Palantir: Das KI-Zeitalter löst das Atombomben-Zeitalter ab
Palantir hat am 18. April auf X sein 22-Punkte-Manifestveröffentlicht. Dieses Manifest ist für den niederländischen Populismusforscher Cas Mudde ein «Beweis für einen aufkommenden KI-Techno-Faschismus». In der Fachwelt hat das Manifest sehr grosses Aufsehen erregt, (es ist seither 35 Millionen Mal angezeigt worden), aber in den Mainstream-Medien wurde es bisher deutlich weniger aufgenommen (Ausnahmen: «Guardian», «Spiegel», «Tages-Anzeiger», Stand 28. April). Der erste Teil dieses Artikel zum Thema Herkunft, Technologie und Strategie von Palantir erschien am 5. Mai auf Infosperber.
Palantir ist vor 22 Jahren mit dem Versprechen angetreten, die Gesellschaft sicherer zu machen Die Firma wollte alle Daten der «Bösen» zusammenbringen. Doch nun stellt sich heraus, dass Palantir den Überwachungsstaat, der rücksichtslos gegen seine Bürger vorgeht und Kriegsverbrechen begeht, erst möglich macht.
Die Inhalte des Manifests sind in den 22 Punkten zum Teil etwas verwirrend dargestellt und verteilt. Darum hat Infosperber nachfolgend die Texte zu den wichtigen Themen gebündelt und versucht, die Aussagen herauszuarbeiten:
Die angebliche Überlegenheit des Westens
Das Manifest stipuliert klar, dass der «Westen» – im Wesentlichen die USA und das wiederaufgerüstete Deutschland sowie Japan – die überlegene Kultur darstellt. Und dieser müsse sich durch Kriege, nicht durch Koexistenz und Pluralismus, durchsetzen. Besonders die Rhetorik des Mitgründers Alex Karp über «dysfunktionale und regressive Kulturen» ist nicht nur autoritär und latent rassistisch, sondern muss als deutlicher Ausdruck einer White-Supremacy-Ideologie qualifiziert werden.
«Einige Kulturen haben entscheidende Fortschritte hervorgebracht; andere bleiben dysfunktional und rückschrittlich. … Bestimmte Kulturen und sogar Subkulturen haben Wunder hervorgebracht. Andere haben sich als mittelmässig erwiesen und schlimmer noch, als rückschrittlich und schädlich.» (Punkt 21)
«Kein anderes Land (als die USA, die Redaktion) in der Geschichte der Welt hat mehr fortschrittliche Werte vorangetrieben als dieses.» (Punkt 13)
Kriege als Zukunft
Laut dem Papier muss die KI-Industrie die Waffen liefern, die die US-Marines fordern. Das Silicon Valley muss seine «moralische Schuld» anerkennen, dass es eigentlich nur existiert, weil die Militärforschung die Grundlagen lieferte und die Finanzindustrie die Mittel. «Die Ingenieurselite des Silicon Valley hat die ausdrückliche Pflicht, sich an der Verteidigung der Nation zu beteiligen.» (Punkt 1)
«Der Wehrdienst sollte eine allgemeine Pflicht sein. Wir sollten als Gesellschaft ernsthaft in Erwägung ziehen, von einer rein freiwilligen Streitmacht abzurücken und den nächsten Krieg nur dann zu führen, wenn alle das Risiko und die Kosten teilen.» (Punkt 6)
«Die Fähigkeit freier und demokratischer Gesellschaften, zu bestehen, erfordert mehr als moralische Ansprache. Sie erfordert Hard Power, und Hard Power in diesem Jahrhundert wird auf Software aufgebaut.» (Punkt 4)
Das Zeitalter der KI-autonomen Waffen
Die Forderung nach einer massiven Aufrüstung durch KI-Waffen und die Abkehr von nuklearer Abschreckung hin zu KI-basierter Abschreckung löst grosse Ängste aus. Sie ist aber auch angesichts der aktuellen Kriege sehr real. Die autonomen Drohnen, die die Sanitäter in Gaza über mehrere Etappen verfolgen, bis sie alle tot sind, und die Drohnen-Innovation im Ukrainekrieg, die den Kriegsverlauf entscheidend mitprägt, sind die realen Illustrationen dazu. Henry Kissinger und Eric Schmidt warnten in ihrem Buch «KI Genesis» davor und schlagen einen KI-Abrüstungsvertrag vor. Palantir verlangt hingegen die ungehinderte Aufrüstung der KI-Waffen und deren Einsatz im Interesse der USA. (Punkt 12)
«Das Atomzeitalter endet. Ein Zeitalter der Abschreckung, das Atomzeitalter, endet, und ein neues Zeitalter der Abschreckung, aufgebaut auf KI, steht bevor.» (Punkt 12)
«Die Frage ist nicht, ob KI-Waffen gebaut werden; es geht darum, wer sie baut und zu welchem Zweck.» (Punkt 5)
«Unsere Gegner werden nicht innehalten, … Sie werden weitermachen.» (Punkt 5)
Stärke und Macht basieren auf Software
Demokratische Werte werden als «theatralische Debatten über die Entwicklung von Technologien» verhöhnt. Das Manifest ist ein klarer Angriff auf demokratische Normen und Werte. Pluralismus, der demokratische Diskussions- und Evaluationsprozess wird lächerlich gemacht. Die liberale Gesellschaft und der Pluralismus werden abgelehnt.
«Die Psychologisierung der modernen Politik führt uns in die Irre …» (Punkt 10)
«Wir müssen der oberflächlichen Versuchung eines leeren und hohlen Pluralismus widerstehen.» (Punkt 22)
Angriff auf Apps und iPhone
Es mag auf den ersten Blick irritieren, dass Palantir, eine Firma aus dem Silicon Valley, die Apps als Tyrannei diffamiert und das iPhone verhöhnt (Punkt 2). Aber das ist wohl der wichtigste Schlüssel zum Weltbild der IT-Technofaschisten. Wer eine Gesellschaft kontrollieren will, kann die Freiheiten, die das Internet bietet, und die Apps, die jedem einen Schlüssel dazu geben, nicht gutheissen.
«Wir müssen gegen die Tyrannei der Apps rebellieren. Ist das iPhone unsere grösste kreative Errungenschaft, wenn nicht sogar die Krönung unserer Zivilisation?» (Punkt 2)
Trump darf nicht kritisiert werden
Palantir fordert, dass wir jenen, «die sich dem öffentlichen Leben unterworfen haben, weitaus mehr Nachsicht entgegenbringen» sollten. Sie kritisieren «die Auslöschung jeglichen Raums für Vergebung» und den Mangel an Toleranz gegenüber den Komplexitäten und Widersprüchen der menschlichen Psyche. (Punkt 9)
Und sie warnen die Trump-Anhänger auch davor, von Trump enttäuscht zu sein: «Jene, die in der politischen Arena Nahrung für ihre Seele und ihr Selbstbewusstsein suchen, und sich zu sehr darauf zu verlassen, dass ihr Innenleben in Menschen Ausdruck findet, denen sie vielleicht nie begegnen werden, werden enttäuscht zurückbleiben.» (Punkt 10)
Militärischer Wiederaufbau Deutschlands und Japans
Die neue Achse der überlegenen Staaten: sie müssen aufrüsten, unsere Waffen und Software kaufen und unsere Gegner, Russland und China in Schach halten und wenn nötig bekämpfen. So soll der Westen seine Vormacht erhalten.
«Die Entmachtung Deutschlands und Japans nach dem Krieg muss rückgängig gemacht werden. Die Entmachtung Deutschlands war eine Überkorrektur, für die Europa nun einen hohen Preis zahlt. Ein ähnliches und höchst theatralisches Bekenntnis zum japanischen Pazifismus wird, wenn es beibehalten wird, ebenfalls das Machtgleichgewicht in Asien zu verschieben drohen.» (Punkte 15)
Alle kritischen Autoren und Medien, die sich mit dem Manifest auseinandergesetzt haben, sind sich einig: Palantir sollte keine Aufträge bekommen. Von keinem einzigen Staat.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Der Autor ist seit dem Jahr 2000 als Internet-Unternehmer aktiv. Er gründete mit zwei ETH-Physikern die Firma Netbreeze, die ähnliche Semantic Web-Technologien entwickelte wie später auch Palantir. Netbreeze fokussierte sich nur auf die Auswertung von öffentlichen Internet-Daten, verfolgte aber die Entwicklungen ihrer Konkurrenten im gleichen Technologiefeld aufmerksam. Die Firma Netbreeze wurde 2013 an Microsoft verkauft. Seither ist Leo Keller weiterhin als Internet-Unternehmer, Key-Note-Speaker und Autor aktiv.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Wikipedia: «Joseph Arthur, comte de Gobineau war ein französischer Diplomat, Schriftsteller und Rassenideologe. In seinem Hauptwerk schrieb Gobineau: „Alle großen Zivilisationen sind aus der Initiative der weißen Rasse hervorgegangen. Es hat sich gezeigt, daß die zivilisatorische und kulturbildende Kraft stets von den Weißen ausgegangen ist ..»
Planet Wissen: «Die Rassenlehre der Nazis stützte sich auf zwei pseudowissenschaftliche Ansätze aus dem 19. Jahrhundert…»
Zur Aussage im Artikel: «Besonders die Rhetorik des Mitgründers Alex Karp über «dysfunktionale und regressive Kulturen» ist nicht nur autoritär und latent rassistisch, sondern muss als deutlicher Ausdruck einer White-Supremacy-Ideologie qualifiziert werden…» Ein Standpunkt: Eine höchst gefährliche Entwicklung, wenn man mit Hilfe einer Rassenlehre-Ideologie versucht zu bestimmen wer dazu gehört und nicht.
Gunther Kropp, Basel
«Die Ingenieurselite des Silicon Valley hat die ausdrückliche Pflicht, sich an der Verteidigung der Nation zu beteiligen.» (Punkt 1)
«Verteidigung» bedeutet «Angriff». Raubmord (Genozid) gegen Indianer war laut USA «Verteidigung». USAlleineigentum Planet Erde Endziel seit Jahrhunderten. USA einziges Land mit Atom-Angriffskriegs-Doktrin. KI (Milliarden Roboter) entscheidende Funktion, jedoch die modernsten USAtomwaffen wurden unter Hochdruck entwickelt und dürften in jedem Fall zum Einsatz kommen. Kriegsministerium (Secretary Of War) Gründung: 12.9.1789, erster Amtsinhaber: Henry Knox. Friedensnobelpreisträger Präsident Obama führte sieben Kriege und bezeichnete in Rede vor Militärakademie Westpoint die USA als «einzige unverzichtbare Nation». USAussenministerin Albright sagte dasselbe. Henry Kissinger: «It may be dangerous to be America’s enemy, but to be America’s friend is fatal» [engl: tödlich]. Buch: «Verhängnisvolle Freundschaft – Wie die USA Europa eroberten» Dr. jur. Bittner.