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Wenn Sie älter aussehen als sie sich fühlen, könnte das an Umweltchemikalien liegen. © Depositphotos/Bild mit KI produziert

PFAS lassen Männer schneller altern

Daniela Gschweng /  Die biologische Uhr läuft bei Männern mittleren Alters durch bestimmte Ewigkeitschemikalien offenbar schneller.

Bestimmte PFAS könnten den Alterungsprozess bei Männern mittleren Alters beschleunigen. Das legt eine Studie der Universität Shanghai nahe, die im Februar in der Zeitschrift «Frontiers in Aging» publiziert wurde.

Dabei untersuchten die Forschenden das Blut von mehr als 300 Probanden auf elf verschiedene PFAS. Zusätzlich analysierten sie deren DNA mit verschiedenen Methoden auf epigenetische Marker, um ihr biologisches Alter zu bestimmen. Epigenetik beschäftigt sich unter anderem mit Alterung. Mehr dazu im Infokasten.

Effekt zeigte sich nur bei Männern

Das Probenmaterial von 326 Personen über 50 Jahren stellt eine Zufallsauswahl dar. Es stammt aus einer Datenbank der US-amerikanischen Gesundheits- und Ernährungsstudie NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) und wurde den Jahren 1999 und 2000 gespendet.

Folglich keine Überraschung: Im Blut quasi aller Probanden fanden sich PFAS. Eine statistisch bedeutsame Übereinstimmung zwischen einem höheren biologischen Alter und hohen PFAS-Mengen ergab sich vor allem bei Männern zwischen 50 und 64 Jahren sowie den PFAS Perfluornonansäure (PFNA) und Perfluoroktansulfonamid (PFOSA). Bei Frauen der gleichen Altersgruppe und bei anderen PFAS zeigten sich nur geringe statistische Effekte.

Zwei bereits verbotene PFAS

PFNA und PFOSA (oder FOSA) gehören zu den eher seltenen PFAS. Beide Chemikalien stehen im Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe (Pop Convention). PFNA gilt als «besonders besorgniserregend», ist fortpflanzungsschädigend und in der EU seit 2021 verboten, in der Schweiz seit 2022. PFOSA ist als Derivat der häufigen und giftigen Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) seit 2006 (EU) beziehungsweise 2022 (Schweiz) nicht mehr erlaubt.

Rückstände der beiden Chemikalien finden sich jedoch regelmässig in Blut- und Lebensmittelproben. Beide gehören mit einer Kettenlänge von C9 und C8 zu den langkettigen PFAS, die lange im Körper verbleiben, bevor sie ausgeschieden werden (Infosperber: «So lange bleiben die ewigen Chemikalien im Körper»).

Leben Männer ungesünder?

«Die Lebensmitte ist eine sensible biologische Phase, in der der Körper anfälliger für altersbedingte Stressfaktoren wird, was erklären könnte, warum diese Gruppe stärker auf chemische Belastungen reagiert», erklärt Ya-Qian Xum von der Medizinischen Fakultät der Shanghai Jiao Tong University, ein Co-Autor der Studie. Er vermutet zudem, dass Männer dieser Altersgruppe ungesünder leben als ihre Altersgenossinnen.

Der Unterschied sei nicht neu, sagte Jane Muncke von der Zürcher Organisation Food Packaging Forum gegenüber CNN. Hormonwirksame Stoffe zeigten bei den Geschlechtern unterschiedliche Wirkungen. PFAS können bei Männern den Testosteronspiegel senken, was verschiedene Auswirkungen hat. Frauen wiederum können PFAS durch Schwangerschaft, Stillen und Menstruation eher aus dem Körper ausscheiden. Nach der Menopause gleicht sich die Wirkung bei den Geschlechtern wieder an.

Eine echte Kausalbeziehung zeigt die Studie nicht

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Vorhandensein von zwei bestimmten PFAS mit beschleunigter biologischer Alterung bei Männern mittleren Alters einhergeht. Wie diese Übereinstimmung zustande kommt, zeigen die Forschenden nicht. «Unsere Studie zeigt Zusammenhänge auf, liefert aber keinen Beweis für einen Kausalzusammenhang», sagt auch Erstautor Xiangwei Li gegenüber CNN. Wenn es um die Wirkung von Umweltchemikalien geht, ist das allerdings nicht aussergewöhnlich.

Es sei wichtig, «nicht in Panik zu geraten», sagt Li weiter. PFAS seien weit verbreitet. Konsumentinnen und Konsumenten könnten vorsichtig sein, etwa indem sie ihren Fast-Food-Konsum einschränkten oder Wasserfilter verwendeten. Vollständig vermeiden lasse sich der Kontakt mit PFAS jedoch nicht. Er warnt aber vor neuen und noch ungeprüften PFAS, die auf den Markt kommen. Solche Substanzen könnten ebenfalls riskant sein.

Der American Chemistry Council, eine Branchenorganisation der Chemikalienhersteller, bezeichnete die Studie laut CNN als «explorativ», «interessant» und als «Puzzlestück», das keine Ursache-Wirkung-Beziehung aufzeige. Sie basiere auf einer kleinen Stichprobe älterer Erwachsener und auf Daten, die bereits vor 20 Jahren erhoben worden seien. Ein Beweis dafür, dass PFAS Alterungsprozesse beschleunigen könnten, sei die Studie nicht.

Worum geht’s nochmal genau?

Epigenetik und Alterung

Was genau haben die Forschenden in der Studie nun untersucht? Was sind epigenetische Marker, was haben sie mit Alterung zu tun und wie kann man biologisches Alter messen?

Epigenetik hat viel mit der Erbinformation zu tun – der DNA. Welche DNA ein Mensch trägt, ist individuell und steht bereits vor der Geburt fest. Die DNA als Bau- und Funktionsanleitung des menschlichen Körpers liegt im Zellkern jeder Körperzelle vor. Teile davon werden fortlaufend abgelesen und anschliessend in Körpermoleküle übersetzt. Welche Gene wie oft abgelesen werden, hängt davon ab, was die jeweilige Zelle gerade benötigt.

Wenn wir altern, geschehen mit der Zeit mehrere Dinge. Unter anderem

  • kommt es zu Mutationen, zum Beispiel durch Fehler bei der Zellteilung oder durch Umwelteinflüsse. In einer Zelle und ihren Nachkommen verändert sich die genetische Information beziehungsweise der genetische Code. So kann beispielsweise Krebs entstehen. Positiv betrachtet ermöglichen Mutationen aber auch die Anpassung einer Art an ihre Umwelt. Erfolgt die Veränderung an einer unwichtigen Stelle, geschieht unter Umständen gar nichts.
  • kommt es zu epigenetischen Veränderungen. Diese entstehen etwa durch die Art, wie die DNA im Zellkern verpackt oder, besser gesagt, zusammengeknüllt ist: dicht oder locker. Dadurch sinkt oder steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gen abgelesen wird. Wie oft ein Gen abgelesen wird, wird von der DNA registriert – in Form von Methylierungen, kleinen molekularen Anhängseln. Der Zustand dieser Markierungen wird bei der Zellteilung weitergegeben. Man kann sich das wie Lesezeichen in einem E-Book vorstellen, die bei der Zellteilung mitkopiert werden. Das Buch selbst verändert sich dadurch nicht. Epigenetische Merkmale werden nicht vererbt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass sie innerhalb von Familien ähnlich ausgeprägt sein können.

Eine hohe oder niedrige Aktivität bestimmter Gene kann unterschiedliche Auswirkungen haben. So kann etwa ein Gen, das häufig abgelesen wird, ungesunde Prozesse im Körper verhindern, aber auch Krebs fördern – abhängig von der darauf enthaltenen Information. Epigenetische Veränderungen entstehen ebenfalls durch Umwelteinflüsse – von Lebensgewohnheiten über Traumata und Entzündungen bis hin zu Luftverschmutzung.

Es gibt verschiedene Methoden, das Methylierungsmuster bestimmter Gene auszulesen und daraus das biologische Alter zu berechnen. Zwölf davon wandten die Forschenden in der vorliegenden Studie an. Die Häufigkeit und Position, an der bestimmte Genabschnitte abgelesen werden, markieren den biologischen Alterungszustand des Körpers.

Als Begründer dieser Alterungswissenschaft gilt der deutsch-amerikanische Wissenschaftler Steve Horvath, der die erste «epigenetische Uhr» entwickelte. Der Humangenetiker und Statistiker der University of California leitet mittlerweile ein Unternehmen, das Anti-Aging-Medikamente entwickelt.

Die Epigenetik wurde zu einem wichtigen Wissenschaftszweig, weil sich mit ihr Alterungsprozesse messen und erklären lassen. Die kommerzielle Forschung sucht nach Massnahmen oder Medikamenten, um die biologische Alterung abzubremsen oder gar rückgängig zu machen. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich DNA-Methylierungen auch gezielt beeinflussen lassen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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Zum Infosperber-Dossier:

PFAS.Dossier.M&P

PFAS-Chemikalien verursachen Krebs und können Erbgut schaden

Die «ewigen Chemikalien» PFAS bauen sich in der Natur so gut wie gar nicht ab. Fast alle Menschen haben PFAS bereits im Blut.

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3 Meinungen

  • am 14.05.2026 um 23:36 Uhr
    Permalink

    Männer und Frauen sehen heute durch die Bank viele Jahre jünger aus als ihre Eltern und Großeltern im gleichen Alter. Die Lebenserwartung ist explodiert. In meinem Betrieb gehen kerngesunde, geistig topfite, gutaussehende Mittsechziger ohne Wehwehchen in die Rente; viele können und wollen noch länger arbeiten. Früher galt ein 85jähriger als Methusalem – heute sind diese Leute im Wohnmobilen unterwegs und wandern auf Bergen herum. Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine, beide 82, beide mit wesentlich jüngeren Frauen verheiratet, sind nach wie vor aktiv. Kissinger meldete sich noch als über 90jähriger zu Wort.

  • am 15.05.2026 um 13:12 Uhr
    Permalink

    Eine Studie mehr zu PFAS, welche lediglich einen Zusammenhang feststellt. Warum werden solche Studien in den Medien überhaupt erwähnt?
    Der EU Grenzwert für PFAS im Blut, welcher als gesundheitlich unbedenklich gilt, liegt bei 6.9 Mikrogramm pro Liter. Das entspricht etwa einem Tropfen Tinte auf ein olympisches Schwimmbecken.

    Wenn man dann noch bedenkt, dass PFAS chemisch äusserst Stabil sind, dann spielt es vermutlich keine Rolle, ob man etwas mehr oder weniger davon im Blut hat. Immerhin hat der Fischer mit dem 77-fachen PFAS im Blut das Pensionierungsalter erreicht. Dies ist allerdings auch kein Beweis, dass PFAS nicht schaden.
    Mich als Raucher interessieren die PFAS übrigens nicht. Immerhin lebe ich noch, obwohl mir auf den Packungen gesagt wird «Rauchen tötet».
    Die Menge macht das Gift.

    In dem Sinne allen gute Gesundheit und hört auf euren gesunden Menschenverstand und hinterfragt Studien, welche lediglich eine Korrelation feststellen.

  • am 15.05.2026 um 13:27 Uhr
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    Paul Schön zitiert ein paar glückliche Exponenten der Oberklasse. Das ist keine Statistik, die er anwendet, sondern seine selektive Wahrnehmung. Wie viele «in seinem Betrieb» vor der Rente mit Beschwerden – oder gar frühzeitig aus dem Hier und Jetzt abberufen – verschwunden sind, weiss er nicht.
    Die Daten der Studie, von denen geredet wird, stammen aus der Jahrhundertwende. Dass seither die Lebenserwartung explodiert sei, stimmt mit Bestimmtheit nicht, das kann jeder bei statista de nachschlagen. Wir stecken in einer Stagnationsphase diesbezüglich.
    Was von den Forschenden dargestellt wird, ist eine interessante Argumentation, die zeigt, wie viel in unserem Kulturkreis zusammen auf unsere Gesundheit einwirkt. Sind mögliche geschlechtsspezifische Reaktionsmuster auf die (erst heute erkannten) Noxen.
    Es ist sicher zu früh, hier – und erst noch mit dem Verweis auf Kissinger! – Entwarnung zu geben.

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