Screenshot 2026-06-29 at 15-03-48 Eine neue Vorsorgestrategie - changing-retirement-strategy-de.pdf

Klingt alles ein bisschen eigennützig: Vorsorgestudie der UBS. © ubs.com

Nun greift auch die UBS die AHV an

Marco Diener /  In der Sommersession verweigerte das Parlament eine vernünftige Finanzierung der 13. Rente. Nun kommt der Angriff der UBS.

Manchmal ist Politik kompliziert. Manchmal ist sie simpel. Diesmal ist sie simpel: Mit einer Studie schlägt die UBS einen radikalen Umbau der Altersvorsorge in der Schweiz vor. Nutzniesser: die Finanzindustrie inklusive UBS. Und die Reichen.

Aber so steht es natürlich nicht in der Studie.

Die UBS schlägt einschneidende Änderungen bei allen drei bestehenden Säulen der Altersvorsorge – AHV, Penionskasse und Säule 3a – vor.

AHV: weg vom Umlageverfahren

Heute funktioniert die AHV nach dem Umlageverfahren. Das heisst: Die AHV zahlt ihre Einnahmen umgehend wieder aus. Ihr Vermögen ist relativ klein. Im Moment beträgt es rund 60 Milliarden Franken. Das ist etwas mehr als die Ausgaben für ein Jahr. Zum Vergleich: Die Schweizer Pensionskassen sitzen gegenwärtig auf rund 1400 Milliarden Franken.

Neu soll die AHV wie die Pensionskassen nach dem Kapitaldeckungsverfahren funktionieren. Das heisst: Die Jungen zahlen nicht mehr für die Alten; jeder spart für sich. Die UBS stellt sich vor, dass das Geld bis zur Pensionierung «an den Finanzmärkten investiert» wird. Zur Freude der Finanzindustrie.

Der Nachteil des Kapitaldeckungsverfahrens: Es fallen enorme Vermögen an, welche gleichzeitig rentabel und sicher angelegt werden müssen. Doch die UBS gibt selber zu: «Eine sehr schwere und sehr lange Baisse könnte eine beträchtliche staatliche Rettungsaktion erfordern, die (…) wahrscheinlich höhere Steuern nötig machen würde.» Wenn es brenzlig wird, soll also der Bund einspringen.

Das viele Geld in der Altersvorsorge ist ja schon heute ein Problem. Die Pensionskassen legen rund einen Viertel ihres Vermögens in Immobilien an. Damit heizen sie den Immobilienmarkt an und treiben letztlich die Mieten in die Höhe. Noch mehr Geld, das angelegt werden muss, führt zu noch mehr Problemen.

Heute zahlen alle Versicherten und alle Firmen je 4,35 Prozent des Lohns in die AHV ein. Neu sollen es je 10 Prozent sein. Aber nur auf Lohnbestandteilen bis 50’000 Franken. Zum Nachteil der Geringverdiener. Und zur Freude der Gutverdiener.

Das wäre dann das Ende der AHV in ihrer heutigen Form.

Und nebenbei: Das Rentenalter von 65 Jahren bezeichnet die UBS als «veraltet», obwohl es die Stimmberechtigen vor zwei Jahren bestätigt haben.

Pensionskassen: ohne Gewähr

Nach den Vorstellungen der UBS soll es in der 2. Säule nur noch «private Anbieter» geben. Also keine Pensionskassen von Gemeinden, Kantonen oder Bund mehr. Die Anbieter sollen die Gelder zu «Marktrenditen» verzinsen. Und: «Es gibt keine Kapitalgarantie.» Zur Freude der Finanzindustrie.

Schon heute ist die Pensionskassen-Rente eine unsichere Sache. Bis 2006 lag der Umwandlungssatz bei 7,2 Prozent. Wer in der Pensionskasse 500’000 Franken angespart hatte, bekam eine Rente von 36’000 Franken pro Jahr. Heute liegt der durchschnittliche Umwandlungssatz bei 5,3 Prozent. Aus 500’000 Franken resultiert nur noch eine Rente von 26’500 Franken pro Jahr.

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Wenn es «keine Kapitalgarantie» gibt, wie sich die UBS das vorstellt, dann wird alles noch unsicherer. Auch die heute schon lausige Minimalverzinsung soll fallen.

Und noch ein kleines Detail am Rande: Nach den Vorstellungen der UBS sollen – anders als heute üblich – Firmen weniger in die Pensionskasse einzahlen als die Angestellten. Zur Freude der Aktionäre.

Säule 3a: keine Steuer beim Bezug

Angestellte sollen künftig 20’000 Franken (heute 7258 Franken) in die Säule 3a einzahlen dürfen und damit auch vom steuerbaren Einkommen abziehen können. Zudem soll der Bezug des Kapitals künftig steuerfrei sein. Auch das zur Freude der Gutverdiener. Und der Finanzindustrie.

Und sonst?

Die Hinterbliebenen-Versicherung von AHV und Pensionskassen möchte die UBS am liebsten streichen. Nur für Kinder und junge Erwachsene in Ausbildung soll es sie noch geben. Allerdings ausserhalb von AHV und Pensionskassen. Wer möchte, könnte eine Hinterbliebenen-Versicherung auf privater Basis abschliessen. Zur Freude der Finanzindustrie.

Die Invaliden-Versicherung der Pensionskassen will die UBS auch gleich abschaffen. Wer will, kann sich ja privat versichern. Auch das zur Freude der Finanzindustrie.

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10 Meinungen

  • am 5.07.2026 um 13:29 Uhr
    Permalink

    Ich möchte die Studie gar nicht lesen (müssen). Aber mich würde dennoch interessieren: Warum, sagt die UBS, sollten wir das so machen? Irgendein Argument – ausser zum Segen der Finanzindustrie – sollte sie ja doch noch bringen.

  • am 5.07.2026 um 13:29 Uhr
    Permalink

    Der Vorschlag der UBS ist nicht nur dreist, sondern (wie im Artikel beschrieben) mit so viel Risiken und Nachteilen verbunden, dass er bei den StimmbürgerInnen keine Chance hätte. Bei der Mehrheit der «Volksvertreter» im Bundesparlament könnte dies sehr wohl anders aussehen, da die Finanzlobby nichts unversucht lassen wird, ihre Interessen mit allen Mitteln durchzusetzen.
    Ich finde es sehr wichtig, dass Infosperber dieses Thema weiterhin aufmerksam verfolgt!

  • am 5.07.2026 um 15:13 Uhr
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    Für mich geht die Reise Schritt für Schritt in diese Richtung. Wir zahlen ausschliesslich an die AHV 25 % Lohnprozente ein. Arbeitnehmer dürfen maximal 50 % der Kosten tragen. AHV-Gelder dürfen ausschliesslich in Strukturen fliessen, die dem Allgemeinwohl dienen; Wohnen, Lebensmittel (Agronomie), Gesundheit und Medizin, Bildung die Naturwissenschaft, Kultur und Kunst zu gleichen Teilen vermittelt, Wasser Versorgung, Energieversorgung, etc. Wer Allgemeingut missbraucht hat Wiedergutmachung in der Höhe des Schadens zu leisten. Privat für Sparguthaben in Pensionskassen, Versicherungen oder Banken einzahlen, bitte schön wer möchte.

  • am 5.07.2026 um 15:17 Uhr
    Permalink

    Vor Jahren arbeitete ich als Informatiker im Versicherungsbereich und ärgerte mich masslos über die Höhe der verschiedenen «Gebühren», die den Pensionsguthaben belastet wurden. Kein normal Mensch würde sein Geld, könnte er selber bestimmen, unter solchen Bedingungen verwalten lassen.
    Die Pensionskassen sind eine teure Fehlkonstruktion. Ursprünglich sollte die AHV den Lebensunterhalt sichern.
    Für UBS-Vorschläge kamen mit alter Gedanken aus meiner Versicherungszeit wieder hoch:
    – Die AHV-Beiträge bleiben gleich.
    – Das AHV-Alter wird nicht verändert.
    – Die heutigen Pensionskassen werden verstaatlicht. Die Auszahlungssätze richten sich nach einem fixen Umwandlungssatz; zusätzlich wird der Teuerungsindex hinzugezogen.
    – Die Finanztransaktionssteuer wird eingeführt und damit die staatliche Pensionskasse alimentiert um den Umwandlungssatz stabil zu halten.
    – Die Pensionskassengelder dürfen, unter Verzinsung und entsprechenden Rückzahlungsgarantien für Projekte des Bundes verwendet werden.

  • am 5.07.2026 um 15:30 Uhr
    Permalink

    Vielen Dank Marco Diener für den zusammenfassenden Artikel. Er erspart es mir, die Studie selbst «durchzuackern». Das ist aber natürlich nicht der Hauptgrund, weshalb ich Ihre Bertachtungen im Artikel gut finde. Sie zeigen damit auf, worum es in «Studien» (?) von interessierten Institutionen eigentlich immer geht: Die Lenkung der Sache zum Wohle der eigenen Kasse und derjenigen der Sympathisanten.
    Mein Fazit, auch mit Blick auf die parlamentarischen Entscheide zur unvollständigen Finanzierung der 13. AHV-Rente ist klar: Das Rentenalter soll unbedingt erhöht werden.
    Schämt euch ihr «Interessenvertreter» des Volkes!

  • am 5.07.2026 um 18:37 Uhr
    Permalink

    Interessante Aussage der Hauptzeile: «Nun greift auch die UBS die AHV an» Könnte wohl hypothetisch die Möglichkeit bestehen, dass die Grossboni-Manager erkannt haben könnten, wenn die AHV-Beitragsleistungen für Hochrisiko-Finanzprodukte angelegt werden könnten, dann wird es fette Bonizahlungen geben. Wenn richtig angelegt wird, dann sind hohe Renten garantiert. Alter Sprüche leicht abgeändert: «Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wären wohl alle AHV-Rentner Millionäre» und «Die Bank und die Grossmanager gewinnen immer»
    Gunther Kropp, Basel

  • billo
    am 6.07.2026 um 10:27 Uhr
    Permalink

    Die viel zu gross geratene Bank soll sich endlich um ihre eigene und ausreichende Kapitaldeckung kümmern, anstatt mit billigem Geschwätz nach neuen Schnäppchen zu gieren. Dass Ermotti & Co sich wagen, den Mund in fremder Sache derart voll zu nehmen, zweigt nur, dass sie von den Politik noch immer nicht richtig behandelt werden.

  • am 6.07.2026 um 14:19 Uhr
    Permalink

    Ich habe in der Presse eine Art Zusammenfassung gelesen und auch da laut gelacht. Alles auf die Mühle der UBS. Es reicht ein Blick über die «kleine» Grenze: Liechtenstein. Auch mit dem 3-Säulen-System. Aber unsere alten Fehler längst korrigiert. Sie zahlen bei der AHV schon lange eine 13. Rente. Und nennen sie einfach «Weihnachtsgeld». Die 2. Säule besteht aus einer staatlich kontrollierten Einheitskasse. Mit einem Umwandlungssatz seit eh und je von 6.9. Also, geht doch. Warum sich unsere «Spezialisten» im Bundeshaus immer wieder durch die Finanzlobby derart beeinflussen lassen und niemand den Mut hat, die ärgsten Fehler längst zu korrigieren – ha ke Aaahnig!

  • am 7.07.2026 um 19:30 Uhr
    Permalink

    Die Vorschläge der UBS sind sowohl dumm wie dreist.
    Dumm: Bei der Altersvorsorge müsse es auf ein möglichst effizientes Konzept ankommen Effizient ist nur das Umlageverfahren der AHV. Bezogen auf den ausbezahlen Rentenfranken ist das Kapitaldeckungsverfahren der 2. Säule um ein mehrfaches teurer. (Kein Wunder, wenn mit 25 einbezahlte Sparbeiträge 40 Jahre lang teuer verwaltet werden müssen.) Das kümmert die UBS nicht.
    A propos Umlage: auch die 2. Säule ist wirtschaftlich gesehen ein Umlagekonzept. Wer im Wohnblock seiner Pensionskasse wohnt, zahlt laufend Beiträge an die Vorsorgestiftung, die sie luafend an Rentner ausbezahlt. Steht der Block eines Tages leer (Vertreibung der Ausländer, Geburtenraten) kann die Pensionskasse den Block auch nicht mehr verkaufen.
    Wenn auch die AHV nach dem Kapitaldeckungsprinzip geführt würde, würde der Kapitaldruck sämtliche Kosten (nicht nur des Wohnens) in die Höge treiben.
    Die UBS profitiert so oder so – sehr durchsichtige Motive! Und dreist.

  • am 7.07.2026 um 20:08 Uhr
    Permalink

    Danke!
    Leserkommentare auf Watson zum Artikel mit diesem Thema vom 24. Juni zeigen, dass immer mehr Leute merken, wo die Profite anfallen, und wer sie finanziert.
    Ein Film des Schweizer Fernsehens von 2022 mit dem Titel «Das Protokoll» (abrufbar unter Vimeo), zeigt auf, wie das «3-Säulen-System» 1972 von Versicherungsgesellschaften, Bankiervereinigung und Arbeitgeberverbänden durchgeboxt wurde – mit freundlicher Unterstützung nicht bloss seitens der ‘bürgerlichen’ Parteien, sondern auch der Gewerkschaften und der Sozialdemokraten («Wer hat uns verraten? …») Die PDA-Initiative für eine Volks-Pension wurde abgelehnt.
    Weil das m.E. zuwenig Beachtung findet (obwohl es Abstimmungsverhalten z.T. erklären könnte): Das Kapitaldeckungsverfahren ist doppelt perfid. Nicht nur leitet es Geld der Beitragszahler in die Kassen der Finanzindustrie und deren Aktionäre. Es macht die Lohnabhängigen zu Zwangs-Scheinkapitalisten, die gegen eigene Interessen zugunsten von Kapitalgewinnen handeln müssen.

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