«Zensur von Karikaturen ist ein Angriff auf die freie Presse»
Das Buch voller scharfer Karikaturen zu Präsident Donald Trump und seinen Mannen ist bisher auf Französisch und Deutsch erschienen. Es ist die Antwort darauf, dass die «New York Times» nicht nur Chappatte, sondern sämtliche Karikaturisten hinausgeworfen hat, und dass die «Washington Post» Ann Telnaes verbot, folgende Karikatur zu veröffentlichen (Infosperber hatte darüber berichtet):

«Kein Chefredaktor würde offen sagen, die Beziehungen Trumps zu Bezos seien ein Tabuthema», schreibt Ann Telnaes im Buch. Sie erinnert daran, dass Bezos als Besitzer der «Washington Post» die Redaktion anwies, Kamala Harris bei der Präsidentschaftswahl nicht zu unterstützen.
Ann Telnaes hat ihren Job bei Bezos’ Zeitung gekündigt. Sie schreibt dazu: «Wenn wir unsere Möglichkeit verlieren, Satire zu machen, wenn der Druck von Karikaturen abhält, welche die Mächtigen verärgern, dann ist das vergleichbar mit einer Runde in einem Café, in der ihr über Politik scherzt, euch über den Präsidenten lustig macht – und plötzlich denunziert euch jemand wegen mangelnder Loyalität. […] In einer funktionierenden Demokratie hätte die Karikatur Bezos vielleicht verärgert, aber er hätte nicht darauf reagiert.»
«Zensur in Amerika»: ein paar Beispiele
Das grossformatige Buch von Ann Telnaes und Patrick Chappatte enthält fast 200 Karikaturen zu Trump und seinem Umfeld. Mit freundlicher Erlaubnis kann Infosperber einige Beispiele vorstellen:

Patrick Chappatte: «Mächtige Männer, Autokraten und Machos sind dünnhäutig. Sie sind ziemlich empfindlich, sogar überempfindlich. Sie ertragen es nicht, lächerlich gemacht zu werden, denn ihre gesamte Macht beruht auf Angst und Einschüchterung. Der Karikaturist ist wie das Kind, das allen zuruft: ‹Der König ist nackt›.»

Patrick Chappatte: «Besonders in diesem Zeitalter der Desinformation und des Chaos, in dem alles verwirrend ist, kann der Karikaturist die Realität blosslegen.»

Ann Telnaes: «Wir verwenden Bilder statt Worte. Bilder sind für alle verständlich. Es ist unwichtig, ob man die Sprache versteht oder nicht, wenn die Karikatur gut gemacht ist. Wenn es ein pointiertes und einprägsames Bild ist, besitzt die Karikatur eine Kraft, die Worte nicht haben.»

Patrick Chappatte: «Wir halten ein mächtiges Werkzeug in unseren Händen. Mit einem Blatt und einem Stift kann man jeden schockieren. Dabei ist es einfach, jemanden zu beleidigen. Schwieriger ist es, den Nagel auf den Kopf zu treffen.»

Patrick Chappatte: «Die gute alte Zensur der Machthabenden scheint überall dort wieder im Vormarsch zu sein, wo die Demokratie zurückgeht. Sie nimmt weiter zu, je mehr sich Angst ausbreitet. Die meisten grossen US-Zeitungen wollen zurzeit keine Karikaturen mehr veröffentlichen, die gegen Trump gerichtet sind. Es gibt Ausnahmen wie beispielsweise den ‹Boston Globe›.»

Ann Telnaes: «Wie weit sind wir gekommen, wenn die Leute achtgeben, was sie in der Öffentlichkeit sagen? Oder wenn sie bei Witzen unter Freunden vorsichtig sind? Das ist eine Gesellschaft unter Zensur. Ich bin alt genug, um mich an die Zeit vor dem Fall der Berliner Mauer zu erinnern, als die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang davor Angst hatten, denunziert zu werden.»
Bestellmöglichkeit online

Patrick Chappatte und Ann Telnaes: «Zensur in Amerika», Splitter-Verlag, Bielefeld, 226 Seiten,
35.00 Euro
40.70 CHF
Französische Ausgabe: «Censure en Amérique»
24.90 Euro
34.90 CHF
Aus dem Verlagstext: «Beide Autoren wurden Opfer von Zensur in Amerika. In dieser Graphic Novel präsentieren sie eine Auswahl ihrer Cartoons und kommentieren deren Hintergründe. Das dadurch entstehende Gespräch in Wort und Bild ist eine scharfsinnige Aussprache über den Status Quo des amerikanischen Journalismus und die Bedeutung von Karikaturkunst als Teil von Demokratie – urkomisch und erschreckend zugleich »

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








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