Das Gerede über eine europäische Atomstreitkraft

Es werden Legenden und Illusionen verbreitet. Man übt sich in Selbstbetrug. Das gilt sowohl für atomare Massenvernichtungswaffen als auch für die sogenannte zivile Nutzung der nuklearen Technologie.
Und es gilt weitgehend auch für die aufkommende Debatte darüber, ob Europa eine eigenständige, von den USA möglichst unabhängige Atomwaffenkapazität aufbauen soll. Mit «Europa» sind die Mitglieder der EU und die europäischen Nato-Mitglieder gemeint, die mit wenigen Ausnahmen identisch sind.
Erhellend ist ein kurzer Überblick über die Geschichte.
Verdrängt: hunderttausende Opfer der Atomtests
Seit Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts fanden weltweit 2056 unterirdische und oberirdische atomare Explosionstests statt. Zunächst von den USA, ab 1949 auch von der Sowjetunion sowie in der Folge von Grossbritannien, Frankreich und von China. Der letzte Test wurde 1980 durchgeführt. Viele hunderttausend Menschen und ihre Umwelt sind durch die radioaktive Strahlung verseucht worden. Bis heute werden die Opfer dieser Atomwaffentests geleugnet oder verharmlost. Diese Menschen sind kaum jemals entschädigt worden.
Das 1996 von der Uno-Generalversammlung beschlossene umfassende Verbot von atomaren Explosionstests – der Comprehensive Test Ban Treaty (CTBT) – ist zwar bis heute nicht in Kraft getreten. Doch seit den 90er Jahren gilt ein Testmoratorium. Atomwaffen werden nur noch mit Computersimulationen getestet.
Aber das Pentagon, inzwischen unter Trump in «Kriegsministerium» umbenannt, drängt schon lange darauf, wieder unterirdische oder gar oberirdische Atomwaffentests zuzulassen. Denn nur mit unterirdischen oder sogar oberirdischen Explosionstests könne man die Atomwaffen «modernisieren» – ein verharmlosender Begriff. Es geht darum, die Atomwaffen noch schrecklicher, noch zerstörungsstärker, noch zielgenauer und noch weniger berechenbar für den Feind zu machen.
Donald Trump hat vor wenigen Monaten angekündigt, dass er solche Tests wieder aufnehmen will. Wenn das tatsächlich passiert, muss man davon ausgehen, dass Russland genauso handelt und dann in Europa mindestens auch Frankreich. Die anderen Atomwaffenstaaten – Israel, Indien, Pakistan sowie Nordkorea könnten dann ebenfalls wieder atomare Explosionstests durchführen.
Mythos: Bombenabwürfe waren nötig
Die amerikanische Geschichtsschreibung, viele Schulbücher und US-Militärs rechtfertigen die Atomwaffenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 bis heute damit, sie seien notwendig gewesen, um Japan zur Kapitulation zu zwingen.
Das ist ein Mythos. Der japanische Kaiser hatte längst seine Kapitulationsbereitschaft nach Washington gemeldet, aber die beiden Atombomben wurden dennoch abgeworfen. Vor allem deswegen, weil die USA nicht wollten, dass die sowjetischen Truppen, die damals aus dem Norden Japans auf Tokio vorrückten, den Sieg in diesem Krieg für sich reklamieren würden. Der langährige ARD-Korrespondent und Autor des Buches «Nagasaki: Der Mythos der entscheidenden Bombe», Klaus Scherer, bewertet die unnötigen Abwürfe als Kriegsverbrechen.
Verharmlost: nukleare Teilhabe
In den 1950er Jahren hatte der damalige westdeutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer die Atomwaffen als «eine andere Form der Artillerie» verharmlost und verlangt, dass die Bundeswehr Atomwaffen zur nationalen Verfügung bekommen sollte. Die USA haben dies damals zum Glück nicht zugelassen. Stattdessen wurde das Modell der sogenannten «nuklearen Teilhabe» etabliert. Sie sah die Stationierung amerikanischer Atomwaffen in der damaligen westdeutschen Bundesrepublik sowie in vier weiteren Nato-Staaten vor. Im Falle eines Krieges sollten sie von den US-Militärs auch an die Streitkräfte der jeweiligen Stationierungsländer weitergegeben und von diesen eingesetzt werden können.
Getäuscht: zivile Nutzung mit militärischen Hintergedanken
Franz Josef Strauss, Militärminister und Atomminister im Kabinett Adenauer, nötigte die Energiekonzerne der westdeutschen Bundesrepublik mit Milliardensubventionen dazu, auf die sogenannt zivile Atomenergie zu setzen – dies gegen deren bessere betriebswirtschaftliche Erkenntnis, gegen alle volkswirtschaftliche Vernunft sowie gegen alle ökologischen und Sicherheitsbedenken. Das eigentliche Motiv von Strauss war, dass Westdeutschland damit alle Technologien und Anlagen erhielt, die zur Entwicklung von Atomwaffen erforderlich sind – Atomkraftwerke und Anlagen zur Anreicherung von Uran sowie schnelle Brüter oder Wiederaufbereitungsanlagen, um Plutonium zu beschaffen – also die beiden Verfahren, um waffenfähiges atomares Spaltmaterial zu gewinnen. Dieses Ziel hat Strauss weitgehend erreicht – ausser einer Wiederaufbereitungsanlage zur Gewinnung von Plutonium. Deren Bau im bayerischen Wackersdorf verhinderte die Anti-AKW-Bewegung mit massiven Protesten und Widerstand.
Selbstbetrug: Kein Einsatz von Atomwaffen – ausser zur Verteidigung
In den 1950er Jahren gab es in Westeuropa eine grosse grundsätzliche Kampagne gegen Atomwaffen unter dem Motto «Kampf dem Atomtod». Sie ging von Grossbritannien aus. Aber auch in der westdeutschen Bundesrepublik und in den anderen Nato-Staaten gingen damals hunderttausende Menschen auf die Strasse. In Westdeutschland ging diese Kampagne Ende der 1950er Jahre zu Ende. Der wesentliche Grund war, dass Exponenten der Sozialdemokratie, der Gewerkschaften und grosser Teile der evangelischen Kirche ihren «Frieden mit der Atomwaffe» schlossen.
Die Führung der evangelischen Kirche in Deutschland – der EKD-Rat – veröffentlichte 1959 die sogenannte Heidelberger These: «Die Kirche muss die Beteiligung an dem Versuch, durch das Dasein von Atomwaffen einen Frieden in Freiheit zu sichern, als eine heute noch mögliche christliche Handlungsweise anerkennen.»
Dieses «heute noch» von vor 65 Jahren ist seitdem immer wieder verlängert worden durch den Rat der EKD in einer Reihe vom Rat so bezeichneter «Friedensdenkschriften». Die letzte Denkschrift wurde im November 2025 veröffentlicht. Sie hat mit Friedensdenkschrift nichts mehr zu tun, sondern ist eine einzige Rechtfertigung der Aufrüstungspolitik, wie sie im Moment in Deutschland und anderen Ländern betrieben wird. Mit Blick auf die Atomwaffen geht die Formulierung in der Denkschrift sogar noch weiter als bisher, indem sie die Option einer eigenständigen atomaren Bewaffnung Europas offenhält.
Der Selbstbetrug liegt darin, dass die Denkschrift einerseits weiterhin behauptet, die Bereithaltung von Atomwaffen zur Abschreckung – und damit auch die Androhung ihres Einsatzes – sei auch für Christen legitim. Gleichzeitig spricht man sich gegen deren Einsatz aus.
Das geht natürlich nicht. Es gilt entweder oder: Wenn man glaubwürdig abschrecken will und droht, ist man auch bereit, Atomwaffen einzusetzen. Sonst verliert diese Drohung an Glaubwürdigkeit. Das wäre Selbstbetrug. Damit hat sich zumindest die Führung der evangelischen Kirche in Deutschland als glaubwürdiger Akteur in der friedenspolitischen Debatte weitgehend verabschiedet.
An der Basis der evangelischen Kirche gibt es allerdings massiven Widerspruch und Gegenschriften mit guten theologischen, moralisch-ethischen und politischen Gegenargumenten zu der Denkschrift.
Illusion: gegenseitige Abschreckung führt zu Rüstungsstopp
1949 zündete auch die Sowjetunion ihre erste Atomwaffe. Es begann der atomare Rüstungswettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion. Doch 1962 erklärte der damalige Pentagon-Chef der Kennedy-Regierung, Robert McNamara: «Jetzt haben wir und die Sowjets jeweils 400 atomare Sprengköpfe. Das reicht zur gegenseitigen Abschreckung. Das reicht zur gegenseitigen Vernichtung. Mit diesen insgesamt 800 Atomsprengköpfen können wir sogar die ganze Welt mehrfach vernichten. Daher können wir aufhören mit dem atomaren Rüstungswettlauf.»
Eine schöne Illusion des Pentagon-Chefs. Denn seit Urzeiten besteht im Rüstungswettlauf ein tiefes gegenseitiges Misstrauen, die jeweils andere Seite würde immer mehr Waffen produzieren und wahrscheinlich heimlich neue, gefährlichere Waffen und Munition entwickeln. Das begann in Urzeiten, als die Menschen zunächst nur ein Messer oder eine Streitaxt hatten. Dann entwickelt einer den Speer und ist damit in der Lage, den anderen auch aus sicherer Entfernung abzustechen. Der andere entwickelt auch einen Speer. Im Mittelalter entwickelt eine Seite Kanonenkugeln, um Stadtmauern zu überwinden, die andere dann natürlich auch.
Einige Jahre nach McNamaras illusionären Worten entwickelten zunächst die USA und dann auch die Sowjetunion Mehrfachsprengköpfe für ihre Atomraketen. Zum Ende des Kalten Krieges, Mitte der 80er-Jahre, kurz bevor Michail Gorbatschow im März 1985 in Moskau Generalsekretär der Kommunistischen Partei und dann Präsident wurde, hatten allein die Sowjetunion und die USA 70’000 einsatzfähige Atomsprengköpfe. Dazu kamen noch die insgesamt über 2000 von Grossbritannien, Frankreich, Israel, Indien und Pakistan.
Diese Logik des Rüstungswettlaufes wurde im Bereich der Atomwaffen seit den späten 1960er Jahren mehrfach durch Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge zeitweise unterbrochen, aber nie beendet. Und seit Anfang des Jahrtausends wurde alle relevanten Verträge zunächst von den USA und dann zum Teil auch von Russland aufgekündigt (ABM, INF), oder sie sind ausgelaufen (New Start), derzeit ohne Aussicht auf Verhandlung über ein Nachfolgeabkommen.
Legende: Gegenseitige Abschreckung bringt Frieden
Die zentrale Rechtfertigung für die Existenz von Atomwaffen seit fast 80 Jahren ist die Behauptung, die gegenseitige Abschreckung und Vernichtungsdrohung habe in den vierzig Jahren des Kalten Krieges (1949 bis 1989) den Frieden gesichert.
Zu dieser Legende hier lediglich zwei von vielen möglichen Einwänden:
Gab es jemals einen gerichtsfesten Beweis, dass die Sowjetunion vorhatte, die Teilungslinie zwischen Ost- und Westeuropa, die Stalin, Roosevelt und Churchill im Februar 1945 in Jalta festgelegt hatten, durch einen militärischen Angriff auf das Territorium der Nato zu überschreiten? Ich kenne keinen solchen Beweis. Und umgekehrt kenne ich auch keinen gerichtsfesten Beweis dafür, dass die USA jemals die Absicht hatten zu einem militärischen Angriff auf das Territorium des Warschauer Paktes.
Diese Legende von der Sicherung des Friedens durch gegenseitige atomare Abschreckung unterschlägt, dass die Welt in diesen vierzig Jahren mindestens 31-mal – wie veröffentlichte Dokumente inzwischen belegen – schon mit anderthalb Beinen über dem Abgrund stand, weil entweder in Moskau oder in Washington die Fehlwahrnehmung bestand, die andere Seite habe bereits auf den roten Knopf gedrückt oder sei kurz davor.
In diesen vierzig Jahren des Kalten Krieges konnten alle diese Situationen noch gerade rechtzeitig entschärft werden, weil es Kommunikationskanäle zwischen Washington und Moskau gab, unter anderem das «Rote Telefon». Und es gab immer noch ausreichende zeitliche Spielräume und damit Entscheidungs- und Eingriffsmöglichkeiten für Politiker und Militärs auf beiden Seiten.
Das ist heute immer weniger der Fall angesichts der rüstungstechnologischen Entwicklung: Raketen und andere Waffen sowie Munition werden immer schneller, zielgenauer, zerstörungsstärker sowie flexibler einsetzbar. Damit werden sie immer bedrohlicher und immer weniger berechenbar für die tatsächlich oder vermeintlich angegriffene andere Seite. Zudem werden durch die zunehmende Automatisierung von Waffen und Munition die Entscheidungen über deren Einsatz immer weiter der Kontrolle durch Menschen entzogen. Durch den Einsatz von KI wird diese hochgefährliche, weil destabilisierende Entwicklung noch weiter verschärft.
Ob für die Entschärfung gefährlicher Situationen notwendige Kommunikationskanäle zwischen den USA und Russland derzeit überhaupt noch existieren, ist unklar. Schliesslich verstärken öffentliche Erwägungen westlicher Militärs – darunter Generäle der Bundeswehr – die Nervosität in Moskau. Das gilt auch umgekehrt. Es geht um einen präventiven Einsatz von Waffensystemen wie den US-Mittelstreckenwaffen, die ab diesem Jahr in Deutschland gegen Ziele in Russland stationiert werden sollen.
Mit der Legende vom gesicherten Frieden durch gegenseitige atomare Abschreckung wird behauptet, Atomwaffen seien Instrumente zur Verhinderung von Kriegen. Der völkerrechtswidrige Krieg Russlands gegen die Ukraine widerlegt diese Behauptung. Nur mit den Atomwaffen Russlands in der Hinterhand sowie mit gelegentlichen Drohungen, sie auch einzusetzen, konnte Putin diesen konventionellen Krieg gegen das Nachbarland überhaupt beginnen und bis heute fortsetzen. Denn Putin kalkulierte zutreffend, dass die militärische Unterstützung des Westens, das heisst der Nato- und EU-Staaten, für die Verteidigungsstreitkräfte der Ukraine nicht so weit gehen würde, dass die Ukraine alle russischen Truppen vom Territorium der Ukraine inklusive der Krim würde vertreiben können. Doch das ist das Ziel, das in den westlichen Hauptstädten und in Kiev politisch postuliert worden war.
Dabei ist die Drohung mit Atomwaffen, um einen konventionellen Krieg zu führen, keineswegs neu. Die USA hatten im Ersten Golfkrieg gegen Irak vom Frühjahr 1991 auf ihren Kriegsschiffen im Persischen Golf Atomwaffen stationiert und dem irakischen Herrscher Saddam Hussein mit dem Einsatz dieser Atomwaffen gedroht, sollte Hussein die damals tatsächlich in Irak noch vorhandenen Chemiewaffen einsetzen. Das tat Hussein nicht.
Die USA setzten keine Atomwaffen ein, dafür aber die damals neu entwickelten Raketen und Artilleriegeschosse, deren Sprengköpfe gehärtet waren durch abgereichertes Uran, auf englisch: depleted Uranium. Mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung vor allem in Südirak, wo die Krebsrate um ein Vielfaches anstieg. Auch tausende US-amerikanische und britische Soldaten, die im Krieg gegen Irak eingesetzt wurden, erkrankten in der Folge.
Die Chemiewaffenbestände Iraks wurden nach Ende des Golfkriegs im April 1991 unter Uno-Aufsicht vollständig zerstört.
Lüge: Irak besitzt chemische und atomare Massenvernichtungswaffen
Dennoch rechtfertigten US-Präsident George Bush und der britische Premierminister Tony Blair ihren völkerrechtswidrigen Krieg gegen Irak (3. Golfkrieg) vom Frühjahr 2003 mit der Lüge, Irak besitze weiterhin chemische und darüber hinaus auch biologische und atomare Massenvernichtungswaffen. Dieser völkermörderische Krieg hatte fürchterliche Folgen. Über eine Million Iraker und Irakerinnen wurden im Krieg getötet oder starben an den Folgen, weil die amerikanischen und britischen Streitkräfte in grossem Ausmass überlebensnotwendige zivile Infrastruktur in Irak (Wasserleitungen, Elektrizitätswerke und Stromleitungen, Produktionsstätten für Nahrungsmittel et cetera) zerstört hatten.
Wenn es in dieser Welt zuginge, wären Bush und Blair vom Internationalen Strafgerichtshof zu lebenslanger Haft verurteilt worden und sässen jetzt im Gefängnis. Stattdessen spielt Blair als zweiter Mann hinter Donald Trump in dessen sogenanntem «Friedensrat» für den Gazastreifen erneut eine unheilvolle Rolle im Nahen Osten.
Die USA und Grossbritannien haben mit dem Krieg gegen Irak von 2003 und während der nachfolgenden achtjährigen Besatzung des Landes den Nährboden für die Entstehung des sogenannten «Islamischen Staats» geschaffen, der dann nach dem Abzug der US-Besatzungstruppen ab 2014 ein Drittel Iraks sowie über die Hälfte des syrischen Territoriums eroberte.
Falsch: Atomwaffen schützen vor Angriffen
Hätte Irak zumindest ein kleines Atomwaffenarsenal besessen, wäre das Land nie von den USA und Grossbritannien angegriffen worden: So lautete damals in manchen Hauptstädten nicht nur des globalen Südens die Schlussfolgerung aus dem Krieg, an dessen Ende Saddam Hussein von den US-Streitkräften gefangen genommen und ermordet worden ist.
Diese Schlussfolgerung stärkte die Militärs und Sicherheitspolitiker, die eine Beschaffung von Atomwaffen für ihr Land befürworten, weil sie darin die einzig verlässliche Versicherung sehen, niemals von einem anderen Land angegriffen zu werden. Der Irakkrieg hat das Abkommen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen, Non Proliferation Treaty (NPT) geschwächt.
Dasselbe gilt für die weitverbreitete Behauptung, die Ukraine wäre niemals von Russland angegriffen worden, wenn sie nicht mit Unterzeichnung des Budapester Memorandums im Jahr 1994 auf die damals noch auf ihrem Territorium lagernden Atomwaffen aus sowjetischen Zeiten verzichtet hätte.
Diese Legende ist Unsinn. Denn die Atomwaffen, die damals noch in der Ukraine und auch in Weissrussland und in Kasachstan lagerten, waren auch nach dem Ende der Sowjetunion im Dezember 1991 stets unter vollständiger Kontrolle Moskaus. Die Ukraine hatte zu keinem Zeitpunkt eine eigenständige Atomwaffenkapazität, mit der sie Russland hätte abschrecken und den im Februar 2022 begonnen Angriffskrieg gegen ihr Land verhindern können.
Unglaubwürdig: der Krieg gegen Iran macht die Welt sicherer
Wie 2003 im Krieg gegen Irak dienen auch im aktuellen völkerrechtswidrigen Krieg Israels und der USA gegen Iran angeblich vorhandene Atomwaffen als Rechtfertigung. Der Lüge von Netanjahu und Trump, Iran habe kurz vor der Fertigstellung einer Atombombe gestanden und daher eine unmittelbare Bedrohung vor allem für Israel dargestellt, haben die US-Geheimdienste eindeutig widersprochen.
Dieser Krieg gegen Iran wird möglicherweise noch gravierendere Auswirkungen haben als der Irakkrieg von 2003:
- für die 90 Millionen Iraner und Iranerinnen,
- für die Stabilität ihres Landes, in dem es im schlimmsten Fall zu einem blutigen Bürgerkrieg kommen kann.
- für die Stabilität und die weitere militärische und sicherheitspolitische Entwicklung in der ganzen Region Westasien (Naher und Mittlerer Osten),
- für den atomaren Nichtverbreitungsvertrag (NPT). Saudi-Arabien, Ägypten, die Türkei, Irak, Syrien – sie alle werden ihre Schlussfolgerungen aus diesem israelisch-amerikanischen Krieg ziehen. Und sie werden mit Sicherheit die unilaterale Atomwaffenhegemonie Israels in Westasien nicht auf Dauer dulden. Im schlimmsten Fall könnte es in Westasien zu einem Rüstungswettlauf mit atomaren, chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen kommen.
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