Berner Kantonalbank

Wirtschaftliches Wachstum und breite Prosperität verdankt die Schweiz zu vier Fünfteln den Ersparniskassen, genossenschaftlichen Raiffeisenbanken und den Kantonalbanken wie der Berner Kantonalbank im Bild. © vladilavgajic / Depositphotos

Die Banken und «ihre» Schweiz – ein Rückblick auf 50 Jahre

Rudolf Strahm /  Die Schweizer Banken diktieren seit Jahrzehnten ihre eigenen Rahmenbedingungen. Nun steht der nächste «Testfall» bevor.

Rudolf Strahm Portraitbild
Rudolf Strahm

Während Jahrhunderten pflegten protestantische Städte im Raum der heutigen Schweiz, besonders Genf und Zürich, das Geldwechsel- und Geldverleih-Geschäft. Seit 170 Jahren nutzen Banken und Privatbanquiers die günstigen, schwach reglementierten Rahmenbedingungen in der Schweiz, um Vermögen aus aller Welt zu verwalten. 

Das Bankwesen war immer bedeutsam. Dass die Schweiz aber dank den kapitalistischen Grossbanken und Privatbanquiers so reich geworden sei, ist allerdings ein schräges Narrativ von bankbeauftragten Historikern. Das wirtschaftliche Wachstum und die breite Prosperität – also in allen Kantonen und Regionen, beim Gewerbe, bei Unternehmenskrediten und Familienhaus-Hypotheken – ist wirtschaftshistorisch zu vier Fünfteln von den Kantonalbanken, Ersparniskassen und genossenschaftlichen Raiffeisenbanken ermöglicht worden.

Der Chiasso-Skandal 1977

Ich erlebe und erfahre seit 50 Jahren die Schweizer Bankenszene. Ich kannte die Akteure bei den Grossbanken, wie auch beim Staat und bei den Regulatorbehörden. Eher durch Zufall war ich 1977 vom damaligen SP-Präsidenten Helmut Hubacher als Leiter der Kommission zur Ausarbeitung der Bankeninitiative (1978-1984) berufen worden. Seither ist die Finanzplatz-Politik in meinem Fokus. Die Bankeninitiative stellte nach dem Chiasso-Skandal erstmals die Kapitalflucht und Geldwäscherei bei Schweizer Banken öffentlich in Frage – am Ende scheiterte sie kläglich. Doch seither ist die mit der Initiative ausgelöste moralische Verunsicherung in der Politik und die regulatorische Aktivität beim Staat rund um die Bankenpraxis nie mehr verschwunden – aber zunehmend durch Druck aus dem Ausland. 

Wir haben 1977 den Chiasso-Skandal der Schweizerischen Kreditanstalt SKA erlebt. Die Reputation der Grossbanken kam wegen Steuerflucht und Geldwäscherei unter Druck, Bundesbern war enerviert und hilflos. Die Schweizerische Nationalbank reagierte mit einem symbolischen «Gentlemen’s Agreement» mit den Grossbanken zur Einschränkung der Geldwäscherei.

Wir haben später, in den 1980er und 1990er Jahren, den zunehmenden Druck aus den USA und seitens der OECD gegen Insider-Geschäfte, gegen Geldwäscherei und gegen das Bankgeheimnis erlebt. Schrittchenweise musste die Schweiz gegenüber den USA immer nachgeben.

Die sogenannten nachrichtenlosen Vermögen

1997 geriet die Schweizer Regierung unter massiven Druck der US-Regierung unter Bill Clinton und seitens jüdischer Kreise wegen der sogenannten nachrichtenlosen Gelder, also den versteckten, nie deklarierten Vermögen jüdischer Holocaust-Opfer. Lange Zeit mauerten die Grossbanken, und der Bundesrat war durch interne Fehleinschätzungen handlungsunfähig. Erst nach weiteren Entdeckungen (Dokumentenfund in der SBG/UBS) und massiven Drohungen aus der US-Finanzwelt bewegte sich Bundesbern. Bei der Deblockierung spielte der damalige Kreditanstalt-Verwaltungsratspräsident Rainer Gut nach einer Fact-Finding-Tour in den USA eine entscheidende Weichmacherrolle sowohl bei der Bankiervereinigung als auch in Bundesbern. Letztlich resultierte nach dem Einsetzen einer international zusammengesetzten Findungskommission unter dem früheren Fed-Chef Paul A. Volcker eine Banken-Entschädigung an jüdische Kreise von 1,3 Milliarden Dollar. Es folgten der umfangreiche Bergier-Bericht zur Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs und eine Regulierung der weiteren Auskunftspflichten, alles erst nach massivem unausweichlichem Druck aus dem Ausland.

Die Subprimekrise

Wir haben 2008 den UBS-Absturz in der Subprimekrise erlebt, bei der die Grossbank unter dem Aufsteiger-Banker Marcel Ospel in den USA massive Verluste mit wertlosen Hypotheken-Ramschpapieren (Collateral Debt Obligations, u.a.) eingefahren  hatte. Die grösste Schweizer Bank konnte nur mit Staatshilfe überleben, das heisst mit Aktienkäufen durch den Bund und mit der (vorübergehenden) Übernahme enormer Bestände an Ramschpapieren durch die Nationalbank. Bundesbern empörte sich, versprach stärkere Regulierung. Doch schon zwei, drei Jahre später wurden die strengen Vorgaben bezüglich Eigenmitteln im Parlament kritisiert, dann unterlaufen und nur halbherzig durchgesetzt.

Der Absturz der CS

Im Frühjahr 2023 erlebten wir den weiteren Grossbanken-Absturz mit der Credit Suisse CS. Seit 2013 hatte die aufmerksame, aber zahnlose Finma versucht, mit Rügen die Boni-getriebene CS-Führung zu disziplinieren, ohne Erfolg. Die CS war politisch zu stark vernetzt. Sie konnte Mahnungen und Verfügungen der Finma ignorieren und mit «Filtern» erst noch Sonderausnahmen erzwingen. Von 2010 bis 2022 hatte die Credit Suisse-Gruppe – so der PUK-Untersuchungsbericht des Parlaments – Boni für 39,8 Milliarden Franken ausgeschüttet, aber ihr aufsummierter Gesamtverlust inklusive Bussen und Schadenszahlungen belief sich auf 33,7 Milliarden.

Die Schweiz im Griff der Banken

Heute, wo es für die UBS als Übernahmebank der CS um mehr Sicherheiten durch mehr Eigenkapital geht, auch um eine Eigenkapitalaufstockung bei ihren ausländischen Töchtern, erleben wir ein unwürdiges Power Play der UBS gegen die Bundesbehörden. Es wird gedroht, es wird der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit behauptet, es wird mit anonymen Gerüchten eine Sitzverlegung ins Ausland angedeutet. 

Meine Erfahrung des letzten Halbjahrhunderts: Die Schweiz hatte nie von sich aus die Kraft, ihr Haus auf dem Finanzplatz selber in Ordnung zu bringen. Es waren immer ausländische Behörden oder multilaterale Regulatoren, die der Schweizer Regierung die Interventionen und Regeln vorgaben. Die Banken hatten landesintern mit ihrer Lobby-Power die Politik immer fest im Griff, um «ihre» Schweiz nach ihren Interessen zu gestalten. Der nächste Testfall, nämlich beim Eigenkapitalbedarf der UBS, steht bevor.

Red. Dieser Artikel erschien zuerst in der «Weltwoche». Dies ist eine leicht erweiterte Fassung.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Rudolf Strahm, ehemaliger Preisüberwacher und alt SP-Nationalrat, leitete von 1978 bis 1984 die Kommission zur Ausarbeitung der Bankeninitiative und war sieben Jahre SP-Zentralsekretär.
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6 Meinungen

  • 10.08.2026 at 11:53
    Permalink

    Geld ist das Tauschmittel für Leistungen und Leistungen brauchen weltweit weltweit Kalorien oder KWh.
    KWh und Kalorien sind weltweit die gleichen Leistung.
    Kann mir ein Mensch erklären Warum wir weltweit die Geldmenge durch Wechselkurs- Gewinne erhöhen?

  • 10.08.2026 at 12:14
    Permalink

    Von wegen faire Eigenkapitalquote der UBS im Wettbewerb speziell mit US-Banken.
    Die Eigenkapitalquoten (gemessen als harte Kernkapitalquote bzw. CET1-Quote) großer US-Banken liegen aktuell solide weit über den regulatorischen Mindestanforderungen. Bei den führenden Instituten ergeben sich im Jahresverlauf 2026 folgende Werte:
    JPMorgan Chase: ca. 14,3 % , Citigroup: ca. 12,7 % , Bank of America: ca. 11,2 % .
    Unter 7% liegt die Quote generell bei US-Banken nicht. Das hat taditionelle Gründe.
    Anders verhält sich bei sog. Schattenbanken und gewissen synthetischen Hedgefonds.
    Mit den geforderten zusätzlichen 20 Mrd. USD für das zusätzliche US-Geschäft käme die Gesamt-UBS auf etwa 7%.
    Seit ital. Banken EK-Quoten von 10-14 % haben, haben die trotzdem hervorragende EK-Renditen.
    ( siehe speziell Unicredit )$
    Möglicherweise werden ja US-Banken die jetzt unfair niedrige UBS-EK-Quote und das verbundene Risiko zu instrumentalisieren wissen ?

  • 10.08.2026 at 14:56
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    Eine gute Zusammenfassung! Ich war ein Kadermann bei der Volksbank (im Bereich Marketing/ Kommunikation) und nach deren Übernahme noch zwei Jahre bei der CS. Den Untergang habe ich nach der Pensionierung entsprechend «hautnah» mitverfolgt. Bei allen schlimmen Fehlern der obersten Führungsriege hat mich jeweils die unsachlichen Kommentare in der Presse gestört. Beispiel: «muss jetzt wieder der Steuerzahler die Bank retten?» Der Steuerzahler musste nie einen Franken bezahlen. Alle Notkredite wurden jeweils durch die entsprechende Bank samt Zinsen in Millionenhöhe zurückbezahlt. Ebenso bei der Übernahme der CS durch die UBS die Garantien in Milliardenhöhe durch die SNB, die ebenfalls verzinst wurden. Da hat die SNB Millionen erhalten.
    Auch die UBS hat ein gutes Geschäft gemacht: für 2 Mia hat sie die CS Aktien gekauft, die damals weit mehr Wert hatten. Der Entscheid des Handelsgerichtes steht noch aus…

  • 10.08.2026 at 17:49
    Permalink

    Rudolf Strahm spricht im Zusammenhang mit dem Absturz der CS von einer «aufmerksamen, aber zahnlosen Finma» die versuchte, die «Boni-getriebene CS-Führung zu disziplinieren». Das darf bei einer «Too Big To Fail»-Bank nie wieder passieren.

    Finma-Direktor Stefan Walter hat im ersten NZZ-Interview nach seiner Ernennung die richtige Medizin genannt: Die fehlbaren Banken beim Namen nenn, «Naming and Shaming». Die grossen Banken fürchten die Publizität mehr als die Rechtsverfahren. Der spätere US-Bundesrichter Louis Brandeis sagte 1914 «Sunshine is the best disinfectant». Transparenz ist das beste Desinfektionsmittel. Die vierte Gewalt, die Medien, wirken bei den Banken schneller als die Aufsicht.

    Wie man das macht, kann man bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC nachschauen. In ihrer EDGAR-Plattform konnte man schon früh über umstrittenen Bewertungen der Credit Suisse nachlesen. Nur hat es in der Schweiz (fast) niemand gemerkt.

  • 11.08.2026 at 23:59
    Permalink

    «Die Schweiz hatte nie von sich aus die Kraft, ihr Haus auf dem Finanzplatz selber in Ordnung zu bringen.» So ist es, bloss, wozu haben wir Direktdemokratie? Endloses Wachstum, Geld-/Bankensystem finde ich ruinöse Illusion. FED, Petrodollar, Spielcasino, Fiat-Geld, E-Geld, Enteignung der Massen, ist das nicht ähnlich Schneeballsystem, grotesk? Zur Ursachenbehandlung sind wir nicht bereit – es scheint eh zu spät, da USA und deren EU ultimativen Umbruch tätigen (die Strippenzieher sind «organisiert» im Gegensatz zu uns) – und Symptombekämpfung oder Einzelinitiativen sind bedeutungslos.

  • 12.08.2026 at 08:40
    Permalink

    Die Schweizer Grossbanken produzieren gigantische Flops und schaden dem Land. Die Grossmananger der UBS drohen der Politik: ihr müsst machen was wir wollen, wenn nicht wird die Schweiz einen herben Verlust erleiden, weil wir gehen werden. Bundesbern scheint im Schockzustand zu sein und es finden endlose Sitzungen statt, wie man die Grossbosse der UBS besänftigen kann. Der Bundesrat hätte von Anfang an – klar und mit aller Härte sagen müssen: wir haben die Macht zu bestimmen: nicht ihr, wenn es euch nicht passt: packt die Koffer und geht. Basta.
    Gunther Kropp, Basel

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