Russlands Machtposition verschlechtert sich markant
Der Angriffskrieg Israels und der USA gegen Iran bringt Russland momentan folgende Vorteile:
- Mehreinnahmen dank höherer Ölpreise
- Einige Sanktionen im Ölhandel wurden teilweise aufgeweicht.
- Die westliche Aufmerksamkeit richtet sich von der Ukraine weg in Richtung Nahost.
Diese Vorteile fallen allerdings viel weniger ins Gewicht als die erhebliche Schwächung, die Russland in jüngster Zeit erlitten hat.
Noch Mitte 2025 stellte Igor Setschin, Chef des russischen Mineralölkonzerns Rosneft, erfreut fest, Russland, Venezuela und Iran würden gemeinsam über ein Drittel der weltweiten Ölreserven verfügen. Dies würde es Russland erlauben, trotz der westlichen Sanktionen die weltweiten Ölmärkte zu beeinflussen.
Der russische Traum, mit Venezuela und Iran die Ölmärkte zu beeinflussen, ist wohl ausgeträumt.
Es gibt weitere Rückschläge zu verkraften:
- Iran fällt als Lieferant von Drohnen, anderen Waffen und Munition mindestens teilweise aus. Das trifft auch für den Handel mit anderen sanktionierten Gütern und für das Umgehen der verbotenen Zahlung in Dollar zu.
- An Venezuela gewährte Russland Kredite und Investitionen in Höhe von fast zwanzig Milliarden Dollar und exportierte dorthin Waffen und vieles mehr. Russland riskiert jetzt, Milliarden an harter Währung zu verlieren. Auch das Umgehen der Sanktionen mit Hilfe von Venezuela wird erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Russische Ölkonzerne werden aus Venezuela verdrängt oder müssen ihre Aktivitäten sogar einstellen.
- Russland hat in Syrien mit dem Sturz Assads und in Kuba mit der zunehmenden ökonomischen Abhängigkeit von den USA wesentliche Teile seines Einflusses und seiner Handelsmöglichkeiten verloren.
- Die USA beschlagnahmen Tanker mit russischem Öl, ohne dass sich Russland wehren kann.
- Russland wollte mit dem Angriff auf die Ukraine verhindern, dass sich die Nato an seinen Grenzen festsetzt. Jetzt ist die Nato in Finnland an der 1340 Kilometer langen Grenze zu Russland. Und auch in Schweden an der Seegrenze zu Russland im Ostseeraum.
Der Krieg in der Ukraine bleibt ein Desaster
Seit mehr als vier Jahren scheitert die russische Armee daran, die östlichen Teilrepubliken der Ukraine, die sie in die Russische Föderation eingegliedert hat, vollständig zu besetzen. Allein 2025 hat die russische Armee nach Angaben der Nato an den Fronten 400’000 gefallene oder verwundete Soldaten verloren.
Trotz dieses gewaltigen Aderlasses blieben die Gebietsgewinne 2025 mit 0,8 Prozent des ukrainischen Territoriums äusserst bescheiden.
Auch in diesem Jahr gab es bisher an den Fronten nur minime Veränderungen.
- Die Ukraine greift zunehmend russische Ölterminals, Raffinerien, Gasanlagen und Munitionslager mit Drohnen und eigenen Marschflugkörpern an.
- Die Ukraine ist daran, arabische Ölstaaten als Partner zu gewinnen.
- Sowohl Russland wie auch die Ukraine haben immer mehr Mühe, genügend Soldaten zu rekrutieren. Eine allgemeine Mobilmachung scheint Putin nicht zu wagen.
- Russlands zivile Wirtschaft leidet enorm. Die Kriegsmüdigkeit wächst. Laut Umfragen befürworten zwei Drittel der Bevölkerung Friedensgespräche.
Erstes Fazit
Gelingt es der Ukraine, den Widerstand aufrechtzuerhalten, kann bei Putin die Einsicht wachsen, dass ihm eine Verlängerung des Krieges keinen Nutzen mehr bringt.
Die Ukraine ihrerseits kann zur Einsicht kommen, dass eine Rückeroberung der besetzten Gebiete aussichtslos ist.
Würden beide Seiten ihre diesbezüglichen Hoffnungen begraben, wäre der Weg frei, um das gegenseitige Töten und Zerstören endlich zu beenden.
Zweites Fazit
Ein Angriff Russlands – mit konventionellen Waffen – auf ein Nato-Land ist extrem unwahrscheinlich und militärisch kaum zu begründen. Das eigentliche Risiko liegt in hybriden Aktivitäten wie Informationsmanipulation, Wahlbeeinflussung, Sabotage, Störungen der Satellitenkommunikation und ähnlichen Operationen.
Grossmächte haben schon immer zu solchen Mitteln gegriffen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









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