Energiequellen angewiesen, um seinen Bedarf zu decken; nun verspricht es sich viel von einem sogenannten «Mittleren Korridor», durch den die Energie aus Zentralasien in Pipelines durch Aserbaidschan und die Türkei nach Europa transportieren soll. Aus diesem Grund vergisst auch Kaja Kallas ihre Werte und Prinzipien offensichtlich relativ zügig. Im Anschluss an ihren Besuch in Jerewan gestattete Kallas dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew einen Besuch in der aserbaidschanischen Hauptstdt Baku, um ihm einmal mehr den Respekt der EU zu bezeugen. Dabei schien in Vergessenheit zu geraten, dass Ilham Alijew und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan ihre Länder genauso autokratisch regieren wie Putin. Vergessen ging ferner, dass Aserbaidschan armenisches Territorium besetzt hält.

Frieden oder eher Kapitulation

Die EU-Kader sprachen in Jerewan wohlwollend viel von den Friedenbemühungen Nikol Paschinjans. Viele Armenier wissen, dass ihre kleine und arme Republik in der heutigen Ära, in der global nur das Recht des Stärkeren überwiegt, mutmasslich keine grosse Wahl hat. Sie fühlen sich aber in ihrer Würde verletzt, wenn ihr Premierminister leidenschaftlich erklärt, dass Bergkarabach «nie armenisches Land war», und die anhaltende Zerstörung von Klöstern in Bergkarabach damit begründet, Aserbaidschan könne in seinem Territorium tun und lassen, was es wolle.

EPG
Blick über Jerewan – im Hintergrund der Hausberg Armeniens, Berg Ararat. Er liegt in der Türkei.

Es demütigt die Menschen auch, wenn Nikol Paschinjan während des EPG-Treffens mithilfe von KI den Berg Ararat aus echten Bildern entfernen lässt. Der Fünftausender-Vulkan liegt heute innerhalb der Türkei. Armenier haben allerdings im Laufe ihrer jahrtausendealten Geschichte schon immer rund um den Ararat gelebt. Der Völkermord, den die Türkei bis heute strikt leugnet, soll nun auf Geheiss Ankaras auch aus den armenischen Schulbüchern gestrichen werden.

Doch können Leugnung und Verdrängung die Basis für einen anhaltenden gerechten Frieden sein?

Schicksalshafte Wahlen

Am 7. Juni finden in Armenien Wahlen statt, die zeigen sollen, ob Armenien sich geostrategisch von Russland scheiden wird oder nicht. Die zwei Jerewan-Treffen der Europäer waren jedenfalls als Wahlkampfhilfe für den EU-freundlichen armenischen Premier gedacht. «Armenien verdient mehr, als nur eine Form der Vormundschaft gegen eine andere auszutauschen», appelliert Tigran Yeganian in der Internetplattform «Civilnet». Die armenische Gesellschaft, von den letzten vernichtenden Kriegen und der Vertreibung aus Bergkarabach «zerbrochen und erschöpft, verdient echte Souveränität, die auf ihren eigenen Fähigkeiten und eigenen Entscheidungen aufgebaut ist».

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.

Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:



_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Putin_FlorisLooijesteijn_DSC01202_cc

Der Umgang mit Putins Russland

Russland zwischen Europa, USA und China. Berechtigte Kritik und viele Vorurteile.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

Direkt mit Twint oder Bank-App



Spenden



Die Redaktion schliesst den Meinungsaustausch automatisch nach drei Tagen oder hat ihn für diesen Artikel gar nicht ermöglicht.

12 Meinungen

  • am 17.05.2026 um 11:44 Uhr
    Permalink

    Was auch in diesem Artikel auffällt, ausser dem russischen Präsidenten werden alle anderen Protagonisten mit «Präsident», «Aussenbeauftragte», etc und/oder mit Vornamen angesprochen, während hier Frau Gent ihn ausschliesslich mit seinem Familiennamen Putin anspricht.
    Ich schätze die Artikel von Frau Gent als immer sehr ausgewogen, informativ, tiefgründig; aber hier weiss ich nicht warum sie ihre scheinbar fehlende Wertschätzung zu Vladimir Vladimirovich Putin sichtlich offenbart.

  • am 17.05.2026 um 12:11 Uhr
    Permalink

    Infosperber schreibt:
    Bezeichnend ist, dass kein Vertreter der US-Regierung eingeladen wurde. Ein Anti-Putin-Club und zugleich ein Anti-Trump-Club?
    Ich schreibe:
    EU (Konstrukt Made by USA) IST Trump-Club.
    Dass «ganz Europa» nach Armenien kommt, sollte uns mindestens so sehr Warnung sein, wie die 5 Mia. USD und US-Senator McCain auf dem Maidan (und USAtomraketen demnächst in Finnland).
    Was hat «Westen» (USA) wühlend rundum am Gartenzaun Russlands/Chinas zu suchen, während USA – mindestens – ganz Nord-/Südamerika inkl. Grönland als Alleineigentum behaupten?
    Warum schaut Volk in Vorkriegs-Europa tatenlos zu? Ursache Mainstreammedien? Agonie?
    4 Interviews in Youtube:
    Prof. Glenn Diesen: «Sergej Karaganow: Wie Russland den neuen Weltkrieg gewinnen will» und
    Jiang Xueqin: «Wir stecken schon im Dritten Weltkrieg» und «Stanislav Krapivnik: NATO gegen Russland – Der nächste große Schritt Richtung Atomkrieg»
    Prof. Pascal Lottaz: «Europa will Krieg – jetzt stimmt Russland zu | Stas Krapivnik»

  • am 17.05.2026 um 12:34 Uhr
    Permalink

    «Auch als aserbaidschanische Truppen zwei Jahre später armenisches Territorium besetzten, reagierte Moskau nicht».
    Wieder einmal wird ein wichtiges Detail unterschlagen, wenn es um Russland geht. Russland warnte Armenien davor NATO Ausbildner ins Land zu lassen und Übungen zusammen mit der NATO in Armenien abzuhalten. Aus berechtigten Erfahrungen mit Georgien. Das 2008 ermutigt durch NATO Offiziere einen Angriff auf Russland wagte. Ja, richtig gelesen. Georgien hat angegriffen (Unabhängige Internationale Untersuchungsmission geleitet von Heidi Tagliavini). Das wusste die Türkei und Aserbaidschan. Beides fand aber statt. Die gemeinsame Übung mit der NATO sogar kurz vor dem Angriff von Aserbaidschan. Russland hat angekündigt in diesem Fall nichts zu unternehmen und der NATO war es egal. Schliesslich ist die Türkei NATO Mitglied. Es ist Heuchelei so zu tun, als hätten sich die hohen armenischen Politiker nicht schon für eine Seite entschieden.

  • am 17.05.2026 um 14:27 Uhr
    Permalink

    Bei allem Respekt gegenüber Ihrer politischen Meinung, Frau van Gent, sollte kritischer Journalismus, der sich dem engen Meinungkorridor der «Mainstreammedien» widersetzt, auch bei den Fakten bleiben:

    Sie behaupten, dass «Aserbaidschan armenisches Territorium besetzt» halten würde. Dazu ist in Ihrem Bericht eine Landkarte abgebildet, die dies untermauer soll.

    Tatsächlich gehört Bergkarabach völkerrechtlich und politisch zur Republik Aserbaidschan. Die Region wurde jahrzehntelang von armenischen Separatisten kontrolliert und war eine international nicht anerkannte Republik. Aserbaidschan hat im Sept. 2023 die vollständige Kontrolle darüber.

    Eine bestimmte Volksmehrheit in einem Gebiet, ist keine völkerrechtliche Rechtfertigung, dieses Gebiet einem anderem Land zuzuschreiben. Mit dem gleichen Argument, hält auch Russland den Donbas und Krim besetzt.

    In Katalonien leben mehrheitlich Katalanen, die nicht mehr zu Spanien gehören wollten. Niemand behauptet, dass Spanien es besetzt hält.

    • am 18.05.2026 um 12:02 Uhr
      Permalink

      Frage: Weshalb wird dieser anonyme Beitrag veröffentlicht?
      In meinem Infosperber-Profil lese ich: «Wir möchten keine Meinungen und Beiträge von anonymen Personen veröffentlichen».
      Gilt dies nicht für alle?

      • am 20.05.2026 um 09:15 Uhr
        Permalink

        Das wüßte ich auch gern, denn es ist mir schon mehrfach aufgefallen. Ebenso fällt auf, daß eine ganz bestimmte Kategorie von Berichten nicht zur Diskussion freigegeben wird. Sicher die Entscheidungsfreiheit der Redaktion, aber eine Begründung sollte es schon geben

  • am 17.05.2026 um 15:07 Uhr
    Permalink

    Ich fordere eine Politik der EU ,die von gesamtökonomischer Vernunft und Stabilität geleitet wird. Ob die EU in der heute bestehenden Form der Weisheit letzter Schluß ist sei dahingestellt.Jedenfalls ist die EU nicht die Ethikkommission der Welt und auch kein Philosophenverein. Ihre Integrationspolitik weiterer Mitglieder muß daher primär zwei Gesichtspunkte verfolgen :
    1. die politische Entscheidungsfähigkeit darf nicht weiter gefährdet werden
    2. weitere Mitglieder müssen die ökonomischen Grundlagen der EU stärken
    Vor diesem Hintergrund ist das Scharwenzeln der europäischen Regierungsmitglieder in Jerewan geradezu lächerlich. DENN : nur allzu durchsichtig ist das Motiv eine Opposition gegen Rußland. Lächerlich deshalb, weil damit der gewichtigste Staat auf dem Kontinent bewußt weiter ausgegrenzt werden soll zugunsten eines Kleinstaates. Es ist vor den o.g. Grundsätzen die dümmste Politik.

  • am 17.05.2026 um 21:48 Uhr
    Permalink

    Russland muss auf Aserbaidschan Rücksicht nehmen, weil viele Parallelimporte daher kommen; außerdem ist Aserbaidschan Verbündeter der Türkei. Deswegen hat man Armenien fallen gelassen: Armenien hat keinen wichtigen Verbündeten und erfüllt keine Blockadebrecherfunktion. Die EU will wie in Moldawien im Hinterland Russlands stänkern und wanzt sich an Paschinjan ran; der steht mit dem Rücken zur Wand und greift nach jedem Strohhalm. Das ist «Great Game» und genauso war es im 19. Jhdt. Leider finden sich einige Stilblüten in diesem Artikel: «Der rhetorisch eloquente […] Präsident…» – entweder oder. «…geopolitischer Ehebruch…» – beide Länder hatten keine eheähnliche Nähe. In der Außenpolitik spricht man nicht von «Ehen» sondern von Bündnissen.

  • am 18.05.2026 um 14:59 Uhr
    Permalink

    Ziemlich manipulativer Artikel: Wladimir Putin ließ Armenien nicht im Stich sondern tat das einzig sinnvolle: Zu einer Verhandlungslösung mit Aserbaidschan zu drängen, in der die kulturelle und wirtschaftliche Selbstbestimmung gesichert wird. Mit Waffengewalt tausende Aserbaidschaner zu Vertreiben und sich völkerrechtswidrig einen Landkorridor zu erobern, das konnte nur schief gehen, denn Aserbaidschan hat nicht nur mehr Bevölkerung, sondern dank Gasvorkommen deutlich mehr Geld. Daher war klar, dass nach eine Phase der Aufrüstung Aserbaidschan sich die von Armenien eroberten Gebiete zurück holt und ebenso die Enklave Berg Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehören. Die Putin verschmähenden Nationalisten haben nicht nur Berg Karabach verloren, sondern sind auch mit Gebietsansprüchen Aserbaidschan zu dessen Enklave konfrontiert. Da hilft auch die EU nicht, die mehr Gas aus Aserbaidschan beziehen will. Frieden, nicht Krieg, bringt Armenien Zukunft!

  • am 18.05.2026 um 19:46 Uhr
    Permalink

    Armenien ist die älteste christliche Staat auf dem Planeten Erde. Es lässt sich schon die Frage stellen, ob die angrenzenden Staaten Türkei, Iran und Aserbaidschan Schutzmächte für Armenien sein könnten. Auch , möglich, dass schlaue Köpfe in der Brüssler Europa-Führungzentrale erkannt haben könnten, über Armenien könnte man Russland und die Ukraine mit Hilfe von billateralen Verträgen zu überzeugten Europäern machen und der Wohlstand in der EU, Ukraine, Russland und Armenien, etc würde einen enormen Aufschub erhalten. Und Mr. Trump in seinem schönen goldverzierten Büro in Washington wäre begeistert, dass endlich die Europäer für die eigene Sicherheit selber sorgen können.
    Gunther Kropp, Basel

    • am 20.05.2026 um 09:36 Uhr
      Permalink

      Sie haben eine auffällige Liebe für den Konjunktiv. Das mag Gründe haben, aber es macht es oft schwierig, Ihre konkrete Meinung zu einer Sache zu erkennen. Bei Ihrem jetztigen Kommentar : die Umgebungsstaaten Armeniens sind ja alle islamisch ausgerichtete Staaten. Meinen Sie konkret, daß diese Staaten Schutzmächte für Armenien sein könnten oder sollten? Ich frage deshalb, weil der Hintergrund von Problemen dort nicht nur materiellen Charakters ist, sondern auch Züge von religiösen Ressentiments besitzt.
      Mit freundlichen Grüßen – G.Bosse

  • am 20.05.2026 um 00:15 Uhr
    Permalink

    Ich fordere «Monroe-Doktrin» für Russland und China.
    Stattdessen umzingeln USA die Restwelt und fordern USAllmacht. Beispiel:
    Focus online 19.5.2026 –
    USA führen laut britischer Tageszeitung «The Telegraph» seit Monaten vertrauliche Gespräche mit Dänemark und Grönland. Dabei auch um einen möglichen Ausweg aus früheren Drohungen von Donald Trump, Grönland militärisch unter US-Kontrolle zu bringen.
    «New York Times» berichtet, dass Washington ein umfassendes Screening-System für Großinvestitionen anstrebt, um chinesische und russische Projekte frühzeitig zu blockieren. In Grönland stößt das auf Widerstand, weil es als Eingriff in die wirtschaftliche Selbstbestimmung gesehen wird.
    Militärische Aufrüstung in der Arktis
    Neben den wirtschaftlichen Fragen spielt auch das Militär eine wichtige Rolle. Laut «New York Times» wollen die USA ihre Präsenz in der Arktis mit neuen Stützpunkten, Radarstationen und zusätzlicher Infrastruktur in Grönland ausbauen.

Comments are closed.

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...