Titel xx deutsch

«Zensur in Amerika»: So der Titel des Buches, mit dem die preisgekrönten und zensurierten Cartoonisten Ann Telnaes und Patrick Chappatte Präsident Donald Trump antworten. © Splitter-Verlag

«Zensur von Karikaturen ist ein Angriff auf die freie Presse»

upg. /  Ann Telnaes und Patrick Chappatte: Beide zeichnen für die Weltpresse. Beide wurden zensuriert: Sie wehren sich in einem Buch.

Das Buch voller scharfer Karikaturen zu Präsident Donald Trump und seinen Mannen ist bisher auf Französisch und Deutsch erschienen. Es ist die Antwort darauf, dass die «New York Times» nicht nur Chappatte, sondern alle täglich erschienenen Karikaturen gestrichen hat, und dass die «Washington Post» Ann Telnaes verbot, folgende Karikatur zu veröffentlichen (Infosperber hatte darüber berichtet):

Karikatur Ann Telnaes 2
Jeff Bezos und andere Milliardäre knien vor Donald Trump nieder und bieten ihm Geldsäcke an.

«Kein Chefredaktor würde offen sagen, die Beziehungen Trumps zu Bezos seien ein Tabuthema», schreibt Ann Telnaes im Buch. Sie erinnert daran, dass Bezos als Besitzer der «Washington Post» die Redaktion anwies, Kamala Harris bei der Präsidentschaftswahl nicht zu unterstützen.

Ann Telnaes hat ihren Job bei Bezos’ Zeitung gekündigt. Sie schreibt dazu: «Wenn wir unsere Möglichkeit verlieren, Satire zu machen, wenn der Druck von Karikaturen abhält, welche die Mächtigen verärgern, dann ist das vergleichbar mit einer Runde in einem Café, in der ihr über Politik scherzt, euch über den Präsidenten lustig macht – und plötzlich denunziert euch jemand wegen mangelnder Loyalität. […] In einer funktionierenden Demokratie hätte die Karikatur Bezos vielleicht verärgert, aber er hätte nicht darauf reagiert.»

«Zensur in Amerika»: ein paar Beispiele

Das grossformatige Buch von Ann Telnaes und Patrick Chappatte enthält fast 200 Karikaturen zu Trump und seinem Umfeld. Mit freundlicher Erlaubnis kann Infosperber einige Beispiele vorstellen:

CH Wahlen

Patrick Chappatte: «Mächtige Männer, Autokraten und Machos sind dünnhäutig. Sie sind ziemlich empfindlich, sogar überempfindlich. Sie ertragen es nicht, lächerlich gemacht zu werden, denn ihre gesamte Macht beruht auf Angst und Einschüchterung. Der Karikaturist ist wie das Kind, das allen zuruft: ‹Der König ist nackt›.»

CH. Aufgehängte Freiheitsstatue

Patrick Chappatte: «Besonders in diesem Zeitalter der Desinformation und des Chaos, in dem alles verwirrend ist, kann der Karikaturist die Realität blosslegen.»

Ann Telnaes Klimaabkommen

Ann Telnaes: «Wir verwenden Bilder statt Worte. Bilder sind für alle verständlich. Es ist unwichtig, ob man die Sprache versteht oder nicht, wenn die Karikatur gut gemacht ist. Wenn es ein pointiertes und einprägsames Bild ist, besitzt die Karikatur eine Kraft, die Worte nicht haben.»

CH Zölle

Patrick Chappatte: «Wir halten ein mächtiges Werkzeug in unseren Händen. Mit einem Blatt und einem Stift kann man jeden schockieren. Dabei ist es einfach, jemanden zu beleidigen. Schwieriger ist es, den Nagel auf den Kopf zu treffen.»

CH Immobilien

Patrick Chappatte: «Die gute alte Zensur der Machthabenden scheint überall dort wieder im Vormarsch zu sein, wo die Demokratie zurückgeht. Sie nimmt weiter zu, je mehr sich Angst ausbreitet. Die meisten grossen US-Zeitungen wollen zurzeit keine Karikaturen mehr veröffentlichen, die gegen Trump gerichtet sind. Es gibt Ausnahmen wie beispielsweise den ‹Boston Globe›.»

Ann Telnaes Revolver

Ann Telnaes: «Wie weit sind wir gekommen, wenn die Leute achtgeben, was sie in der Öffentlichkeit sagen? Oder wenn sie bei Witzen unter Freunden vorsichtig sind? Das ist eine Gesellschaft unter Zensur. Ich bin alt genug, um mich an die Zeit vor dem Fall der Berliner Mauer zu erinnern, als die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang davor Angst hatten, denunziert zu werden.»

Bestellmöglichkeit online

Buch Cover

Patrick Chappatte und Ann Telnaes: «Zensur in Amerika», Splitter-Verlag, Bielefeld, 226 Seiten,
35.00 Euro
40.70 CHF
Französische Ausgabe: «Censure en Amérique»
24.90 Euro
34.90 CHF

Aus dem Verlagstext: «Beide Autoren wurden Opfer von Zensur in Amerika. In dieser Graphic Novel präsentieren sie eine Auswahl ihrer Cartoons und kommentieren deren Hintergründe. Das dadurch entstehende Gespräch in Wort und Bild ist eine scharfsinnige Aussprache über den Status Quo des amerikanischen Journalismus und die Bedeutung von Karikaturkunst als Teil von Demokratie – urkomisch und erschreckend zugleich »

Ann und Patrick Cover-Rückseite

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3 Meinungen

  • 6.08.2026 at 08:29
    Permalink

    «Zensur in Amerika», aha. Trump-Cartoons sind jetzt nicht gerade besonders mutig, die Medien sind ja voll davon. Chappatte, übrigens ein «Young Leader» des WEF, ist ohnehin ein ziemlich «politisch korrekter» Cartoonist. Die New York Times hat auch nicht «sämtliche Karikaturisten hinausgeworfen», sondern die editorialen Cartoons in der internationalen Ausgabe eingestellt (nicht in der nationalen, und auch nicht andere Illustrationen). Was war der Grund? Ein Cartoon zu Netanyahu und Trump im April 2019, der der Israel-Lobby nicht gefiel… Bei Ann Telnaes ging es auch nicht um Trump, sondern eben um Bezos: Dass man in der Washington Post den eigenen Herausgeber nicht kritisieren darf, ist schon länger bekannt… Wann wurde im Tagi zuletzt Supino oder im Blick zuletzt Ringier abgewatscht??

    • Favorit Daumen X
      6.08.2026 at 08:57
      Permalink

      Die nationale Ausgabe der New York Times hat auch vorher keine täglichen editorialen Cartoons veröffentlicht und tut es auch heute nicht. Die Cartoons erschienen nur in der internationalen Ausgabe.

      • 6.08.2026 at 18:34
        Permalink

        Doch, die amerikanische Ausgabe hatte zuvor ebenfalls editoriale Cartoons, hat diese aber bereits 2016/2017 auslaufen lassen. Letztlich, weil man Cartoons zu primitiv und nicht mehr zeitgemäss fand. Für Chappatte und die internationale Ausgabe ist aber entscheidend, dass die Cartoons 2019 auf Betreiben der Israel-Lobby (ADL) eingestellt wurden, nachdem ein Cartoon Netanyahu angriff. Dieser Cartoon kam übrigens bezeichnenderweise nicht von Chappatte, sondern vom Portugiesen António Moreira Antunes. Das Beispiel zeigt also gerade das Gegenteil: Politisch wirklich mutige Cartoonisten leben gefährlich, WEF «Young Leader» Chappatte war hingegen auf Linie. Deshalb ärgerte sich über das Ende auch seiner Cartoons. Sein Zitat: «that’s a lot of years of work undone by a single cartoon – not even mine – that should never have run in the best newspaper of the world.”

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