Dramatische Lage in Afrika © FFA

Dramatische Lage in Afrika

UNO warnt vor Hungertod von 20 Millionen Menschen

Andreas Zumach, Genf / 13. Mär 2017 - Zur Abwendung der «grössten humanitären Katastrophe seit Ende des 2. Weltkriegs» werden 4,4 Milliarden US-Dollar benötigt

Die Welt steht nach Einschätzung der UNO vor der größten humanitären Katastrophe seit 1945. Über 20 Millionen Menschen sind infolge von Dürre und Bürgerkriegen derzeit allein in den vier Ländern Jemen, Somalia, Südsudan und Nigeria akut vom Hungertod bedroht, warnte der UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien am Freitagabend vor dem Sicherheitsrat in New York. «Um die Katastrophe abzuwenden» müsse die internationale Staatengemeinschaft bis Juli 4,4 Milliarden US-Dollar (4,1 Mrd. Euro) bereitstellen, appellierte O`Brien an die Mitgliedsländer der UNO.

Für den Nothilfekoordinator ist ein «kritischer Punkt in der Geschichte der Vereinten Nationen» erreicht. «Ohne gemeinsame und koordinierte weltweite Bemühungen werden die Menschen einfach verhungern, Existenzen werden verloren gehen und hart erkämpfte politische Errungenschaften umgekehrt werden», erklärte er. Viele der Hungerkrisen seien «von Menschen gemacht», betonte er mit Blick auf die Gewaltkonflikte in den vier betroffenen Ländern. O'Brien warnte zugleich vor der Ausbreitung von Cholera und anderen Epidemien.

Der Jemen ist ein Katastrophengebiet, im Südsudan spitzt sich die Lage zu

Anfang März hatte O'Brien die vier Krisenländer besucht und sich ein Bild von der Lage gemacht. «Die Lage für die Menschen in diesen Ländern ist schrecklich und ohne eine grosse internationale Reaktion wird sie noch schlimmer», sagte der Brite. «Alle vier Länder haben eine Sache gemeinsam – den Konflikt. Das bedeutet, dass wir (die UN) die Möglichkeit haben, weiteres Elend und Leiden zu verhindern.» Rasche Hilfe sei nötig, da noch die Gelegenheit bestehe, das Schlimmste zu verhindern.

Die Lage im Bürgerkriegsland Jemen bezeichnete O'Brien als «die grösste humanitäre Krise in der Welt». Zwei Drittel der Bevölkerung, rund 18,8 Millionen Menschen, benötigen Hilfe. Über 7 Millionen Menschen sind akut unterernährt oder wissen nicht, wie sie an ihre nächste Mahlzeit kommen sollen. Das sind drei Millionen mehr als noch im Januar. Im Jemen kämpfen schiitische Huthi-Rebellen gegen die sunnitische Regierung unter Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi.

In Südsudan ist die Lage nach einem Bericht des von O'Brien geleiteten UN-Büros für Humanitäre Hilfe (UNOCHA) in Genf ebenfalls prekär. Mindestens eine Million Menschen stünden an der Schwelle zur Hungersnot, mindestens 5,5 Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Helfer benötigten 1,6 Milliarden US-Dollar für die Versorgung der Menschen. Bislang seien erst knapp zehn Prozent davon finanziert.

Dringende Hilfsgelder werden benötigt

Nach einem Besuch in Somalia Anfang letzter Woche hatte UN-Generalsekretär António Guterres dringend Hilfsgelder in Höhe von 825 Millionen Dollar (773 Millionen Euro) von den UN-Mitgliedsstaaten erbeten. In dem Land am Horn von Afrika sind nach UN-Angaben mehr als sechs Millionen Menschen – etwa die Hälfte der Bevölkerung - in Folge einer schweren Dürre auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mangels sauberen Trinkwassers ist die Cholera ausgebrochen, mehr als 7700 Fälle wurden den UN zufolge in den vergangenen zwei Monaten dokumentiert.

Mit dem dringenden Bedarf an 4,4 Milliarden Dollar, um 20 Millionen Menschen vor dem Hungertod zu retten, wird die ohnehin schon dramatische Finanzkrise des UNO-Systems weiter verschärft. Die Gesamtkosten für sämtliche Aufgaben und Einrichtungen des UNO-Systems – inklusive seiner rund 40 Sonderorganisationen und der im Einsatz befindlichen Blauhelmmissionen – beliefen sich in den letzten Jahren auf jeweils rund 15 Milliarden Dollar – also zwei Dollar pro Kopf der Erdbevölkerung. Davon werden lediglich drei Milliarden, also nur 20 Prozent des Gesamtbedarfs – durch die Pflichtbeiträge der 193 Mitgliedsstaaten gedeckt. Die restlichen 80 Prozent muss die UNO ständig von den Mitgliedsregierungen erbetteln.

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2 Meinungen

Und «meine» Regierung will, wie von Trump gefordert, in den nächsten Jahren die Militärausgaben um 30 Milliarden Euro erhöhen. Wären dann zwei Protent des BSP.
Diese Leute sollten das Buch «Wir lassen sie verhungern» von Jean Ziegler lesen!

B. Moser

Deutschland
Bernd Moser, am 14. März 2017 um 19:00 Uhr
Die Medien sind in diesen Tagen nicht so sehr mit der Hungersnot in Afrika beschäftigt, viel mehr mit dem Vorwurf Trumps Obama habe ihn abgehört. FBI-Chef-Comey wies die Vorwürfe Trumps zurück, Obama habe Trump abhören lassen. Was aber die verschiedenen Geheimdienste der USA alles so machen, weiss auch FBI-Chef-Comey nicht. Über die Operationen der Nato Geheimarmeen in Europa waren die meisten Regierungen seinerzeit auch nicht informiert, wie Daniele Ganser dokumentierte.

Geheimdienste und auch Regierungen haben hüben wie drüben auch immer wieder Lügen produziert. Erinnert sei an den Tonkin Zwischenfall, an die Brutkastenlüge an die Massenvernichtungsmittel des Iraks.

Viele wichtiger ist als die «Lügen oder Wahrheiten» Trumps ist die konkrete Politik der USA unter Trump. Auch unter Trump wird die Kriegspolitik der USA wie unter Bush und Obama fortgesetzt. Trump will jetzt sogar noch 54 oder wie B. Moser oben schreibt 30 Milliarden US-Dollar mehr Geld in die Rüstung stecken. - Um den Hungertod von 20 Millionen Menschen im Jemen, in Somalia, im Süd Sudan und in Nigeria abzuwenden wären laut UNO «nur» 4,4 Milliarden US Dollar nötig. Die USA führt weiter Krieg im Irak, in Syrien und in Afghanistan und unterstützen Saudiarabien im Krieg im Jemen.

Trotzdem die USA und Nato-Staaten Kriege führen, erlaubt es Bern diesen Armeen Kriegsmaterial zu verkaufen. Nach der Kriegsmaterialverordnung dürften nach Staaten die in Kriege verwickelt sind kein Kriegsmaterial geliefert werden.
Heinrich Frei, am 21. März 2017 um 12:03 Uhr

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