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Trotz Abrüstungsverpflichtungen im Atomwaffensperrvertrag geht das atomare Wettrüsten weiter. © ID719267084/Depositphotos / 3D-Illustration

Ican: «Geld, das zum Leben fehlt, wird für A-Waffen vergeudet»

Urs P. Gasche /  Die Grossmächte investieren gewaltig in Atomwaffen, obwohl deren Einsatz das Leben auf der Erde weitgehend zerstören würde.

Seit Jahrzehnten bedrohen Atomwaffen die Menschheit. Selbst ein begrenzter Atomkrieg mit hundert «kleineren» A-Bomben würde das Klima unerträglich machen. Hunger und Massensterben wären die Folgen. Ein grosser Atomkrieg würde das Ende unserer Zivilisation bedeuten. 

Die «Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen» (Ican) dokumentiert in ihrem neusten Jahresbericht 2026, dass die neun Staaten mit Atomwaffen im Jahr 2025 durchschnittlich 19 Prozent mehr für Atomwaffen ausgegeben haben als noch im Jahr 2024, insgesamt 119 Milliarden Dollar.

Ausgaben A-Waffen im Jahr 2025 mit Veränderung
Ausgaben für Atomwaffen im Jahr 2025 mit Steigerung seit 2024. Grössere Auflösung hier.

Nach der russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 nahmen die Ausgaben für Atomwaffen weiter zu. Doch die Zunahme dieser Investitionen begann schon einige Jahre zuvor, wie der Bericht «Securing profits, how the arms lobby is hijacking Europe‘s defence policy» von Bram Vranken aus dem Jahr 2017 aufzeigt.

Das «European Network Against Arms Trade» (Enaat) hat dokumentiert, dass die Rüstungsbranche laut europäischem Transparenzregister für ihre Lobbyarbeit allein in der EU bereits im Jahr 2016 rund 55 Millionen ausgab. 

Die zehn grössten EU-Rüstungsunternehmen und die beiden grössten Lobbyorganisationen hätten sich seit 2014 Hunderte Male mit der Europäischen Kommission und seit 2019 über 150-mal mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments getroffen. 

Mairead Mcguinness
Die Stimme von Mairead McGuinness, bis 2024 EU-Kommissarin für Finanzen und Kapitalmärkte

Ican hat dokumentiert, welche Industriekonzerne vom Geschäft mit Atomwaffen profitieren. Die kreditgebenden Banken sind nicht berücksichtigt. Alle diese Unternehmen sind finanziell interessiert daran, dass Geld in Atomwaffen investiert wird.

Umsatz der Konzerne mit A-Waffen
Umsatz von Konzernen mit Entwicklung und Unterhalt von Atomwaffen mit dem Anteil am jeweiligen Gesamtumsatz. Grössere Auflösung der Tabelle hier.

Mit Abstand am meisten investierten in den letzten Jahren die USA in die Weiterentwicklung, den Transport und die Stationierung von Atomwaffen:

5 Jahre A-Waffenausgaben
Ausgaben für Atomwaffen von 2021 bis 2025 nach Ländern. Grössere Auflösung der Grafik hier.

Ican erklärt dazu: «Es hat sich ein Zustand kollektiver Amnesie breitgemacht. Erneut wird mit nuklearen Waffen gedroht. Misstrauen ist an der Tagesordnung. Die Rüstungskontrolle stirbt. Die weltweiten Militärausgaben stiegen im vergangenen Jahr auf 2,7 Billionen Dollar – das ist dreizehnmal mehr als die gesamte weltweite Entwicklungshilfe. Und es entspricht dem gesamten Bruttoinlandsprodukt Afrikas.»

Grosse Medien begleiten den Rüstungswettlauf grundsätzlich wohlwollend – wenn sie ihn nicht noch anheizen.

Tägliche Ausgaben Vergleiche
Mit den Militärausgaben eines einzigen Tages der einzelnen Länder hätten so viele Menschen ein Jahr lang aus der Misere mangelnder Ernährung herausgeholt werden können.

Die 99 Länder, die dem Vertrag über das Verbot von Kernwaffen beigetreten sind, würden sich dafür einsetzen, diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Die Vertragsunterzeichner verweisen auf die anhaltende und akute Bedrohung, welche Atomwaffen für ihre Sicherheit darstellen. Sie fordern, dass Abrüstungsverhandlungen bei der nuklearen Abrüstung endlich Fortschritte machen. Die moderne Aufklärungstechnik mache es heute leichter als früher, eine Abrüstung gegenseitig zu kontrollieren.

Deutschland und die Schweiz sind diesem Vertrag nicht beigetreten. In der Schweiz ist eine Volksinitiative zustandegekommen, die den Beitritt verlangt. Der Bundesrat lehnt die Initiative ab, hat jedoch noch kein Datum für die Volksabstimmung bekanntgegeben.

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4 Meinungen

  • Heinrich Frei
    31.07.2026 at 12:11
    Permalink

    Mein Bekannter freut es, dass die UBS 2,8 Milliarden US-Dollar verdient hat. Er hat Aktien der UBS. Früher setzte er auf kranke Pferde und verlor viel Geld. Vor Jahrzehnten ging die Metro Bank in Zürich Pleite, da verlor er einige Tausende. Viel Geld ging bei ihm flöten als die Swissair Konkurs machte und als es mit der Credit Suisse zu Ende ging.
    Mein Bekannter stört es aber, dass die UBS und auch seine Pensionskasse der Stadt Zürich immer noch Geld in Rüstungskonzerne investieren. Die furchtbaren Kriege. in der Ukraine, im Gazastreifen, im Libanon, im Iran und die vielen anderen Kriege, mit der damit verbundenen irren Aufrüstung, waren zwar ein Segen für die Aktionäre der Rüstungsindustrie.
    Nicht verstehen kann mein Bekannter, dass es der UBS von Bern sogar weiter erlaubt wird auch in Firmen Gelder anzulegen die Atombomben herstellen, wie im kürzlich erschienen Bericht von ICAN, der Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen dokumentiert wird, 6,5 Milliarden US Dollar.

  • 31.07.2026 at 17:07
    Permalink

    Es ist ein Brauch von alters her: Wer Milliarden in bestimmte Entwicklungen steckt, will Gewinn machen. Das heißt, diese Entwicklungen müssen auch angewendet werden. Nicht nur die Kosten müssen wieder hereinkommen, sondern noch ein ordentlicher Batzen oben drauf. Selbst wenn die Menschheit zur Vernunft kommen und Atomwaffen nicht einsetzen sollte (unwahrscheinlich), so werden diese zumindest als Drohkulisse genutzt, eben um Profit zu machen. Da hilft auch keine 360°-Wende in der Politik.

  • 1.08.2026 at 09:26
    Permalink

    Vor 25 Jahren war ich mit dem Frachtschiff von New Jersey der US-Küste entlang unterwegs nach Savannah und von dort nach Valencia. Der Kapitän – ein Seebär aus der ehemaligen DDR – bat mich um 4 Uhr morgens auf die Brücke um mir bei der Einfahrt den Kriegshafen Norfolk zu zeigen. Wir fuhren gut 3 Stunden lang an einem Kriegsschiff – darunter auch Flugzeugträger – am anderen vorbei. Dabei gab es beidseitig noch hunderte von Hafenbecken mit Kriegsbooten.

    Ich bin schon damals über die geballte Ladung an Kriegsschiffen erschrocken und dachte, wle neurotisch muss diese Nation sein, sich dermassen hoch zu rüsten. Wenn eine Privatperson sich in diesem Verhätnis mit Waffen eindeckt, was würde wohl da passieren….?
    Auf jeden Fall habe ich auf den Landgang verzichtet, ich mochte nicht in einer solchen Garnisons-Stadt herumspazieren.
    Am Ende der Reise in La Spezia lagen dort zwei Kriegsschiffe in der Grösse der Hafenpolizei von Norfolk vor Anker. Das war eine interessant Beobachtung.

  • 1.08.2026 at 16:04
    Permalink

    Die USA investieren 3 mal so viel in Atomwaffen wie China und Russland zusammen.
    Noch Fragen?

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