AFD post-election analysis following Saxony-Anhalt state election

«Wir sind ein gespaltenes Land, und diesen Umstand möchte ich überwinden»: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit den Parteivorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel an der Bundespressekonferenz in Berlin nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. © EPA Images

Die «Umweltsau» wählt nicht AfD

Daniel Ryser /  Bei den von Linksgrün jahrelang verspotteten Älteren hat die AfD den schwersten Stand. Die Jungen hingegen laufen ihr zu.

Je nach Blickwinkel wurde in Sachsen-Anhalt die Demokratie am Wochenende entweder belebt oder beerdigt. Unbestritten sind die völlig aussergewöhnlichen 80 Prozent Wahlbeteiligung – die höchste in der Geschichte des Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Da aus linker Sicht die Falschen gewonnen haben, schwebt die Demokratie in Lebensgefahr. Da aus rechter Sicht die Richtigen gewonnen haben, erfreut sie sich blendender Gesundheit. «Ein Weiter-so ist vorbei», sagte AfD-Spitzenkandidat für das Ministerpräsidentenamt Ulrich Siegmund am Tag nach dem Wahlsieg an der Bundespressekonferenz. «Das ist eine Zeitenwende», schrieb wiederum der bayrische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf X: «Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg werden möglicherweise Rechtsextreme die Macht in einem Bundesland übernehmen. Das war eine klare Denkzettelwahl gegen Berlin und wir müssen daraus die Konsequenzen ziehen.»

Offensichtlich ist jedenfalls, angesichts der betretenen Gesichter von Söders konservativen CDU-Kollegen in Sachsen-Anhalt, die ja am Sonntagabend in der Magdeburger Live-Schaltung dreingeguckt haben, als habe ihnen jemand eine ordentliche Ladung Valium in den Tee geschüttet: Es wird in Deutschland zu Stürmen kommen, womöglich zu erheblichen.

«Oma, die alte Umweltsau» ist bedingt gut gealtert

Klar ist, dass in Sachsen-Anhalt die alten politischen Zuschreibungen auf den Kopf gestellt worden sind. Jung und weiblich hiess links und grün, alt und männlich rechts und konservativ? Die Auswertungen sagen etwas anderes. Sieben Jahre ist es her, seit der öffentlich-rechtliche WDR-Kinderchor die deutschen Omas als «Umweltsäue» besungen hat und sich der Spruch «OK Boomer» verbreitete. Quasi im Sinne von: Die Jungen retten die Welt vor dem Klimawandel, und die Boomer und die Omas, die haben gar nichts begriffen und zerstören unseren Planeten, und «Oma, die alte Umweltsau», fährt mit dem Geländewagen beim Arzt vor, haha, hoho.

Die Verächtlichmachung der «OK Boomer» und der «Umweltsau» sind nicht wahnsinnig gut gealtert. Auf X zirkulieren seit gestern Sonntag sogar Posts von Linken, wonach die Alten die Demokratie gerettet hätten. Von der «Umweltsau» zur Retterin – was ist passiert?

Die Zahlen aus Sachsen-Anhalt erzählen eine bemerkenswerte Geschichte. Die AfD wurde zwar in allen Altersgruppen stärkste Kraft, doch ausgerechnet bei den über 70-Jährigen schnitt sie mit 31 Prozent am schwächsten ab. Bei den 18- bis 24-Jährigen waren es dagegen 42 Prozent Zustimmung. Besonders stark war die AfD bei den 35- bis 44-Jährigen mit mehr als 50 Prozent.

Lacht noch jemand?

Das «Umweltsau»-Lied, vom WDR produziert, löste vor sieben Jahren einen Shitstorm gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus, wo die verantwortliche Redaktion offensichtlich im Glauben lebte, den Schwung der Jugend auf ihrer Seite zu haben. Heute sind es ausgerechnet die Jungen, die deutlich häufiger eine Partei wählen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seiner heutigen Form mit seinen «Zwangsgebühren» zerschlagen will.

Die Pointe ist womöglich gar nicht, dass die Jungen heute anders wählen als erwartet. Sondern dass man sich fragt, was die Redaktorinnen und Redaktoren beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk eigentlich vom Land mitbekommen, über das sie jeden Tag berichten. Die «Umweltsäue», über die das linksgrüne, öffentlich-rechtliche Milieu sich kaputt gelacht hat, stehen am weitesten weg von der AfD, die Jungen wiederum, die man glaubte, auf seiner Seite zu haben gegen die SUV-Fahrer und Ewiggestrigen, fühlen sich zur AfD hingezogen, und womöglich sitzen die Redaktorinnen und Redaktoren nach der Sachsen-Anhalt-Wahl in ihren Beamten-Redaktionen und beginnen sich zu fragen, wann genau ihnen die Jugend oder die Realität oder beides abhandengekommen ist.

Die Wählerbefragungen von Sachsen-Anhalt zeigen, dass es kaum noch möglich ist, die politischen Verschiebungen mit den alten Schablonen zu erklären. Und es stellt sich die Frage, ob sich die gesellschaftliche Realität im Land in den Medien und Redaktionen überhaupt noch ansatzweise widerspiegelt. Wer muss hier wen verstehen lernen? Die Wählerinnen die Medien oder die Medien die Wähler?

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11 Meinungen

  • 8.09.2026 at 12:34
    Permalink

    Mal abgesehen von dem respektlosen Text des Liedes, der nur unter betreutem Denken entstanden sein kann, wissen die «Redaktorinnen und Redaktoren» beim ÖRR schon, was im Land los ist. Bloß dürfen sie es weder schreiben noch sagen, darauf wird in den weisungsgebundenen Chefredaktionen peinlich geachtet. In der «Konsensfabrik» (Herman/Chomsky) und bei Littmann («Die öffentliche Meinung») nennt man so etwas «Manipulation und Propaganda». Nun rücken viele junge Redakteure nach (oft ohne fachspezifische Ausbildung), die fest auf dem Fundament einer gendernden, grün-woken, kriegstüchtigen und klimakatastrophalen Ausbildung stehen. Wissenschaftlich unbeleckt und wenig Ahnung von Recherche (es gibt ja wikipedia und KI) habend, verbreiten sie Ideologie statt Informationen und glauben letztlich ihre Lügen selbst.

  • 8.09.2026 at 14:04
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    Ich finde die Infosperber-Artikel «in Serie» gegen AfD schlecht. Gestern titelten mehrere «USA-Kooperation»-Medien: «Deutschland befürchtete, dass AfD-geführte Bundesländer NATO-Truppen ausbremsen könnten, dann wurden geheime Notfallpläne (…)» und «Polnischer Außenminister warnt nach Wahlsieg von Rechtsaußen in Ostdeutschland vor Risiken für NATO-Truppenrouten» – für mich Indizien, warum «man» (von oben) gegen AfD ist.
    Dass Infosperber gestern gleich zwei Kommentare in Folge nicht veröffentlichte, oje.
    Ich finde es schockierend genug, was ich an «Analyse» lese in Watson («Was Finnland bei der Verteidigung besser macht als die Schweiz») und Bluewin («Historiker rechnet mit der Schweizer Sicherheitspolitik ab»), beides 6.9.2026.
    Bin SP-Mitglied, würde aber AfD wählen, wenn ich nicht BSW wählen würde, denn meines Wissens sind das die einzigen Parteien gegen den Krieg. Das finde ich nicht rechtsradikal, und spätestens seit Baerbock ist das Links-Rechts-Schema für mich obsolet.

  • 8.09.2026 at 18:10
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    Die AFD hat 37 Männer und zwei Frauen gewählt. Wird leider kaum erwähnt: Männer über alles.

  • 8.09.2026 at 21:49
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    Wozu solche Artikel . . . im Infosperber?
    Blick 6.9.2026 titelt: Auch Mitte-Pfister retweetet es: «Eine Million Nazis» – Komiker Mike Müller irritiert mit Tweet
    Ein Leser schreibt: Da wird aber sehr schnell die Nazikeule gezogen. Was sagt denn Mike zu den Banderas in der Ukraine und ihre Verbindung zum Grünen-T-Shirt? Da hört man nichts, weder von Mike, der EU oder von Merz.

  • 9.09.2026 at 12:11
    Permalink

    Mal abgesehen von dem respektlosen Text des Liedes, der nur unter betreutem Denken entstanden sein kann, wissen die «Redaktorinnen und Redaktoren» beim ÖRR schon, was im Land los ist. Bloß dürfen sie es weder schreiben noch sagen, darauf wird in den weisungsgebundenen Chefredaktionen peinlich geachtet. In der «Konsensfabrik» (Herman/Chomsky) und bei Littmann («Die öffentliche Meinung») nennt man so etwas «Manipulation und Propaganda». Nun rücken viele junge Redakteure nach (oft ohne fachspezifische Ausbildung), die fest auf dem Fundament einer gendernden, grün-woken, kriegstüchtigen und klimakatastrophalen Ausbildung stehen. Wissenschaftlich unbeleckt und wenig Ahnung von Recherche (es gibt ja wikipedia und KI) habend, verbreiten sie Ideologie statt Informationen und glauben letztlich ihre Lügen selbst.

  • 9.09.2026 at 15:25
    Permalink

    Es lohnt sich doch wohl kaum, den widerwärtigen Beitrag zum deutschen Liedgut derart als Aufhänger zu überdehnen. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller, sich die Frage zu stellen, was denn angesichts der Generation Z-ero und den der Sozialdemokratrie abhanden gekommenen Arbeitenden, die beide massenhaft den Faschisten nachlaufen, noch kommen wird. Was ist von jenen zu erwarten, die auf einem Buch herumwischen, weil sie meinen, ein Handy in der Hand zu halten und kaum mehr als zehn Worte hintereinander lesen, geschweige denn verstehen können? Was von jenen, die sich täglich abrackern, dafür mit schwarz-roten Sprüchen von «mehr arbeiten», «weniger krank schreiben» und im Alter mit dem Existenzminum oder weniger abserviert werden? Faschismus ist kein Zufall, er ist die logische Folge. In Deutschland ebenso wie …

    • 10.09.2026 at 21:50
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      @Stefan Frey-freystefan.ch – Balken in Ihrem Auge? Sie behaupten «Faschisten», und meinen AfD und wohl deren Wähler. Meines Wissens klärte Dr. Gysi 2015 im Bundestag über die Faschisten in der Ukraine auf, denen der Westen nachläuft, und die Baerbock ausdrücklich wichtiger findet als ihre eigenen Wähler in Deutschland. AfD und BSW sind die einzigen Parteien gegen den Krieg meines Wissens. Pistorius will die «streng geheimen» Militärpläne Deutschlands nicht mit der AfD teilen. Einmal dürfen Sie raten warum. Medien berichteten VOR Bundestagswahl: «Wer Merz wählt, wählt den Krieg». Was wählte das Volk? BlackRock-Merz (2009 bis 2019 Vorsitzender Atlantik-Brücke). Man erinnere sich: Goebbels fragte: «Wollt ihr den totalen Krieg?» – Was antwortete das versammelte Volk?
      Leider sehe ich progredienten Hype für USA-NATO/-EU statt Heilung. Sind wir massenpsychotisch, normopathisch? Gute Nacht im Zeitalter der USA-Atom-Angriffskrieg-Doktrin. Amen.
      Youtube: «(Spoilers) full force of Mother Nature»

  • 9.09.2026 at 19:52
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    Seit der Coronoia können wir Herrn Söders freundliche Äußerungen auf der geschätzten Plattform X bestens einordnen. Wenn wir klar sehen können bzw. wollen…

  • 10.09.2026 at 06:44
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    Ich habe die Generaldebatte im Bundestag (fast ganz) angehört – die sich eigenlich dem Haushaltsplan widmen sollte. Jedoch : es wurde – mehr oder weniger, meist weniger, um das Wahlergebnis gefetzt. Weidel , meist keine besonders beeindruckende Rednerin, hielt sich einigermaßen an die Fakten,natürlich in der AfD-eigenen Betonung. Der Kanzler dagegen verspielte seine Chance als souveräner Interpret und kümmerte sich erst mal gar nicht um den Haushalt, sonden rutschte in eine ziemlich überzogene Reaktion auf Weidel ab mit einer heftigen Unsachlichkeit . Eigentlich hat er nur noch einmal erkennen lassen, warum die Wahl so ausging. Dabei hatte er die Chance, dem Volk noch einmal zu erklären, wo die Regierung in bestimmten Zwängen aus der Vergangenheit gefesselt ist.Insgesamt haben die Altparteien keinen überzeugenden Eindruck gemacht -allerdings sind die Andeutungen eines Kanzlerwechsels ganz sicher fehl am Platz – denn auch ein anderer unterläge genau den gleichen Zwängen.

  • 10.09.2026 at 09:36
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    «Da aus linker Sicht die Falschen gewonnen haben, schwebt die Demokratie in Lebensgefahr. Da aus rechter Sicht die Richtigen gewonnen haben, erfreut sie sich blendender Gesundheit.»

    Das stimmt zwar, aber so symmetrisch wie Herr Ryser hier den Anschein erwecken will ist das derzeit nicht. Die mit «rechter Sicht» haben bei einer «Rekordwahlbeteiligung» das demokratisch VIEL bessere Argument auf ihrer Seite. Die mit «linker Sicht» haben höchstens aus moralischer Sicht ein Argument (wenn man denn diese Sicht teilt), aber aus demokratischer Sicht überhaupt keins.

  • 10.09.2026 at 20:42
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    «Alt» gegen «Jung» und «Umweltsau» sind nichts anderes als durchschaubare Versuche, zu spalten. Es ist völlig unerheblich, in welcher Altersverteilung wie abgestimmt wurde. Es zählt allein das Ergebnis an der Urne. Leute, die Wert auf selbstständiges Denken legen und denen vorgekautes, allzu pädagogisches widerlich ist, haben schon vor Jahren aufgehört, öffentlich-rechtliches zu konsumieren. Bei den Alten hält sich vielleicht noch ein gewisses Urvertrauen, weil sie ohne andere Informationsquellen aufwuchsen. Ich kenne genug alte «Ossis», die immer noch den Spiegel lesen, weil er zu DDR-Zeiten als hochgeheime, begehrte Informationskonterbande galt. Ich kenne aber auch genug «Alte», die viel kritischer und kämpferischer als «Junge» sind. Nicht verallgemeinern und Gruppen nicht über einen Kamm scheren, ist das Gebot der Stunde.

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