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Spiro Latsis, Jean-Pierre Cuoni und Bernhard Russi: Vereint im Kampf gegen die Armut © Friends of Europe/flickr/cc/srf/bloomberg

Die Feigenblätter des griechischen Milliardärs

Kurt Marti /  Der griechische Milliardär Spiro Latsis, der zuerst in die Schweiz flüchtete und dann nach Monaco, präsentiert sich als Philantrop.

Die Milliarden-Hilfspakete für Griechenland halfen bisher vor allem den risikofreudigen Banken und den steuerflüchtigen Milliardären. Das griechische Volk hingegen leidet, die Kinder hungern und die Suizidrate steigt. Gleichzeitig tummeln sich in der renditegetriebenen Finanzwelt die Philantropen, die mit karitativen Stiftungen ihr Gewissen besänftigen. Zwei Beispiele:

1. Beispiel: Stiftung EFG International

Stiftungszweck: «Die Stiftung hat zum Ziel, einen Beitrag zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Gesellschaft sowie der Erhaltung unseres Lebensraumes zu leisten. Sie fördert die Hilfe zur Selbsthilfe, namentlich wo die Unterstützung durch die öffentliche Hand oder private Institutionen fehlen oder in ungenügendem Masse vorhanden sind.»

Die Stiftung EFG International (EFG-Stiftung) hat ihr Domizil bei der EFG Bank AG in Zürich, die zum Firmenimperium des griechischen Milliardärs Spiro Latsis gehört, der mit seinem Clan jahrelang in Genf residierte und dort von den Vorzügen der Schweiz profitierte: Pauschalbesteuerung, Bankgeheimnis, Rechtssicherheit, politische Stabilität und Service Public. Doch dann kam die Aufweichung des Bankgeheimnisses und die Diskussionen über die Pauschalbesteuerung. Schliesslich flüchtete Latsis im Jahr 2013 ins noch steuergünstigere Monaco.

«Der Gesellschaft etwas zurückgeben»

Die EFG Bank ist Teil der Privatbank EFG International in Zürich mit zahlreichen Ablegern in den bekanntesten Steueroasen der Welt, von den Cayman Island bis Jersey. Der Milliardär Spiro Latsis, der Erbe eines steinreichen griechischen Reeders, sitzt sowohl bei der EFG Bank als auch bei der EFG International im Verwaltungsrat. Als VR-Präsident der beiden Privatbanken zeichnet der Schweizer Privatbanker Jean-Pierre Cuoni, der ebenfalls die karitative EFG-Stiftung präsidiert, die zur «Verbesserung und Weiterentwicklung der Gesellschaft» beitragen will und dort in die Bresche springt, «wo die Unterstützung durch die öffentliche Hand oder private Institutionen fehlen».

Laut ihrem Zweck möchte also die EFG-Stiftung genau dort helfen, wo die reichen Steuerflüchtigen und die steueroptimierenden Privatbanken grosse Löcher in die öffentlichen Kassen geschlagen haben. Der schöngeistige Verhaltenskodex der EFG International bringt es auf den Punkt: «Als Unternehmen sind wir davon überzeugt, dass wir etwas an die Gesellschaft zurückgeben sollten. Wir haben die soziale Verantwortung, dazu beizutragen, die Voraussetzungen für ein besseres Leben aller zu schaffen.»

«Zurückgeben» ist hier tatsächlich das angemessene Stichwort, umso mehr als die griechische EFG Eurobank, die ebenfalls dem Latsis-Clan gehört, mit 4,2 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm unterstützt wurde. Die zweitgrösste Bank Griechenlands hatte nämlich mehrere Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen gesteckt und konnte ihr hochriskantes Verhalten nachträglich mittels Euro-Rettungsschirm abfedern.

2. Beispiel: Stiftung Right To Play

Stiftungszweck: «Die Stiftung setzt sich für das Recht des Kindes auf Spiel und Sport ein. Durch die Förderung und Realisierung gezielter Spiel- und Sportprogramme in wirtschaftlich schwachen Regionen soll einer möglichst grossen Anzahl von benachteiligten Kindern die regelmässige Beteiligung an Spiel- und Sportprogrammen ermöglicht werden. Sie schafft, betreibt, unterstützt und fördert Spiel- und Sportprogramme, welche die Gesundheit, die soziale Integration, die Ausbildung und die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen sowie deren Gemeinschaften nachhaltig verbessern, welche unter den Folgen von Armut, sozialer oder wirtschaftlicher Unsicherheit, bewaffneten Konflikten, Vertreibung oder Flucht leiden.»

Auch bei der Stiftung Right To Play treten die Zürcher Privatbanken EFG International und EFG Bank als Sponsoren und globale Partner auf. Stiftungspräsident ist wie bei der EFG-Stiftung der Privatbanker Jean-Pierre Cuoni. Neben ihm sitzt der ehemalige Skirennfahrer Bernhard Russi im Stiftungsrat.

Ob die Stiftung Right To Play die «Folgen der Armut, sozialer und wirtschaftlicher Unsicherheit» auch im Heimatland des Milliardärs Spiro Latsis im Auge hat, ist aus den Informationen der Stiftung nicht ersichtlich. Ebenfalls offen bleibt die Frage, ob sich die Stiftungen im Umfeld des Latsis-Imperiums auch weiterhin karitativ betätigen werden, wenn der Kampf der neuen griechischen Regierung gegen die Steuerflucht erste Früchte trägt.

Zwei weitere Feigenblätter

Spiro Latsis fühlt sich der Schweiz offenbar zu besonderem Dank verpflichtet. Seine Fondation Latsis Internationale mit Sitz in Genf spendiert den Schweizer Hochschulen jährlich 300‘000 Franken in Form von fünf Latsis-Preisen und Unterstützungsbeiträgen für zwei ETH-Symposien. Ähnliche Ziele verfolgt auch die John S. Latsis Public Benefit Foundation mit Sitz in Liechtenstein, in deren Stiftungsrat Spiro Latsis, seine Frau und seine beiden Töchter sitzen.


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keine

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Eine Meinung zu

  • am 27.02.2015 um 12:01 Uhr
    Permalink

    Feigenblätter findet man überall, sogar in der Schweiz! Wenn CEO´s Millionen scheffeln (sammeln), die das Aktionaritat aufgrund von ausländischen Grossaktionären absegnet, dann wird eine Stiftung ins Leben gerufen zur Unterstützung der Kultur (Kunsthaus Zürich) oder zu Gunsten hochbegabter Kinder, um das schlechte Gewissen zu beruhigen. Man will ja schliesslich in die Annalen der Geschichte eingehen und dort einen Platz beanspruchen. Doch auch die Ewigkeit ist zum Glück vergesslich!
    Ob die linke Regierung in Griechenland das Steuer herumreissen kann, steht auf einem anderen Blatt. Die Welt will betrogen werden, das hat wenig mit Links oder Rechts zu tun. «Wer unschuldig ist, werfe den ersten Stein!"
    Ja, es wäre wünschbar gewesen, wenn sich die Wirtschaftselite in Griechenland etwas mehr um das eigene Land gekümmert hätten, «the train has left the station», leider!

    0

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