Der «Schweizer Monat» und der Grosse Austausch
Giuseppe Gracia gibt seit Kurzem den «Schweizer Monat» heraus, ein Magazin mit liberaler Tradition. Gracia selbst ist kein Liberaler. Zehn Jahre Sprecher des ultrakonservativen Churer Bischofs Vitus Huonder, bekennender Abtreibungsgegner, Autor bei der «Achse des Guten», einem deutschsprachigen Meinungsportal, das sich als liberal versteht und regelmässig rechtspopulistische Positionen vertritt. Den wöchentlichen Newsletter seines Magazins nennt Garcia «Advocatus Diaboli».
2021 trat er aus der Landeskirche aus, bekannte sich zu liberalen Grundwerten, zur Trennung von Kirche und Staat. Gracia ist ein Mann der rechtskonservativen Deutschschweiz, der seinen Ton im «Schweizer Monat» so sorgfältig pflegt – gemässigt, besorgt, um Ausgewogenheit bemüht –, dass man fast überlesen könnte, wessen er sich da in seinem aktuellen Newsletter zur 10-Millionen-Schweiz bedient.
«Die linke Politik basiert auf der Vorstellung, es gebe eine moralische Pflicht, Ausländer mitsamt Familiennachzug ohne Vorleistung ins Sozialsystem aufzunehmen», schreibt Garcia. «Migration wird so zum Geschäftsmodell eines sozialistischen Versorgungsstaates, dessen Funktionäre sich auf Kosten der Allgemeinheit als Gutmenschen aufspielen und glauben, Ausländer als neue SP-Wähler zu gewinnen.»
Der Masterplan
Die Linke importiert Wähler, der Sozialstaat ist das Lockmittel, die Einwanderer sind das Instrument: Hinter der Migration steckt kein Wandel, sondern ein Plan. Es ist eine Verschwörungserzählung in drei Sätzen, aufgeschrieben in der ruhigen Sprache eines liberalen Herausgebers. Und es ist, Wort für Wort, der Kern der rechtsextremen Verschwörungstheorie des Grossen Austauschs.
Der Begriff stammt von Renaud Camus, einem französischen Schriftsteller, der 2011 beschrieb, wie das angestammte europäische Volk durch Einwanderung verdrängt werde, nicht zufällig, sondern planmässig. Die «politische Klasse» betreibe diesen Austausch absichtsvoll. Die Linke umgarne Einwanderer, versorge sie mit Rechten und Sozialleistungen, um sie als neue Wähler zu gewinnen.
Die Loyalität der Linken zur eingewanderten Bevölkerung, schreibt Camus in «Revolte gegen den Grossen Austausch», sei «nichts anderes als eine provisorische Notlösung», die andauern werde, bis ihre Schützlinge «zahlreich und stark genug sein werden, um die linke Schützenhilfe hinter sich zu lassen und die Führung des Landes selbst in die Hand zu nehmen».
Der Begriff reiste von französischen Intellektuellenzirkeln über Telegram-Kanäle um die Welt. In Christchurch 2019 benannte ein Attentäter, der 51 Menschen in zwei Moscheen erschoss, sein Manifest danach.
Demographie als Waffe
Was diese Erzählung wirkmächtig macht: Sie beginnt mit etwas Wahrem. Parteien verändern ihre Wählerkoalitionen. Der französische Thinktank Terra Nova empfahl der Sozialistischen Partei bereits 2012, die Arbeiterklasse aufzugeben und auf Einwandererfamilien zu setzen, und Jean-Luc Mélenchon von La France Insoumise mobilisiert derzeit die Banlieues über seinen Anti-Israel-Kurs. Aber dann kommt der entscheidende Schritt: Aus einer politischen Verschiebung wird ein Plan. Aus Arithmetik wird Demographie als Waffe. Einwanderer sind keine Menschen mehr mit individuellen Geschichten, Träumen, Hoffnungen, Positionen, sondern ein homogener Block, reine Funktionen in einem Austauschmechanismus.
Gracia vollzieht denselben Schritt und bietet dann eine liberale Lösung an – wer arbeitet, darf kommen, wer zehn Jahre einzahlt, darf bleiben – und steht als Mittler da. Die Prämisse aber bleibt im Raum, unwidersprochen, weil sie nie explizit gemacht wurde. Das ist die Methode: Die Bombe zünden, dann Feuerwehr spielen. Ein Mann, der jahrzehntelang gelernt hat, unliebsame Positionen elegant zu verpacken, weiss, was er tut.
Camus hat eine Erzählstruktur gebaut, die man wiederholen kann, ohne sie zu kennen. Das ist seine eigentliche Leistung: kein Buchtitel mehr, sondern ein Deutungsmuster, das in unzähligen Varianten zirkuliert – in Telegram-Kanälen und bürgerlichen Newsletters, mit Fackeln und ohne.
Gracia will eine liberale Migrationspolitik. Er hat die Prämisse übernommen, gegen die er zu schreiben vorgibt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Lieber Herr Ryser, mit Floskeln wie «rechtsextreme Verschwörungserzählung» sollten Sie besser zur Woz oder Republik oder zum Tagi, das ist deutlich unter dem Niveau des Infosperber. Fakt ist jedenfalls, es handelt sich beim «Grossen Austausch» schlicht um eine Beobachtung und eine Realität, nicht um eine «Verschwörungserzählung». Wobei linke Parteien (und Medien) in dieser Realität tatsächlich wie so oft eher die «nützlichen und naiven Idioten» sind.
Sehr geehrter Herr Hubacher. Ich denke Sie verstehen etwas falsch. Es liegt nicht bei uns / Ihnen, Empfehlungen abzugeben, wer wo schreiben soll. Sie könnten lediglich Herr Ryser bitten, nicht mehr für den Infosperber zu schreiben, Infosperber bitten, keine Texte von Herrn Ryser zu publizieren (würde nicht dem Niveau von Infosperber entsprechen) oder letztlich Herrn Ryser mit Nichtbeachtung „bestrafen“. Vielleicht genügt es auch, einfach ein Auge zuzudrücken und das „Ungrade“ stehen zu lassen.
Spannende Aussage, die Linken würden Wähler importieren! Ohne hier die Frage zu stellen, wen man in der Schweiz als wirklich ‚Links‘ bezeichnen könnte wage ich zu behaupten, dass es primär die Wirtschaftsverbände sind, die Menschen ins Land holen. Solange wir dem ungebremsten Wachstum huldigen und Firmen und Konzerne ins Land locken, auch mit Steuergeschenken, solange werden Arbeitsplätze generiert, die nicht (nur) durch ‚Einheimische‘ abgedeckt werden können. So soll zB. in Kaiseraugst Aurica Next entstehen, ein Hightech- und Life-Science-Park mit bis zu 3000 Arbeitsplätzen! Wer glaubt, diese Menschen leben bereits in Kaiseraugst und Umgebung, ist ein Träumer, Blender oder ein Ignorant der Tatsache, dass mehr Wirtschaft und Wachstum eben auch mehr Menschen bedeutet, die das erwirtschaften. Nicht eine Deckelung ist die Lösung, sondern die Anreize nicht mehr schaffen, keine neuen Firmen und Arbeitsplätze, zufrieden sein mit dem status quo. Unser Denken hindert uns leider daran.
die zitierten Aussagen von Garcia «moralische Verpflichtung, Gutmensch auf Kosten der Steuerzahler, Hoffnung auf neue Wähler» sind drei einfache Kritikpunkte an der politischen Linken. Die vom Autor hergestellte Verbindung zu Bevölkerungsaustausch-Verschwörungstheorien wirkt auf mich abenteuerlich und tendenziös.
Es gibt in der Schweiz ein Dutzend, meist kostenlos zugestellte Regionalblätter, die sich liberal geben und rechtradikales Gedankengut verbreiten. Dahinter scheint eine Strategie zu stecken. Aber Herr Ryser, „Jean-Luc Mélenchon von La France Insoumise () mit seinem Anti-Israel-Kurs“. Würden sie einen Pro-Israel-Kurs vorziehen, wie ihn der Rest des politischen Frankreich fährt?
Ja, was ist so falsch daran? Wollt Ihr wirklich Ghettos in der Schweiz! Sollen sie uns alle doch Rosinenpicker nennen, Nein wir sind es trotzdem nicht! Die Milliarden die in die Eu schon geflossen sind, eigentlich mordernes Gansterum was die betreiben. Wir sind so dumm und machen mit, so sieht es aus.
der Nebensatz am Schluss ihres Beitrags lässt mir keine Ruhe.. «mit Fackeln oder ohne» … ich verstehe nicht recht, soll das etwa eine Anspielung auf den Ku Klux Clan sein? ich hoffe doch nicht, sonst hätten sie in meinen Augen den Bogen wirklich überspannt.
Austausch bedeutet, dass die einheimische Bevölkerung dann in die Herkunftsländer der Flüchtlinge ausgesiedelt wird – das findet natürlich nicht statt. Deswegen ist der Begriff «Austausch» falsch. Fakt ist aber, dass Sozialdemokraten und Grüne in ihrer Unfähigkeit, die Probleme der autochthonen Bevölkerung ernst zu nehmen, sich bei Muslimen anbiedern, zu «Happy Ramadan»-Claqueuren werden und dubiose islamische Vereine als Partner aufwerten. Man erfindet den «antimuslimischen Rassismus» um Islamkritik mundtot zu machen. Natürlich sucht man sich hier neue Wähler, nachdem der Prolet mittlerweile rechts wählt. Den Rest erledigt die Demographie: in den Großstädten ist die Mehrheit der Schüler migrantisch, muslimisch und oft ohne ausreichende Deutschkenntnisse. Was das für unser freiheitlich-demokratisches säkuläres Gemeinwesen auf humanistischer Grundlage bedeutet, kann sich jeder – ob Rechts, Mitte oder Links – selber ausmalen.
Ich staune schon, wie gut dieser Herr Gracia die Linken durchschaut hat. Es ist aber längstens bekannt, dass es Linke gibt, die nun das alte «revolutionäre Subjekt» Proletariat – nachdem dieses keine Lust hatte auf Klassenkampf – durch das neue «revolutionäre Subjekt» Migranten ersetzen wollen. Und man kann Herrn Ryser die Frage stellen: Wie immigrationsgeil wären Sie noch, wenn Sie wüssten, dass alle Migranten, wenn sie einmal eingebürgert sind, SVP wählten? An dieser linken Strategie ist ja auch nichts ehrenrührig, aber man soll bitte dazu stehen. Genauso wie man aufören soll, die Bürger anzulügen über die Tatsache, dass man die Personenfreizügigkeit auch will, weil so die Chance besteht, dass aus der Schweiz eine Stadt wird, in der die Linken sich eine Mehrheit erhoffen können.
Übrigens bin ich sehr froh, dass Herr Ryser hier schreibt. So weiss man immer Bescheid über den neusten linken Unsinn und kann sich TA, WOZ und Republik sparen.