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Ein an Cholera erkranktes Kind in einem jemenitischen Spital. © UNICEF

Jemen: Unicef bezahlt Ärzte, um Kinder zu retten

Daniela Gschweng /  Im Kampf gegen Cholera greift das UN-Kinderhilfswerk zu einem ungewöhnlichen Schritt und finanziert Gesundheitspersonal in Jemen.

Im von Krieg und Hungersnot gebeutelten Jemen verbreitet sich seit April die Cholera. In einem verzweifelten Versuch, den Ausbruch einzudämmen, hat die Hilfsorganisation Unicef zu einem ungewöhnlichen Schritt gegriffen: seit Mitte Mai bezahlt sie Ärzte und Pfleger des Landes, die gegen die Seuche kämpfen.

Für viele Kinder sei die Lage «katastrophal», erklärte Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere. Die Cholera breite sich unglaublich schnell aus. In den wenigen noch funktionierenden Spitälern im Land spielten sich «erschütternde Szenen» ab. Bei einigen Kindern, die er gesehen habe, wüsste er nicht, ob sie die Nacht überlebt hätten.

Einmalige Hilfsaktion

Diese Art der Finanzierung ist in diesem Umfang einmalig und sei «keine gängige Praxis», sagte Cappelaere. Und auch keine, die er so beibehalten wolle. Mehrere Millionen haben die «Stipendien» an Ärzte und Pflegende, die etwa 70 Prozent des normalen Lohns ausmachen, bereits gekostet. Das Unicef griff dafür auf einen Notfallfond zurück. Die meisten Ärzte und Pflegenden hatten zuvor seit Monaten keine Bezahlung mehr bekommen.

Derzeit gibt es im Jemen mehr als 130‘000 gemeldete Cholerafälle. Ihre Zahl könnte in den nächsten Wochen auf 300‘000 steigen, sagt Cappelaere. Etwa 1‘000 Menschen sind laut «New York Times» bereits an der Krankheit verstorben. Viele haben kaum Geld, um überhaupt eines der wenigen noch nicht bombardierten Spitäler zu erreichen.

(Die neusten Zahlen vom 25. Juli gemäss BBC hier.)

Geld für den Krieg statt für Ärzte

Seit März 2015 führt eine Koalition mehrerer arabischer Staaten unter Führung Saudi-Arabiens und mit Unterstützung westlicher Staaten im Jemen Krieg gegen schiitische Huthi-Rebellen. Bisher gab es laut «New York Times» etwa 10‘000 Todesopfer, Millionen sind auf der Flucht. Die Bevölkerung leidet infolge der saudischen Seeblockade Mangel an so gut wie allem. Die Hälfte aller Spitäler wurde seit Beginn des Krieges 2015 zerstört. Es droht eine Hungersnot. Die Vereinten Nationen und andere Organisationen warnten bereits mehrmals vor einer humanitären Katastrophe.

Cholera ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem über verschmutztes Wasser übertragen wird. Meist trifft sie bereits kranke oder schwache Personen. Cholera löst schwere Durchfälle und Erbrechen aus. Unbehandelt führt sie bei 20 bis 70 Prozent aller Erkrankten zum Tod durch Flüssigkeitsverlust, mitunter nach wenigen Stunden. Bei rechtzeitiger Behandlung mit Infusionen, Zucker-, Salz- und Elektrolytlösungen sterben nur wenige Prozent.

Cappelaere hat mit beiden Kriegsparteien gesprochen. «So lange ihr Geld habt zu kämpfen, solltet ihr Geld haben, eure Ärzte und das Pflegepersonal zu zahlen», sagte er. Beide Parteien meinten, dass «eine Lösung gefunden werden müsse».

Düstere Perspektiven

Falls sich keine Lösung findet, sind die Perspektiven düster. Von der Trump-Regierung angekündigte Mittelkürzungen bedeuten voraussichtlich auch eine drastische Kürzung von UN-Hilfsgeldern für den Jemen. Jamie McGoldrick, UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten, erklärte am 15. Juni, das 2,1 Milliarden Dollar umfassende Hilfsprogramm für 2017 sei erst zu 29 Prozent finanziert. «Menschlichkeit verliert gegen Politik», kommentierte er auf einer Pressekonferenz in Jordanien.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen rechnet mit einer Verschlechterung der Situation und hat am 16. Juni 2017 die Konfliktparteien aufgefordert, eine friedliche Lösung für den Konflikt im Jemen zu finden.
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Infosperber hat den Krieg im Jemen bereits mehrmals thematisiert. Siehe unter anderen:

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Statements der UNICEF und anderer Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

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