Der Papst protestierte schon 1983 gegen US-Marschflugkörper
Es ist der 22. Oktober 1983. In Rom herrscht Ausnahmezustand. Rund eine Million Menschen strömen auf die Strassen, um gegen die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles zu demonstrieren. Die vieldiskutierten Pläne sahen vor, diese neuen Mittelstreckensysteme in fünf europäischen Nato-Ländern aufzustellen: ballistische Pershing-II-Raketen in der Bundesrepublik Deutschland sowie Marschflugkörper (Cruise Missiles) in Grossbritannien, Italien, Belgien und den Niederlanden. Mitten in diesem unübersehbaren Meer aus Protestierenden marschiert eine kleine Gruppe von Ordensbrüdern im dunklen Habit. Sie tragen ein schlichtes, handgeschriebenes Schild mit der klaren Botschaft: «Agostiniani per la Pace» (Augustiner für den Frieden). Unter ihnen befindet sich der damals 28-jährige US-Amerikaner Robert Francis Prevost. Ein historisches Schwarz-Weiss-Foto des Pax-Christi-Fotografen Gianni Novelli hält diesen Moment fest. Laut Aussagen von Mitbrüdern war es Prevost selbst, der die Gemeinschaft zu diesem unbewaffneten Protest bewegte [1,2].
Die Rückkehr der nuklearen Dilemmata im Jahr 2026
Was der junge Robert Prevost vor über vierzig Jahren auf die Strasse trug, ist im Jahr 2026 von beklemmender Aktualität. Europa befindet sich nach dem historischen Scheitern der Rüstungskontrollverträge inmitten einer neuen Aufrüstungsspirale. Erst im Juli 2026 besiegelte die deutsche Bundesregierung den Kauf und die Stationierung amerikanischer «Tomahawk»-Marschflugkörper auf deutschem Boden [3] – genau jener Waffengattung, gegen deren Aufstellung der junge Augustinerbruder 1983 im italienischen Comiso und in Rom protestierte.
Während die Politik mit diesen Systemen strategische Fähigkeitslücken schliessen will, lenkt der einstige Aktivist heute als Papst Leo XIV. die Weltkirche und hält der neuen Logik der Abschreckung seine Vision eines entwaffnenden Friedens entgegen. Seine Botschaft zum Weltfriedenstag 2026 stellte er unter das exakte Motto seiner Jugend: «Hin zu einem unbewaffneten und entwaffnenden Frieden.»
Das Zeugnis einer unbeirrbaren Friedenshaltung
Die Option für den Frieden war für den gelernten Kirchenrechtler keine Momentaufnahme, sondern ein lebenslanges Programm, das sich von seiner Zeit als Missionar in Peru bis auf den Stuhl Petri zieht. Erst im August 2026 forderte er in Assisi die Jugend auf, als neue Heilige und Friedenshandwerker in einer zerrissenen Welt aufzutreten. Die Demonstration von Rom im Oktober 1983 ist für den heutigen Papst keine historische Anekdote. Sie verdeutlicht die Kontinuität seiner Friedenshaltung, die er auch in seiner Amtsführung als Papst kraftvoll bezeugt.
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[1] Historische Rekonstruktion: Luca Kocci, «Prevost pacifista in piazza, storia di una foto», erschienen in: Il Manifesto, Ausgabe vom 18. April 2026.
[2] Zeugenaussage & Dokumentation: Vgl. die persönlichen Erinnerungen von P. Ciro Musiello OSA in der Fernsehdokumentation «Leone a Roma», produziert vom vatikanischen Dicastero per la Comunicazione; siehe auch den Bericht der Nachrichtenagentur ANSA, «Le manifestationi, il pedalò, those della notte: il generell Prevost» (abrufbar unter ansa.it).
[3] Aktuelle Rüstungspolitik: Presseerklärung der Bundesregierung zum Erwerb von weitreichenden Präzisionswaffen («Tomahawk»-Marschflugkörper), Juli 2026.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Manfred Böhm ist Publizist und Buchautor. Er hat katholische Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft studiert. Sein Artikel erschien bei «Pressenza.com», einer Nachrichtenagentur von ehrenamtlich tätigen Freiwilligen, die sich den Themen Humanismus, Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Abrüstung und Nicht-Diskriminierung widmet. Titel und Vorspann von der Redaktion.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Werbung für die Kirche? Mitte Mai stieg der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg. Und wer war mit dabei? Die Bundeswehr. (!) Mit dem Generalinspekteur Carsten Breuer – „Als Christ und Soldat glaube ich, dass wir einen richtigen Weg gehen“ – und dem Inspektor des Heeres Christian Freuding – „Ich kann nur als Christ Soldat sein“ – parlierten beide auf großer Bühne von Wladimir Putins vermeintlichen Angriffsgelüsten.
Wenn mir ein Diplom-Theologe erklärt, dass der Papst und die Katholische Kirche für Frieden steht, darf er gerne bei mir ein paar hundert Bücher holen die das Gegenteil beschreiben. Junior Papst hin oder her.
Mein Grossvater ist während seinem Aktivdienst aus der Katholischen Kirche ausgetreten, als die deutsche Kirche publikumswirksam vor laufender Kamera Wehrmachtswaffen segneten (Wochenschau/Kino). Er war 1936 als Turner an der Olympiade in Berlin und hat mich zu Lebzeiten gelernt: Alle wussten, was in Deutschland passiert. Es ist heute wie damals!
Unfassbar, dass wir gut 80 Jahre nach 2WK «Wiederholung» hinnehmen wie Kinozuschauer. Warum? Und: war es damals schon die Hölle, wird es jetzt um Welten «himmlischer», da ultra-effiziente Technologien.
Uns helfen weder Kirche noch Gott; wenn nicht WIR die Ärmel aufkrempeln für UNS (unser Überleben) – wer sonst? Im SPIEGEL stand vor Jahrzehnten unter einem Foto, das Arbeiter zeigt, die mit langen Knüppeln Robben-Babies erschlagen: «Warum greift Gott nicht ein?» – Eben.
Apropos Kirche, zwei erhellende Video-Dokus (Youtube) über die dunkelsten Hintergründe:
1) «Die Ausrottung der Indianer» – Autor Edi Maurer schreibt über seine Video-Reihe «Die Blutspur der Kirche», sie wurde von Youtube sogar durchgehend als nicht werbegeeignet eingestuft.
2) «Lebendig gehakt – Die verstörendste Strafe, die das Mittelalter kannte»
Dieser Papst spricht tatsächlich eine der größten Geiseln der Menschheit, die fürchterlichen Kriege, an. Aber anstatt dass die Christen und insbesondere die Christen in Deutschland, die ihre Partei nach ihrem Religionsgründer genannt haben, dem Rat ihres religösen Oberhauptes folgen, versenken sie lieber Milliarden in Tötungsmaschinen. Milliarden, mit denen der Hunger weltweit beendet werden könnte. Es macht Hoffnung, wenn eine so wichtige Persönlichkeit wie der Papst den Rüstungswahnsinn kritisiert. Möge seine Stimme Gehör finden.
Es wäre nett gewesen, darauf hinzuweisen, wie segensreich dieser Widerstand war. Dank der Demonstrationen lenkte die Politik ein und gab es den NATO Doppelbeschluss, der zur Abrüstung führte und den Kalten Krieg massiv entschärfte – sehr zum Leidwesen der Waffenindustrie. Aber dafür konnte Deutschland wiedervereinigt werden – gegen das Versprechen, dass die NATO nicht vorrücke.
Danach scheiterten die Verträge nicht, sondern wurden systematisch gebrochen/aufgehoben. Heute geht es Vollgas gegen Osten: Die Ukraine, das offiziell zweit-korrupteste Land Europas mit Religions- und Sprachverboten für Minderheiten, soll in die NATO und in die EU (mit härterem Beistandspakt). Deutschland will wieder die stärkste Militärmacht von Europa werden. Aufmarschrouten Richtung Osten werden vorbereitet. Die EU erlässt Resolutionen, wonach Russland besiegt werden müsse. Deutschland schneidet sich von der günstigen Energie ab – und Russland exportiert mit mehr Gewinn mehr in andere Länder.
Es gibt abgesehen von den Taten mutiger Einzelpersonen keine Beispiele aus der Geschichte mit dem sich ein friedensvermittelndes, gewaltvermeidendes Wirken der Kirche belegen ließe. Nicht nur wurde selbst extreme Gewalt, besonders gegenüber anderen Konfessionen und sogenannten Häretikern immer gutgeheißen; es stand auch jeder große Krieg unter dem ausdrücklichen Segen der Kirchen. Die Reformation brachte keine Besserung: Luther befürwortete das große Bauernschlachten in den Bauernkriegen. In der Nazizeit stand besonders die evangelische Kirche brav bei Fuß. Die katholische Kirche ging ein besonders enges Bündnis mit dem Faschismus ein: sie gab Franco, Horthy, der Ustascha den Segen. Die «Rattenlinie» sorgte später für die sichere Flucht von Nazi-Verbrechern. Praktisch jede lateinamerikanische Diktatur wurde von der Kirche unterstützt, solange sie nur antikommunistisch war. Konsequent pazifistische Christen sind nur winzige Minderheiten wie Amische, Mennoniten oder Zeugen Jehovas.
Jugend? Ist beschäftigt mit Netflix und (A-) Social Media (scheinheilig bereitgestellt von USA zwecks Spionage und Ablenken vom Überleben). Während sich «die» Jugend (samt Rest der Spassgesellschaft) im «Virtuellen» befinden (Truemanshow, Matrix, QualityLand), wird ihrer Realität der Boden unter den Füssen weggezogen.
Lied von Karat (DDR)
«Der Blaue Planet» (1982)
Tanzt unsere Welt mit sich selbst schon im Fieber?
Liegt unser Glück nur im Spiel der Neutronen?
Wird dieser Kuss und das Wort, das ich dir gestern gab
Schon das Letzte sein?
Wird nur noch Staub und Gestein ausgebrannt alle Zeit
Auf der Erde sein?
Uns hilft kein Gott, unsere Welt zu erhalten
Fliegt morgen früh um halb drei nur ein Fluch oder SCHREI
Durch die Finsternis?
Muss dieser Kuss und das Wort, was ich dir gestern gab
Schon das Letzte sein?
Soll unser Kind, das die Welt noch nicht kennt
Alle Zeit ungeboren sein?
Uns hilft kein Gott unsere Welt zu erhalten.
Die katholische Kirche – der Papst – hat immer 2 Dinge getan :
sich mit weltlichen Machthabern verbündet oder versucht, weltliche Machthaber zu dominieren (Investiturstreit,Kreuzzüge). Im Mittelalter geschah das ganz ungeniert, heute operiert sie eher verdeckt, aber am Grundsatz des Machterhaltes hat sich nie etwas geändert – völlig unabhängig davon, was der Papst öffentlich verkündet.
Manfred Böhm schreibt: Der Papst protestierte schon 1983 gegen US-Marschflugkörper. Als Mönch bezog er gegen die Stationierung von Nato-Raketen Stellung. Nun ruft er die Jugend auf, sich für den Frieden einzusetzen.
Der Papst wird aber sicher die Jugend nicht dazu aufrufen, den Kriegsdienst zu verweigern. Er wäre dann Papst gewesen. Die Kirchen stehen hüben wie drüben auf der Seite der Armeen, die sich manchmal gegenseitig abschlachten, wie jetzt in Russland, wie in der Ukraine.
Wer keinen Kriegsdienst leisten will, wie die orthodoxen Juden in Israel, wurde in der Neuen Zürcher Zeitung am 16. Juli 2026 „als religiösen Mob“ bezeichnet.
Was wäre passiert, wenn die Mehrheit der israelischen Soldatinnen und Soldaten nach dem furchtbaren Attentat der Hamas am 7. Oktober 2023 im Gazastreifen sich geweigert hätte Rache zu üben und in den Krieg zu ziehen? Wenn man in Israel nur gerichtlich gegen die Hamas vorgegangen wäre? Nur die Zeugen Jehovas verweigerten im 2. Weltkrieg den Kriegsdienst.