Kommentar
Die seltsamen Zins-Rechnungen der UBS
Im Streit um die Kapitalerhöhung um 13 Milliarden kämpft die UBS mit harten Bandagen. In einem Interview mit der NZZ wirft Ermotti dem Bundesrat vor, das Parlament «verkürzt und irreführend» informiert zu haben. Und er droht: «Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die zusätzlichen Kosten nur von den Aktionären getragen werden. Auch die Kunden und die Mitarbeitenden werden betroffen sein. Wir werden alles tun müssen, um eine vergleichbare Rendite zu erwirtschaften wie unsere Konkurrenten. Denn wir stehen in einem Wettbewerb um Kunden und um Kapital.»
Im Klartext: Ermotti will die Kosten, die er auf 3 Milliarden Dollar jährlich beziffert, auf die Schweizer Wirtschaft abwälzen. Auch wenn es dieser weh tut. «Es geht um mehr als die UBS oder den Finanzplatz. Es geht um die Schweiz.» Doch wie kommt Ermotti auf diese 3 Milliarden? Die NZZ stellt dazu keine Fragen. Wir haben die Pressestelle der UBS mit folgender Rechnung konfrontiert:
Unter dem Strich: nur etwa 1,1 Prozent mehr Zins
13 Milliarden mehr Eigenkapital oder mehr AT1-Anleihen bedeuten, dass die UBS im Gegenzug auch 13 Milliarden Franken Schulden abbauen kann. Für langfristige Anleihen zahlt die UBS aktuell 5,3 bis 6,2 Prozent. Die letzte AT1-Anleihe hat sie 6,875 Prozent gekostet. Die UBS zahlt somit etwa 1,1 Prozent mehr Zins. Bezogen auf die 13 Milliarden sind das Mehrkosten von 143 Millionen Dollar.
Zweite Rechnung. Die UBS macht stattdessen eine Kapitalerhöhung um 13 Milliarden Franken. Sie veranschlagt ihre Eigenkapitalkosten auf 10,5%. Wenn sie dafür Schulden zu 5,5 Prozent Zins zurückzahlt, bleiben Mehrkosten von 650 Millionen.
Infosperber hat die UBS um eine Stellungnahme zu dieser Rechnung gebeten. Doch in ihrer Antwort geht die UBS mit keinem Wort auf die Argumente ein, sondern weist bloss auf dieses Papier hin, wo auf Seite 5 Ausführungen zu den Kapitalkosten zu lesen sind. Dort ist dann allerdings nicht mehr von 13 Milliarden die Rede, sondern von einem «gesamten zusätzlichen Kapitalbedarf im Zusammenhang mit der Übernahme der Credit Suisse von rund USD 37 Milliarden», «was jährlichen zusätzlichen Kapitalkosten von rund USD 3 Milliarden entspräche.»
Was nun? Geht es nur um die zusätzlichen 13 Milliarden, oder will Ermotti die ganze Vorgeschichte noch einmal aufrollen? Bitte: Die UBS hat damals die CS für 3,2 Milliarden Dollar gekauft und damit eine Bilanzsumme von 530 Milliarden Dollar in die Bücher genommen. Klar brauchte es dafür zusätzliches Eigenkapital. Doch wie bitte soll das mit den angeblichen 3 Milliarden Mehrkosten zusammenhängen? Wer informiert hier «verkürzt und irreführend»?
Was ist teurer? Das zusätzliche Eigenkapital oder das gesparte Fremdkapital?
Letztlich geht es bei diesem Streit darum, ob das geforderte zusätzliche Eigenkapital teurer ist, als das Fremdkapital, das man dadurch ersetzen kann. Die UBS veranschlagt diese Kosten auf 10,5 Prozent. Mindestens so viel Rendite müsse die UBS erwirtschaften. Dazu Ermotti: «Wir werden alles tun müssen, um eine vergleichbare Rendite zu erwirtschaften wie unsere Konkurrenten. Wir stehen in einem Wettbewerb um Kapital»
Zwischen den Zeilen gelesen: Die Grossbanken bilden offenbar ein Kartell, das sie verpflichtet, ihre Preise so zu kalkulieren, dass am Schluss eine Nettorendite von mindestens 10 Prozent übrigbleibt. Die Kartellkommission hatte 1978 ein entsprechendes «Konditionenkartell» der Freiburger Taxichauffeure verboten. Und auch das 2003 verschärfte Kartellgesetz verbietet alle Absprachen, die den Wettbewerb erheblich einschränken. Aber, wo kein Kläger ist…
Doch kann der von Ermotti erwähnte «Wettbewerb um Kapital» die UBS wirklich dazu zwingen, die geforderte Rendite von 10,5 Prozent auch auf einen höheren Eigenkapital zu erwirtschaften? Natürlich nicht. Bleibt der Gewinn der UBS unter den Erwartungen, senkt der Markt bloss den Aktienkurs auf ein entsprechend tieferes Niveau. Das ist zwar schlecht für die Aktionäre, aber die Bank selbst verliert dadurch keinen einzigen Rappen.
Wie sich ein höheres Eigenkapital auf die Rendite der UBS auswirkt, hängt in der Tat von den zusätzlichen Kosten ab. Dazu müsste die UBS ihren Aktionären und den Medien detaillierte und überprüfbare Argumente liefern. Dazu gehört auch die Frage, wie stark ein höheres Eigenkapital-Polster die Kosten des Fremdkapitals senkt. Bei einer Bilanzsumme (Schulden) von 1600 Milliarden Dollar, würde schon eine Verbilligung um 2 Promille die von Ermotti ins Feld geführten 3 Milliarden mehr als kompensieren.
Vermutlich liefert die UBS diese Informationen deshalb nicht, weil sie damit ihr Drohpotential schwächen würde.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








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