Gedicht_Ahmad Murtaja

Ein Text des palästinensischen Schriftstellers Ahmed Mortaja in der jordanischen Hauptstadt Amman. Er beschreibt seine ersten Atemzüge, nachdem er sich aus den Trümmern seines soeben zerstörten Hauses nach einem israelischen Angriff herausgekämpft hat. © Pascal Studer

Die Mär der «heuchlerischen» Palästina-Solidarität

Pascal Studer /  Der Vorwurf unterschlägt die Besonderheit der israelischen Unterdrückung. Und will Entrechtete gegeneinander aufbringen.

Togo ist ein Coup gelungen. In der UNO-Generalversammlung haben kürzlich 164 Länder der Resolution «Correct the Map» zugestimmt. Inhalt der Vorlage ist, Weltkarten realitätstreuer zu gestalten. Die bisher dominante Mercator-Projektion, benannt nach dem Flamen Gerhard Mercator, verzerrt nämlich die Welt. So stellt sie Länder in der Nähe der Pole grösser, Länder am Äquator kleiner dar. Grönland ist beispielsweise nicht, wie von der Mercator-Projektion wiedergegeben, grösser als der ganze Kontinent Afrika. Sondern rund 14-mal kleiner.

Togo hat die Initiative der Afrikanischen Union angeführt. Dagegen gestimmt haben nur die USA. Es sei «überflüssig» eine solche Karte einzuführen. Der blinde Fleck für neokoloniale Strukturen überrascht bei der Trump-Regierung nicht. Denn darum ging es den afrikanischen Staaten: Begreifbar zu machen, dass die Mercator-Projektion als praktische und ideologische Stütze für die Ausbeutung des Kontinents gebraucht wird, historisch und gegenwärtig. Und dass man Widerstand leistet gegen diese problematische Repräsentation.

Die Gleichzeitigkeit der Dinge

Widerstand. In Zeiten des entfesselten Kapitalismus und erodierenden Menschenrechts findet dieser Begriff nicht nur durch das Einstehen für eine gerechte Weltkarte Widerhall. Sondern auch in Palästina und auf den Strassen, Universitätsgebäuden und Social-Media-Plattformen der Welt, wo Aktivistinnen und Aktivisten gegen den Völkermord im Gazastreifen demonstrieren, Hashtags setzen, laut sind. Doch spielt sich in der Gleichzeitigkeit der Dinge eine Solidaritätslogik ab, die es – einmal mehr – zu hinterfragen gilt: Wieso Palästina? Wird «Schwarzes Leben», wie beispielsweise die Schriftstellerin Nora Osagiobare in ihrer beeindruckenden Rede am Literaturfestival «Zürich liest» gesagt hat, wirklich nur «verteidigt, wenn Israel involviert ist»?

Erste Anhaltspunkte auf diese selektive Wahrnehmung gibt die Universität Zürich. In einer Studie legt sie dar, dass die Auslandberichterstattung in Schweizer Medien in den vergangenen Jahren merklich zurückgegangen ist. So sei zwischen 2015 und 2024 die Anzahl Berichte um 10 Prozentpunkte gesunken. Auch kämen immer weniger Länder in der Medienlandschaft vor. Allen voran liegt der Fokus auf den USA, Deutschland und der Ukraine. Die Länder der «Global Majority», wo rund 85 Prozent der Menschen leben: eine mediale Randnotiz.

Bis auf Palästina. Seit dem Überfall der Hamas und der israelischen Zerstörung des Gazastreifens sind die Berichte signifikant gestiegen. Und mit ihnen die palästinensischen Solidaritätsbekundungen.

Der Geist Mandelas

Die Strategie der Unterdrücker ist, die Entrechteten zu spalten. Genau das passiert, wenn Politiker und Journalisten der Solidaritätsbewegung für Palästina Doppelmoral vorwerfen. Ein Argument, das gleich auf mehreren Ebenen falsch ist. Zunächst: Gegen welche Kriege und Marginalisierungen muss neben Palästina noch gekämpft werden, wenn Gaza für sich allein offenbar nicht genügt? Ist es ausreichend, zusätzlich für die Menschen in Sudan einzustehen? Für die Sahrauis, die in Westsahara brutal von Marokko unterdrückt werden? Für die Demokratische Republik Kongo? Die Uiguren in Xinjiang? Wann wird der Solidarität genügend Wert beigemessen, wann ist sie moralisch reingewaschen? Muss eine Aktivistin die ganze Welt retten, damit sie vom Vorwurf der Doppelmoral freigesprochen wird?

Augenöffnend ist auch, was Autorinnen und Autoren aus dem afrikanischen Kontinent über die Palästina-Solidarität denken. Einer von ihnen ist Kambale Musavuli. «Wieso nicht Sudan? Wieso nicht Kongo? Es geht um die Idee der Menschenrechte als Ganzes. Und in meiner Zeit als Aktivist haben mir Menschen aus Palästina am meisten geholfen», sagt er gegenüber dem britischen Magazin «Morning Star».

Gemäss Musavuli kreiert der Vorwurf, dass gerade für Palästina protestiert wird, einen «falschen Wettbewerb zwischen unterdrückten Menschen». «Palästina und Kongo kämpfen nicht gegeneinander um Aufmerksamkeit. Sie stehen zusammen im Zeichen des Widerstands.»

Mit dieser Logik steht Musavuli nicht allein. Ähnlich sieht es Jephta Uaravaera Nguherimo. Der namibische Aktivist und Dichter zieht in einem Text zu Gaza die wichtigen Lehren aus dem Genozid an den Herero und Nama für Palästina, benennt die Parallelen zwischen der damaligen, deutschen und der heutigen, israelischen Militärrhetorik. Voneinander lernen, damit sich nicht wiederholt, was sich nicht wiederholen darf. Dabei zitiert Nguherimo auch Nelson Mandela, der sagte: «Wir wissen zu gut, dass unsere Freiheit unvollständig ist ohne die Freiheit der Palästinenserinnen und Palästinenser.»

Das Geld fliesst

Natürlich ist es alarmierend, wie wenig Präsenz Länder der «Global Majority» in Schweizer Medien erhalten. Zugleich ist es zu einfach gedacht, dass die Solidarität für Palästina dieses Problem verschärft. Erinnerungen schliessen sich nicht aus, schrieb der US-amerikanische Literaturwissenschaftler Michael Rothberg bereits 2009. Sie ergänzen sich, spielen ineinander, inspirieren sich. Für Länder der «Global Majority» kann dies bedeuten, die Solidarisierung für Palästina als übersetzende Kraft für den Kampf nach Freiheit weiterer unterdrückten Menschen zu verstehen.

Und sich zu verbünden. So überrascht es nicht, wenn in der jordanischen Hauptstadt Amman Autoradios politische Lieder der verstorbenen sahrauischen Sängerin Mariem Hassan abspielen. Wenn Mosaikbilder des Felsendoms in Zimmern der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa zu sehen sind. Denn die Strukturen, die den Schrecken von Gaza möglich machen, spielen auch in Sudan, DR Kongo oder Mali. So stellt Kambale Musavuli klar: «Jede Bombe, die in Gaza fällt, hallt nach in Goma. Und jede Unze aus Kivu gestohlenes Coltan stärkt die Überwachungsmaschinerie in Palästina.»

So wird klar, was eigentlich längst offensichtlich sein sollte: In einer ausbeuterischen globalen Struktur steht Palästina heute stellvertretend für die vielen entrechteten Menschen dieser Welt. Und doch: Die ökonomische Logik der israelischen Unterdrückung ist in ihrer Art einzigartig. Während die Welt aufrüstet und nur die beste Überwachungstechnologie gut genug zu sein scheint, hat sich Israel während der langen Regierungszeit von Benjamin Netanjahu in eine wirtschaftlich lukrative Situation gebracht. Der «Unique Selling Point», um im Jargon des ehemaligen Consultants und heutigen Premierministers zu bleiben: die Einzigartigkeit des «Übungsfelds» in Gaza, dem Westjordanland und zunehmend auch im Süden Libanons. Denn dort kann Israel seinen Überwachungsapparat unter realen und menschenrechtswidrigen Bedingungen testen und anschliessend an autoritäre Regierungen verkaufen. Jahr für Jahr steigert Israel seinen Umsatz in diesem Bereich, trotz der Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs, trotz Genozid-Klage vor dem Internationalen Gerichtshof.

Technologische Einbahnstrasse

Käufer findet Israel in Europa und Nordamerika, aber auch auf dem afrikanischen Kontinent. Der Kauf der Überwachungssysteme ist dabei an Bedingungen geknüpft. Wie der pan-afrikanische Autor Kribsoo Diallo schreibt, verwendet die Netanjahu-Regierung seine «in Gaza getesteten» Systeme als Verhandlungsmasse, um afrikanische Regimes diplomatisch auf ihre Seite zu ziehen, «von Angola bis Simbabwe», so Diallo. Das führe wiederum zu mehr Unterdrückung auf dem afrikanischen Kontinent, schreibt er: «Palästinenserinnen und Palästinenser sind die Opfer von israelischer Cyberüberwachung. Doch die israelische Spyware schadet auch der afrikanischen Zivilgesellschaft. Es ist unsere Pflicht, diese Überwachung zu stoppen – in Palästina und in Afrika.» Ansonsten, so Diallo, drohe den Menschen auf dem afrikanischen Kontinent dasselbe Schicksal wie Palästina.

Das ist die Besonderheit der israelischen Unterdrückung: der Transfer menschenrechtsfeindlicher Technologien. Ihr Weg geht nicht von Goma nach Tel Aviv, von Khartum nach Jerusalem. Sondern in die entgegengesetzte Richtung: von Israel in die Welt. Das haben Menschen in Palästina verstanden. Das haben Menschen auf dem afrikanischen Kontinent verstanden. Und das sollten auch diejenigen verstehen, die als Erstes Kritik üben, wenn sich Menschen stark machen für die Rechte von Palästinenserinnen und Palästinenser in Zeiten der Zerstörung.


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26 Meinungen

  • 22.09.2026 at 13:20
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    «Die Uiguren in Xinjiang?». Wollen Sie dies wirklich mit Gaza vergleichen? Die Uiguren sind eine der 55 anerkannten Minderheiten Chinas und genießen als solche Sonderrechte, was Sprache, Schrift und kulturelle Bräuche angeht. Der vollständige Name Xinjiangs ist „die autonome Region der Uiguren Xinjiang“. Neben Mandarin ist Uigurisch die offizielle Sprache der Region. Alle Straßenschilder und offiziellen Dokumente sind zweisprachig. Der Schulunterricht ist ebenfalls zweisprachig. Zeitungen und Bücher inkl. Übersetzungen von ausländischen Werken werden in Uigurisch veröffentlicht. Sprache und Schrift sind Schlüsselelemente einer jeden Kultur. Zu argumentieren, dass ein Land, das die Veröffentlichung von audiovisuellen Medien in einer bestimmten Sprache nicht nur erlaubt, sondern aktiv unterstützt, versuche diesen Teil der Kultur zu zerstören, entbehrt jeglicher Logik. Xinjiang hat jedes Jahr 150 Millionen Touristen, wie viele hat Gaza?

    • 23.09.2026 at 05:28
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      Meines Wissens kamen «die Uiguren in Xinjiang» einzig deswegen unter Druck, weil dort die CIA infiltriert – wo auf der Welt tun die USA das nicht? Und die USA-dominierten Mainstreammedien zumindest des «Westens» haben das Ganze umgekehrt – zulasten des USA-Zielobjekts China – hochgekocht (vgl. auch: Brutkastenlüge).

    • 23.09.2026 at 06:59
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      Ich teile Ihre Ansicht, daß man Uiguren in Xinjiang nicht mit den Palästinensern in Gaza vergleichen kann – aber wohl nur in einer «dimensionellen» Betrachtung: die chinesische Zentralregierung bombardiert das Siedlungsgebiet der Uiguren nicht. Aber sie versucht, durch Förderung der Zuwanderung von Han-Chinesen Einfluß zu nehmen (vgl. Wikipedia-Artikel). Da die Uiguren dem Islam zugerechnet werden ,ist das für eine kommunistische Regierung nicht gerade unverständlich.
      Für Peking steht dabei das Problem der geostrategischen Stabilität der ganzen Region im Vordergrund, nicht die physische Vernichtung einer Ethnie. Das ist aber ein globales Problem : Rechte von Minderheiten & Stabilität von staatlichen Strukturen. Insofern sehe ich eine prinzipielle Parallelität zum Problem Palästina & Israel.

      • 24.09.2026 at 03:51
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        Zu Wikipedia:
        Larry Sanger ein Mitgründer von Wikipedia bereut das Projekt mitangeschoben zu haben, weil es den ursprünglichen Gedanken eines offenen, wirklich neutralen Nachschlagewerks verlassen hat…
        Für mich als Quelle unbrauchbar.

        In Xinjiang musste auf Dschihadisten die aus Afghanistan zurückkehrten reagiert werden. Im Uigurischen Islam gibt es weibliche Imam und Frauenklöster. Es gibt darüber sogar eine schöne BBC Doku. Glauben sie die Dschihadisten wollte diese Form des Islam vor Han-Chinesen verteidigen? Oder mussten die Chinesen die Uigurische Kultur vor den Dschihadisten schützen? Denken sie darüber nach. Tipp, wie war es zum Vergleich im Bamiyan-Tal oder in Palmyra!

        • 24.09.2026 at 16:20
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          Immer diese absoluten Wahrheitsansprüche! Dabei weiss jeder, jede und jedes, wirklich jeder, jeder und jedes, dass er, sie, es nicht weiss. Ich weiss, in Wikipedia steht, wie ich weiss, fälschlicherweise «Ich weiss, dass ich nichts weiss»; wer findet den Unterschied? 🙂 Trotzdem erhält Wikipedia von mir jedes Jahr CHF 100,00. Wenn wegen ein paar Fehlern in den vielen Seiten die Quelle unbrauchbar wird, dann bedaure ich Sie. Wo wollen Sie sich dann informieren? Bei , bei , bei der , im , im , …? Oh, ich hab’s fast vergessen: Natürlich bei INFOsperber.

        • 24.09.2026 at 16:25
          Permalink

          Da hat mir der Editor einen Streich gespielt. Die letzten Sätze müssten heissen:
          Bei RT.de, bei Trump TV, bei der SRG, im Soldatenbuch der Schweizer Armee, im kleinen roten schülerbuch, …? Oh, ich hab’s fast vergessen: Natürlich bei INFOsperber.

  • Ernst Graeub x
    22.09.2026 at 13:29
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    Diesen differenzierten Artikel leite ich gerne weiter an die (zum Glück wenigen) Leute im Bekanntenkreis, die jeweils fragen: warum immer Palästina?

  • 22.09.2026 at 15:04
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    Danke, Pascal Studer, mit diesem Artikel bringen Sie die ganze Misere auf unserem Planeten auf den Punkt. Zunächst zur endlich gelungenen «Sensation Togos» mit der Forderung, die Länder der Welt nach der flächentreuen Projektion darzustellen! Die gibt es nämlich schon lange: Seit vielen Jahren schon hängt bei mir im Büro die Weltkarte der MSF (Médecins sans frontières, Ärzte ohne Grenzen) genau nach dieser Peters Projektion – für diese Ärzte eine Selbstverständlichkeit. Wie viele Jahrzehnte es noch dauern wird, bis alle Kartographen dieser Welt davon überzeugt sind, wage ich nicht zu prognostizieren. Dann Ihr Aufdecken der wahren Mechanismen hinter den Unterdrückungssystemen und die zentrale Rolle des technologischen Überwachungslabors Israel: ich finde es wichtig und Hoffnung weckend, dass viele Menschen gerade in Afrika diese durchschauen und sich darum mit Gaza solidarisieren. Dass 2 von 7 unserer Leser Ihren Artikel ablehnen, zeigt, wieviel Überzeugungsarbeit noch zu leisten ist.

    • 23.09.2026 at 05:43
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      Dem Dank an Pascal Studer von Felix Sachs möchte ich mich anschliessen.
      Diese globale Sicht bekommt man sonst selten zu lesen oder hören.
      Der Artikel ist von A bis Z lesenswert und hebt sich von vielem, was sonst in der ganzen Welt publiziert wird, wohltuend ab.
      Deshalb auch vielen Dank an Infosperber.

  • 22.09.2026 at 15:38
    Permalink

    Ein ausgezeichneter Beitrag, der die Verlogenheit der Mainstream-Medien auf den Punkt bringt. Palästina steht heute nicht nur stellvertretend für die vielen entrechteten Menschen dieser Welt, sondern auch für die Doppelmoral unserer „Eliten“ in Politik und Medien, die Israels Völkermord und Verbrechen an den Palästinensern verteidigen, zumindest aber relativieren und jede Kritik als Antisemitismus verunglimpfen. Neben den USA ist Deutschland darin besonders stark. So hat unser Radio SRF gestern nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin völlig unreflektiert einen deutschen Journalisten zu Wort kommen lassen, der deren Einstehen für die Rechte der Palästinenser wie selbstverständlich mit Antisemitismus gleichsetzt. Als ob es nicht genügt, dass Deutschland die Staatsraison über das Grundgesetz stellt, wenn es ein menschenverachtendes Regime unterstützt, müssen wir mit unserem Staatsmedium dieser Einstellung noch eine Plattform geben.

  • 22.09.2026 at 20:51
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    Lieber Herr Pascal Studer! Was soll dieser Rundumschlag? Sie zitieren haufenweise Menschen, von denen ich noch nie gehört habe. Was haben Menschen in Palästina verstanden? Was haben Menschen auf dem afrikanischen Kontinent verstanden? Und implizit: Was hat der Rest der Welt nicht verstanden? Genau genommen habe ich in Ihrem Artikel nur eins verstanden, nämlich dass Sie und die 164 Länder, die der Resolution «Correct the Map» zugestimmt haben, im Geographieunterricht geschlafen haben. Die Mercatorprojektion ist nämlich die einzige Darstellung der Weltkarte, die die Menschheit weitergebracht hat, indem sie die Navigation zu Land, Luft und Wasser überhaupt erst ermöglicht hat. Ist jemand, der diesen einfachen Zusammenhang nicht sieht , in seinen Deduktionen glaubwürdig?

  • 23.09.2026 at 00:16
    Permalink

    Hervorragender Artikel ! Mehr kann ich im Moment nicht schreiben, werde der Link dazu aber weiterverbreiten.

  • 23.09.2026 at 13:27
    Permalink

    Voraussetzung für ein überzeugendes moralisches oder (straf-)rechtliches Urteil, z.B. Genozid oder andere Straftatbestände des Völkerstrafrechts, ist die unbefangene, unparteiliche Ermittlung der massgeblichen Fakten. Ohne im Geringsen den Vernichtungskrieg Israels gegen Gaza zu beschönigen, gehören zum Sachverhalt die drei Aufforderungen des Völkerstrafgerichtshofs und des UN-Gerichtshofs von Januar bis Mai 2024 an die HAMAS und Verbündete, bedingungslos und sofort alle über 240 Geiseln freizulassen – rechtlich und moralisch zwingend gebotene Aufforderungen. Dass die HAMAS diese vollkommen ignroierte, war wesentlich für die Kriegsfortführung; auch haben sich die HAMAS-Kämpfer nie pflichtgemäss durch ihre Kleidung als Kombattante zu erkennen gegeben (ausser bei Geiselübergaben, ausserhalb von Kampfhandlungen) und damit die Zivilbevölkerung gefährdet.- Die Beschweigung dieer Fakten in den Medien ist ein folgenreiches medienethisches Versagen zu Lasten von Gaza’s Zivilbevölkerung.

    • 24.09.2026 at 08:47
      Permalink

      Mir kommt es vor, dass sich die meisten Kommentarschreiber, wie auch der Autor, sich in einer «Bubble» befinden und den Konflikt nicht wirklich verstehen wollen, sondern ihre feste Meinung bestärkt haben wollen. Danke für den wichtigen Kommentar!

      • 24.09.2026 at 22:30
        Permalink

        Es handelt sich nicht um eine «Bubble», sondern um ein Narrativ, siehe Wikipedia «Narrativ (Sozialwissenschaften)». Dieser Begriff ist nicht eine Floskel, wie sie Marco Diener auf die Schippe nimmt, wohl aber zentral, um all den Verständigungsproblemen, die Du erwähnst, auf die Schliche zu kommen.
        Wir leben ausnahmslos alle in unserem Narrativ. Als Erstes ermitteln wir, welches unser Lieblingsnarrativ ist. Dann versuchen wir zu verstehen, welche Narrative in unserer Umgebung damit inkompatibel sind und warum. Schlussendlich gleichen wir gemeinsam diese Narrative ab, bis sie widerspruchsfrei sind. Wenn wir noch die Kraft haben, können wir dann die Umgebung ausweiten. Wenn der Abgleich nicht gelingt, so ignorieren wir bis auf weiteres dieses Narrativ, um unsere Kräfte zu schonen.
        Etwas viel «Narrativ», um stilistisch durchzugehen, dafür aber (hoffentlich) klarer.

    • 24.09.2026 at 14:18
      Permalink

      Bei dem wahllosen bombardieren durch die IDF hätte auch keine hübsche Uniform für die Kombattanten der Hamas keine Legitimität für Völkermord gegeben. Wie viel Interesse hatte die Regierung zur Rettung der Geiseln, wenn sie selber laut Recherchen israelischer Medien die Hanibal-Direktive befahlen?
      Lesen Sie den am 23. Juni 2026 vorgestellte Bericht der Vereinten Nationen, „Israel begeht weiterhin Völkermord und andere Gräueltaten“.
      Zitat, „die gezielte Bekämpfung von Kindern eines der Schlüsselelemente ist, die die Völkermordabsicht der israelischen Behörden und Streitkräfte belegen, die palästinensische Bevölkerungsgruppe im Gazastreifen ganz oder teilweise zu vernichten“. Für das soll einfach die Hamas Schuld sein, nach 77 Jahren Unterdrückung….?

  • 23.09.2026 at 15:13
    Permalink

    Israel nutzt seine Kriege in Gaza und im Libanon, um dort Waffen und Spionagesysteme zu testen, mit denen es weltweit Geschäfte macht. Ein Land, das diese Systeme kauft, ist künftig ein Stück «Israel» und solche, die sie zu spüren bekommen ein Stück «Palästina» – ist es das, was Sie sagen wollen? Falls ja, wäre es kontextlos und antisemitisch. Der Konflikt mit Gaza kann nicht ohne die riesigen Kriegsinvestionen der Hamas und ihrer Verbündeten in Tunnelsysteme und Waffen thematisiert werden und jener mit dem Libanon nicht ohne die Kriegsinvestitionen der Hisbollah und ihrer Verbündeten. Solche nahen Kontexte wären in diesem Zusammenhang zielführender als die Diskussion um die Mercatorkarte.

    • 24.09.2026 at 14:47
      Permalink

      Was soll das? Sie unterstellen dem Autor, was er nicht gesagt hat, damit Sie die Antisemitismus-Keule schwingen können. Je verbrecherischer sich Israel verhält, desto wichtiger ist die Gleichsetzung von Israel-Kritik mit Antisemitismus, um jede Diskussion zu ersticken. Und zu Ihren weiteren Behauptungen: Bis heute lässt Israel keine unabhängigen Journalisten und Berichterstatter in den Gazastreifen. Warum wohl?

  • 23.09.2026 at 18:59
    Permalink

    Warum macht CH-Volk nicht Druck gegen Bundesrat, Israellobby in CH? Weil wir Wasser, Food, Sicherheit haben? Noch! «Neue Weltordnung wird aussehen wie Gaza» sagt US-Journalist Chris Hedge, Kenner Palästinas. Er hat ein Buch darüber geschrieben. Es müsste in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Schulbuch obligatorisch erklärt werden. 22.9.2026 Globalbridge (siehe Foto): «Israel mordet und mordet und mordet – die Welt weiß es …»
    Infosperber: «Palästinensischer Schriftsteller Ahmed Mortaja in der jordanischen Hauptstadt Amman.»
    Grosser Teil Bevölkerung in Jordanien hat palästinensische Wurzeln, darunter Königin Rania.
    König Abdullah II, an aktueller Uno-Generaldebatte New York, hat Israel gegen Palästinenser schwerste Verstöße gegen internationales Recht vorgeworfen. «Wir haben Werkzeuge: Sanktionen, Einfrieren von Vermögen, Embargos, diplomatische Isolation. Und wir haben sie schon anderswo eingesetzt. Aber mit Israel enden Resolutionen dort, wo sie begannen – auf dem Papier.»

  • 23.09.2026 at 21:26
    Permalink

    Gaza zeigt alles.

    • 24.09.2026 at 11:04
      Permalink

      Jedenfalls zeigen die letzten drei Jahre der Entwicklung in und um Gaza, wie gegenseitiger Hass und Verachtung sowie Vernichtungswille beidseitig den Konflikt bis zur höchsten Eskalationsstufe vorantreiben: Die Zerstörung der eigenen Gemeinschaft wird in Kauf genommen (nach Friedrich GLASL). Hatten etwa die transparenzscheue HAMAS und ihre Verbündeten beim Massker vom 07. Oktober die militärischen Reaktionsmöglichkeiten und Ziele Israels nicht einkalkuliert? Damit legitimiere ich nichts und niemanden; aber es ist nicht verantwortungsvoll und trägt nicht zur Konfliktdeeskalation bei, Schuld und Verbrechen nur einer Konfliktpartei zuzuschreiben, gerade auch dann nicht, wenn der Konflikt so asymmetrisch ist und weitverzweigte, vielschichtige und jahrhundertealte Ursachen hat. Die Solidarität mit der Zivilbevölkerung Gaza’s und mit den legitimen politischen Interessen der Palästinenser ist nicht heuchlerisch, aber kaum je mit einer sachlichen, schonungslosen Konfliktanalyse verknüpft.

  • 24.09.2026 at 03:50
    Permalink

    Schon 1777 hat der Mathematiker Euler bewiesen, dass eine Kugelfläche nicht verzerrungsfrei in eine Ebene übertragen werde kann. Es mutet daher doch etwas seltsam an, wenn daraus ein solches politisch-ideologisches Problem gemacht wird. Die Probleme Afrikas liegen auf einer gänzlich anderen „Ebene“ als in einer flächentreuen Abbildung des Kontinents auf Landkarten – zumal im digitalen Zeitalter die Papierebene schon fast kein Standard mehr ist. Viel wichtiger ist eine «Dichte-Darstellung» von wirtschaftlichbzw. politisch relevanten Parametern, also bezogen auf die NUMERISCHE Fläche . Beispiel: [Zahl der Kinder pro Quadratkilometer] oder [ Zahlder Waffen pro Quadratkilometer].

  • 24.09.2026 at 08:44
    Permalink

    Ich bin ziemlich einfach gestrickt. Seit ich als Zwölfjähriger vor 62 Jahren «Exodus» von Leon Uris gelesen habe, ist bis heute nichts passiert, das mein Bild von Israel geändert hätte. Dieser Artikel beweist nur wieder einmal, dass über kein Problem auf der Welt fertig gedacht ist, bevor nicht Israel und den Juden eine grosse Mitschuld zugewiesen worden ist.

    • 25.09.2026 at 01:05
      Permalink

      Echt einfach gestrickt.

  • 24.09.2026 at 10:49
    Permalink

    Der Spiegel 22.01.2026, 18.28: «Der US-Präsident verspricht, im zerstörten Gaza Wolkenkratzer und Luxushotels zu errichten. Auf Eigentumsrechte oder Unterkünfte für Palästinenser geht Trump bei der Vorstellung von »New Gaza« nicht ein.»

    SRF 22.01.2026, 21:21: «Viele Wolkenkratzer, viel Grün und ein Tourismus-Hotspot: Gazas Wiederaufbauplan von Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, lässt einige Fragen offen. ..»

    Zur Aussage im Artikel: «Während die Welt aufrüstet und nur die beste Überwachungstechnologie gut genug zu sein scheint, hat sich Israel während der langen Regierungszeit von Benjamin Netanjahu in eine wirtschaftlich lukrative Situation gebracht…»

    B.Netanjahu könnte wohl die Immobilienhändler-Mentalität von Donald Trump und von Jared Kushner richtig eingeschätzt gaben und könnte den Tipp gegeben haben Gaza ist ein gigantisches Geschäft, das mittlerweile politisch und militärisch ausser Kontrolle geraten ist und die Hintergründe im Dunkeln bleiben
    Gunther Kropp, Basel

  • 24.09.2026 at 22:27
    Permalink

    Guter Beitrag: Danke!

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