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Vom Eichholz geht es einen Kilometer die Aare runter ins Marzili. © Logbuch-Schweiz

Am meisten Tote in der Aare: eine dumme Tamedia-Schlagzeile

upg. /  In der Aare gebe es viel mehr Tote als in der Limmat, in der Birs, der Thur oder der Emme. Wenn das eine «News» sein soll.

«In diesen Flüssen und Seen ertrinken am meisten Menschen»: Diese riesige Schlagzeile prangte über zwei Seiten der Rubrik «Politik und Wirtschaft» im «Tages-Anzeiger» und «Der Bund». Die Zeitungen «enthüllten» den Leserinnen und Lesern, dass in der Aare und im Kanton Bern mit Abstand am meisten Badende ertrinken. Es entstand der falsche Eindruck, die Aare sei für Badende der gefährlichste Schweizer Fluss.

«Unsere Auswertung zeigt, wo die Opfer starben», versprach der Untertitel. Zur allgemeinen Überraschung kam es in denjenigen Flüssen und Seen häufiger zu Todesfällen, in denen am meisten Menschen baden.

Die grafisch aufgepeppte Tamedia-Rangliste nach Kantonen mit dem Titel «Am meisten Tote im Kanton Bern» und mit der Bemerkung «Die beiden Appenzell haben keine Ertrinkungstote zu beklagen» ist ebenfalls eine Null-Information. Je grösser der Kanton und je mehr Seen und Flüsse im Kanton, desto mehr Badende ertrinken. Das ist eine Plattitüde.

Nach Angaben der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft ertrinken in der Schweiz jedes Jahr durchschnittlich fünfzig Personen. «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» «präzisierten»: «In keinem anderen Gewässer sterben so viele Menschen wie in der Aare – seit 2012 sind es insgesamt 75 Menschen. Das sind mehr als im Zürichsee und in der Limmat zusammen.»

Dass diese Information wertlos ist, räumen gleich darauf auch die Tamedia-Zeitungen ein: «Die Aare ist mit rund 300 Kilometern nach dem Rhein der längste Fluss in der Schweiz. Und es gibt unzählige Badestellen. Bei schönem Wetter tummeln sich Tausende im Wasser. In der Stadt Bern ist das Aareschwimmen ein Volkssport.»

Ein Jahr nach der «Sonntags-Zeitung»

Vor einem Jahr hatte die «Sonntags-Zeitung» vorgespurt – ebenfalls aus dem Tamedia-Verlag. Die fette Schlagzeile lautete damals: «Der gefährlichste Fluss der Schweiz». Und darunter: «In der Aare ertrinken so viele Menschen wie in Rhein, Rhone und Limmat zusammen.» Andere Medien hatten die Schlagzeile weiterverbreitet – darunter «20 Minuten», «Tele M1» oder die «Solothurner Zeitung».

Marco Diener rechnete damals im Infosperber vor: Pro Kilometer Aare sind 0,25 Menschen ertrunken, pro Kilometer Limmat aber 0,69 Menschen. Interessant wäre allenfalls, die Zahl der Ertrunkenen nicht nur mit der Länge der Flüsse, sondern mit der Zahl der darin Badenden oder Schwimmenden zu vergleichen.

Wenigstens haben die Tamedia-Zeitungen Marco Dieners Vorschläge für weitere sommerliche Schlagzeilen nicht aufgenommen:

  • «Die gefährlichsten Radwege der Schweiz: Auf Berner Radwegen kommt es zu doppelt so vielen Unfällen wie auf Radwegen im Kanton Appenzell Ausserrhoden.»
  • «Die Gefahr im Pfadilager: Es verunfallen viel mehr Kinder und Jugendliche als Erwachsene.»
  • «Gefährlicher Boxsport: Es sterben deutlich mehr Männer als Frauen.»

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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