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Darko Savic: Vom VBS direkt zur F-35-Profiteurin Pilatus AG © Armasuisse

F-35: Zuerst alle angelogen, dann mit Direktorenposten belohnt

Urs P. Gasche /  Darko Savic sorgte dafür, dass die Pilatus AG dank dem F-35-Kauf zu Kompensationsgeschäften kommt. Jetzt ist er dort Direktor.

Wenn hohe Beamte lukrative Posten in der Privatwirtschaft anstreben, sorgen sie dafür, sich beim gewünschten Unternehmen beliebt zu machen.

Ein exemplarischer Fall ist Darko Savic. Bis vor kurzem war er der «Mister Kampfjet» im Eidgenössischen Departement für Verteidigung (VBS). Er war dort Projektleiter des F-35-Beschaffungsprogramms. 

Savic hatte mit den USA verhandelt, kannte alle Details des Kaufvertrags und hat diesen mitunterzeichnet. Trotzdem log er seine Vorgesetzten gleich doppelt an:

  1. Der Kaufpreis sei fix.
  2. Für die Betriebskosten gebe es einen Mehrjahresvertrag bis 2040. Falls der Unterhalt teurer käme als vereinbart, müssten die USA dafür geradestehen.

Dank der Unwahrheit mit Kosten von «höchstens von 6 Milliarden Franken»*, die auch Bundesrätin Viola Amherd verbreitete, hatte das Schweizer Stimmvolk der Beschaffung von Kampfflugzeugen mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,1 Prozent der Stimmen zugestimmt.

Eigentlich müsste die Abstimmung wiederholt werden.


Die Pilatus AG und Savic sind die Gewinner

Wer sich ins Fäustchen lacht, sind die Pilatus Flugzeugwerke AG. Denn die Fabrik in Stans profitiert von lukrativen Kompensationsgeschäften. F-35-Hersteller Lockheed Martin verpflichtet sich, 60 Prozent des Vertragswerts – umgerechnet rund drei Milliarden Dollar – über Aufträge und Kooperationen mit Schweizer Firmen zu kompensieren. Mindestens 20 Prozent davon müssen direkt mit der F-35-Beschaffung zusammenhängen.

Im April 2025 gab Armasuisse bekannt, dass ein Offset-Projekt zwischen Pilatus und Lockheed Martin genehmigt wurde: Pilatus erhält Zugang zu F-35A-Technologie von Lockheed Martin, um gemeinsam ein hochmodernes Pilotenausbildungssystem der nächsten Generation zu entwickeln – aufbauend auf dem eigenen Trainingsflugzeug PC-21. 

Dank diesem Know-how soll Pilatus künftig eigenen Kunden – also Luftwaffen weltweit, die den F-35 oder andere Kampfjets der fünften Generation betreiben – massgeschneiderte Trainingslösungen anbieten können. Das verschafft Pilatus neue Verkaufschancen für die PC-21-Plattform.


Darko Savic erhielt Direktorenposten

Den Mann, der den F-35-Deal eingefädelt und Bundesrat und Öffentlichkeit angelogen hat, um mit einer erfolgreichen Volksabstimmung den Deal zu besiegeln – diesen Mann haben die Pilatus-Werke mit einem lukrativen Direktorenposten belohnt. Er ist nun «Director Program Management Business Aviation» bei Pilatus Aircraft Ltd. Savic verliess das VBS per Ende April 2025 und trat seinen Posten bei Pilatus am 1. Juni 2025 an.

Von einer längeren Karenzzeit für Spitzenbeamte wollte das Parlament nie etwas wissen. Sie dürfen weiterhin sofort eine Stelle bei einem Unternehmen antreten, das sie vorher zu beaufsichtigen oder zu reglementieren hatten. 

Etliche Länder verhindern diese folgenschwere Art von Interessenkonflikten. Frankreich hat die Karenzzeit (cooling-off period) für den Wechsel von Spitzenpolitikern und hochrangigen Beamten in die Privatwirtschaft ( «Pantouflage» genannt, auf Deutsch «Drehtüreffekt») auf drei Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt festgelegt. Überwacht und durchgesetzt wird diese Regelung von einer unabhängigen Verfassungsbehörde, der Haute Autorité pour la transparence de la vie publique.

Heikle Wechsel auch in der Pharmabranche

Vom Verwaltungsschreibtisch direkt in die Privatwirtschaft – auch in der Pharmabranche ist dieser sogenannte Drehtür-Effekt ein Problem. Oder ein Vorteil, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet. 

Die Nonprofitorganisation Public Eye zählte Beispiele auf:

  • Ein Vize-Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), zuständig für die Kranken- und Unfallversicherung, wird ohne Karenzfrist Geschäftsführer einer privaten Krankenkasse.
  • Ein Apotheker arbeitet zehn Jahre als Experte für Regulierungsfragen für einen Pharmakonzern, wechselt dann für eineinhalb Jahre ins BAG und von dort zu einer weltweit führenden Biotech-Firma. 
  • Ein Analytiker ist 15 Jahre lang für klinische Versuche bei verschiedenen Pharmafirmen verantwortlich, arbeitet danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter über zwei Jahre für die Arzneimittelbehörde Swissmedic und wird schliesslich Geschäftsführer eines grossen Pharmaherstellers.  
  • Ein Mitarbeiter ist fünf Jahre lang für Regulierungsfragen bei einer Pharmafirma zuständig, prüft dann als Swissmedic-Mitarbeiter 18 Monate lang Zulassungsdossiers, arbeitet anschliessend 17 Jahre für verschiedene Pharmahersteller und eine Beratungsfirma der Pharmabranche, wechselt erneut für eineinhalb Jahre zu Swissmedic, um danach wieder in die frühere Beratungsfirma zurückzukehren. 

Public Eye und das Recherchekollektiv Wav gingen die Linkedin-Profile von 3118 aktuellen und früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BAG und von Swissmedic durch. Das BAG handelt unter anderem Arzneimittelpreise und Krankenkassenprämien aus, Swissmedic ist für die Arzneimittelzulassung und -überwachung zuständig. Von 2013 bis 2024 fand Public Eye so 208 Fälle, die Swissmedic betrafen und 76 beim BAG. Die wahre Anzahl dürfte höher liegen, da nicht alle ein vollständiges Linkedin-Profil führten. (mfr)

________
*Hier stand zuerst «die Unwahrheit mit dem Fixpreis». In der Abstimmungsvorlage war von «höchstens 6 Milliarden Franken» die Rede. Unterdessen würden die 36 F-35-Kampfjets 7,7 Milliarden kosten. Falls nur 30 Stück: 6,4 Milliarden.


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5 Meinungen

  • 14.09.2026 at 17:46
    Permalink

    Säuihafeli, Säuideckeli, so der ähnlich heisst es doch.
    Korruption in der Schweiz? Nicht doch!

  • 14.09.2026 at 20:28
    Permalink

    PublicEye 31. Juli 2025″ Korrupiton.. Schweizer Konzerne wie Glencore oder Trafigura werden regelmässig wegen Bestechung ausländischer Amtsträger verurteilt. Zusammen mussten sie in den letzten Jahren über 900 Millionen Franken illegaler Gewinne zurückzahlen….»

    Sehr aufschlussreiche Aussage im Artikel: «Darko Savic sorgte dafür, dass die Pilatus AG dank dem F-35-Kauf zu Kompensationsgeschäften kommt. Jetzt ist er dort Direktor.»

    Die Frage ist wohl, ob globale Grosskonzerne mit Hilfe der Bakschisch-Strategie lukrative Geschäfte machen können und Funktionäre zu wichtigen Scharnieren solcher Deals geworden sind, weil in einer globalisierten Welt der Nationalstaat zum Objekt einer grenzenlosen Begierde geworden ist, der geschöpft werden darf. Alter Spruch: «Geld hat keine Moral»
    Gunther Kropp, Basel

  • 15.09.2026 at 10:14
    Permalink

    Einige Hintergrundinformationen zu diesem enormen Skandal:
    1. Die Kriterien für den Kauf eines Kampfflugzeugs wurden von einer Gruppe von Armasuisse, deren Chef der hier erwähnte Darko Savić war, gestaltet. Gemäss diesen konnte nur der F-35 als Sieger hervorgehen; sie wurden nie offengelegt.
    2. Obwohl die Initiative «Stopp F-35» eingereicht war und rund 80 % der Stimmberechtigten damals den Kauf ablehnten, unterzeichneten die damalige Bundesrätin Viola Amherd und Darko Savić den Kaufvertrag. Zu einer Abstimmung kam es nicht – eine drastische Missachtung demokratischer Grundsätze.
    3. Die technischen Gründe gegen den F-35 wurden im Infosperber vom 21.10.2025 und 26.06.2026 ausführlich dargelegt.
    4. Alt-Nationalrat Pierre-Alain Fridez bezeichnet die Affäre in seinem Buch «F-35: Absturz mit Ansage» als noch gravierender als den Mirage-Skandal und spricht von einer gezielten Manipulation. Er fordert Bundesrat und Parlament auf, den folgenschweren Fehler noch zu korrigieren.

  • 15.09.2026 at 12:02
    Permalink

    Das sind jetzt wohl Akteure, die sich zur Elite zählen…

  • 16.09.2026 at 17:05
    Permalink

    Heute betrahte ich dieses gesamte Debakel als reines Komplott. Das startet schon vor der Gripenbstimmung und zieht sich bis heute zum Zusatzkredit durch. Hintermänner werden niemals bekannt.

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