Der F-35A ist ungeeignet – SVP drängte auf Bestellung

1986 entschied das Pentagon, für die US-Luftwaffe 750 Mehrzweck-Kampfflugzeuge des Typs F-22 Raptor zu entwickeln und in Dienst zu stellen. Diese Stealth-Kampfflugzeuge (mit Tarnkappen-Fähigkeit) sollten vor allem auf den Stützpunkten in Japan stationiert werden.
In einem Krieg gegen China sollten die F-22 im Luftkampf (Air-to-air combat) die chinesischen Luftstreitkräfte niederringen und anschliessend im Luft-Boden-Einsatz (Air-to-ground combat) deren bodengestützte Luftverteidigung ausschalten.
In den 1990er Jahren setzte aufgrund der gewonnenen Erfahrungen mit dem Projekt F-22 die Entwicklung der F-35 ein. Neben der Air-Force sollten auch die Navy und das Marine-Corps Varianten dieses Typs erhalten. Die Navy F-35C und das Marine-Corps F-35B.
USA mussten sparen
Mit dem Feldzug gegen die Taliban 2001 und dem Angriff gegen den Irak 2003 mussten die USA zwei kostspielige Kriege gleichzeitig finanzieren. Zwecks Einsparungen musste die Zahl der Indienststellung von F-22 oder von F-35 reduziert werden.
Bedingt durch Zusagen an die europäischen Alliierten und der damit verknüpften Verpflichtungen zum F-35-Projekt entschied der damalige Verteidigungsminister der USA, Robert M. Gates, 2009 die Produktion der F-22 auf 187 zu beschränken: «The most significant was probably my decision to cap the F-22 stealth fighter at 187 aircraft.»(1)
Teilweise als Kompensation für die verzögerte Produktion der F-35C und auch als Ausgleich zu gewissen Defiziten der Leistungen (Aktionsradius) beschloss Gates, für die Flugzeugträger eine weitere Anzahl an Kampfflugzeugen F/A-18E/F Super Hornet in Dienst zu stellen: «… buy more F/A-18 fighters to keep the Navy’s carrier wings fully equipped ….»(2)
Dieser Entscheid dürfte dazu geführt haben, dass auch heute noch ein Superträger wie die Gerald R. Ford mit Kampfflugzeugen des Typs F/A-18E/F ausgerüstet ist.
Zu wenig Mehrzweckflugzeuge
Die US-Luftwaffe verfügt heute über eine wachsende Zahl an F-35A (die insbesondere für den Einsatz Air-to-ground konzipiert sind), aber nur über eine kleine Flotte an Mehrzweckflugzeugen (sowohl für Air-to-air- als auch für Air-to-ground-Einsätze).
Dies dürfte mit ein Grund sein, warum die F-15-Flotte der US-Luftwaffe und der Air-National-Guard durch modernere Mehrzweck-Kampfflugzeuge F-15EX Eagle II ergänzt und ersetzt wird.
Weiter ist zu erwähnen, dass trotz der elektronischen Superausrüstungen die F-35A Nachteile aufweisen, so die Geschwindigkeit von Mach 1,6 bei einer maximalen Waffenzuladung sowie der begrenzte Aktionsradius. Des Weiteren verfügen F-35A entgegen der Philosophie der US-Luftwaffe nur über ein Triebwerk, und die Besatzung besteht aus einem Mann. Mehrzweck-Kampfflugzeuge wie die F-22 werden hingegen von einem Piloten und einem Waffenoffizier geführt.
F-47 zum Ausgleich der Defizite
Zum Ausgleich dieser Defizite wird heute mit hoher Priorität das neue Mehrzweck-Kampfflugzeug F-47 der sechsten Generation als Ersatz der F-22 entwickelt. Der F-47 soll sehr bald eingeführt werden.
Bei der US-Navy macht sich auch zunehmend die Beschädigung der für den Stealth-Einsatz entscheidenden Beschichtung der F-35C durch Salzwasser bemerkbar.
Was die Luftwaffe der Schweiz betrifft, so wird diese in absehbarer Zeit – bedingt durch die eskalierenden Kosten – mit einer kleinen Flotte an F-35A ausgerüstet werden. Entgegen dem Ziel des Schutzes des Luftraumes durch Air-to-air-combat-Einsätze wird eine Flotte, die eigentlich für Air-to-ground-Einsätze konzipiert ist, verfügbar sein.
Da stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Flotte für die Schweiz. Gegen welchen Gegner soll sie in einem Ernstfall eingesetzt werden und diesen bombardieren? Wichtig wäre zu wissen, wer im VBS den Entscheid zur Evaluation dieses Flugzeugtyps beeinflusst hat.
Notorische Sympathien für US-Produkte
Welche Funktion hatte die Beamtenschaft der Armasuisse mit ihren notorischen Sympathien für US-Rüstungsprodukte und für lukrative Abkommandierungen in die USA? Haben externe Berater wie frühere Kommandanten der Luftwaffe sowie Parlamentarier mit Piloten-Sympathien die Evaluation, die zu diesem Entscheid geführt hat, beeinflusst? Interessant wäre auch die Antwort auf die Frage, warum sich unter den Parteien vor allem die SVP für den F-35A einsetzt. Dies könnte ein Hinweis auf die Influencer sein.
Was die ehemalige Bundesrätin Viola Amherd betrifft, so dürfte sie als Luftwaffen-Novizin durch einen Kreis von Influencern regelrecht geführt worden sein.
Alle diese Aspekte müssten durch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) abgeklärt werden. Dazu gehört auch die bisher durch die Armasuisse verhinderte Einsichtnahme in die Unterlagen der unklaren Evaluation.
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1 Gates, R.M., Duty, Memoirs of a Secretary at War, WH Allen, New York, 2014, S. 318
2 Gates, R.M., S. 318
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Der Professor, Sicherheitsexperte und SVP-Politiker Albert Stahel war langjähriger Dozent für Strategische Studien an der Universität Zürich.
Dieser Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.







Ich freue mich immer über diese Artikel! Ganz klar, man muss der Spur des Geldes folgen. Mit der Beschaffung sinnvoller Rüstungsgüter hat dies nichts mehr zu tun. Es erinnert an die westdeutsche Affäre um den F-104 «Starfigher» und an die «Eurofighter»-Anschaffung Österreichs. Über den Daumen gepeilt, sind us-amerikanische Waffen grotesk überteuert, stör- und wartungsanfällig und brauchen noch einmal extrem teure Ersatzteile und Munition. Das perfekte Produkt für Dividenden, das schlechteste Produkt für eine Armee! Derzeit ändert sich die Militärwelt rasant, auch die Luftverteidigung. Iran verteidigt seinen Luftraum derzeit nur bodengestützt, mit selbst produzierten Waffensystemen. Für einen Bruchteil der Kosten einer jägergestützten Luftabwehr. Vielleicht wäre dies auch ein besserer Weg für die Schweiz.
Wenn man die wirkliche (Nicht-)Effizienz der US-Armee im Golfkrieg ansieht, ist absehbar, dass es noch sehr lange dauern wird, bis US-Kriegsmaterial zu einem vernünftigen Preis auf den Markt kommt. Statt teurer Flieger mit fraglichem Gebrauchswert würde man besser Fliegerabwehr-Geschütze und Drohnen selber herstellen und so Arbeitsplätze und Knowhow im Land halten. Dann müsste der Steuerzahler auch nicht die wegen Kompensationsgeschäften überteuerten Flieger bezahlen.
Wieviel Drohnen und Marschflugkörper könnte Pilatus herstellen oder die Schweiz kaufen,
nur schon für die Anschaffungskosten. Geschweige denn für die hohen laufenden Kosten und vielfachen Wartungskosten. DIe , Arbeiten die nur US-Spezialisten durchführen dürfen.
Es heisst der Vogel wäre jeweils nur kurzzeitig einsetzbar, wenn die Wartungsarbeiten wie eng vorgeschrieben durchgeführt werden. Der Vogel ist so kaum kriegstauglich.
Da gefallen mir die Vierzimmerwohnungen die Herr Frei bauen würde schon deutlich besser. Die könnten sich die Leute dann sogar leisten. Wir brauchen nicht noch mehr Waffen, wir haben schon genug! Scheint als hätte die Rüstungsindustrie den Knick nach der Zeitenwende (nein, die wirkliche fand früher statt, so um 1989) nicht verkraftet. Wir erschaffen uns die Welt die wir gerne hätten!
Die PUK sollte dito eruieren, wer uns in dieselbe USA-Richtung NATO (Oberbefehl USA) schiebt.
«Die NATO Übernimmt Die Schweiz: Neutralität am ENDE | Rafael Lutz» Youtube von «Neutrality Studies Deutsch» des Politikwissenschaftlers Dr. Pascal Lottaz aus der Schweiz, Professor für Neutralitätsstudien.
Die PUK sollte dito eruieren, wer in der Schweiz uns «verkaufen» will an die USA:
Blick 31.5.2026 – Leuk gerät auf politische Weltbühne «Wie sich zwei Walliser gegen Elon Musk wehren» – Elon Musk will in Leuk Europas grösste Starlink-Bodenstation bauen. Doch zwei Ärzte protestieren vehement: Sie fürchten Elektrosmog und geopolitische Gefahren.
Woher nur kommt diese nicht nachvollziehbare US-Liebe?
Sicher. Die USA haben viel erreicht. Primär für sich selbst. Andere stehen dabei, auch wenn sie etwas anderes behaupten, selten im Zentrum ihrer Überlegungen. Gutes Tun die USA in der Welt schon eher nicht, das ist eher neo-kolonialsimus und Ausbeutung. Niemand braucht die USA und ich mag es nicht mehr hören, sie seien das Zentrum der Welt. Zeit sich zu emanzipieren aber daran haben die heute herrschenden Romanitker und verklärten Liebhaber des Golden-Age kein Interesse. Das würde deren Weltbild (Made in Hollywood) wohl zu sehr stören.
Den folgenden Satz bitte studieren: «Entgegen dem Ziel des Schutzes des Luftraumes durch Air-to-air-combat-Einsätze wird eine Flotte, die eigentlich für Air-to-ground-Einsätze konzipiert ist, verfügbar sein.»
Es ist absurd: die Schweiz kauft ein Kampfflugzeug, das gerade einmal 200 Schuss verschiessen kann und dann zum Nachladen in den Hangar muss. Und einen Bomber, der ein paar wenige Raketen verschiessen kann, von denen niemand sagen kann, wo die Ziele liegen könnten. Irgendwo im Scharzenburgischen gibt es vielleicht noch ein paar Fleckchen, die man so bombardieren könnte.
Die genannten Beschränkungen werden durch die Tarnung verursacht: Die Mündungen der Bordkanonen sind hinter der Tarnung, die für die 200 Schuss kurz geöffnet wird. Das gleiche Problem gibt es bei den Raketen. Mehr könne der nur F35 laden, wenn die Schweiz die Lufthoheit habe. Es ist zum Lachen, wenn es nicht zum Heulen wäre.
Dringende Empfehlung:einmal die Geschichte des Attischen Seebundes lesen.
Ich danke Herr Stahel. Endlich einer der wenigen mit Rückgrat. Alle anderen BefürworterInnen sind für mich gleichgeschaltete WolkenschieberInnen.
Albert Stahel schreibt, der F-35A Kampfbomber sei für die Schweiz ungeeignet. Ich denke, die Schweiz ist zu klein für moderne Kampflugzeuge: Von Genf bis nach Strada im Engadin sind es nur 286 Kilometer. Von Basel bis nach Chiasso im Tessin beträgt die Distanz nur 137 Kilometer. Ein Jet, der mit einer Geschwindigkeit von 2000 km/h fliegt, durchquert die Schweiz von West nach Ost in 8,5 Minuten, von Nord nach Süd in 4 Minuten.
Wer soll in der kleinen Schweiz überhaupt bombardiert werden? Österreich, Liechtenstein? Soll die Schweizer Luftwaffe einmal präventive Schläge mit der NATO gegen einen Feind im Ausland, in Russland führen?
Die Schweiz will für die F-35-Kampfjets derzeit rund 6,4 Milliarden Fr. ausgeben, inklusive eines Zusatzkredits von 394 Millionen Fr. für 30 Jets, also total 6,8 Milliarden Fr. Ein F-35A Kampfbomber wird also 226 Millionen Fr. kosten.
Für einen Jet, der 226 Millionen Fr. kostet, könnte man in der Schweiz 376 Vierzimmerwohnungen bauen, für 600’000 Franken.
Wen angreifen? Das hat im Rahmen der ganzen Diskussion sogar jemand erwähnt. Der Name ist mir entfallen aber es war ein Politiker oder Militär: Die F35 ist notwendig weil wir damit notfalls Moskau auch atomar angreifen könnten.
Ohne Online-Freigabe von einem Militär-Server in den USA bleibt jeder F35 am Boden. — Ähm, wie bitte?! Und die USA werden auch nach Trump nicht vertrauenswürdiger sein als heute!
Genau. Wir sind von USA ferngesteuert. Nicht nur via F-35. Ortung in Echtzeit. NSA weiss alles.