Handy Eukopay zahlen Reporterre

Mit dem Handy in «euskopay» bezahlen © Reporterre

Eine Lokalwährung konkurrenziert seit zehn Jahren die Banken

upg. /  In Frankreichs Baskenland zahlen Konsumenten und Gewerbler in «Euskos» – auch mit der «Euskokart»-Zahlkarte an Terminals.

Der Eusko ist wie das WIR-Geld eine Komplementärwährung, die 1:1 an den Euro beziehungsweise an den Franken gekoppelt ist. Das WIR-Geld wird als Zahlungsmittel nur unter angeschlossenen Gewebebetrieben verwendet und fast immer nur zum Begleichen eines Teils der Rechnung. Private können WIR-Geld nicht verwenden.

Anders der Eusko: Die Konsumentinnen und Konsumenten zahlen mit dieser Währung die vollen Rechnungsbeträge von Restaurants, Bäckereien, Metzgereien und anderen Lebensmittelgeschäften sowie von Coiffeurs, Zahnärzten, Autowerkstätten und Bauunternehmen. Teilnehmende Gemeinden bieten beispielsweise die Bezahlung des Mediatheken-Abonnements oder des Eintritts ins Schwimmbad in Euskos an. Die Liste der angeschlossenen Betriebe und Dienstleister ist im Internet veröffentlicht. Bevorzugt werden regional und umweltfreundlich produzierende Betriebe.

Bezahlt wird entweder mit Papierbanknoten (1, 2, 5, 10, 20 Eusko), per digitalem Konto/App («euskopay») oder mit der «Euskokart»-Zahlkarte an Kassen-Terminals. Da es keine Eusko-Centimes gibt, wird die Differenz bei krummen Preisen in Euro-Cent beglichen. Euros können kostenlos in Euskos umgetauscht werden.

Dagegen müssen Private ihre Euskos ausgeben und können sie grundsätzlich nicht wieder in Euros umtauschen. Gewerbetreibende und Vereine können Euskos mit einem Abschlag von fünf Prozent in Euros zurücktauschen. Diese Gebühr ist als Lenkungsabgabe gedacht: Euskos sollen zum Zahlen lokaler Dienstleister benutzt werden. Tatsächlich haben über drei Viertel der angeschlossenen Unternehmen noch nie einen Eusko zurückgewechselt.

Der Eusko gilt laut Wikipedia als die grösste ergänzende Lokalwährung Europas. Im Sommer 2026 zirkulierten über 5 Millionen Eusko – davon 4,5 Millionen in digitaler Form – zwischen 1400 Gewerbetreibenden und 4600 Privatpersonen. Dazu kamen 40 Gemeinden sowie die Agglomerationsgemeinschaft Pays Basque als institutionelle Nutzer.

Auch wenn der «Eusko» einen grossen Erfolg verzeichnet, lässt sich das Konzept nicht eins zu eins anderswo reproduzieren, warnt dessen Koordinator Nikolas Blain in «Reporterre»: «Wir haben keinen Zauberstab! Wir haben von Anfang an von einem sehr gut strukturierten Vereinsnetzwerk profitiert. Im Baskenland zählt das Gefühl der Zugehörigkeit zur Region. Wir haben uns ausserdem dafür entschieden, bei den Aufnahmekriterien nicht allzu restriktiv zu sein: Man muss zum Beispiel nicht zu 100 Prozent auf Bio setzen. Die Mitglieder müssen sich jedoch verpflichten, ihre Praktiken zu verbessern.»

Die Währung dient auch als Sprachrohr für die baskische Sprache in einer Region, in der sie von 20 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird.

Dennoch: «Erst etwas weniger als zwei Prozent der Bevölkerung des Baskenlandes sind Mitglieder! Wir sind zwar die führende Komplementärwährung in Europa, aber das ist dennoch eine kleine Zahl», stellt Jérémy Rouchon fest. Er ist Entwicklungsbeauftragter der gemeinnützigen Trägergemeinschaft Euskal Moneta. Dies sei Grund genug, weiterhin neue Wege zu beschreiten, um neue Menschen zu überzeugen. Das Ziel sei es, bis 2030 10’000 Mitglieder zu erreichen.


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