Christian Sievers

ZDF-Moderator Christian Sievers interviewt den Staatssekretär im Bundesumweltministerium zur Hitzewelle. © ZDF

Interviews, die wir vom öffentlich-rechtlichen TV-SRF erwarten

Urs P. Gasche /  Wenn «Tagesschau» oder «10vor10» das Mikrofon ohne Gegenrede hinhalten, werden Zuschauer mit eingeübten PR-Aussagen abgespeist.

Auf ausweichende oder irreführende «Antworten» drängen sich Gegenfragen häufig geradezu auf. Würden sie gestellt, wären Informationssendungen informativer und gleichzeitig attraktiver. Präzise Fragen und Gegenfragen setzen voraus, dass sich die Journalistinnen und Journalisten beim Thema, um das es geht, auskennen. Davon sollte man wenigstens beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgehen können.

Wenn beispielsweise die «Tagesschau» des Fernsehens SRF Argumente eines Initiativkomitees verbreitet, ist es für Zuschauende frustrierend zu hören, dass die «Tagesschau» über die Argumente der Gegner bereits vor zehn Tagen informiert habe. Wer kann sich schon daran erinnern? Es ist eine billige Art, dem Gebot der Ausgewogenheit gerecht zu werden. 

Warum nicht die Gelegenheit zweimal nutzen, um über Kernargumente beider Seiten kontrovers zu informieren? Eine eigene Meinung können sich Zuschauende am besten bilden, wenn sie verschiedene Seiten möglichst gleichzeitig zu hören bekommen.  

Gegenfragen drängen sich besonders auf, wenn ein Regierungsvertreter oder ein Wirtschaftsvertreter Auskunft geben. Denn Behörden und Wirtschaft beschäftigen gewiefte PR-Abteilungen, welche Argumente und Wortwahl gezielt vorformulieren.

Ein Beispiel im «10vor10» vom 3. August. Zur Kritik, dass der Bundesrat Subventionen ausgerechnet zum Schutz der Wälder kürzen will, hielt der Journalist Bundesrat Albert Rösti einfach das Mikrofon hin.


Anders ZDF-Moderator Christian Sievers, der am 2. August Jochen Flasbarth, SPD-Staatssekretär im Bundesumweltministerium, über die Haltung der Bundesregierung zu den fast 10’000 Hitzetoten in Deutschland befragte. Das Beispiel eines mustergültigen Interviews::

(Falls Video mit Safari nicht korrekt läuft, direkt diesen ZDF-Link wählen ab Minute 07.05)


Und im folgenden als Musterbeispiel die tägliche Sendung «Inside Story» vom katarischen Sender «Al Jazeera». Es sind jeweils Experten eingeladen, die kontroverse Sichtweisen zu einem aktuellen aussenpolitischen Thema darlegen. Am 3. August zur Lage in Gaza:


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SRF Tagesschau in der Kritik

Die Informationssendung mit den meisten Zuschauenden muss sich von kommerziellen Sendern klar abheben.

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