Einfach nur noch widerlich

Christian Müller ©

Christian Müller /  Die deutsche BILD-Zeitung hetzt gegen die Griechen. Deutsche Meinungsmache in Reinkultur.

Dass Boulevard-Zeitungen gesellschaftlich akzeptiert sind, dass auch Spitzenpolitiker – aus Wiederwahlgründen – ihnen, ihrer grossen Auflagen wegen, besonders gerne Interviews gewähren: wir haben uns daran gewöhnt. Dummheit gehört auch zur Schöpfung.

Wo es allerdings mehr als problematisch wird, ist, wenn grosse Boulevard-Zeitungen nicht mehr nur berichten, sondern aktiv Politik machen. Die BILD-Zeitung aus dem Hause Springer in Deutschland führt seit Monaten eine Hetzkampagne, nein, nicht gegen Griechenland, gegen DIE Griechen: sie sind alle faul, nochmals faul und jetzt gierig, gierig nach dem Geld der Deutschen.

Am Donnerstag dieser Woche nun hat sich BILD selber übertroffen: Sie ruft auf zu einem NEIN zu erneuter Hilfe für die Griechen. «Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen!» Und zwar seitengross: die ganze Frontseite! Und sie fordert ihre Leserinnen und Leser ganz direkt auf, mitzumachen: «Hochhalten, fotografieren und mitmachen! Sind Sie auch gegen weitere Milliarden-Hilfen für die Griechen? Diese BILD-Seite mit dem Aufruf «Nein» hochhalten. Machen Sie ein Foto von Ihnen und dem Aufruf – und schicken Sie das Selfie per Mail an 1414@bild.de. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Handy-Nummer für Rückfragen an.»

Um den Druck auf die deutschen Politiker noch zu erhöhen, macht BILD auch noch ein Kurzinterview mit Prof. Lars Feld, einem der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen, Leiter des Walter-Eucken-Wirtschaftsinstituts in Freiburg. Ein typischer Rechtsaussen halt.

Alles einfach nur noch widerlich!

So ganz kalt lassen kann uns das in der Schweiz nicht, auch wenn es im «grossen Kanton» ist. Die Kooperation von Ringier mit Springer ist immerhin schon sehr weit gediehen, die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Zürcher Medienhaus Ringier in Bälde dem Springer-Konzern gehört, ist hoch. Wer wehrt sich dann gegen die fremden Meinungsmacher in Berlin?


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine.

Zum Infosperber-Dossier:

Tsipras

Griechenland nach der Kapitulation

EU, EZB und IWF erzwangen Rückzahlungen an die fahrlässigen Kreditgeber – auf dem Buckel der Bevölkerung.

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Kritik von Zeitungsartikeln

Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach.

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3 Meinungen

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    am 27. Feb 2015 um 19:00 Uhr
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    "Macht ohne Kontrolle – Die Troika»: 1 Jahr auf den Spuren der Troika…

    Die Staatsverschuldung ist in allen Krisenländer höher als zuvor.

    Nach der preisgekrönten Doku «Staatsgeheimnis Bankenrettung», die neue Doku von Harald Schumann:

    https://www.youtube.com/watch?v=E6aNwBwEm6U

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    am 27. Feb 2015 um 19:17 Uhr
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    "Die Troika hat unsere Hauptsädte heimgesucht… Wenn Sie Griechenland hätte stabilisieren wollen, hätte sie einen sofortigen Schuldenerlass beschliessen müssen…stattdessen wurde eine stolze Nation gegen die andere aufgebracht."

    Yanis Varoufakis (vor der Wahl) in obiger Doku

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    am 1. Mrz 2015 um 13:55 Uhr
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    Der Kleinkrieg zwischen den Bürgern der Nationen wird von den Leuten gesteuert, die damit von Ihrem Anteil an der Misere und ihrer Hilflosigkeit ablenken wollen.
    Die Situation erinnert mich an die Wende.
    Ossis und Wessis wurden von den Medienbeiträgen regelrecht gegeneinander aufgehetzt, während einige Wenige Ihre Schäfchen ins Trockene brachten.

    In Deutschland mangelt es an demokratischen Mitspracherecht der Bürger.
    Deshalb ist es kein Wunder, wenn übergangene Bürger bei solchen Medienspektakeln regelrecht anspringen, ist es doch die einzige Möglichkeit neben der Demonstration, den Protest gegen die Entscheidungen der Regierung zu zeigen.

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