Kommentar

Man kann den Kontakt auch ohne Helikopter halten, Herr Rösti

Marco Diener © zvg

Marco Diener /  Albert Rösti liess sich von 1.-August-Rede zu 1.-August-Rede fliegen. Und anschliessend rechtfertigte er sich auch noch dafür.

Werter Herr Rösti, alle Achtung: Sie sind ein Fleissiger. Letztes Wochenende hielten Sie fünf 1. August-Reden. Am 31. Juli in Fehraltorf ZH und im Münstertal GR, am 1. August in St. Moritz GR, in Sigriswil BE und in Uetendorf BE. Kein anderer Bundesrat hielt so viele 1.-August-Reden wie Sie.

Vor einer Woche gab ich an dieser Stelle meiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass nicht nur Sie im Engadin aufgetreten waren, sondern auch Ihr Kollege Martin Pfister. Wenn Sie sich im Bundesrat ein bisschen abgesprochen hätten, dann hätte sich wohl der eine oder andere Helikopterflug vermeiden lassen. Das wäre in diesem Hitzesommer gar kein schlechtes Signal gewesen.

Nach meinem Artikel führten die Tamedia-Journalisten Cyrill Pinto und Iwan Städler ein Interview mit Ihnen. Die beiden fragten: «Für den Redemarathon sind Sie mit dem Helikopter quer durch die Schweiz geflogen. Ist das das richtige Signal?» Ob es das richtige Signal sei – darauf gaben Sie leider keine Antwort. Aber Sie sagten:

«Ich versuche grundsätzlich, möglichst mit dem Zug oder mit dem Auto zu reisen. Wenn es zeitlich nicht anders geht, nehme ich den Helikopter. Am Nationalfeiertag stand der Kontakt mit der Bevölkerung im Vordergrund.»

Sie sind nicht nur ein Fleissiger, Herr Rösti, Sie sind auch ein Kluger. Denn da ist Ihnen ein Satz von fast universeller Gültigkeit gelungen. Denn:

  • Wenn wir unsere Wohnungen auf 25 Grad heizen, können wir künftig sagen: Im Winter steht für uns das Wohlbefinden im Vordergrund.
  • Wenn wir nach Mallorca fliegen, dann sagen wir: In den Ferien steht für uns die Erholung im Vordergrund.
  • Wenn wir Früchte und Gemüse vom andern Ende der Welt kaufen, dann halten wir fest: Beim Essen steht für uns der Genuss im Vordergrund.
  • Und wenn wir dereinst gegen die Flugbillett-Abgabe stimmen werden, dann können wir sagen: Bei der Abstimmung stand für uns das eigene Portemonnaie im Vordergrund.

Vielen Dank dafür, dass Sie uns die Universal-Ausrede für alle Umweltsünden geliefert haben.

Wobei, wenn ich es mir richtig überlege: Ich vermute, Herr Rösti, dass man den Kontakt zur Bevölkerung auch halten kann, ohne dass man mit dem Helikopter fliegt.

Vielleicht sogar noch besser.

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Keine
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