Sperberauge

So wird man gefragte Expertin oder Autor bei Infosperber

Sperber 2025 © Bénédicte

Martina Frei /  Wer sich in einem Gebiet nicht auskennt, verlässt sich besser nicht auf die KI. Zwei Infosperber-Beispiele.

Bei einer Google-Suche erscheinen neuerdings ja immer zuerst ungefragt die Antworten der Google-KI. Allerdings nimmt es auch diese KI mit der Wahrheit nicht so genau. 

Die Google-Suche nach einem Interview mit der deutschen Medizinprofessorin Ursel Heudorf beispielsweise ergab, dass auf Infosperber «deren fachliche Analysen regelmässig thematisiert und interviewt werden». Behauptete die Google-KI.

Doch: In den über 16’000 Artikeln auf Infosperber kam Heudorf bisher in dreien zu Wort. Von «regelmässig» kann keine Rede sein. Und wie eine Analyse interviewt werden kann, sei dahingestellt.

Auf den Fehler aufmerksam gemacht, antwortet die KI: «Sollte sich die Antwort so angehört haben, als sei sie eine der Hauptquellen des Portals gewesen, war das irreführend. Sie ist lediglich eine von sehr vielen punktuell zitierten Fachstimmen.» 

Auch bezogen auf die Artikel zum Thema Corona, mache die Erwähnung von Frau Heudorf «schätzungsweise unter 1 Prozent aus», räumt die KI ein – aber erst auf kritische Nachfrage. «Das Portal stützte sich stattdessen primär auf ein breites Spektrum an internationalen Studien, die Schweizer Taskforce, offizielle BAG-Daten sowie andere Public Health-Experten», lautet die Antwort nun. 

Autoren frei erfunden

Dass Ursel Heudorfs Analysen auf Infosperber angeblich regelmässig erwähnt werden, ist nicht der einzige Lapsus. Der Psychologie-Professor Harald Walach beispielsweise «verfasste auf Infosperber (gemeinsam mit Autoren wie Stefan Homburg und Stefan Hockertz) Artikel, in denen er den Lockdown sowie mathematische Vorhersagemodelle der [deutschen – Red.] Bundesregierung scharf kritisierte und als fehlerhaft bezeichnete», behauptet die Google-KI. «Die Schweizer Online-Zeitung Infosperber veröffentlichte Beiträge, in denen Harald Walach (oft als Mitautor) als Experte auftritt.»

Auch das ist Quatsch. Tatsache ist: Walach wurde in genau zwei Artikeln erwähnt. Weder er noch Homburg oder Hockertz haben bei Infosperber jemals einen Artikel verfasst. Das weiss aber die KI offenbar nicht – obwohl alle Infosperber-Artikel frei zugänglich sind und sie es folglich hätte wissen können.

Wer solche irreführenden Auskünfte gar nicht erst lesen möchte, gibt bei der Internet-Suche am Ende einfach -ai ein. Das verhindert Fake-News und spart erst noch Strom.


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