Zu gefährlich: Hotel und Zeltplätze mussten sofort schliessen
Das Hotel des Mayens in Vercorin ist ein Hotel, wie es viele in Walliser Dörfern gibt. Es wurde 1967 eröffnet, als Touristen den Ort oberhalb von Siders zum Skifahren und Wandern zu entdecken begannen.
59 Jahre später – im Januar und damit mitten in der Skisaison – schloss das Hotel Knall auf Fall. Die Hotelbetreiber stornierten alle Reservationen. Der Grund für die überstürzte Schliessung: Die Zimmer haben keinen Notausgang und können nur übers normale Treppenhaus verlassen werden.
Infosperber fragte die Gemeindebehörden, warum die Schliessung so plötzlich nötig war, obwohl das Hotel jahrelang ohne Notausgänge in Betrieb war.
Schliessung «beschleunigt»
Die Gemeindepräsidentin Sylvie Masserey Anselin (FDP) antwortete, dass der Besitzer schon letztes Jahr geplant habe, das Hotel zu schliessen und in Wohnungen umzubauen. «Die Tragödie von Crans-Montana beschleunigte die Schliessung», räumte sie jedoch ein. Der Entscheid zur Schliessung sei «einvernehmlich» mit dem Betreiber getroffen worden.
Sie versichert, dass der Brandschutz im Hotel «regelmässig kontrolliert» worden sei. Die Gemeindebehörden hätten das Fehlen der Notausgänge «unter Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit» toleriert. Tatsächlich erlauben die in der ganzen Schweiz gültigen Brandschutzvorschriften der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen einen solchen Aufschub, wenn die nötigen Anpassungen «unverhältnismässig» wären.
Just mitten in der Skisaison im Januar tauchte bei der Gemeinde aber die Erkenntnis auf, dass der Weiterbetrieb des Hotels doch nicht tolerierbar sei. Was wiederum beim Besitzer zur Erkenntnis führte, dass die Anpassung an die Vorschriften zu teuer sei und er das Hotel lieber gleich schliesse.
13 Campingplätze sofort geschlossen
Nicht nur in Vercorin kommt den Behörden nach der Brandkatastrophe von Crans plötzlich in den Sinn, wo sie nachlässig waren, weggeschaut oder zu wenig kontrolliert haben.
Ende März erhielten 13 Walliser Campingplätze Post von der kantonalen Baukommission. Mit einem eingeschriebenen Brief forderte sie der Kanton dazu auf, ihre Plätze sofort zu schliessen.

Pim Beijen, der den Campingplatz Riverside in Reckingen im Goms betreibt, musste seine Winter-Campinggäste sofort wegschicken. Zwei weitere Campingplätze im Goms, der Waldstellplatz Rhodania in Reckingen und der Brigga-Campingplatz in Ritzingen, dürfen auch nicht mehr weiterbetrieben werden.
Der Kanton begründete den Beschluss damit, dass das Gelände «in äusserst besorgniserregender Weise Naturgefahren ausgesetzt» sei. Tatsächlich kann es in diesem Gebiet im Winter Lawinen geben, und im Sommer könnten die Bergbäche Blinne und Ritzibach über die Ufer treten. Das sind allerdings keine neuen Gefahren. Man kennt sie seit Jahrzehnten.
«Neue Risikoanalysen»
Auf die Frage, warum die Schliessungen derart überstürzt verfügt wurden, teilte die Kantonale Baukommission dem Fernsehen SRF mit: «Neue Risikoanalysen bringen Elemente vor, die früher entweder nicht bekannt waren oder nicht in gleicher Weise bewertet wurden.»

Das kam beim Gemeindepräsidenten von Goms, Gerhard Kiechler, ganz schlecht an. Er sagte, die drei Campingplätze seien seit 60 Jahren in Betrieb und es sei nie etwas passiert. Kiechler, der als Politiker der Partei «Neo, die sozialliberale Mitte» im Kantonalparlament sitzt, kündete sogar einen Vorstoss zur Abschaffung der Kantonalen Baukommission an. Künftig sollen nur noch die Gemeinden für solche Geschäfte zuständig sein.
Der Kanton Wallis dürfte nach der Brandkatastrophe von Crans allerdings kaum bereit sein, die Aufgaben der Baupolizei an die Gemeinden abzutreten.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Ihre Meinung
Lade Eingabefeld...