E-Bike-Unfälle: Es ist nicht nur die Geschwindigkeit
Letztes Jahr starben in der Schweiz 24 E-Bike-Fahrer bei einem Unfall, 2189 wurden verletzt, 586 davon schwer. Das geht aus der Strassenverkehrsunfall-Statistik 2025 hervor. Jeweils rund vier Fünftel der Getöteten, der Schwer- und der Leichtverletzten waren mit einem langsamen E-Bike unterwegs. Langsame E-Bikes (Unterstützung bis 25 km/h) sind allerdings auch deutlich stärker verbreitet als schnelle (Unterstützung bis 45 km/h). Und: Die Dunkelziffer dürfte vor allem bei den Leichtverletzten hoch sein.
Ein grosses Problem der E-Bikes ist die hohe Geschwindigkeit und die grosse Beschleunigung. Diese überfordern manch einen E-Bike-Fahrer. Fast 60 Prozent der E-Bike-Unfälle sind denn auch selbst verschuldet.
Oft unterschätzen allerdings auch andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit von E-Bikes. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) schreibt: «Es ist deshalb sehr wichtig, mit dem E-Bike defensiv und vorausschauend zu fahren. Dazu gehört auch, auf Fehler der anderen Verkehrsteilnehmenden vorbereitet zu sein.»
Die Bauweise
Doch das Problem von E-Bikes ist nicht nur die hohe Geschwindigkeit. Es ist auch die Bauweise. Die Rahmen sind so gebaut, dass trotz des Motors genügend Bodenfreiheit besteht. Das heisst: Das Tretlager, wo die Pedalen befestigt sind, liegt bei manchen Modellen 35 Zentimeter ab Boden. Bei einem normalen Velo sind es um die 27 Zentimeter.
Der Grund für diesen Unterschied: Viele E-Bikes wiegen gegen 30 Kilo. Sie sind so schwer, dass sie sich nicht Treppen hochtragen lassen. Deshalb werden sie hochgeschoben. Dabei kann das Kettenblatt – oder was teurer käme – der Motor aufschlagen. Deshalb ist jeder Millimeter zusätzliche Bodenfreiheit willkommen.
Aber gleichzeitig ist die grosse Bodenfreiheit auch eine Gefahr – beim Auf- und vor allem auch beim Absteigen. Wer den Sattel auf die richtige Höhe eingestellt hat, kann nicht im Sitzen absteigen. Er muss vor dem Absteigen aufstehen. Und dann vom Pedal aus auf dem Boden Tritt finden. Nur ist das nicht ganz einfach, wenn das Tretlager und damit auch das Pedal 8 Zentimeter höher liegt als bei einem gewöhnlichen Velo – vor allem in Notsituationen.
Die BfU schreibt denn auch: «Ältere Velo- und E-Bike-Fahrende scheinen anfälliger zu sein für Stürze beim Aufsteigen/Anfahren sowie beim Abbremsen/Absteigen.» Die Beratungsstelle hält fest, dass ein «automatischer, höhenverstellbarer Sattel (bei niedrigen Geschwindigkeiten abgesenkt)» das Problem entschärfen könnte. Prototypen existieren bereits.
Für die Hersteller «kein Problem»
Gegenüber der Konsumentenzeitschrift K-Tipp spielten die Hersteller das Problem vor vier Jahren herunter. Tour de Suisse schrieb, das hohe Tretlager schütze den Motor und das Kettenblatt. Bergamont ergänzte: Wenn der Fahrer in einer Kurve weiterpedale, dann sei die Gefahr, dass er den Boden berühre, geringer, wenn das Tretlager hoch liege. Diamant argumentierte gleich. Und Flyer betonte, es seien auch Modelle mit niedrigerem Tretlager im Sortiment.
Hier trotzdem die wichtigsten Tipps fürs Absteigen:
- Niemals absteigen, bevor das Velo steht.
- Immer zuerst das Gesäss heben und auf die Pedale stehen.
- Dann anhalten.
- Zur Seite kippen lassen – am besten immer auf die Gleiche, damit es zur Gewohnheit wird – und den Fuss aufsetzen.
- Wie das geht, zeigt dieser Film.
- Keine Jacke anziehen, die beim Absteigen am Sattel hängen bleiben könnte.
- Wer den Sattel sehr niedrig einstellt, kann absteigen, ohne das Gesäss aus dem Sattel zu heben. Wie beispielsweise auf einem Mofa. Nur ist dann das Fahren sehr mühsam und anstrengend, wenn die Beine derart zusammengefaltet sind.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








«Das Tretlager …. liegt bei manchen Modellen 35 Zentimeter ab Boden. Bei einem normalen Velo sind es um die 27 Zentimeter.» Die Aussage scheint mir etwas über- oder untertrieben. Bei meinem Mountainbike (Fully, 10 Jahre alt) beträgt der Abstand 34 cm, beim Rennvelo (20 Jahre alt), 29 cm.
Generell liegt die Artikel sicher richtig. Aber wahrscheinlich sollten ältere Personen, die seit Jahren nicht mehr Velo gefahren sind, nicht auf ein E-Bike sitzen.
Bei E-Bikes mit Nabenmotor besteht das Problem ev. nicht. Jedenfalls sollten Senioren, die nicht besonders athletisch sind, den Sattel unbedingt so einstellen, dass sie ohne aufstehen absteigen können. Alles andere ist im wahrsten Sinne des Wortes fahrlässig. Ohnehin sollte für Senioren ein E-Bike Kurs obligatorisch sein. Tempo, Gewicht und Kurvenneigung werden oft falsch eingeschätzt.
«Ältere Velo- und E-Bike-Fahrende scheinen anfälliger zu sein für Stürze beim Aufsteigen/Anfahren sowie beim Abbremsen/Absteigen.» Fragt sich, ob es am Alter liegt oder ganz einfach an der fehlenden Übung. Wer im Sitzen auf- und absteigen muss, hat wahrscheinlich ohnehin ein Problem, mit dem Velo überhaupt zurechtzukommen, ob Senior oder nicht.
Wer als Neuling oder nach Jahrzehnten Velo-Abstinenz direkt auf das E-Bike steigt, ist naturgemäss viel eher vom Gewicht und der Geschwindigkeit überfordert als jemand der mit dem echten Velo Erfahrung hat.
Da ich Fahrradunfälle systematisch untersuche, möchte ich hier ergänzend einbringen:
Die ASTRA-Statistiken zeigen keinerlei differenziertes, auf klare Ursachen weisendes Bild auf. Für Aussagen über mangelnde Fahrpraxis fehlt eine detaillierte Vita der Lenkenden – es ist verlockend einfach, «Rentner» als generell unsichere Verkehrsteilnehmer zu bezeichnen. In der Schweiz werden zudem – nicht nur bei Fahrradfahrenden – keine spezifischen Fahrleistungsdaten erhoben. Man weiss darum nicht, wie weit die interessierenden Risikogruppen fahren. Unfalldaten müssten solche Zusammenhänge herstellen können. Die SUVA findet beispielsweise Kopfhörer und Smartphones wichtige Unfallursachen – meine Wahrnehmung ist: Rentner telefonieren nie und haben keine Kopfhörer auf. Wenn der TA schreibt, die Zahl der getöteten Radfahrer nehme zu «wegen der E-bikes» ist das ein Trugschluss: die Zahl der e-velos nimmt zu, die der konventionellen ab. Die BFU hat gar ja auch keine Datenlage über 25er und 45er Velos…
was auch in keiner Statistik erscheint ist die Unterscheidung ob jemand mit oder wegen des E-Antriebs verunfallt.
Es ist ganz einfach: E-Bikes, -roller und -scooter wurden aggressiv vermarktet um unseren Bürgern wieder ein größtenteils unnötiges, gefährliches und umweltschädliches Produkt reinzudrücken. Fahrzeuge mit Fremdantrieb, auch wenn es nur ein Hilfsantrieb ist, gehören auf die Strasse, mit Blinker-, Hupen-, Nummernschild- und Helmpflicht. Auf einem Radweg haben diese Fahrzeuge nichts zu suchen. In Ö gilt das ab Oktober für die E-Scooter, die vor allem von Essenslieferanten genutzt werden, die damit fern jeglicher Regeln Fahrradwege, Wanderwege und geteilte Fuß-Radwege befahren.
Applaus. Ich sehe das genau so.
Fahrzeuge mit Hilfsmotor gehören nicht auf Wanderwegen, der Geschwindigkeitsunterschied ist einfach zu gross, auch Rennvelos haben dort deswegen nichts zu suchen.
Zu der Auflistung gehört m.E. noch Führerscheinpflicht, zudem sollte auf ALLE Fahrzeuge mit Motor Verkehrssteuer erhoben werden (wieso nur auf Automobile und Motorräder?) die kleine Elektroroller für Schulkinder inklusive. Die Kinder wissen bald kaum mehr, wie sie zu Fuss gehen sollen!
Ich erfahre täglich, dass v.A. viele Senior/Innen mit dem E-Bike unterwegs sind. Bewegung ist grundsätzlich eine gute Sache, allerdings ist das sportliche Element beim E-Bike sehr beschränkt und ist das Fahren nicht ohne Risiko. Es gibt Alternativen, wobei man sich wirklich gesund bewegt und dabei Umfeld und Umwelt weniger schwer belastet, als mit dem E-Bike. Wer meint, das E-Velo sei umweltfreundlich, soll mir bitte mal den Baum mit der Steckdose zeigen.
Also: Schluss bitte mit dem «Heiligsprechung» von E-Velos!
Volle Zustimmung
Als Pedelec-Mitentwickler (das sind die meisten, wobei der Motor nur anspringt, wenn mit einer gewissen Kraft pedalliert wird) bin ich nicht einverstanden mit einigen der Aussagen. E-Bikes gleichen gerade für Senioren die Geschwindigkeiten im Mischverkehr an, es wird weniger überholt. E-Bike Fahrten ersetzen viele Fahrten mit anderen Motorfahrzeugen, die gefährlicher sind. Wenn man die Produktion von Nahrungsmitteln berücksichtigt, ist der Anteil Elektroantrieb umweltfreundlicher als der ersetzte Anteil Muskelkraft, trotz der Materialien der Batterie. Das Pedallieren ist jedoch gesund und erhöht die Fahrzufriedenheit auch bei niedrigen Tempi, weswegen der Betrieb auf Velowegen meistens kein Problem ist.
Übrigens, das Tretlager ist bei beiden meiner Pedelecs 30 cm hoch.
Ich sehe das Problem nicht.
Ich habe einfach den Sattel so tief gestellt, dass ich bequem mit einem Fuss abstützen und absteigen kann.
Das ist eine etwas behelfsmässige Lösung, weil das Kniegelenk immer so sehr gebeugt ist, dass die Muskulatur nur wenig Kraft entfalten kann. Aber ja: So fahren Sie tatsächlich sicherer.