Screenshot

Erstwähler: Jung und rechts. 41 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wählen die AfD. Die Linke kommt auf 15 Prozent, die CDU auf fünf. © ARD

Wer wählte die AfD in Sachsen-Anhalt?

Daniel Ryser /  41 Prozent der Jungen, 59 Prozent der Arbeitenden und 39 Prozent der Frauen wählten AfD. Ein Blick hinter das Rekordergebnis.

Die Linken-Chefin Heidi Reichinnek sagte im ARD-Studio, die Jungen in Sachsen-Anhalt würden nun in Angst und Schrecken leben, denn sie seien das erste Ziel der AfD-Politik. Da müsse er sich kurz einschalten, sagte der ARD-Faktenchecker. Denn wenn man auf die Jungen schaue, also auf die Erstwähler, dann sei die Sache ziemlich klar: Die 18- bis 24-Jährigen wählten zu 41 Prozent die AfD. Und nur zu 15 Prozent die Linke.

Die CDU wiederum – jene Partei, bei der nur neun – neun! – Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt Friedrich Merz als Kanzler für tragbar halten – kommt bei den Erstwählern auf gerade mal fünf Prozent.

«Da kommt viel mehr ins Rutschen»

Ulf Poschardt, einst Chefredakteur, heute Herausgeber der «Welt», Autor seltsam klingender Bücher wie «Shitbürger» und «Bückbürger», ein Mann, der sich mit seinem Journalismus einen Ferrari oder zwei kaufen konnte und trotzdem voller Ressentiments und Wut ist, muss man eines lassen: Er hat das Wahlergebnis dieses Abends ziemlich genau vorausgesagt. Jetzt schreibt er auf X mit Blick auf die Altersgruppen: «Das ist erst der Anfang. Auch auf den Schulhöfen & in den Klassen braut sich der Zorn über die grünrotroten Umerzieher der vergangenen zehn Jahre zusammen. Der Union sterben die Wähler weg. Da kommt viel mehr ins Rutschen.»

Das Cover der «taz» zeigt heute den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Titel: «Sieg Unheil».

Deutschland steht vor einem Epochenbruch. Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel dinierte gestern Abend beim Chinesen und schafft es damit auf die Titelseite der «Bild». Jene Merkel, die vor zehn Jahren ihre Migrationspolitik für «alternativlos» erklärte und damit der Alternative für Deutschland den Namen schenkte. Jetzt steht diese Alternative bei fast 44 Prozent und könnte mit dem BSW regieren: zwei Parteien, angetreten, die Macht der «Altparteien» zu beenden.

Man schaut aus der Schweiz mit Staunen und Sorge auf Deutschland und auf die kommenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern. Was kommt da noch?

59 Prozent Arbeiterinnen und Arbeiter wählen AfD, fast niemand die Linken

Ulrich Siegmund sagt im Interview mit der «Weltwoche» – und an verschiedenen anderen Stellen –, der Begriff «Remigration», hinter dem die Absicht steht, die europäische Flüchtlingskonvention und damit die westliche Nachkriegsordnung zu beenden, sei der normalste der Welt. Und er verspricht Abschiebeflüge im Lingo der Identitären Bewegung. Gleichzeitig hat er in Sachsen-Anhalt einen – man kann es nicht anders sagen – beeindruckenden Wahlkampf geführt. Sein bester Wahlkampfhelfer: Bundeskanzler Blackrock-Merz.

Aber wer hat die AfD sonst gewählt?

Von den Arbeiterinnen und Arbeitern: 59 Prozent. Mehr als alle anderen Parteien zusammen. Die Linke: sieben Prozent. Die SPD, die ich bisher ganz vergessen hatte: sechs Prozent.

Menschen mit einfacher Bildung: 57 Prozent AfD.

Frauen wählen entweder rechts oder konservativ: 39 Prozent AfD, 19 Prozent CDU (Linke nur 9 Prozent und SPD 10 Prozent).

Am deutlichsten wählten Menschen in schlechter finanzieller Lage die AfD: 65 Prozent. Drei Prozent SPD. Acht Prozent Linke.

Screenshot
Schlechte finanzielle Lage: Wo das Geld knapp wird, wird die AfD gross. 65 Prozent wählen sie. CDU und Linke kommen auf je acht Prozent, die SPD auf drei.

Lebensmittelpreise steigen, Löhne sinken

In Sachsen-Anhalt hat beinahe jeder Zweite, jede Zweite, die AfD gewählt. Immerhin scheint die erste Reaktion aufseiten der Linken fürs Erste keine Wählerbeschimpfung zu sein.

Isabella M. Weber, Autorin des kommenden Buches «Anti-fascist Economics», postete auf X mit Blick auf das Sorgenbarometer Sachsen-Anhalts: «89 % der AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt geben an, sie hätten Angst, dass die Preise so stark steigen, dass sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Tatsächlich sind die Lebensmittelpreise seit 2021 um 34,7 % gestiegen. Die Löhne hinken weit hinterher und sind nur um 14,8 % gestiegen. Wir brauchen eine antifaschistische Wirtschaftspolitik.»

Und danach: «Faschismus nährt sich von Frustration. 65 % derjenigen, die in Sachsen-Anhalt für die AfD gestimmt haben, geben an, dass ihre finanzielle Lage schlecht ist. Die Brandmauer wird nicht standhalten, wenn wir an der bisherigen Wirtschaftspolitik festhalten. Wir brauchen einen Umdenkprozess in der Wirtschaftspolitik, um die wirtschaftliche Unsicherheit zu beenden.»

PS: Mein Lieblingskanal aus den USA, «Channel 5», widmet Sachsen-Anhalt eine aktuelle Sondersendung und liefert ein interessantes Stimmungsbild.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.

Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:



_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

Direkt mit Twint oder Bank-App



Spenden



Die Redaktion schliesst den Meinungsaustausch automatisch nach drei Tagen oder hat ihn für diesen Artikel gar nicht ermöglicht.

13 Meinungen

  • 7.09.2026 at 09:50
    Permalink

    Ich finde es schockierend genug, was ich an selbsternannter «Analyse» lese in Watson («Was Finnland bei der Verteidigung besser macht als die Schweiz») und Bluewin («Historiker rechnet mit der Schweizer Sicherheitspolitik ab»), beides 6.9.2026.
    Nun höre ich in obigem Artikel auch Daniel Ryser im Chor mitsingen. Ich bin SP-Mitglied, würde aber in Deutschland AfD wählen, wenn ich nicht BSW wählen würde, denn meines Wissens sind das die einzigen Parteien gegen den Krieg.
    Das nenne ich nicht rechtsradikal, abgesehen davon, dass nicht erst seit Baerbock das Links-Rechts-Schema für mich obsolet ist.

  • 7.09.2026 at 11:53
    Permalink

    Vielen Dank für diesen Kommentar.Er beschreibt schlicht die Realität, ohne dabei grosse Teile der Wähler zu beleidigen und diffamieren, wie es leider usus ist in deutschen Leitmedien.Dies sollte jetzt hinterfragt werden.
    Denke,wenn die Union noch länger an der Brandmauer festhält, was ich für wahrscheinlich halte,wenn ich mir den Diskurs,eigentlich eine Sackgasse, in Deutschland anschaue,wird die Union noch weiter marginalisiert.Unter Merkel rückte die Cdu etwas in die Mitte,was ich damals befürwortete,aber es entstand dann halt rechts eine Lücke welche die Afd jetzt erfolgreich besetzt.Für eine Cdu die sich dauernd an der Linken anbiedern muss,ist letztendlich kein Platz auf Wahlzetteln konservativer Wähler. Weshalb Rechts eine absolut legitime,demokratische Weltanschauungen ist,hat Martenstein im Thalia Theater wunderbar erklärt.
    Eigentlich würde ich mir wünschen,dass Links endlich wieder zur Besinnung kommt und sich der fragwürdigen Identitäts Politik entledigt.Leider Wunschdenken

  • 7.09.2026 at 12:45
    Permalink

    Wann merken es die sog. „Linken Parteien“ ?
    Immer und überall ist die „soziale Frage“ entscheidend.
    Dies gehört ins Zentrum der Politik!

  • 7.09.2026 at 17:46
    Permalink

    Bei der ganzen Aufregung über den Wahlerfolg der AfD ist EIN Ereignis eher wenig beachtet worden – welches zwar in absoluten Zahlen nicht mit der AfD verglichen werden kann , aber wegen der 5%-Klausel dennoch einem Quantensprung gleichkommt :
    die 6% des BSW! Als Partei ist das BSW zwar keine überzeugende Konstruktion, aber als möglicher Akteur in den komplizierten Mehrheitsverhältnissen schon. Ich möchte das mit einem biochemischen Analogon formulieren :
    Sowohl der Block der Altparteien wie auch die Afd haben sich durch ihre Prämissen praktisch aktionsunfähig gemacht wie zwei iolierte biochemische Substrate. Die Rolle des BSW könnte die eines aktivierenden Enzyms sein, nämlich die Absenkung der Akivierungsenergie für die inaktiven „Substrate“. Ich hoffe, dass das BSW seine Rolle so versteht und umsetzen kann. Gelingt ihm das,gäbe es eine Chance für eine stabile Etablierung dieser Partei. Jedenfalls muß man ihren Wählern Anerkennung für politische Klugheit aussprechen.

  • 7.09.2026 at 20:58
    Permalink

    «Antifaschstische Wirtschaftspolitik»- was soll diese Worthülse?
    Die Wahl zeigt doch in erster Linie wie sehr die etablierten Parteien diskreditiert sind. Da braucht es keinen wie auch immer vermarkteten «Antifaschismus», sondern eine Politik welche die Anliegen der Bürger Ernst nimmt und umsetzt. Wobei dies von der AFD wohl kaum mehr zu erwarten ist als bei den etablierten Parteien

  • 7.09.2026 at 23:24
    Permalink

    Meine Landsleute wählten Frieden mit Russland. Sie haben die Nase voll von antirussischer NATO-Propaganda und Steuergeldgeschenken an die korrupte Ukraine. Hier werden Renten gekürzt und die Kommunen pfeifen auf dem letzten Loch während die Berliner NATO-Blase auf ständig neue Wege für noch mehr Ukraine-Hilfen sinnt: Zuckersteuer, Plastikabgabe, Mehrwertsteuererhöhung, steigende Energiekosten, horrende Verschuldung. 1990 stülpte man uns, begünstigt durch Gorbatschows Schwäche und den Zusammenbruch der UdSSR, ein gehirngewaschenes West-System über; wir fühlten uns als die Verlierer der Geschichte und nahmen das hin. In Ostdeutschland gehören außer BZ und OAZ ALLE Zeitungen über Beteiligungen westdeutschen Medienunternehmen und Parteien. Journalisten, Künstler, Kultur- und Medienschaffende erklären uns im Dauerton wie böse AfD, BSW, Putin und Corona sind. Dieses Wahlergebnis ist die Antwort. Auch das BSW überraschte: es sprang von Null auf 5,3 % aus dem Stand.

  • 8.09.2026 at 01:18
    Permalink

    Eine interessante Unterschrift unter der ersten Grafik! Stammt die von Ihnen, Herr Ryser, oder von der ARD? Irreführend ist sie in jedem Falle:
    Lediglich bei der CDU ist der Anteil der Erstwähler drastisch geringer als das Gesamtergebnis. Bei der AfD liegt deren Anteil um gut 2 Prozentpunkte und bei der FDP minimal niedriger. Bei der SPD gibt es keinen Unterschied. Bei allen anderen Parteien – vor allem bei Linken und Grünen – liegt der Anteil der Erstwähler deutlich über dem jeweiligen Gesamtergebnis.
    Ich schlage folgende Legende für die Grafik vor: Erstwähler entscheiden sich mehrheitlich für Parteien links der Mitte.
    Ein Schuft, wer Böses über den/die Urheber der irreführenden Legende zur Grafik denkt.

  • 8.09.2026 at 14:09
    Permalink

    2 Tage Schweigen : sehr merkwürdig.

  • 8.09.2026 at 14:10
    Permalink

    Lieber Daniel Ryser, man hätte auch noch das Wahlverhalten von Unternehmer untersuchen könnnen – ich vermute deren Zustimmung zur AfD ist noch höher als jene der Arbeitnehmer. Und das zu Recht, den diese leiden genauso an der derzeitigen Regierung wie ihre Untergebenen.

    • 10.09.2026 at 09:18
      Permalink

      zit.(«…Wahlverhalten von Unternehmern…») – Ihre Vermutung trifft ins Schwarze – das hatte sich schon im Vorfeld durch Kleinigkeiten abgezeichnet.
      p.s. Sie sprechen einmal von «Arbeitnehmern» und dann von «Untergebenen», meinen aber offensichtlich die selbe Gruppe. Die letztere Bezeichnung löst bei mir Unbehagen aus, obwohl sie in der Realität heute wieder an Bedeutung zu gewinnen scheint. Auch das das Symptom eines gesellschaftlichen Wandels, genauer : einer Rückwärtsbewegung. Auch DAS hat zu der verfehlten Ukrainepolitik Deutschlands beigetragen.

  • 8.09.2026 at 19:17
    Permalink

    KI-Ausfall?

  • 8.09.2026 at 21:30
    Permalink

    Autorin des kommenden Buches «Anti-fascist Economics»: «Wir brauchen eine antifaschistische Wirtschaftspolitik.»
    Ich sehe Gegenteil: D keine Energie von Russland, Bürger schröpfen, Rekordaufrüstung, obwohl «Westen» längst haushoch überlegen ist konventionell (und atomar zumindest Gleichstand, wobei zu bemerken ist, dass USA einziges Land mit Atom-Angriffskrieg-Doktrin sind). USA 960 Milliarden (jüngst deutlich darüber) und restliche NATO 626 Milliarden. Dagegen Russland 190 Milliarden. Rechne! Wozu dann nun diese immense, zusätzliche Steigerung des «Westens» (Hinweis: NATO-Oberbefehl USA, das heisst, auch uns «regiert» im Kriegsfall unser geliebter Trump – «böse Zungen» behaupten, das sei tendenziell heute schon der Fall)? Wozu der Overkill? Ich weiss es (muss schweigen). Mein Rat: Schweiz und Ukraine neutral. Und Monroe-Doktrin auch für Russland. Gleiches Recht für alle. Menschheitsfamilie (Dr. Daniele Ganser). Auf Grabsteinen steht: RUHE IN FRIEDEN. Warum nicht bereits zu Lebzeiten?

  • 9.09.2026 at 17:55
    Permalink

    Alice Weidel hat ihren Wohnsitz in der SCHWEIZ! das bringt mich auf einen erstaunlichen Gedanken……….!

Comments are closed.

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...