Gegen Littering helfen Humor und grosse Pfeile
Die Luft ist lau, das erste Grün spriesst, die Vögel zwitschern. Sie nutzen die Gelegenheit, im Park zu spazieren und wollen sich auf eine Bank setzen. Dort stehen aber bereits eine halb leere Burger-Box und eine Plastikflasche mit einem Rest Flüssigkeit darin. Der Abfallkübel befindet sich direkt daneben. Eine Situation, die viele kennen dürften.
Mit dem Frühjahr kommt der Müll. Denkt man zumindest – es stimmt aber nur bedingt. An warmen Tagen werde zwar etwas mehr gelittert, das Wetter oder Veranstaltungen in der Nähe hätten aber nur geringen Einfluss auf das Littering-Verhalten an öffentlichen Plätzen. Das zeigt der erste Teil der Schweizer Littering-Studie. Diese hat untersucht, wie viel gelittert wird und was am besten dagegen hilft.
Mehrheit findet, dass Littering zunimmt
In Picknick- und Freizeitzonen wird in Gemeinden am meisten Müll weggeworfen, bestätigt eine Online-Umfrage des Schweizer Kompetenzzentrums gegen Littering (IGSU) unter 132 Fachexpert:innen in den Gemeinden. Weitere Brennpunkte sind rund um Fast-Food- und Take-Away-Restaurants sowie an Haltestellen und Bahnhöfen. Zahlreiche Menschen entsorgen ihren Müll auch durch das Autofenster, beispielsweise an stark befahrenen Strassen oder an Ampeln.
Am häufigsten weggeworfen werden Zigaretten, gefolgt von Getränkeverpackungen, Kaugummis und Take-Away-Verpackungen. Die Mehrheit der Befragten war der Meinung, die Littering-Problematik habe sich in den vergangenen fünf Jahren verschlimmert oder zumindest nicht verbessert.
Littering stört nicht nur – es kostet auch. Um die unschöne Abfallflut in den Griff zu bekommen, setzen die Gemeinden auf freiwillige gemeinschaftliche Aufräumaktionen (Clean-Ups). Sie stellen mehr Abfallkübel auf oder die Stadtreinigung macht mehr Einsätze. Sensibilisierung für die Abfallproblematik, beispielsweise an Schulen, spielt ebenfalls eine grosse Rolle. Die meisten Menschen litterten dennoch eher spontan und impulsiv, führen die IGSU und die Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW im ersten Teil der Schweizer Litttering-Studie auf.
Wer schon sensibilisiert ist, braucht nur noch einen Schubs
Darin haben sie gezielt untersucht, was am besten dagegen hilft, dass Menschen ihren Abfall in die Landschaft werfen. Der erste Teil der grossangelegten Studie beschäftigt sich mit Freizeitzonen. Die Forschenden bewerteten Anti-Littering-Massnahmen danach, wie wirksam diese waren. Sie unterscheiden dabei grundsätzlich zwei verschiedene Herangehensweisen: situationsspezifische Massnahmen wie Plakate vor Ort und Sensibilisierung – etwa durch Ansprache oder Umwelthinweise.
Situationsspezifisch wirksam sind nach Tests an 26 Orten in der Deutsch- und der Westschweiz demnach Recyclingstationen, grosse Pfeile, die auf Kübel hinweisen, auffällig gestaltete Kübel oder witzige Sprüche. Sie konnten Littering um rund ein Drittel vermindern, auch über die Versuchsdauer hinaus.
Nicht ganz so viel brachten Sensibilisierungskampagnen wie informative Plakate oder persönliche Ansprache. Sie reduzierten Littering um 26 bis 32 Prozent. Richtig erfolgreich waren beide Herangehensweisen zusammen – mit einer Erfolgsquote von 49 Prozent.
Mit anderen Worten: Wer gerade etwas wegwerfen muss, wird durch deutliche Hinweise eher animiert, es in einen Abfallkübel zu werfen. Und wer tendenziell schon ein schlechtes Gewissen hat, reagiert eher.

Ein ziemlich grosser Fingerzeig
«Deutliche Hinweise» heisst wirklich «deutlich». Besonderen Erfolg hatten ein grosser roter Pfeil, der auf einen Kübel hinwies, ausserdem ein Doppel-Kübel, bei dem Passanten durch Einwurf zu einer Frage wie «Pizza oder Burger» abstimmen konnten, Abfallkübel mit den Slogans «hier passt alles rein ausser Ausreden» oder «nicht auf Diät» und eine Recyclingstation.

Ob man diesen Pfeil als eher ironisch ansieht oder als übergrossen mahnenden Zeigefinger, ist Einstellungssache. Humor spielt aber eine grosse Rolle. Wer etwas zu lachen hat, littert offensichtlich weniger, zeigten zum Beispiel die auf den Kübeln angebrachten Slogans.
Schwieriger sei es gewesen, einzuschätzen, wie wirksam Sensibilisierungsansprachen durch Fachkräfte des IGSU gewesen seien, schreiben die Forschenden. Am wirksamsten waren sie jedoch in Kombination mit den Slogan-Kübeln.
Grossen Erfolg hatte dieses Plakat – es reduzierte an neun von zehn bespielten Plätzen das Littering zwischen 7 und 74 Prozent:

Für die Gemeinden sind diese Ergebnisse vermutlich eine gute Nachricht – Plakate und Slogan-Kübel dürften die günstigsten Anti-Littering-Massnahmen sein. Darauf, die Wirksamkeit von Bussen zu prüfen, verzichtete das Forschungsteam, weil die Voraussetzungen an verschiedenen Orten nur schwer vergleichbar waren.
Die Forschenden der IGSU und der FHNW empfehlen, Massnahmen gegen Littering an Standort und Zielgruppe anzupassen. Ein «Monsterkübel», der auf einem Spielplatz gut ankam, führte an einem Ort, der vorwiegend von jungen Erwachsenen frequentiert wurde, zu Vandalismus. Als Nächstes werden sich die Forschungspartner der vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) finanzierten Studie um Verpflegungszonen rund um Take-Away-Restaurants und um Littering an Strassen kümmern.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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