Kommentar
Zürcher Herzklinik-Skandal: Behandlungsresultate nicht erfasst
Anders als etwa in den Niederlanden, in Grossbritannien oder vielen US-Bundesstaaten wurden die Resultate gängiger Operationen in der Schweiz lange nicht systematisch erfasst: Keine standardisierten Befragungen der Operierten, kein Nachfassen, keine vergleichbare Statistik darüber, wie häufig es in Spitälern zu Komplikationen kommt. Unterdessen gibt es einige Fortschritte.
Der Zürcher FDP-Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger hatte es bei der kantonalen Spitalplanung im Jahr 2012 ausdrücklich abgelehnt, die Behandlungsresultate der Herzchirurgie zu erfassen (Outcome-Qualität). Seine Begründung: Bei anderen Operationen könne man die Resultate auch nicht erfassen, so dass die Herzchirurgie «ein Ausreisser» wäre.
Heiniger war von 2007 bis April 2019 Gesundheitsdirektor. Chirurg Francesco Maisano operierte am Zürcher Universitätsspital von 2016 bis 2019 und war dort Leiter der Herzchirurgie.
Das Universitätsspital und die Gesundheitsdirektion konnten bis vor kurzem abstreiten, dass es zu Behandlungsfehlern mit Todesfällen kam. Das wäre kaum möglich gewesen, wenn die Behandlungsresultate nach den Austritten aus dem Spital systematisch erfasst worden wären.
Im Jahr 2021 kam das Anwaltsbüro Umbricht Rechtsanwälte in einem Auftragsgutachten des Universitätsspitals zum Schluss, bei Maisano habe es zwar Interessenkonflikte gegeben. Doch von Schäden an Patienten hat Autor Rechtsanwalt Markus Rüssli das Spital offensichtlich entlastet. Allerdings hat das Universitätsspital seinen Bericht nie veröffentlicht.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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