Signalisation: Manchmal wäre ein Blick ins Ausland nützlich
Das Signal «Rechtsabbiegen für Radfahrer gestattet» erlaubt es Velofahrern, auch bei Rot nach rechts abzubiegen. Allerdings gilt für sie gegenüber dem querenden Verkehr und gegenüber Fussgängern «kein Vortritt». Viele Verkehrsteilnehmer dürften das Signal noch gar nie gesehen haben. Denn es ist klein. Und es ist stets neben dem Rotlicht angebracht – das kann auch schon mal auf drei Metern Höhe sein. Zudem ist das Signal unbeleuchtet. Nachts ist es neben dem leuchtenden Rotlicht nicht zu sehen.


Kein Wunder, dass sich viele Autofahrer über vermeintlich undisziplinierte Velofahrer ärgern. Kein Wunder auch, dass viele Velofahrer nicht wissen, dass sie – mit der nötigen Vorsicht – bei Rot rechts abbiegen dürfen, wenn das Signal angebracht ist.
In vielen Ländern Europas ist die Rechtsabbiege-Erlaubnis bei Rot besser signalisiert. Zum Beispiel in Frankreich mit dem Verkehrsschild «Autorisation conditionnelle de franchissement d’un feu». Auf Deutsch: «Bedingte Erlaubnis zum Überfahren eines Lichtsignals».

Das Signal ist nicht irgendwo zwischen Himmel und Erde montiert, sondern auf Augenhöhe – sowohl für Velofahrer als auch für Autofahrer. Und es zeigt klar, dass für Velofahrer «Kein Vortritt» gilt.
Das Signal gibt es in Frankreich schon seit beinahe 15 Jahren. In anderen Ländern sogar schon länger. Doch dummerweise haben sich die Schweizer Behörden nicht im Ausland inspirieren lassen, sondern ein eigenes Signal «erfunden».
Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) ist das Signal zweckmässig. Im Schlussbericht zum dreijährigen Versuch in Basel ist die Wahl des Signals ausführlich erklärt. Die Kurzfassung des Astra geht so: «Das Signal ist schlicht und einfach die Verbindung des bekannten Symbols ‹Fahrrad› mit dem bekannten Symbol ‹Richtungspfeil›. Die Farbe Gelb wurde gewählt, um zu verdeutlichen, dass beim Abbiegen den anderen Verkehrsteilnehmenden der Vortritt zu gewähren ist.»
Trotzdem: In vielen Ländern ist es besser gelöst. Belgien beispielsweise hat nichts Neues «erfunden», sondern kurzerhand das französische Signal übernommen. In Holland gibt es die Tafel schon seit 1991. Sie ist auf Augenhöhe angebracht:

Ebenso in Dänemark:

In Österreich hängt die Tafel ein bisschen irgendwo. Manchmal gut sichtbar, manchmal weit oben. Aber immerhin ist sie dank der Grundfarbe Weiss auffällig:

Ebenso in Deutschland:

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.







Die Inkompetenz des ASTRA bezüglich Signaletik ist irgendwie schon fast tragisch. Kompetente Signaletik heisst u.a.: 1. Klarheit und unmittelbare Lesbarkeit ( würde vorliegend bedeuten, dass das Signal klar sichtbar und einfach lesbar ist, was – wie im Beitrag erzeigt – nicht der Fall ist) 2. Visuelle Hierarchie und Struktur (würde bedeuten, dass man sich an die bestehende Signaletik hält, die zwischen Gefahren-, Verbots- und Hinweissignalen unterscheidet; hier hält man sich nicht daran, sondern erfindet etwas Neues) 3. Durchgängigkeit und Kontinuität (siehe. Pt. 2) 4. Universalität (würde bedeuten, dass man entweder das französische Gefahrensignal oder das niederländische Hinweissignal übernimmt). Fazit: Die Lösung des ASTRA ist untaugliches Gebastel. Im ASTRA (Adresse: Pulverstrasse) wurde das Pulver wohl nicht erfunden.
Das französische Signal ist das einig richtige, weil es klar rot «kein Vortritt» anzeigt und dem Velofahrer erlaubt rechts abzubiegen, aber nicht mit «grün = freie Fahrt», sondern mit «gelb = Vorsicht». Die CH-Lösung ist einfach nicht zu Ende gedacht, ebenso das deutsche und österreichische Signal.
Übrigens, Autofahrer, die dieses Schild hier nicht kennen sind reif für eine weitere Fahrprüfung weil sie sich nicht um neue Verkehrsregeln kümmern.
Genau genommen ist das ASTRA-Signal nicht nur kaum sichtbar, sondern überflüssig, könnte so einfach im StVG vermerkt werden. Denn Rechtsabbiegen ärgert Beobachter kaum, das Überfahren der Fussgängerstreifen hingegen schon, das Signal macht wirklich Sinn.