Sihlpost Beratungszone

Mit solchen Beratungszonen will die Post ihre Filialen rentabler machen. © Post

Neue «Basar»-Stände in der Post sind unbeliebt

Esther Diener-Morscher /  Die Post versucht, Banken und Versicherungen in ihre Räume zu bringen. Doch den neuen «Partnern» rentiert es oft nicht.

Vor fünf Monaten eröffnete in Zürich die umgebaute Sihlpost. Es sei die grösste und modernste Filiale der Schweiz und «mehr als ein Schalter», steht in der Medienmitteilung. Wenn man das liest, könnte man zum Schluss kommen, Kunden und Kundinnen, die einfach ein Paket aufgeben oder eine Einzahlung machen wollen, seien gar nicht mehr vorgesehen. Von solchen banalen Postgeschäften ist nämlich nicht mehr die Rede. Stattdessen: Beratung, persönliche Gespräche und digitale Services. Mit Letzterem sind Computerbildschirme gemeint, an denen sich Handyabos und Versicherungen abschliessen lassen.

Damit gehe die Post «gezielt auf veränderte Kundenbedürfnisse ein», heisst es. Dass die Post diese Kundenbedürfnisse auch trifft, ist aber ganz offensichtlich nicht der Fall. Denn vielen Kunden und Kundinnen missfällt der Umbau von Poststellen zu «Begegnungszonen», wo sie sich zu Beratungsterminen von Krankenkassen und Versicherungen gedrängt fühlen.

«Hinter den Erwartungen zurückgeblieben»

Zu einem grossen Teil ignorieren die Kunden und Kundinnen die schicken Beratungszonen. Das hat die Post schon vor der Eröffnung der neuen Sihlpost gewusst. Die Migros-Bank, die Hypothekarbank Lenzburg und auch die Axa-Versicherung haben ihre Gastspiele bei der Post schnell wieder beendet. «Weil der wirtschaftliche Nutzen hinter den Erwartungen zurückblieb», räumte etwa die Axa gegenüber Infosperber ein.

Doch auch bei den verbliebenen Partnern herrscht vorwiegend Flaute. So bietet die Assura in Bern in der grossen Postparc-Filiale nur noch an einem Tag pro Woche Beratungstermine an, und selbst diese wenigen Termine sind kaum gebucht.

Etliche Kunden und Kundinnen ärgern sich oder fühlen sich belästigt, wenn ihnen auf der Post vom Schalterpersonal eine Krankenkasse oder eine Versicherung empfohlen wird, obwohl sie einfach nur ihre Postgeschäfte erledigen möchten.

Trotzdem will die Post an ihrer «Basar»-Strategie in den Filialen festhalten. Die Partnerschaften mit Banken, Versicherungen und Krankenkassen sollen helfen, das Filialnetz der Post wieder rentabler zu machen.

Essstand in der Postfiliale
Auch solche Angebote – etwa ein Delikatessenstand in der Luzerner Hauptpost – stellt sich die Post in ihren Filialen vor.

Für einen Quadratmeter Platz in der Postfiliale verlangt die Post pro Monat zwischen 350 Franken (im abgelegenen Münster VS) und 2400 Franken (in der Zürcher Sihlpost). Darauf können private Firmen zum Beispiel ein Werbebanner aufstellen. Etwas grössere Flächen für Verkaufs- und Werbeaktionen kosten 3000 bis 4000 Franken. Die Mieten, welche Versicherungen und Banken entrichten, dürften wesentlich höher sein. Denn im Service für dieses Angebot ist inbegriffen, dass auch das Postpersonal bei der Werbung und Terminvereinbarung hilft.

Tatsächlich rentabel?

Auf die Frage von Infosperber, ob die Filialen dank diesen Angeboten tatsächlich rentabler würden, windet sich die Post-Sprecherin und sagt: «Die Rentabilität der Postfilialen mit Partnerangeboten lässt sich nicht pauschal beantworten.» Die vielen freien Beratungstermine wertet sie sogar positiv. Das zeige eine «hohe Verfügbarkeit» und «Flexibilität bei der Terminauswahl».

Die Post will weiterhin neue Unternehmen einmieten und so «ihr Angebot entlang der Kundenbedürfnisse ausrichten», wie die Sprecherin erklärt.

Allerdings vergisst die Post offenbar, dass viele ihrer Kunden eine Postfiliale besuchen wollen und keine Markthalle, in der ihnen Versicherungen und Geldanlagen aufgeschwatzt werden. Die meisten Postbesucherinnen und -besucher möchten ganz einfach Pakete und Briefe aufgeben oder eine Einzahlung machen. Und das, ohne lange anstehen zu müssen oder vor verschlossenen Türen zu stehen, weil die Poststelle schon Feierabend hat.


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