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Jacques Baud im Jahr 2016 © rts

«Humanitäre Geste» für den totalsanktionierten Jacques Baud

upg. /  Damit er seine Miete und sein Essen zahlen kann, darf er von seinem Bankkonto das notwendige Geld abheben. Reisen darf er nicht.

Zur Erinnerung: Vor fast zwei Monaten hatte die EU-Kommission den Schweizer Ex-Geheimdienstler auf eine schwarze Sanktionsliste gesetzt. Er wurde nicht angehört und noch weniger angeklagt. Der frühere Oberst der Schweizer Armee lebt in Brüssel. Er hat keinen Zugriff auf sein Konto. Seine Kreditkarte ist gesperrt. Reisen darf er nicht. 

Jetzt haben ihm die Behörden in Brüssel «aus humanitären Gründen» erlaubt, seine Wohnungsmiete und seine Verpflegung mit eigenem Geld zu zahlen. Das meldete die Westschweizer Online-Zeitung «L’impértinent» nach einem Gespräch mit Jacques Baud.

Der pauschale Vorwurf der EU-Kommission: Baud sei ein «Sprachrohr russischer Propaganda». Die «Weltwoche» hat Baud letzte Woche in Brüssel interviewt:

«Ich hatte von einem auf den anderen Tag keinen Zugriff mehr auf mein belgisches Bankkonto. Ich kann mir nichts kaufen, kann nichts bezahlen. Das ist der direkteste Effekt der Sanktionen. Mein Schweizer Konto hilft mir auch nichts. Denn eine Bezahlung von der Schweiz nach Belgien geht durch das EU-Finanzsystem. Und das EU-Finanzsystem blockiert das […] Ich kann kein Geld beziehen, keine Rechnungen bezahlen. Ich kann nichts online kaufen und auch nichts im Laden. Alle elektronischen Transaktionen sind gesperrt.» 

«Weltwoche»-Reporter Daniel Ryser kommentierte: «Der Rechtsstaat schafft so eine neue Kategorie: den formal freien, jedoch faktisch gefesselten Bürger. Die Gewalt wird unsichtbar, aber nicht geringer.» 


Jacques Bauds «russische Propaganda»

Baud arbeitete im Nachrichtendienst. Er war Uno-Beamter und Nato-Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben verhinderte er ethnische Säuberungen in Rumänien, verhandelte bei Geiselnahmen, bewegte sich zwischen Rebellenführern und Diplomaten. 

Für Infosperber schrieb er fünf Gastbeiträge. Darin vertrat er folgende Ansichten, die in der EU als «russische Propaganda» nicht verbreitet werden sollen:



Zwei Sichtweisen

Unbestritten ist, dass der russische Angriff auf die Ukraine das Völkerrecht schwer verletzt. Denn Russland war nicht unmittelbar bedroht.

Über die Ursachen des Krieges gibt es jedoch zwei Sichtweisen:

  1. «Putins Russland ist imperialistisch. Russland wollte sich schon immer die ganze Ukraine einverleiben. Als Nächstes wären die baltischen Staaten und Polen dran, wenn die Nato sie nicht verteidigen würde.» 
    Das ist die eine Sichtweise. Über diese werden wir fast täglich informiert.
  2. «Die USA wollten Russland schon lange schwächen und die Nato an die Grenzen Russlands ausdehnen. Westeuropa soll sich von Russland und seinen günstigen Energielieferungen abkoppeln. 
    Seit dem russischen Angriff wollen die USA und grosse EU-Staaten Russland lieber mit einem andauernden Krieg schwächen als eine neutrale Ukraine akzeptieren.»
    Das ist die andere Sichtweise. 

Fakten und Argumente der zweiten Sichtweise, die nahelegt, dass der Krieg vermeidbar gewesen wäre, bezeichnet die EU-Kommission als «russische Propaganda». Wer sie verbreitet, dem droht das Schicksal von Jacques Baud.

Die beiden gegensätzlichen Sichtweisen sind Teil des Informationskriegs und beeinflussen selektiv die Informationen, die über den Maidan, die Krim, den Donbas, die Minsker Abkommen und den Verlauf des Krieges verbreitet werden.

Nathalie Yamb bereits seit Juni 2025 sanktioniert

Nathalie Yamb
Nathalie Yamb

Nathalie Yamb hat eine Schweizer Mutter und einen Schweizer Pass. Der Vater stammt aus Kamerun. Sie ist in der Schweiz geboren und hat in Deutschland Politikwissenschaft studiert. Yamb führt als Social-Media-Influencerin einen eigenen Youtube-Kanal, welcher über eine halbe Million Abonnenten hat. Darin setzt sie sich primär für die Rechte der Menschen in den afrikanischen Ländern ein und prangert die «neokolonialen Verhältnisse» an, die noch heute existieren würden. Im Zentrum ihrer Kritik steht Frankreich.

Für die EU-Kommission ist Yamb ein «Sprachrohr Putins». Sie wirft ihr keinen Gesetzesverstoss vor und hat sie auch nicht angeklagt. Doch bereits seit Juni 2025 hat die EU sie auf die gleiche Weise sanktioniert wie im Dezember Jacques Baud.

Auf der Webseite der EU steht über das Wesen dieser politischen Sanktionen: «Sanktionen haben keinen strafenden Charakter, sondern sollen eine Änderung in der Politik oder der Handlungen derjenigen bewirken, gegen die sich die Massnahmen richten, und so die Ziele der Gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik der EU fördern.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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Zum Infosperber-Dossier:

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12 Meinungen

  • am 9.02.2026 um 11:47 Uhr
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    BR Cassis und die Behörden haben es unterlassen sich für das Unrecht an J. Baud einzusetzen, in der Angst, es könnte sich negativ auf die Unterwerfungs-Verträge auswirken!? Ich hoffe, dass es das aber tut! Beachtet im Weiteren, was die EU noch für Ungerechtigkeiten der Schweiz gegenüber in der Vergangenheit «veranstaltet» hat.

  • am 9.02.2026 um 12:05 Uhr
    Permalink

    Schade das die FDP Schweiz so naiv ist, nicht zu merken, dass die EU allem widerspricht, was einer liberalen DNA entspricht

  • am 9.02.2026 um 12:11 Uhr
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    Es ist himmeltraurig wie wenig weit sich unsere Meinungsfreiheit entwickelt hat – rückwärts oder war sie gar nie richtig da?
    Danke upg für deine Weckrufe…

  • am 9.02.2026 um 17:21 Uhr
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    Es macht einen sprachlos wie ein angeblich demokratischer Staat seine Macht gegenüber friedliebenden, andersdenkenden Menschen ausnutzt. Und die Rundumdigitalisierung zeigt, was alles möglich ist und noch sein kann – im negativen Sinne.

  • am 9.02.2026 um 18:37 Uhr
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    Ich kann das gar nicht glauben. Im Effekt ist das ja Freiheitsberaubung ohne richterliches Urteil. Bekommt er nirgends Rechtsbeistand? DEn Vorgang als «Sanktion » zu definieren ist Augenwischerei. Daß es in Bezug auf den Krieg gegen die Ukraine sehr unterschiedliche Kausalitätsdarstellungrn gibt, ist nicht auf Jacques Baud beschränkt – sondern ein Teil des Meinungsspektrums, welches von vielenMenschen geteilt wird. Müssen die sich jetzt ebenso von der EU-Kommission bedroht sehen ?

  • am 10.02.2026 um 00:45 Uhr
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    Der Fall Jacques Baud wurde in unseren Medien mit einem einmaligen Dreizeiler erwähnt, der Fall Nathalie Yamb überhaupt nicht. Es scheint, dass es den Bundesrat, das Parlament und ihre Medien überhaupt nicht stört, dass die EU mit solchen rechtswidrigen Sanktionen unsere Suveränität und Demokratie untergräbt. Also lieber jeden Tag von Trump, Russland, Iran und der böösen Hamas sprechen, da fühlen sich Herr und Frau Schweizer dankbar, dass sie in einem so wunderbaren Land leben, wo Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden herrscht.
    Also, Hände weg von der EU- und NATO-Annäherung! Wenn unsere Medien doch endlich den Mut hätten, die Situation kritisch zu durchleuchten, denn bald wird es zu spät sein!

    • am 11.02.2026 um 06:09 Uhr
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      Dazu ist die transatlantische Lobby die sich seit Jahrzehnten installiert hat zu stark. Die „Seite“ wurde für uns gewählt, primär aus wirtschaftlichen Motiven.

  • am 10.02.2026 um 07:03 Uhr
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    Die EU driftet in Richtung Totalitarismus und erlaubt sich Dinge, die einer Demokratie unwürdig sind…

  • am 10.02.2026 um 21:19 Uhr
    Permalink

    Es reicht, dass Frau Kallas jemanden auf die Liste setzt und der Ministerrat das an der nächsten Sitzung abnickt. An der deutschen Bundespressekonferenz stellte sich heraus, dass die Ministerien keine Ahnung davon haben, worum es konkret ging, und unwahre Auskünfte erteilen.

    Wenn einem eines der wichtigsten Menschenrechte, die Redefreiheit, abgesprochen werden kann, so können mehrere abgesprochen werden. Wenn jemandem Menschenrechte abgesprochen werden können, so können sie allen abgesperochen werden. Das ist das Grundproblem dieser Sanktionen und Vorgehensweise. Juristisch ist die Sanktionierung eine Aufforderung zum Boykott einer Person. Und hier müsste man einhaken, denn dieser Boykott verstösst krass gegen den schweizerischen -> Ordre Public.

    Darum muss die Schweiz jetzt vehement widersprechen, denn sonst droht uns bald eine Rechtsübernahme mit harten Strafen gegen Sanktionsbrecher, d.h. gegen Schweizer, die Schweizern helfen (vgl. EU-Richtlinien und deutsche Gesetzgebung).

  • am 10.02.2026 um 22:17 Uhr
    Permalink

    Das Erste was die Schweiz verlangen müsste, wäre ein freier Abgang für Jacques Baud aus Belgien. Dazu müsste die Schweiz neben politischen Bemühungen sofort eine Gruppe an Rechtsanwälten beauftragen und gegen die EU und Belgien rechtlich vorgehen, schließlich wird hier ein Schweizer Bürger illegal festgehalten und de-facto bestohlen. Man wünscht sich hier die sprichwörtliche E…r in der Hose. Stattdessen passiert nichts. Wir haben uns leider schon zu sehr an diese Wurschtigkeit gewöhnt.

  • am 11.02.2026 um 06:05 Uhr
    Permalink

    Der Artikel ist zwar sehr lesenswert aber etwas zu zahm. Die Tragweite ist meines Erachtens deutlich grösser als angetönt. Danke trotzdem!

  • am 11.02.2026 um 15:21 Uhr
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    Genau darum bin ich vehement gegen die Abschaffung des Bargelds.

    Jacques Baud hätte natürlich auch den von der EU aufgezwungenen «Hungerstreit» annehmen können. Mal sehen, wie lange die EU an den «Ansschuldigungen» festgehalten hätte, für die ich bis heute keine konkreten Beweise gefunden habe, trotz intensiver Recherche.

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