Druck von oben: Bank kündigt Journalist in Russland das Konto
Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beaufsichtigt Banken, Versicherer und Finanzinstitute. Sie soll Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung verhindern, «transparente Verhältnisse an den Märkten gewährleisten» und die Verbraucher schützen.
Nebenbei sorgt sie dafür, dass einem Russland-Korrespondenten das Bankkonto gekündigt wurde. Betroffen ist der in Moskau lebende Ulrich Heyden. Das Sparkassen-Konto habe er seit Anfang der 1990er Jahre. Ein Sparkassen-Mitarbeiter habe ihm gegenüber offengelegt, dass die Konto-Auflösung auf Druck der Bafin erfolgte. Das berichtet das Online-Magazin «Multipolar». Die dem deutschen Finanzministerium unterstellte Bafin dementierte Heydens Aussage gegenüber «Multipolar» nicht. Die Hamburger Sparkasse gab ebenfalls keine Stellungnahme ab.
«Ich lebe ausschliesslich von Einkünften deutscher, Schweizer und österreichischer Medien, die ich auf meinem Konto bei der Hamburger Sparkasse sammelte», schrieb der 71-Jährige Heyden in einem offenen Brief an den deutschen Bundespräsidenten. Darin appellierte er an den Amtsträger, sich dafür einzusetzen, dass die Kontokündigung rückgängig gemacht werde. Denn: «Diese Massnahme ist nicht nur geeignet, meine Existenz zu zerstören, sie widerspricht auch den Grundsätzen der Demokratie und der Pressefreiheit.»
Heyden arbeitet seit 1992 als freier Korrespondent für deutschsprachige Medien in Moskau, früher unter anderem für den «Deutschlandfunk», die «Sächsische Zeitung» oder die «Financial Times». Laut Wikipedia stellten in den letzten Jahren mehrere ehemalige Auftraggeber die Zusammenarbeit mit ein, unter anderem wegen seiner russlandfreundlichen «Positionierung im Ukraine-Krieg» (siehe Kasten unten). Heute arbeitet Heyden für die «Nachdenkseiten», das «Overton-Magazin» und den russischen Sender «RT Deutschland».
Dem «ZDF»-Korrespondenten wurde das Konto nicht gekündigt
Heyden ist nicht der Einzige, dem seine Bank das Konto kündigt. «Multipolar» führt eine Liste mit Personen und Parteien, denen in den letzten Jahren dasselbe widerfuhr. Im Fall von Heyden habe ein Sparkassen-Mitarbeiter als Grund für die Kündigung die Sanktionen genannt. «Allerdings sind […] keine persönlichen Sanktionen gegen Heyden bekannt», so «Multipolar».
Heyden zufolge schrieb die Hamburger Sparkasse im Kündigungsschreiben von einer «Überprüfung aller unserer Geschäftsverbindungen zu Kunden, die ihren Wohnsitz in Russland haben». Telefonisch habe ihm ein Mitarbeiter mitgeteilt, er wohne in einem «Hochrisiko-Land».
Der ebenfalls in Russland ansässige Korrespondent des «ZDF» ist jedoch nicht von einen Kontokündigung betroffen. Weitere von «Multipolar» angefragte Korrespondenten grosser Medien antworteten nicht.
Heyden hält die Kontokündigung für politisch motiviert. Er berichte über Russland «nicht mit Schaum vor dem Mund», sondern mit Verständnis. «Doch Verständnis passt nicht zu der von der Bundesregierung geforderten Kriegsertüchtigung.»
Was Heyden politisch vorgeworfen wird
Ulrich Heyden vertritt die Ansicht, der Westen habe durch die Unterstützung eines «Putsch-Regimes» in Kiew und mit der Förderung des ukrainischen Nationalismus den Angriff Russlands auf die Ukraine provoziert. Siehe seinen Vortrag und Bericht «Wie es zum Bürgerkrieg in der Ukraine kam» von 2016.
Seine Reportage aus Mariupol «Russifizierung» oder «Rückkehr nach Russland», die den Fokus auf den Wiederaufbau und positive Stimmen richtete, brachte ihm den Vorwurf ein, er würde die russische Besetzung verharmlosen.
Die «WOZ» entzog Heyden 2015 die Akkreditierung in Moskau, weil er sich auf die Seite der international nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk gestellt habe. (upg)
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.











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