Lieferwagenterrorismus
2004, kurz nach der US-amerikanischen Invasion im Irak, veröffentlichte ein Mann namens Abu Bakr Nadschi im Internet «The Management of Savagery», das Drehbuch für die Errichtung eines Kalifats, ein Handbuch des Dschihadismus. Ich habe darüber im Januar 2015 in der «Wochenzeitung» einen Text über Dschihadkultur publiziert, ein paar Tage nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo. Damals recherchierte ich an der Universität Freiburg zum Thema, und Nadschi, ehemaliger Chefstratege von Al-Kaida, war eine zentrale Quelle.
Der Kernsatz von Abu Bakr Nadschis Pamphlet lautete: «Terrorisiere sie so lange, bis sie ihren Glauben überdenken.» Und das wurde zu einer Bedienungsanleitung für die Attentate von Al-Kaida und des Islamischen Staats.
Eugen Sorg schrieb ein paar Wochen später in der «FAZ» über Nadschis Pamphlet: «Auf erschreckend genaue Weise nimmt es das Handeln des IS in Syrien und dem Irak vorweg, aber auch dasjenige anderer Trupps wie Boko Haram in Nigeria oder vieler Einzeltäter wie den Bostoner Bomben-Brüdern, dem Attentäter von Toulouse, den Londoner Schlächtern des Soldaten Lee Rigby, den jüngsten islamistischen Mördern in den Vereinigten Staaten, in Kanada, in Paris und in Kopenhagen … Mit ‹unzähligen kleinen Operationen› soll der Alltag der ‹Ungläubigen› und deren Kollaborateuren unerträglich gemacht werden, und zwar aus dem Schutz glaubenstreuer Milieus in den arabischen, asiatischen und afrikanischen Kernländern heraus, aber auch aus den wachsenden islamischen Parallelgesellschaften in den westlichen Staaten. Keiner soll sich mehr sicher fühlen können.»
Der Lehrmeister aus Langley
Die Strategie dahinter stammt nicht aus dem Koran, sondern von der CIA. Den US-Geheimdienstanalytiker Ray S. Cline, mit dessen Schriften die Dschihadisten während des Kalten Kriegs in Afghanistan vertraut gemacht worden waren, bewunderten sie als «grössten Denker des Kalten Kriegs» und übernahmen von ihm Guerillatechniken, die sie nun gegen die USA einsetzten.
Gemeint waren jene Taktiken, die die CIA in den achtziger Jahren im Rahmen der «Operation Cyclone» den afghanischen Mudschaheddin beibrachte, um die sowjetische Besatzungsarmee zu bekämpfen: kleine, mobile Kommandos statt offener Feldschlacht, Überfall statt Front, Rückzug ins unwegsame Gelände, sobald der Gegner seine überlegene Feuerkraft ausspielt.
Zehn Jahre nach Abu Bakr Nadschis Pamphlet, im September 2014, lieferte der Islamische Staat die verfeinerte Gebrauchsanweisung: «Indeed Your Lord Is Ever Watchful». In jener Rede des damaligen Sprechers der Terrororganisation heisst es: «Such dir einen ungläubigen Amerikaner oder Franzosen aus. Zertrümmere seinen Schädel mit einem Stein, schlachte ihn ab mit einem Messer, überfahre ihn mit einem Auto, wirf ihn von einer erhöhten Stelle hinunter, erwürge oder vergifte ihn.» Das Ziel: «Verbittere ihr Leben, und beschäftige sie mit sich selbst.»
Kein Sprengstoff, keine Ausbildung, kein Kontakt zur Organisation nötig, nur ein Fahrzeug und ein Messer. Nizza, Juli 2016. Berlin, Breitscheidplatz, Dezember 2016. Und nun, 25. Juli 2026, wieder Berlin: ein Lieferwagen im Tiergarten, ein Messer, eine Tote und noch nicht einmal ein Bekennerschreiben.
Der Nachlass
Die Industrie, die für die erste grosse Welle dieser Terrorpropaganda verantwortlich war – ihren ersten Höhepunkt fand sie 2004 in der Enthauptung des Journalisten Nick Berg durch einen Mann namens Abu Musab al-Sarkawi, der später den Islamischen Staat gründete –, existiert heute praktisch nicht mehr. Der IS-Terror hat keinen Staat mehr, und in gewissem Sinne klingt diese Niederlage wie die Konsequenz aus der CIA-Lehre: «Unser grösster Vorteil sind unsere Beweglichkeit und die Schwerfälligkeit der USA, die einen Status quo erhalten wollen. Wir aber operieren aus dem Schatten und können zuschlagen, wo und wann wir wollen.»
Der Islamische Staat ist, als Territorium und als Organisation, so gut wie tot. Aber Nadschis Satz, der auf CIA-Taktiken beruhte, war nie an ihn gebunden. Er funktionierte von Anfang an unabhängig von Plattform und Organisation. Er wirkte in Al-Kaida, die schon immer mehr Idee als Organisation war. Er wirkte im IS. Und am 25. Juli 2026 wirkte er, wie sich zeigt, auch ganz ohne Betriebssystem, durch einen 21-jährigen Berliner mit Vorstrafen und einem geliehenen weissen Lieferwagen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.







Zum Glück gibt es noch Journalisten wie Herrn Ryser.
Verstehe immer noch nicht, dass der IS von der CIA getrennt betrachtet wird? IS ist die CIA.
Das US Militär Gefängnis Camp Bucca im Irak wurde zur «Universität des Dschihad» (!), Zitat Ex-General und Ex-CIA-Direktor David Petraeus vor dem Kongress.
Aus al-Qaida wurde der IS, aus dem IS wurde HTS.
HTS steht übrigens für Hayat Tahrir al-Sham (هيئة تحرير الشام) arabisch für «Organisation für die Befreiung der Levante»!
«Al-Sham» = die Levante. Historische Bezeichnung die das heutige Syrien, den Libanon, Jordanien, ISRAEL und Palästina umfasst. Ahmed al-Sharaa (ehemals Abu Mohammed al-Jolani) Präsident Syriens (!) und Ex-Terroristenchef der al-Qaida wird für den nächsten Krieg vorbereitet, wie Saddam Hussein damals.
Fazit: alles was im Namen des Dschihad passiert, passiert im Namen der US Geheimdienste, auch in EUROPA!
Der Standard 24. September 2001, 08:59: » US-Präsident George W. Bush hat nach einem Pressebericht Ende der 70er..geschäftliche Beziehungen mit einem Bruder des heute als Terroristenchef gesuchten Moslem-Extremisten Osama Bin Laden unterhalten. Bush und Salem Bin Laden hätten 1978 gemeinsam die Ölfirma Arbusto Energy oil company in Texas gegründet, berichtete die britische Tageszeitung «Daily Mail» am Montag..»
Focus 28.03.2005, 14:24: «Die US-Bundespolizei FBI hat laut internen Regierungsdokumenten Angehörigen von El-Kaida-Chef Osama bin Laden und anderen Saudiarabern unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die schnelle Ausreise aus den USA ermöglicht..»
Craig Unger : «House of Bush, House of Saud»
Möglich, dass die guten und profitablen Geschäfte der Bush-Familie mit saudischen Königshaus und de Bin Laden-Clan über allem standen und die US-Geheimdienste mussten sich entsprechend verhalten. Das Resultat: «Lieferwagenterrorismus».
Gunther Kropp, Basel
Vertuschung, Verheimlichung, Intrigen, Lügen, Täuschungen sind Attribute die in Armee und Militär zur Grundausstattung, quasi die DNA, gehören, weltweit. Deshalb glaube ich keinem nur ein Wort der mit Armee oder Militär zu tun hat.
Nicht zu vergessen ist aber auch, dass manche Attentate, die islamistischen Terroristen zugeschrieben wurden, Fragen aufwerfen. Dies wurde von verschiedenen Autoren dokumentiert, unter anderem auch von Elias Davidsson.
Wer hinter den Terrorattacken vom 11. September 2001 steckt, ist vielen Ingenieuren, und auch mir als Architekt, der viel mit Brandschutz zu tun hatte, unklar: Der Zusammensturz von drei Wolkenkratzern in New York. Ein 47-stöckigen Gebäude stürzte ein, ohne dass ein Flugzeug hineingeflogen war. – Osama Bin Laden?
Auch bei den Terroranschlägen vom 7. Juli 2005 in London stellen sich Fragen. Am gleichen Tag fanden Terrorübungen statt, die solche Anschläge simulierten. BBC hatte schon im Mai 2004 in ihrer Fernsehreihe «Panorama» eine Sendung ausgestrahlt, hat unter dem Titel «London under attack».
Seltsam war auch, dass am Boston Marathon am 15. April 2013 auch gerade eine Bombenübung der Sicherheitskräfte stattfand. War wirklich Dschochar Zarnajew ein Attentäter?