RichardJosephDurbin

Richard Joseph "Dick" Durbin, der Kopf des Ukraine-Ausschusses © RJD

So diktieren die USA der Ukraine die Politik

Christian Müller /  Insider wissen es schon lange. Nun zeigt ein Brief von US-Senator Durbin an den ukrainischen Ministerpräsidenten, wie das abläuft.

Es wird immer klarer, wer die Ukraine in Wirklichkeit regiert. Ein Brief von US-Senator Richard J. «Dick» Durbin an den ukrainischen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk macht dies mehr als deutlich. Senator Durbin, die Nummer 2 der US-Demokraten im Senat, schrieb am 25. Juni 2015 an Jazenjuk wörtlich* (Brief im Original lesen):

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Yatsenyuk

Ich schreibe Ihnen, um Sie zu versichern, dass der US-Senat sein Vertrauen in Sie ausweitet und Ihre Besorgnis über die anhaltenden Entlassungen von Schlüsselfiguren in der ukrainischen Führung, die sich vollständig einer demokratischen Entwicklung Ihres Landes verschrieben haben, durch Präsident Petro Poroschenko teilt. Es darf meines Erachtens kein Aufwand gescheut werden, um Oleksiy Pavlenko in seiner Position eines Ministers für Agrar- und Ernährungspolitik zu erhalten. Seine Entlassung würde zusätzliche Hindernisse schaffen auf dem Weg zu einer Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen US-amerikanischen und ukrainischen Firmen. Ich denke auch, dass es äusserst wichtig ist, sicherzustellen, dass Yuriy Nedashkovsky Präsident des Unternehmens Energoatom bleibt. Es ist weitgehend seinem wirksamen Einsatz zu verdanken, dass die Ukraine die Möglichkeit hat, die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern im Bereich der Atomenergie zu intensivieren.

Ausserdem möchte ich Sie darüber informieren, dass der US-Senatsausschuss Ukraine Ihre Vorschläge betreffend Innenminister Arsen Avakov, Energie- und Kohleindustrie-Minister Volodymyr Demchyshyn und auch betreffend den Chef der Firma Ukrgasvydobuvannya, Sergei Kostyuk, besprochen hat. Die Mehrheit der Senatoren ist einverstanden, dass die Herren Demchyshyn und Kostyuk den Anforderungen nicht genügen. Aber betreffend Herrn Avakov gibt es keine eindeutige Lösung; die Meinungen der Senatoren gehen auseinander. Es ist meines Erachtens deshalb angezeigt, den Fall Avakov für einige Zeit hinauszuschieben.

Hochachtungsvoll

Richard J. Durbin
Senator der Vereinigten Staaten

Und was meldete kurz darauf die US-amerikanische Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg? «Ukrgasvydobuvannya Announces Management Changes», zu deutsch: Das Unternehmen Ukrgasvydobuvannya kündigt einen Wechsel im Management an. Sergei Kostyuk wird abgelöst, neuer CEO wird Oleg Prokhorenko, ein Topkader der internationalen Consulting-Firma McKinsey…

Wer ist dieser Richard J. Durbin?

Richard J. Durbin war einer jener beiden Senatoren, die den parteiübergreifenden Senate Ukraine Caucus, den Senatsausschuss Ukraine, ins Leben gerufen haben, nachdem Obama im Gespräch mit Angela Merkel sagte, die USA seien am Abwägen, ob sie Waffen in die Ukraine schicken sollen oder nicht. Der Ausschuss wurde gegründet, um mehr Druck auf Obama zu machen, endlich tödliche Waffen («lethal weapons») an die Ukraine zu liefern.

Der Kommentar des republikanischen Senators Lendsey Graham aus South Carolina zur (vorläufigen) Weigerung Obamas, Waffen in die Ukraine zu liefern: «Der neuste Fall zeigt erneut, dass es unter der Präsidentschaft von Obama besser ist, ein Feind von Amerika zu sein als ein Freund.» Zynischer geht es kaum.

Der Ukraine-Konflikt ist kein Konflikt mehr zwischen Kiew und den von Russland unterstützten Separatisten in der Ostukraine. Er ist längst ein geopolitischer Konflikt zwischen den USA und Russland, in dem Kiew als Vasall der USA operiert. Europa schaut zu, vermittelt zwischen den falschen Akteuren und hilft mit, den Krieg zu finanzieren.

* Übersetzung cm

Nachsatz: Eben stellen wir fest, dass der Link zum Bericht in der Zeitung «The Hill» über die Gründung des «Senate Ukraine Caucus» nicht mehr richtig funktioniert. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob das eine momentane Störung oder ein gewolltes Abschalten Seitens The Hill ist. Wir behalten die Sache im Auge.

Zwischenzeitlich meldet die «Moscow Times», eine englischsprachige Zeitung in Moskau, die von einem westlichen Medienunternehmen herausgegeben wird, der Brief sei gefälscht. Richtig ist, dass es keine Möglichkeit gibt, eine Fälschung hundertprozentig auszuschliessen – auf beiden Seiten. Durbins öffentliches Engagement für engere Banden zwischen Washington und Kiew sind so oder so mehrfach belegt. (Siehe dazu den Screenshot der Moscow Times)

Nachtrag vom 16. Juli:
Gemäss einem Bericht auf Spiegel online ist es definitiv eine Fälschung. In Umlauf gebracht wurde der Brief offenbar von einem ehemaligen Regierungsmitglied in Kiew, das die Verhältnisse in Kiew aus nächster Nähe beobachtet.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West

Die Ukraine ist sprachlich und kulturell ein geteiltes Land. Die Interessen klaffen weit auseinander.

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8 Meinungen

  • Avatar
    am 7.07.2015 um 11:44 Uhr
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    "Im Westen nicht Neues» so heisst die weltberühmte Schlagzeile!
    Vom Westen nichts Neues, müsste es heissen!

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    am 7.07.2015 um 12:19 Uhr
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    WAR oder wird diese Meldung je in der «Tagesschau oder 10vor10» publiziert.?
    Bin mal gespannt ob der «Service Puplic» funkioniert oder lediglich der Service Publicity.

    Da dürfen sich die Programmacher & Mitarbeiter gerne mal beweisen.

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    am 7.07.2015 um 13:04 Uhr
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    Das verwundert ja nicht. «Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Yatsenyuk"? Wer ist Yatsenyuk? Einer der beklagt, die Sowjetunion hätte 1944 die mit (Nazideutschand) verbündete Ukraine angegriffen. (Das ist belegt durch ein ARD-Interview.
    https://propagandaschau.wordpress.com/2015/01/08/ard-unwidersprochener-geschichtsrevisionismus-in-den-tagesthemen/)
    Yatsenyuk darf man also zu recht als Neonazi und Faschisten bezeichnen. Und nun zappelt er als Lakai an den Fäden von US-Oligarchen und durchgeknallten republikanischen Senatoren …

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    am 7.07.2015 um 13:17 Uhr
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    Es ist unglaublich wichtig, dass solche Belege, wie das Faksimile dieses Briefes verbreitet und archiviert werden.

    Dass derlei Vorgänge sich abspielen, konnte man schon länger schlussfolgern. Aber ein klarer Beleg für die direkte und unverschleierte Einflussnahme des US-Senats auf Personalien in der ukrainischen Politik und Wirtschaft ist doch eine bemerkenswerte Trouvaille im sonst ziemlich gleichgeschalteten Journalismus hierzulande. Bravo!

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    am 7.07.2015 um 15:30 Uhr
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    Erstaunt bin ich ber diesen Brief des US-Senators nicht, denn mir ist schon lange klar dass die US-Regierunin Zusammenarbeit mit der Deutschen Regierung hinter der ganze Sache was in ddr Ukraine Abluft steckt.Das ganze dient nur um Putin fertig zumachen, um das l, das Gas und ber weitere Rohstoffe in Russland zu bestimmen – das leider ewige traurige Lied um Macht, Gier und dazu einen Sndenbock als Feind Nr. 1..Das Volk ist diesen amerikanischen, wie der deutschen Regierungen doch egal und leider der humanen, neutralen Schweiz auch, denn sonst htten sie beim verhaengen der Saktionen an Russland nicht mitgemacht, denn Sanktionen foerdertd de Armut und die Leidtragenden sind leider eh immerdertr die Armen im Volk.Und die Diktatur durch die US-Regierung, wird die Ukrainer auch nicht gluecklich machen, genausowenig die Diktatur der EU.

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    am 8.07.2015 um 09:45 Uhr
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    Die Mc Cain-Stiftung habe damals 5 milliarden Dollar in den Umsturz «investiert»…. Dagegen ist ein solcher Brief eine relativ bescheidene Einflussnahme. All das wirkt aber leider eskalierend und das Land wie ganz Europa bräuchte De-Eskalation! Durch die Angriffe erhält Putin Rückendeckung im eigenen Land. Alles ist irgendwie kontraproduktiv.
    Revisionismus hüben und drüben. Stalin wird als Befreier verehrt, seine Greueltaten am eigenen Volk werden vergessen gemacht. Verkürzt kann man sagen, Mc Cain & Co erwirkten die Wiedererstehung des Stalinkults.

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    am 3.08.2015 um 16:10 Uhr
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    Was Dick Durbin sagt und ob er Demokrat oder Republikaner ist ist egal. Dick Durbin ist gestern nochmals von Glenn Greenwald «The Intercept» Nachrichten Magazin erneut erwaehnt worden, und zwar fuer seine Meinung ueber das Nicht Handeln des Weissen Hauses und des Senats in der Kredit Karten und Schulden Krise die die Banken ja doch kreiert hatten. Durbin sagte ganz offen, dass die Banken ganz eindeutig Kongress und Senat unter Kontrolle haben, und deshalb keine vernuenftige Loesung zu finden sei. Sie koennen ihn selber anhoeren in diesem kurzem Segment.
    https://www.youtube.com/watch?v=AOJk11TrwDw
    Uebersetzt, sagte er: «Nun ganz ehrlich gesagt.. wir koennen ja wenig oder gar nichts fuer das Amerikanische Volk machen, weil die Banken ja die Bude total besitzen"

    Aus einem anderen Interview, D. Durbin: «I think most Americans would be shocked – not surprised, but shocked – if they knew how much time a United States senator spends raising money… talking about raising money and thinking about raising money and planning to raise money and, you know, going off on little retreats and conjuring up new ideas on how to raise money."

    Aus einer CH Werbung ueber Fleisch hiess es: «CH Fleisch. Alles andere ist Beilage"

    Was alles die USA in Bezug auf Aussenpolitik treiben, oder was ihre Betruegerische «Vertretern» wohl aeussern, ist ja nur ..Beilage. Die Banken und die Kriegs-Industrie in den USA entscheidet und diktiert alles. Wollen wir noch ueber Ukraine, Syrien, oder Lybien reden?

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