Tagesschau informiert über Kriegsopfer ethnisch diskriminierend
Militärische Angriffe auf die Zivilbevölkerung und auf Einrichtungen, die ausschliesslich der Zivilbevölkerung dienen, verstossen gegen das humanitäre Völkerrecht. Zu den vielen unschuldigen Opfern zählen insbesondere Frauen, Kinder und Alte.
Es ist Aufgabe der Medien, diese Kriegsverbrechen öffentlich zu machen und anzuprangern – überall.
Über die Zahl der Betroffenen gibt es jeweils Schätzungen, jedoch keine offiziellen Angaben. Seit Anfang Jahr sind in Sudan und Gaza nach Schätzungen internationaler Organisationen am meisten Zivilpersonen getötet, verletzt, vertrieben und ungenügend versorgt worden. Viele zivile Kriegsopfer gab es seit Anfang Jahr auch in der demokratischen Republik Kongo, in Äthiopien oder in Libanon.
Seit dem Angriff Israels und der USA gegen Iran wurden dort nach Schätzungen des IKRK mehr als 1900 Zivilisten getötet und über 20’000 verletzt.
Auch in der Ukraine wurden seit Anfang Jahr weiterhin viele Zivilpersonen getötet und verletzt. Über diese berichtete die SRF-Tagesschau regelmässig, als russische Geschosse dort Wohnhäuser trafen. Oft werden Überlebende interviewt.
Anders als in der Ukraine hat SRF in den anderen Ländern kaum ständige Korrespondenten, aktuell nicht einmal in Iran. SRF übernimmt solche Berichte kaum je von anderen Stationen.
Über aktuelle zivile Opfer und Zerstörungen ziviler Infrastruktur in Iran, Gaza, im Westjordanland, Libanon, Sudan oder der Republik Kongo berichtet die Tagesschau nur selten. Opfer in diesen Ländern kommen praktisch nie zu Wort.
Regelmässig berichtet die Tagesschau über Stromausfälle in ukrainischen Wohnvierteln. Was auffällt: Über die viel stärkere Betroffenheit einer viel grösseren Zahl ziviler Menschen in Libanon, Gaza oder erst recht in der Republik Kongo und in Sudan informiert die Tagesschau nur selten: Sie überleben in Zelten und sind gesundheitlich nicht versorgt. In Sudan hungern Zehntausende und werden vergewaltigt.
Fazit: Die Tagesschau des Schweizer Fernsehens gewichtet zivile Opfer äusserst ungleich. Über nicht-europäische zivile Opfer informiert sie viel seltener als über diejenigen in der Ukraine.
Private Medien informieren meist noch weniger ausgewogen.
Das ist ethnische Diskriminierung.
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PS. Über wahrscheinlich «mindestens ein Todesopfer und acht Verletzte» in Leipzig, wo ein Autofahrer in eine Menschenmenge gefahren war, informierte die SRF-Tagesschau am 4. Mai 2026 an erster Stelle während fast vier Minuten – einschliesslich eines Korrespondentenberichts («viel mehr weiss ich auch nicht»).
Stellungnahme der SRF-Tagesschau
Fragen von Infosperber an Redaktionsleiterin Regula Messerli
«Guten Tag Frau Messerli
Es ist Aufgabe der Medien, militärische Angriffe auf die Zivilbevölkerung und auf zivile Einrichtungen öffentlich zu machen und anzuprangern – überall.
In der Ukraine erfüllt die Tagesschau diese Aufgabe und zeigt regelmässig zerstörte Wohnhäuser und zivile Einrichtungen. Sie berichtet immer wieder über Stromausfälle und lässt Betroffene zu Wort kommen.
Dagegen informiert die Tagesschau vergleichsweise sehr selten über das noch viel schlimmere Schicksal der Zivilbevölkerungen im Sudan, in der Republik Kongo, im Libanon, in Gaza.
Was sagen Sie deshalb zum Vorwurf, die Tagesschau gewichte zivile Opfer äusserst ungleich? Über nicht-europäische zivile Opfer informiere sie viel seltener als über diejenigen in der Ukraine, was einer ethnischen Diskriminierung gleichkomme?»
Antwort des SRF
Die Fragen von Infosperber an die Redaktionsleiterin der Tagesschau beantwortete die SRF-Medienstelle:
«SRF weist den Vorwurf zurück, dass wir über die Angriffe auf die Zivilbevölkerung in Gaza oder Libanon weniger berichten als in der Ukraine. Auf den Sudan und die Republik Kongo trifft dies hingegen zu. Dies hängt damit zusammen, dass wir aus diesen Ländern deutlich weniger Informationen und Videomaterial erhalten und wir in dieser Region auch weniger eigene Quellen oder Korrespondentinnen und Korrespondenten haben als in der Ukraine oder im Nahen Osten.»
Es stellt sich die Frage, warum sich SRF auf eigene Quellen beschränkt und Informationen und Videomaterial nicht von Drittquellen beschafft. Der Sender «Al Jazeera» (Katar) beispielsweise verfügt über Korrespondentinnen und Korrespondenten in Afrika, Gaza und – gegenwärtig besonders aktuell – auch in Iran. Auch bei lokalen Sendern oder bei CNN, BBC, ARD, ZDF, Sky News (London) und Sky News Arabia (Abu Dhabi), Al-Hadath (Saudi-Arabien) oder Arte ist genügend Material verfügbar.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Eine Kollegin ist für die UN im Südsudan im Einsatz. Es gäbe bestimmt genug Material von der UN. In der Schweiz bearbeitet die SVP dieses Thema. Wer, wie ich, in Katastrophengebieten war, hat einen anderen Blick als die SVP-Wähler! Aber ich frage mich, ob der Schweizer in der warmen Stube überhaupt nachfühlen kann, wie es ist in einem «Zelt» im Morast zu leben – oder unter brütender Sonne.
Ich finde, SRF-TV berichtet nicht nur ethnisch falsch, sondern auch ethisch falsch: zu sehr pro USrael, zu sehr contra Russland, China.
Ich denke wenn die Opfer von Israeli oder Amerikaner verursacht werde, dann informiert SRF nicht, weil sie es nicht mit Trump und Netanyahu verscherzen wollen und sie dann keine Informationen mehr erhalten aus erster Hand. Über die Ukraine wird meiner Meinung auch einseitig berichtet, sie sind immer die Unschuldigen, aber über die grosse Korruption in diesem Land wird Stillschweigen gehalten, denn dann würde die Unterstützung von vielen Ländern versiegen. ohne Unterstützung würde der Krieg schon längst beendet sein und die ukrainische Bevölkerung endlich wieder in Frieden leben können. Aber solange Zelensky an der Macht ist, hat er kein Interesse daran, weil dann keine Milliarden mehr in die Ukraine fliessen würden und die Waffenindustrie hätte dann auch keine so grosse Einnahmen mehr.
«und die ukrainische Bevölkerung endlich wieder in Frieden leben können». Woher nehmen Sie die Gewissheit das Putin die ukrainische Bevölkerung in Frieden leben liesse, nachdem er so viel zivile Infrastruktur zerstört hat und weiterhin zerstört? Die Korruption ist ein Problem, von aussen ist es schwierig zu beurteilen, aber Selenskyi macht für mich einen Superjob, unter diesen Bedingungen. In der Schweiz haben wir zum Glück keine Korruption, das läuft unter Lobbying und das ist vom Wahlvolk so gewünscht. Aber wir haben es gut, unsere «Vordenker» blicken zu Trump und Putin. NEIN DANKE!
Diese Verharmlosung des russischen Überfalls auf die Ukraine ist verwerflich. Russland könnte jederzeit den Krieg beenden. Wenn die Ukraine einfach aufhören würde, zu kämpfen, wäre die Folge eine russische Besatzung. Von «in Frieden leben» keine Spur.
«Wenn die Ukraine einfach aufhören würde, zu kämpfen, wäre die Folge eine russische Besatzung. Von «in Frieden leben» keine Spur.»
Woher wissen Sie das? Weshalb soll Russland die ganze Ukraine besetzen? Weshalb soll das flächenmässig grösste Land noch grösser werden wollen? Warum soll sich Putin einen jahrelangen Bürgerkrieg mit der Westukraine aufhalsen? Weshalb sollen nicht Verhandlungen versucht werden? Warum darf im Westen nicht über die Bedürfnisse von Russland gesprochen werden?
Sie machen es sich mit Ihrer Aussage «Russland könnte jederzeit den Krieg beenden.» verdammt einfach.
@Daniel Heierli – Nein. Russland hat für Frieden via Minsk alles versucht und in seinem «Hilferuf» Ende 2021/Anfang 2022 (Sicherheitsgarantien für Russland) ebenfalls.
«Westen» (USA einziges Land mit Atom-Angriffskriegs-Doktrin) vollzieht vierten (ultimativen) Anlauf (nach Napoleon, 1WK, 2WK) Heartland zu raubmorden, wie die Drahtzieher USA damals gegen die Indianer. Buch Brzezinski 1997 sinngemäss, Ukraine sei Achillesferse von Russland [ähnlich Kuba für USA, vergleiche Monroe-Doktrin, die ich zugunsten Russland China ebenso fordere].
«Unsere Zeit» 4.8.2023: Früher größere räumliche Distanzen, längere Vorwarnzeiten. Heute wird dies durch immer schnellere Raketen, die direkt an der russischen und perspektivisch auch der chinesischen Grenze aufgestellt werden, obsolet. Präsident Wladimir Putin: Man ►«spüre das Messer am Hals». US-Friedensrat: «Der Erfolg der NATO bei ihren Bemühungen, bis zur ukrainisch-russischen Grenze vorzudringen, würde höllische Welt schaffen(…)
Lieber Herr Gasche, es geht hier nicht wirklich um ethnische Diskriminierung, sondern um Lenkung der Aufmerksamkeit im politischen und militärischen Interesse. Die ukrainischen Opfer will die Nato und EU zeigen, die iranischen und palästinensischen natürlich nicht. Das SRF ist dabei aber nicht der Haupttäter, die übernehmen die Bilder und Berichte ja von ausländischen Agenturen. Und auch hier gilt eben, das SRF kann sich nicht einfach bei fremden Agenturen bedienen, sonst gibt es Aerger. Al Jazeera Arabic wurde wohl auf Betreiben der Israellobby sogar aus dem Schweizer TV-Netz von Swisscom und Sunrise geworfen…
Warum nicht mehr über die Zivilbevölkerung im Iran berichtet wird und stattdessen soviel über die «Kriegsherren», verstehe ich ehrlich auch nicht.
Doch weshalb nicht mehr über den Sudan, DRK und Äthiopien berichtet wird – ich glaube nicht, dass das aktive Diskriminierung des SRF ist. Ich vermute, Afrika ist für uns Medienkonsumenten einfach zu wenig interessant, geographisch und kulturell zu weit weg, und unser Katastrophenverarbeitungsvermögen ist begrenzt. Es würde mich wundern, wenn es bei der ARD Tagesschau oder ZDF-heute völlig anders aussieht, aber all diese Sender haben auch Hintergrundformate, die durchaus auch andere Gegenden und Themen beleuchten.
Ale
Warum wirt angeprangert dass man nicht über Opfer anderer Kriegsschauplätzen berichtet wird und nennt da auch verschiedene Länder-Namen und das zu Recht, aber über zivile Opfer auf Russischer Seite empört sich niemand? Sind denn russische Frauen Kinder und Alte Menschen auch Opfer zweiter Klasse?
Es wird im Öffentlich-Rechtlichen auch nicht berichtet über: Landgrabbing in der Ukraine – Einzelbauern verlieren ihre Rechte, Investoren wollen schon lange ihre gierigen Hände auf die besten Böden der Welt legen, es gibt kaum Arbeitnehmerrechte in der Ukraine – hier herrscht der brutalste Billiglohnsektor in Europa, kritischer ukrainischer Journalismus wurde ausgeschaltet – Journalisten werden mundtot gemacht oder verschwinden, die Ukraine überschwemmt Europa mit landwirtschaflichen Billigprodukten, die weder überprüft werden noch unserem Standard entsprechen, ukrainische Politiker kündigten im Falle einer Rückeroberung der Krim Enteignungen und Säuberungen von «Kollaborateuren» an. Die Liste der Unterlassungen lässt sich beliebig fortsetzen. Auch zur Migration. Zur Klimapolitik. Zur Meinungsfreiheit. Zum unreflektierten Abnicken der Schweizer Politiker bei EU-Regeln und -bestimmungen.
Amnesty Oliver Schulz 01.08.2024: «Perfide Unterdrückung Vor fast zwei Jahren veröffentlichte die damalige UN-Menschenrechtskommis. … einen Bericht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der chinesischen Provinz Xinjiang. Die UN versicherten, die Verstöße gegen die Uigur.. nicht ungestraft zu lassen. Doch passiert ist seither wenig… Als BK Olaf Scholz im April dieses Jahres mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Peking reiste, blieben Menschenrechte eine Randnotiz..»
In China werden die Uiguren «pferdide unterdrückt» es allen bekannt und im Baltikum und der Ukraine werden die russischsprachigen diskriminiert. Man will das nicht an die grosse Glocke hängen, weil man die Befürchtung hat die Pekinger Führung zu verärgern. China ist ein mächtiger Handelspartner für den Westen. Die diskrimiernierung der Russischsprachigen im Osten wird verdrängt, wohl aus Sorge, US-Rüstungskonzerne könnten dadurch ein Leid haben. Kohle bestimmt was Sache ist.
Gunther Kropp, Basel
Der Begriff «Diskriminierung», zu deutsch «Unterscheidung», wird offenbar im Sinne der unzulässigen Unterscheidung vrwendet; allerdings wird nicht klargestellt, nach welchen medienethischen oder sonstigen Kriterien die Zulässigkeit der Diskriminierung bejaht oder verneint wird (jedenfalls nicht die Vorgaben des schweizerischen Radio-/TDV-Gesetzes). – Wer einen Vorwurf erhebt, muss aber korrekterweise den verwendeten Massstab benennen; Unausgewogenheit ist ein viel zu vager, untauglicher Begriff. An Fakten nennt der Artikel den kürzlichen, erneuten (mutmasslichen) Genozid an den Armerniern (Berg Karabach) nicht, wo den ca. 120’000 Menschen die Nahrungsmittelzufuhr faktisch verunmöglicht wurde, und die dann von der aserbeidschanischen Armee mit Hilfe türkischen Kriegsgeräts vertrieben wurden. Unklar bleibt auch, welche Anzahl in Gaza getöteter Zivilpersonen unterstellt wird; die HAMAS hat kennzeichenederweis nie unterschieden zwischen Zivilpersonen und -irregulären Kombattanten.
@Klausfranz Rüst-Hehli – «-irregulären Kombattanten»?
USrael (!) hat «nicht unterschieden» zwischen Zivilpersonen und regulären Kämpfern gegen die Besatzer des Freiluftgefängnisses Gaza (und Westjordanland), und es gibt weitergehende Stimmen, dass unterschieden wurde, aber gegen Zivilisten:
Vatican News 21.1.2024 – «UN: Frauen und Kinder sind Hauptopfer des Gaza-Krieges»
Vatican News 7.5.2024 – «UN-Berichterstatter: Systematische Gewalt gegen Frauen in Gaza»
Über anhaltende und systematische Gewalt gegen palästinensische Zivilisten im Gaza-Streifen haben Sonderberichterstatter dem UN-Menschenrechtsrat berichtet.
[Obiges muss man lesen]
kath.ch 12.8.2025 – «Madonna und ihr Traum vom Papst als Retter der Kinder in Gaza»
Die Pop-Ikone Madonna bittet den Papst, nach Gaza zu reisen. Er sei der einzige, dem man die Einreise nicht verweigern könne. Dann könnten die Tore für humanitäre Hilfe sich öffnen. Der Appell wird auch im Vatikan gelesen.